Obwohl wir bereits im großen AMD-Prozessor-Round-Up [1] fast alle relevanten Aspekte zu den neuen AMD-Phenom-CPUs im B3-Stepping inklusive der höheren Taktraten klären konnten, blieben dennoch einige Punkte ungeklärt. Anhand eines neuen AMD Phenom X4 9850 Black Edition (B3), dem Nachfolger des Phenom 9600 BE, wollen wir diese heute noch einmal angehen. Der Verweis geht nichtsdestotrotz vorab an den 12.500 Wörter fassenden Artikel „Elf Prozessoren von Athlon bis Phenom“ [2], der alle Grundlagen sowie die gegenwärtigen und auch die beiden kommenden Prozessoren beinhaltet.
AMD Phenom X4 9850 Black Edition
Wir werden uns zur besseren Veranschaulichung und Vorbereitung auf diesen Artikel aber noch einmal dem Unterschied zwischen B2 und B3-Stepping widmen. Auch der Leistungsaufnahme und dem Overclocking werden wir viel Aufmerksam zuteil werden lassen. Zu guter Letzt klären wir die wohl wichtigste Frage: Kann man zum bereits sehr niedrigen Preis des AMD Phenom X4 9850 BE beim Kauf etwas falsch machen?
Da wir dieses Mal keine theoretischen Abhandlungen verfassen wollen, sondern uns auf das Wesentliche beschränken, belassen wir es bei den Auffälligkeiten. Gleich nach dem ersten Start begrüßt uns unser Testsystem mit demselben Fehler, der uns bereits bei den anderen beiden Phenom-Prozessoren begegnet war [3]: der Prozessor läuft unter Windows nur mit einem Kern! Dieses äußerst skurrile Phänomen tritt sporadisch und bereits zum wiederholten Male auf. Vollkommen zufällig wird der Phenom manchmal nur mit drei, mal mit zwei, aber auch das eine oder andere Mal nur mit einem Kern zum Arbeiten bewegt. Die Schuld kann nach dem Test mit dem dritten Phenom-Prozessor nun jedoch wohl eindeutig dem Mainboard zugeschrieben werden. Ein BIOS-Update brachte allerdings keinerlei Abhilfe, so dass wir die ursprüngliche Revision zum besseren Vergleich der Benchmarks untereinander wiederhergestellt haben.
AMD Phenom X4 9850 Black Edition
Mit dem B3-Stepping des neuen Prozessor entfällt jener Punkt im BIOS, der das Abschalten des TLB-Fix erlaubte [2]. Die Spannung wird im BIOS mit den 1,25 Volt der bisherigen AMD Phenom angezeigt, jedoch spricht jedes Programm in Windows der neuen CPU 1,30 Volt zu. Dies dürfte allerdings an dem nicht aktualisierten BIOS liegen, das zum Testzeitpunkt vorlag. AMDs CPU-Compare-Homepage [4] spricht allen Prozessoren ab dem Phenom X4 9750 jene Spannungserhöhung auf bis zu 1,3 Volt zu.
In der Kategorie Leistungsaufnahme werden wir auf den Vergleich zum Vorgänger auch bei identischer Spannung eingehen und klären, ob ein B3-Stepping stromsparender oder stromhungriger ist.
Microsoft Windows Vista Ultimate 32-Bit, Build 6000
Microsoft DirectX 9.0c August 2007
Microsoft Direct3D 10
Erläuterungen
Um einen möglichst fairen und realitätsnahen Vergleich zwischen den Kontrahenten zu ermöglichen, werden sämtliche Tests in einem geschlossenen Midi-Tower mit werksseitiger Lüfterbestückung (ein rückseitig angebrachter, absaugender Lüfter und ein beim Festplattenkäfig in Front einsaugender) durchgeführt, um so auch auf thermische Probleme bei den Boliden aufmerksam zu werden. Zum Einsatz kommt ein „Cooler Master Stacker RC-832“, der uns von Caseking [11] zur Verfügung gestellt wurde. Das Gehäuse erlaubt den Einsatz von bis zu neun 120-mm-Lüftern, von denen die beiden verwendeten Lüfter zum Lieferumfang gehören.
Coolermaster Stacker RC-832 OCZ DDR2-1066 Gigabyte MA790FX-DQ6 (790FX) ATi Radeon HD 2900 XT
Alle weiteren Einstellungen und Probanden, sowie Details zu den Komponenten im Testsystem sind in unseren bisherigen Artikeln, insbesondere aber im großen letzten Test [12] zu finden.
Benchmarks
Alle getätigten Benchmarks wurden unter Windows Vista in einer Auflösung von 1280 x 1024 Bildpunkten durchgeführt. Vor allem bei Spielen kann es jedoch zu leichten Abweichungen in den Auflösungen und Grafikeinstellungen kommen. Wie genau diese aussehen, wird an Ort und Stelle im Text erwähnt.
Viele der von uns ausgewählten Programme sind frei verfügbar, so dass man die Tests am heimischen PC nachvollziehen kann. Anbei die genauen Versionsnummern bzw. Programmvarianten, die wir für den Test ausgewählt haben.
Egal ob es um Mainboard, Speicher, Festplatte, Peripherie, Steckkarten, Prozessor, Netzwerk, Schnittstellen BIOS, Windows oder DirectX geht, SiSoft Sandra hat umfangreiche Antworten parat. Für einen Großteil der Hardware im PC gibt es zudem Benchmark-Tests, mit denen sich der PC auf seine Performance im Vergleich zu einigen Referenz-Rechnern testen lässt. All diese Werte sind jedoch fast ausschließlich rein theoretischer Natur und haben wenig Bezug zur Praxis, jedoch lassen sich Prozessoren in ihren theoretischen Möglichkeiten gut vergleichen.
Während fast alle Tests wie erwartet mit der Taktfrequenz skalieren, schlägt der Speichertest ein wenig aus. Das 2,6 GHz schnelle Modell 9950 kann sich nicht vom Phenom 9750 absetzen, obwohl ihm 200 MHz mehr zur Verfügung stehen. Auch im folgenden Test von Sciencemark ist dieses Phänomen zu beobachten. Ob hier ein limitierender Faktor eine Rolle spielt, war leider nicht zu ermitteln. Trotzdem lehrt dieser letzte Test Intel das Fürchten: Der integrierte Speichercontroller von AMD stellt sein Können unter Beweis.
Super PI
Super Pi ist eine recht simple und vor allem kleine Software, mit der PI auf mehrere Millionen Stellen nach dem Komma berechnet wird. Die dafür benötigte Zeit wird gemessen und kann für Leistungsvergleiche von Prozessoren verwendet werden. Wir testen mit einer modifizierten Version 1.5 XS den Standard-Test „1M“, welches auch in unserem Forum von vielen Lesern praktiziert wird [14].
Traditionell ist SuperPI eine Intel-Domäne, welche auch die schnellsten AMD-Prozessoren hier nicht brechen können.
Sciencemark
In einem weiteren Test der Bandbreite muss sich der Arbeitsspeicher, das dazugehörige Mainboard und der Prozessor dem Tool Sciencemark 2.0 stellen. Dieses ermittelt nicht nur die Bandbreite, sondern auch die Latenz des Arbeitsspeichers. Weiterhin kann der Cache des Prozessors einer Überprüfung unterzogen werden.
Das Bild der Speicherbegutachtung runden wir mit dem Programm Everest in Version 4.20 ab. Dieses Tool verfügt über einige integrierte Benchmark-Funktionen und Tools, die den Rechner komplett auslasten und auf Fehler überprüfen.
Die PCMark-Suite bietet dem Benutzer seit dem Juni 2005 eine ausführliche Übersicht über die Leistungsfähigkeit der im PC verbauten Komponenten wie Prozessor, Speicher, Grafikkarte und Festplatte. Dazu werden verschiedene Einzeltest durchgeführt, deren Einzelergebnisse zum Schluss als Gesamtwert aufgerechnet werden. Einige Tests sind dabei immer noch hochaktuell, gerade wenn es um synchrone Arbeiten geht. Deshalb findet sich auch in unserem neuen Benchmarkparcours der vermeintlich angestaubte PCMark05 wieder.
Etwas über zwei Jahre nach der Vorstellung des PCMark05, dem Futuremark-Benchmark zur Beurteilung der Leistung eines Rechners in verschiedensten Anwendungsszenarien, stellte der finnische Hersteller den PCMark07, „PCMark Vantage“ genannt, vor. Einmal mehr sollen Privatanwender und Firmen anhand eines kompakten Programms in der Lage sein, die Leistung eines Rechners auf Grundlage einer breiten Basis an Tests möglichst objektiv bewerten zu können. Alle Details zu dem neuen Benchmark stellt unser Artikel zu PCMark Vantage [18] bereit. Die größte Hürde in den Systemanforderungen des PCMark Vantage ist das Betriebssystem, denn die Benchmarkversion des Jahres 2007 verrichtet nur noch
mit Windows Vista ihren Dienst – ein Grund mehr, unser neues Testsystem mit Windows Vista einer gründlichen Prüfung zu unterziehen.
Die Datenkompressionssoftware 7-Zip hat in den vergangenen Jahren stark an Popularität gewonnen. Hierzu trug nicht nur die im Vergleich zu anderen Packern bessere Kompressionsrate bei ZIP und GZIP oder dem hauseigenen Format 7z bei. Im Vergleich zur Konkurrenz ist die Software kostenlos und werbefrei und steht darüber hinaus in einer 64-Bit-Version zur Verfügung. Wir testen mit der seit bereits Mai 2006 aktuellen finalen Version 4.42. Es wird der Ordner von Anno 1701 in höchster Qualitätsstufe komprimiert.
Obwohl 7-Zip kostenlos und in Sachen Kompressionsrate vielen Konkurrenten überlegen ist, kommt die Software in Sachen Verbreitung bei Weitem nicht an WinRAR heran, das in Form von RAR seit DOS und Windows 3.1 verfügbar ist. Mittlerweile ist WinRAR zwar in der Lage neben rar auch andere Formate wie beispielsweise 7z zu entpacken, zum Komprimieren stehen allerdings nur RAR und ZIP zur Verfügung. Seit WinRAR 3.60 [21] bietet nun auch der beliebte Packer Multi-Core-Support. Anzumerken ist dem Programm, dass mit jeder neuen Version und schnelleren Prozessoren alles ein klein wenig schneller und besser komprimiert wird, so dass der Vorsprung von 7-Zip deutlich geringer geworden ist. Das Programm muss (wie 7-Zip) den Programmordner von Anno 1701 bei maximalen Qualitätseinstellungen in das Format .rar komprimieren.
Mit den beiden Packern WinRAR und 7-Zip wird das Dilemma des TLB-Bugs noch einmal richtig deutlich. Die ersten Quad-Core-CPUs fallen im B2-Stepping sogar hinter die kleinsten Dual-Core-Prozessoren zurück.
Cinema4D
Das populäre, aus Deutschland stammende Maxon Cinema4D ist in unserem Benchmarkparcours in Form von Cinebench 2003 und deren Nachfolger Cinebench R10 vertreten. Die Software nutzt zum Raytracing bis zu 16 Prozessoren und profitiert damit von allen derzeit am Markt erhältlichen Desktop-Prozessoren von AMD oder Intel. In unserem Test präsentieren wir sowohl die altbekannte Variante von Cinebench 2003, als auch die Mitte 2007 veröffentlichte Version Cinebench R10. Wie üblich zeigen die Diagramme einerseits den Test mit nur einem Prozessorkern, zum anderen auch den Multi-Core-Test.
NewTek Lightwave 3D [24] kann auf eine lange Geschichte zurückblicken und wurde unter anderem für Spezialeffekte bei Kinofilmen wie Jurassic Park, Titanic, X-Men, Spiderman oder Star Wars: Angriff der Klonkrieger eingesetzt. Auch bei TV-Serien wie Stargate SG-1 wird auf die Fähigkeiten der Raytracing-Software zurückgegriffen. Die offizielle Liste an Filmen [25] ist eindrucksvoller und vor allem länger. Auch bei Computerspielen [26] wie Quake 4 oder Serious Sam 2 führte kein Weg an Lightwave vorbei.
Auch wenn sich mit der Blu-ray Disc (BD) und High Density-DVD (HD-DVD) bereits die Nachfolger der DVD für den Startschuss rüsten, wird die marktbeherrschende Stellung der DVD auf absehbare Zeit nicht gebrochen werden. Dafür wird nicht zuletzt die breite Basis an installierten DVD-Playern und -Recodern sowie der zum Start hohe Preis der Neulinge sorgen.
Die DVD ist und bleibt damit vorerst das Medium der ersten Wahl, insbesondere wenn es um die Veröffentlichung neuer Filme geht. Ebenso bedeutend ist damit die Duplizierung (nicht kopiergeschützter) Medien zur Datensicherung. Da Filme üblicherweise auf einer DVD-9 (zweilagig) mit einer Kapazität von 8,5 GB ausgeliefert werden, müssen diese neu codiert werden, damit sie auf einer handelsüblichen DVD-5 mit 4,7 GB Fassungsvermögen passen. Damit dies gelingt, wird die Qualität des als MPEG2 vorliegenden Videos entsprechend reduziert. Software zum Verkleinern einer DVD-Video profitiert im Allgemeinen von mehreren Prozessorkernen.
In unserem Test wird mit Hilfe von Nero Recode der Hauptfilm einer DVD neu berechnet. Als Tonspuren werden dabei Deutsch 5.1 und Englisch 5.1 unverändert übernommen. Das Ergebnis ist eine regulär im DVD-Player spielbare Version mit Menü. Die konkreten Programmparameter setzt Nero automatisch. Für Nero Recode haben wir uns entschieden, da die Anwendung von Prozessoren mit mehr als einem Kern profitiert und Teil der weit verbreiteten und aktuellen „Nero 8“-Suite ist.
Dies könnte fast die Paradedisziplin der neuen Prozessoren von AMD werden. Durchweg sehr gute Leistungen lassen selbst die schnellsten Intel-Prozessoren blass aussehen. Positiv stehen aber auch die älteren AMD-Prozessoren gegenüber den Core 2 Duo da.
DivX 6.7
Seit DivX 6.1 (Codename Helium) [27] unterstützt der für Videos sehr beliebte MPEG-4/ASP-Codec auch Dual-Core-Prozessoren und erreicht je nach Konfiguration eine Steigerung der Encoding-Rate um mehr als 150 Prozent. Die Leistungsunterschiede sind dabei umso stärker ausgeprägt, je höher die gewählte Qualitätsstufe ist. Bei früheren Prozessortests wurde DV- und MPEG2-Videomaterial mit unterschiedlichen Qualitätseinstellungen nach DivX 6.1 encodiert. Tendenziell waren auch hier die Ergebnisse gleich. Die bei DV gewählten, niedrigen Qualitätseinstellungen für Audio- und Video-Encoding ließen Single-Core-Prozessoren ein wenig besser abschneiden. Aufgrund des größeren Praxisbezugs werden fortan nur noch die Ergebnisse des MPEG2-Encodings veröffentlicht.
Zum neuerlichen Einsatz kommt DivX 6.7, der experimentelle Unterstützung für die SSE4-Befehlssätze beinhaltet. Intel hat gerade durch diese Instruktionen im Zusammenspiel mit DivX einen großen Performanceschub für Anwender versprochen, der in Ansätzen bereits erkennbar ist. An der Stelle hängt jedoch viel von der Art der Betrachtung ab. Intel hat in einem kleinen Guide die „optimalen“ Einstellungen für ein möglichst gutes Ergebnis geliefert, jedoch haben diese, dank Einstellungen wie „no sound“ wenig Bezug zur Realität. Deshalb verwenden wir unser angestammtes Video und behalten die bisherigen Einstellungen bei. Mit dem neuen Prozessor testen wir deshalb einmal in der herkömmlichen SSE2-Optimierung, wie sie derzeit jede CPU unterstützt, als auch in der neuen aber noch experimentellen SSE4-Variante. Um das Abschlussrating nicht zu verfälschen wird jeweils das schnellste Ergebnis eines Prozessors in das Diagramm aufgenommen, bei den SSE4-CPUs als Hinweis jedoch auch das SSE2-Ergebnis dargelegt.
Die erstmals beim AMD Phenom eingeführte Variante SSE4.1A, die sich von Intels SSE4 unterscheidet und nicht kompatibel ist, wird aktuell noch nicht unterstützt. Deshalb kann dieser nur im SSE2-Modus getestet werden.
Das Zielformat für alle Hobbyfilmer ist (zumindest vorerst) nach wie vor die DVD und damit ein Film im MPEG2-Standard. Das Videomaterial selbst liegt dabei üblicherweise als Digital Video (DV) vor. Für den Test haben wir auf TMPGEnc 4.0 XPress 4.3.1.222 vertraut und ein 20 Minuten langes und unbearbeitetes Video mit einer Größe von knapp vier Gigabyte in ein 1,3 Gigabyte MPEG2-File umgewandelt.
Soll es einmal schnell gehen, greift der eine oder andere vielleicht doch auf den mit Windows XP (x64) ausgelieferten bzw. separat als Update verfügbaren Windows Movie Maker in der Version 2.0 zurück. Aufgrund der wahrscheinlich gar nicht so geringen User-Basis wurde dieser Benchmark in den Parcours aufgenommen. Das zuvor bereits mehrfach genutzte DV-Material wird mit der 1,7 Mbps Bitrate nach WMV konvertiert.
Das 1985 entwickelte Audiokompressionsverfahren MP3 ist das heute vorherrschende Format für Musik. Es wird von einer breiten Palette an Endgeräten unterstützt und bietet in der letzten Weiterentwicklung sogar Support für 5.1 Mehrkanal-Audio [28]. Das Spektrum an Encodern für MP3 ist mannigfaltig. Für unseren Test haben wir uns zwei Vertreter herausgegriffen.
Besonders populär ist die kostenlose Software Lame [29], die von verschiedenen Programmen eingesetzt wird. Wir testen mit Beta 2 von Lame 3.97. Hierbei handelt es sich um eine 32-Bit-Applikation, die Performance auf Niveau der letzten finalen Version 3.96.1 liefert und keinen Gebrauch von mehreren Prozessorkernen macht. Somit profitieren Dual-Core-Prozessoren nur dann, wenn mehrere Dateien parallel umgewandelt werden. Neben dieser Version existiert eine Machbarkeitsstudie [30] (Dokumentation [31]), die zeigt, dass Lame in begrenztem Maße für Multi-Prozessor-Systeme optimiert werden kann. Von dieser experimentellen Alpha-Version stehen Versionen mit Intel- und Microsoft-Compiler für Windows x32 und x64 zur Verfügung. Aufgrund der miserablen Performance der Microsoft-Variante testen wir die Version mit Intel-Compiler.
Mit iTunes wiederholen wir das Prozedere. Es wird die gleiche Musikdatei einmal in das Format .mp3 umgewandelt, danach in AAC. In den Einstellungen wurden dabei darauf geachtet, dass auch die Qualitätseinstellungen von 192 kbit/s beibehalten wurden.
Einer der ältesten Benchmarks ist 3DMark03. Dennoch erfreut er sich, gerade bei Leuten, die diesen Test vor Jahren schon einmal mit einer nicht so guten Grafikkarte gemacht haben, großer Beliebtheit. Auch bei Overclockern wird der Test immer noch dargeboten, was zu skurrilen Werten im hohen 5-stelligen Bereich führen kann. Wir haben diesen Benchmark der Vollständigkeit halber mit aufgenommen.
Der 3DMark05 liegt technisch nach wie vor auf sehr hohem Niveau. So kommen große Texturen mit der Auflösung 2048x2048, gemischt mit der Benutzung des Shader-Model 3.0, 2.x oder 2.0, zum Einsatz. Das letztes Jahr erschienene Programm setzt auf komplexe Lichteffekte, dynamische Schatten, aufwendige Bump-Mapping-Effekte und benötigt vor allem eine hohe Geometrieleistung. Im Ergebnis spiegelt sich allerdings nur die Geschwindigkeit der Grafikkarte wieder, da diese selbst bei aktueller Hardware immer den Flaschenhals darstellt. Der wohl größte Nachteil beim 3DMark05 sind die weitläufigen Treiberoptimierungen aller aktuellen Grafikkartenhersteller. Diese gehen soweit, dass sich die Endergebnisse je nach Treiber im zweistelligen Prozentbereich verändern, somit können qualitätsmindernde Optimierungen nicht ausgeschlossen werden. Zudem basiert der synthetische Benchmark auf keinerlei Spiele-Engine, weshalb er keine reale Situation darstellt. Zu unserem Glück spiegelt eine Prozessoränderung ein deutlich verändertes Ergebnis nach sich, so dass wir diesen Benchmark weiterhin präsentieren werden. Weitere Details zu diesem Programm gibt es in einem unserer ausführlichen Artikel [33].
Die allseits bekannte Benchmarkserie von Futuremark hört in der aktuellsten Version auf die Bezeichnung „3DMark06“ Von den sechs Testszenen messen vier Sequenzen die Performance der Grafikkarte und zeigen eine Grafikpracht, die Ihresgleichen sucht. Um jene zu erreichen setzen die Finnen auf moderne 3D-Technologie, weswegen nicht nur massiv das Shader-Model 3.0 verwendet wird, auch extrem aufwendige Texturen, spektakuläre Partikeleffekte, komplexe Schattenberechnungen und als weiteres Highlight „High Dynamic Range Rendering“ – kurz HDRR – werden eingesetzt. Dabei setzt Futuremark auf FP16-HDR, das die derzeit bestmögliche Bildqualität liefert, jedoch auch aufwendig zu berechnen ist. Weitere Details zu diesem Programm gibt es in einem unserer ausführlichen Artikel. [35]
Die Programmierer des Gruselshooters F.E.A.R. scheinen sich Doom 3 als großes Vorbild ausgesucht zu haben, wobei man allerdings fast alles besser zu machen scheint. Unter anderem wird die sehr beklemmende Atmosphäre durch eine Grafikqualität erreicht, die Ihresgleichen sucht. Shadereffekte in Massen, wunderschönes Bump-Mapping, sehr spektakuläre Schattenwürfe, detaillierte Texturen sowie hübsch aussehende Partikeleffekte und noch vieles mehr bekommt der Spieler zu Gesicht, weswegen F.E.A.R. bereits Pflicht für einen guten Benchmark-Parcours geworden ist. Wir verwenden die Multiplayer-Demo, die über eine integrierte Benchmarkfunktion verfügt.
Die bekannte Quake-Reihe von id Software ist jedes Mal ein Highlight für einen „First Person Shooter“-Fan, da die Spiele nicht nur einen hohen Unterhaltungswert bieten, sondern auch mit einer Grafikpracht daherkommen, die des Öfteren die Messlatte ein gutes Stück höher legt. Die aktuelle Version, Quake 4, wurde allerdings von Raven Software programmiert und nutzt eine leicht weiterentwickelte Doom-3-Engine. Somit liegt die Grafik auf einem hohen Niveau, kann aber keine neue Maßstäbe setzen. Nichtsdestotrotz bietet das Spiel mit aufwendigen Charaktertexturen und vielen Schattenspiele einiges fürs Auge. Die ausgesuchte Timedemo zeigt mehrere Feuergefechte sowie spektakuläre Schatten- und Farbspiele. Es wird die letzte aktuelle Variante des Spiels mit dem Patch 1.42 eingesetzt.
Auch wenn normalerweise First-Person-Shooter mit einer erstaunlichen Grafik glänzen können, so hat es sich das deutsche Entwicklerteam des Strategiespieles Anno 1701 nicht nehmen lassen, den Nachfolger der legendären Spiele Anno 1602 sowie Anno 1503 ebenfalls mit einer Grafikengine auszustatten, die sich vor der gesamten Konkurrenz nicht zu verstecken braucht. Das Auge bekommt praktisch alles geboten, was derzeit mit moderner Hardware möglich ist. Detaillierte Texturen, schön anzusehende Landschaften, nette Shadereffekte, wie Beispielsweise die Darstellung des Wassers inklusive der Brechung der Wellen und noch vieles mehr machen Anno 1701 zu einem wahren Augenschmaus. Aus diesem Grund eignet sich das Strategiespiel, als eines der wenigen seiner Art, für die Teilnahme an einem Review, da neben der GPU auch die CPU viel zu berechnen hat.
Egal wohin man schaut, Spiele, bei denen das Szenario im Zeitraum des zweiten Weltkrieges angesiedelt ist, gibt es spätestens nach dem Erfolgshit „Call of Duty“ wohl wie Sand am Meer. Während einige dieser Spiele durchaus zu gefallen wissen, sind andere nur ein regelrechter Abklatsch, um auf der Erfolgswelle mitzuschwimmen. Zu ersterer Gattung gehört zweifellos das Strategiespiel „Company of Heroes“, was sich im Jahre 2006 wohl zu einem kleinen Geheimtipp entwickelt hat. Ein Grund dafür ist eine sehr gute Grafik-Engine, die auch schwerste Geschütze auffährt, damit die Konkurrenztitel das Nachsehen haben. „Operation gelungen!“, ist das einzige, was man bei Company of Heroes diesbezüglich sagen kann. Das Spiel bietet eine Menge fürs Auge und vor allem in den Schlachtszenen passiert es des Öfteren, dass man vergisst, den eigenen Truppen Kommandos zu erteilen, und stattdessen das Spielgeschehen bewundert.
Im ersten Test setzen wir auf die minimale Grafik in einer Auflösung von 800 x 600 Bildpunkten. Diese Einstellung ist traditionell die beste Möglichkeit um Prozessoren ohne größeren Einfluss der Grafikkarte zu testen. In dieser Auflösung lassen sich noch Unterschiede ermitteln, welches in DirectX-10-Spielen, wie im folgenden Benchmark, quasi nicht mehr möglich ist, da dort nur die Grafikkarte bestimmt.
Auf den Patch 1.70 von Company of Heroes haben sicherlich viele Spieler gewartet, denn so bringt die aktuelle Version des Strategietitels nicht nur einige weitere Fehlerbeseitigungen mit sich, sondern führt auch die Unterstützung von Direct3D 10 ein. Die neue API kann man bei einer entsprechenden Grafikkarte im Spielmenü auswählen und schon erscheinen alle Levels in neuem Glanz. Darüber hinaus kann man die Terraindetails nun eine Stufe höher auf „Ultra“ schrauben, was einige Bodendetails hinzufügt und die Texturen sichtbar verbessert. Die Direct3D-10-Version bietet dem Spieler eine pixelgenaue Beleuchtung, Percentage Closer Filtering für die Soft Shadows auf allen D3D10-Beschleunigern, schönere Partikeleffekte sowie Alpha to Coverage für alle Bäume und Sträucher, die somit auch von herkömmlichen MSAA erfasst und bearbeitet werden. Als Benchmarksequenz verwenden wir wie in der Direct3D-9-Version von Company of Heroes den integrierten Benchmark.
Mittlerweile sehen Strategiespiele zwar deutlich besser aus als noch vor einigen Jahren, so recht gelingen will es den Programmen aber nur selten, in die Königsklasse, die meist von First-Person-Shootern besetzt wird, vorzudringen. Den Entwicklern von World in Conflict scheint dies nicht gereicht zu haben und man entwickelte eine Grafikengine, die sich vor keinem anderen Spiel zu verstecken braucht. World in Conflict unterstützt die Direct3D-10-API und hat keine Schwierigkeiten, Kantenglättung unter der neuen Programmierschnittstelle anzuwenden. Schicke Shadereffekte zieren das Spiel (so wirft die Sonne beispielsweise Lichtstrahlen durch die Wolken, die die Umgebung beleuchten), ebenso detaillierte Texturen und eine realistische Schattendarstellung. Die Animationen der Spielcharaktere sind gut gelungen, was in Kombination mit einer kinoreifen Schnittreihenfolge Filmatmosphäre in den Zwischensequenzen aufkommen lässt. Als Testsequenz benutzen wir wie in unseren Grafikkarten-Tests nicht die integrierte Benchmarkfunktion, da diese sich in einigen Situationen etwas seltsam verhält. Stattdessen verwenden wir die Introsequenz zur ersten Mission der Kampagne.
Natürlich darf auch in diesem Test „Crysis“ nicht fehlen. Intels neues Flaggschiff, gepaart mit einer der schnellsten Grafikkarten von AMD. Das Spiel stuft das komplette System als „High“ in die Kategorie „3“ ein – entsprechend sehen die Einstellungen im Spiel aus. Dies ist aber noch noch lange nicht das optimale Setup, dass für die CryEngine 2 benötigt wird. Die für unser System optimalen Settings beherbergen in diesem Fall nur die Auflösung von 1024 x 768 Bildpunkten.
Den Benchmark kann jeder am heimischen PC selber nachvollziehen. Damit diese korrekt unter Windows Vista ausgeführt wird, muss der Crysis.exe das Attribut „Als Administrator ausführen“ gegeben werden. Anschließend funktionieren die unter „C:\Program Files\Electronic Arts\Crytek\Crysis SP Demo\Bin32“ versteckten Benchmark-Batch-Runs Benchmark_CPU.bat und Benchmark_GPU.bat. Bei den Benchmarks werden jeweils die zuletzt im Spiel gewählten Settings genutzt. Darauf muss geachtet werden. Unter „C:\Program Files\Electronic Arts\Crytek\Crysis SP Demo\Game\Config“ kann mit Hilfe von benchmark_cpu.cfg und benchmark_gpu.cfg eingestellt werden, wie häufig die Benchmarks wiederholt werden sollen. Wir zeigen dabei aber nicht die Ergebnisse aus Testläufen in der uns empfohlenen Auflösung von 1024 x 768 Bildpunkten auf, sondern bei identischen Einstellungen in der gängigsten Auflösung von 1280 x 1024 Pixeln. Um die Prozessorleistung möglichst ohne großen Einfluss der Grafikkarte zu ermitteln, testen wir zudem in der Auflösung von 800 x 600 Bildpunkten in den niedrigsten Details.
Zum Abschluss fassen wir die Ergebnisse in unserem Performancerating zusammen. Unterteilt haben wir dabei in vier Gruppen, wie es bereits in den Benchmarks ersichtlich war. Den Anfang machen dabei die theoretischen Tests, zu denen sich auch die Ergebnisse von allen Varianten des PCMark und 3DMark gesellen. Die weiteren Diagramme dürften sich folglich selbst erklären.
Das Gesamtrating setzt sich letzten Endes zu gleichen Teilen aus den einzelnen Ratings Synthetisch, Spiele, Multimedia und Anwendungen zusammen.
Wie üblich möchten wir an dieser Stelle betonen, dass die TDP-Angabe des Herstellers nichts mit der Leistungsaufnahme im Alltag zu tun hat. Anhand der TDP kann ein OEM-Hersteller vielmehr sicherstellen, dass er ein System baut, das die maximal abgegebene Wärmeleistung des Prozessors über das Kühlsystem abführen kann.
AMD Phenom X4 9850 Black Edition mit Cool'n'Quiet
Wie üblich messen wir bei unserem System die Leistungsaufnahme des gesamten PCs. Dazu messen wir mit dem „Voltcraft Energy Check 3000“ die Leistungsaufnahme im BIOS, bei keiner Anwendung (Leerlauf) in Windows und unter Volllast. Um den Rechner unter Volllast auch wirklich komplett auszulasten, bedarf es eines Programms, das sowohl alle Prozessorkerne anspricht, als auch die Grafikkarte vollends fordert. In unserem Fall wird der Quad-Core-Prozessor mit vier Instanzen von Prime 95 beansprucht, während parallel dazu die beiden Grafiktests „Firefly Forest“ & „Canyon Flight“ aus dem 3DMark06 in einer Endlosschleife laufen. Alle Stromsparfunktionen, die ein Prozessor beherrscht (Cool'n'Quiet, Enhanced Intel SpeedStep Technology (EIST)), sind aktiviert.
Zur Überprüfung haben wir den Test unter Windows Vista noch einmal ohne Belastung der Grafikkarte mit Prime 95 durchgeführt. Dafür wurde nach dem Windowsstart lediglich dieses Tool gestartet und mit dem Leistungsmesser nach einigen Minuten die Aufnahmefunktion betätigt.
Einsamer Rekord bei der Messung der Leistungsaufnahme Der neue Phenom X4 9850 erstürmt mit seiner auf 1,3 Volt gestiegenen Eingangsspannung sofort die Spitze des Feldes. Er schlägt in jeder Disziplin, in der es auf die volle Performance ankommt, den Intel Core 2 Extreme QX6850, der bisher ungeschlagen als leistungshungrigster Prozessor an der Spitze jedes Testfeldes stand. Ein einsamer Ausschlag führt uns beim AMD Phenom X4 9850 BE auf seinem Referenztakt von 2,5 GHz erstmal über 560 Watt vor Augen – kein wirklich rühmlicher Rekord. Die auf 125 Watt gestiegene TDP liegt gute 30 Prozent höher als bei einem Phenom 9600, der eine TDP von 95 Watt ausweisen kann. Nimmt man diese 30 Prozent als Grundlage für die Messwerte, dann bewegt sich der neue Prozessor Phenom 9850 durchaus im Rahmen seiner Spezifikation. Jene Angaben sind jedoch rein theoretischer Natur, da es keinerlei genaue Angaben seitens eines Herstellers über den Verbrauch eines Prozessors gibt. All’ diese Angaben werden für den Handel über die TDP abgewickelt.
Dass sich die sehr hohe Leistungsaufnahme auch auf die Temperaturen niederschlägt, ist nur logisch. Auch dort wird der schnellere Phenom erstmals den Core 2 Extreme von Intel gefährlich, wie das Diagramm auf der folgenden Seite zeigt.
Bevor wir uns allerdings den Temperaturen widmen, wollen wir noch der Behauptung, das neue B3-Stepping würde generell mehr Leistung fressen, auf den Grund gehen. Aus diesem Grund haben wir unseren Phenom 9600 Black Edition (B2) auf das Niveau des Phenom 9850 (B3) getaktet (Spannung des Prozessor (1,3 V), Chipsatz (1,3 und 1,25 V) und alle Taktraten der Northbridge, des HT-Links (je 2.000 MHz) wurden berücksichtigt). Die Performance des so eingestellten Phenom 9600 BE ist identisch mit der des original Phenom X4 9850. Zum Vergleich nehmen wir aber auch einen Phenom X4 9850 mit 1,25 und 1,2 Volt in die Tabelle auf.
Dass AMD an dem Prozessor etwas geändert haben muss, steht außer Frage; wie das genau passiert ist und welche kleineren Nachteile dafür in Kauf genommen wurden, wird AMD jedoch nicht verraten. Die knapp 30 Watt Unterschied (bei einer gesamten Leistungsaufnahme von über 300 Watt) zu einem auf identische 1,3 Volt getakteten Phenom 9600 BE in unserem Test mit Prime zeigen, dass der Leistungsbedarf des neuen Steppings zwar nicht markant gestiegen ist, zwischen B2- und B3-Stepping aber definitiv ein Unterschied abseits der Spannung besteht – zumindest bei unseren Exemplaren. Die Behauptungen, dass der B3-Phenom stromsparender sein soll als die bisherigen B2-Modelle, können wir somit keineswegs unterstützen.
Verallgemeinern wollte man bei AMD unsere Erkenntnisse nach einem regen E-Mail-Verkehr (auch mit Ingenieuren) allerdings nicht. Offiziell heißt es weiterhin, dass es zwischen dem B2- und dem neuen B3-Stepping keine Änderungen gibt, die die Leistungsaufnahme über die Anhebung der Spannung hinaus direkt beeinflussen.
Meldungen von Prozessoren mit sehr hoher als auch mit angeblich außerordentlich geringer Leistungsaufnahme und unsere Ergebnisse beim Vergleich einer B2- mit einer B3-CPU seien schlichtweg auf die unterschiedlichen „Roh-Prozessoren“ zurückzuführen, so AMD.
Der Hersteller unterscheidet zur Klassifizierung der CPUs direkt aus der Produktion „kalte“ und „heiße“ Prozessoren. Beim so genannten „Binning“ testet der Hersteller unter anderem, welche CPU mit welcher Taktfrequenz, Spannung und folglich mit welcher Leistungsaufnahme lauffähig ist. Für jedes CPU-Modell gibt es dabei eine Bandbreite, in der sich ein Prozessor bewegen darf. Für den AMD Phenom X4 9850 beispielsweise kann die Spannung zwischen 1,20 und 1,30 Volt liegen, die TDP kann bis zu 125 Watt betragen. Je nachdem wie das „Binning“ verläuft, kann aus einem Prozessor direkt aus der Produktion heraus ein Phenom X4 9550, weil er mit 1,20 Volt läuft, oder ein Phenom X4 9850 werden, der 1,3 Volt benötigt und somit eine Klasse höher gestuft wird. Ist das Sortieren abgeschlossen, werden die Prozessoren entsprechend markiert, damit sie die notwendige Spannung und Taktfrequenz für den Betrieb direkt dem BIOS mitteilen können.
Durch diese Unterschiede kann es nun aber vorkommen, dass ein Phenom X4 9850 mit 2,5 GHz durch die Produktion geht, der mit 1,2 Volt läuft und so sogar die 95 Watt TDP einhält. Ein solcher Prozessor wäre natürlich für jeden Overclocker ein kleiner Schatz; jedoch dürften diese Modelle selten sein. Da kommt die kaufmännische Entscheidung von AMD ins Spiel, denn aktuell werden AMD Phenom X4 9550/9650 viel dringender benötigt als die 9850er. Anstatt also den sehr guten Prozessor (in den Augen eines Overclockers) als schnellstes Modell zu verkaufen, wird er in den meisten Fällen zu einem Phenom 9605/9550 markiert. Genau dies erklärt die unterschiedlichen Ergebnisse der bisherigen Tests der neuen Phenom X4 9850 weltweit. Während die einen ihren Phenom X4 bis fast auf 3,5 GHz übertakten konnten [38], scheiterten andere bereits bei 2,8 GHz. Hier erklärt sich auch das Modell der „temperierten“ Prozessoren: Die Tests mit den sehr stark übertaktbaren Varianten dürften einen „kalten“ Prozessor erwischt haben, während wir (wie viele andere Seiten) eher ein „heißes“ Modell bekommen haben könnten. AMD vermeldet an dieser Stelle auch, dass die High-End-CPUs der 9850er-Serie wohl eher zur „heißen“ Sorte gehören.
Unser Vergleich eines Phenom 9600 mit einem neuen Phenom X4 9850 kann deshalb in punkto Leistungsaufnahme und Temperatur nur bedingte Schlüsse zulassen. AMDs hat uns attestiert, dass wir wohl eines der heißesten Modelle erwischt haben – was letztendlich aber auch zeigt, dass der Prozessor selbst mit dem Boxed-Lüfter bei vollem Ausreizen der Spezifikationen seinen Dienst verrichtet. Auch zeigen unsere Ergebnisse wieder einmal, wie differenziert man Tests dieser Art sowohl im Internet als auch im geschriebenen Blatt betrachten muss. Schnell werden Ergebnisse, die man, vielleicht sogar noch mit einem Vorserienmodell, das so niemals in den Handel gelangt, ermittelt hat, für bare Münze genommen und als alleingültiges Faktum für das serienreife Produkt verkauft. Dass es deshalb schnell zu Fehlinformationen oder gar Vorverurteilungen kommen kann, ist nicht von der Hand zu weisen.
Temperatur
Für die Temperaturmessung wurde das geschlossene System eine Stunde lang mittels 3DMark06-Endlosschleife aufgeheizt und dann die Temperaturwerte bei der bekannten Kombination aus Prime95 und 3DMark06 ermittelt. Die Zimmertemperatur lag bei rund 21 Grad, die ausgelesene Temperatur vom Mainboard bei Volllast bei maximal 46 Grad.
Bis zu 90 Grad heiß wird unser Phenom X4 9850 bereits nach wenigen Minuten im einfachen Dauertest von Prime. Doch halt, da kann etwas nicht stimmen!
Auf Anfrage bei AMD teilte man uns mit, dass die Temperaturen bei einigen Modellen schlichtweg falsch ausgelesen werden. Laut AMD sind wir bei unseren Tests auf das Errata 319, das AMD in seinem Anfang April aktualisierten Revisions Guide (Seite 48) [39] führt, gestoßen, da man sich diese extrem hohen Temperaturen auch unter den Ingenieuren sonst nicht erklären kann.
Errata 319 der AMD Phenom
AMD Phenom X4 9850 Black Edition bei 1,3 Volt und „falschen“ 85 Grad Zwar haben wir unsere Messungen sowohl mit AMD OverDrive als auch mit dem HWMonitor und Everest durchgeführt, doch alle lieferten das gleiche und offenkundig falsche Ergebnis. Daher haben wir mit einem Infrarot-Thermometer „von Hand“ nachgemessen. Die so ermittelten Temperaturen lagen im Schnitt runde zehn Grad unter denen der internen Sensoren, was wir anhand des Athlon 64 X2 6000+ und des Phenom 9600+ überprüft haben. Nach Abschluss der Messungen kommen wir zu dem Ergebnis, dass der Phenom X4 9850 maximal 70 bis 75 Grad erreicht hat – gegenüber den softwareseitig angezeigten 90 Grad ein positives Zeichen. Wir scheinen also tatsächlich vom Fehler 319 betroffen gewesen zu sein. Ein Fix für dieses Problem ist geplant, da sich Kunden auf die angezeigten Werte verlassen können sollen.
Zeit für uns, an dieser Stelle das Experiment fortzuführen, das wir bei der Leistungsaufnahme begonnen haben. Unser alter Phenom 9600 BE wurde erneut auf identische Werte getrimmt und mehrere Stunden getestet. Wie sich die Eingangsspannung auf die Temperatur auswirkt, zeigt das folgende Experiment.
Die Messungen eines Phenom 9600, der mit gleicher Spannung und gleicher Frequenz wie ein Phenom X4 9850 arbeitet, zeigen einen Temperaturunterschied von wenigen Grad auf. Unsere ursprüngliche Tabelle verfälscht das Bild ein wenig, da dort mit 1,2 Volt gemessen wurde. Wie man dem neuen Diagramm nun entnehmen kann, ist die Differenz bei gleicher Spannung auf wenige Grad geschrumpft und bewegt sich laut AMD somit auch innerhalb der Spezifikationen. Den noch vorhandenen Temperaturunterschied erklärt AMD logischerweise auch hier mit „kalten“ und „heißen“ Prozessoren, auf die wir bei der Leistungsaufnahme des Prozessors bereits genauer eingegangen sind.
Übertaktbarkeit
Wie immer stellen sich diverse Käufer eines neuen Prozessors die Frage, ob nicht eine gehörige Portion potentieller Leistung brachliegt und somit verschenkt scheint. Daher testen wir, inwiefern diese Reserven abgerufen werden können: es wird übertaktet. Bestens dazu geeignet ist der Phenom in der Black Edition, bei dem der Multiplikator frei gewählt werden kann. Da wir jedoch bereits bei Werkstakt mit einer sehr hohen Leistungsaufnahme und recht hohen Temperaturen zu kämpfen haben, beschränken wir uns auf einige „zaghafte Versuche“ mit Luftkühlung; wir wollen den Prozessor noch für weitere Tests nutzen und nicht über den Jordan schicken.
AMD Phenom X4 9850 Black Edition bei 3,1 GHz mit Luftkühlung
Die 3,1 GHz wollten nicht ganz stabil zu Werke gehen, was wir jedoch auf die mangelhafte Luftkühlung und zu hohe Temperaturen zurückführen. Sicherheitshalber hat sich unser Testsystem nicht nur ein Mal komplett abgeschaltet, um den Prozessor vor dem Hitzetod zu schützen. Wie bereits im letzten Artikel beschrieben, ist für einen Betrieb jenseits der 3 GHz fast zwingend eine Wasserkühlung notwendig. Inwiefern jedoch die zusätzliche Leistung, die durch ein Overclocking des Prozessors erreicht werden kann, in Relation zur nochmals gestiegenen Leistungsaufnahme und dem Aufwand der Kühlung steht, muss der geneigte Kunde für sich selbst entscheiden.
„Undervolting“
Um die Leistungsaufnahme einzuschränken, bedienen sich viele Leser vermehrt des so genannten „Undervoltens“: Dabei wird die Spannung des Prozessors – ausgehend von der Werksspannung – bis zu dem Punkt herab gesenkt, an dem das System mit dem geringstmöglichen Energieaufwand noch stabil läuft. Neben der gesenkten Leistungsaufnahme hat dies folgerichtig auch niedrigere Temperaturen zur Folge. Der Phenom X4 9850 ist in dieser Kategorie sicher kein Vorzeige-Prozessor, da man eine Black-Edition-CPU mit freiem Multiplikator wohl nicht kauft, um diesen herunterzutakten bzw. zu undervolten. Unser Prozessor schaffte aber einen stabilen Betrieb unter voller Belastung im Prime-Test bei 1,15 Volt – alles darunter wird bei 2,5 GHz mit Fehlern und Abbrüchen des Tests bestraft.
Der Temperaturrückgang spricht eine deutliche Sprache und die 20 Grad weniger gegenüber dem herkömmlich betriebenen Modell bei einer Einsparung von 0,15 Volt zeigen sich auch in der Leistungsaufnahme. Im Dauertest von Prime erreichten wir nur noch ungefähr 300 Watt maximal, was eine Ersparnis von mehr als 80 Watt gegenüber dem Referenzsystem bedeutet! Unter Windows-Volllast, wo wir neben Prime auch noch 3DMark06 im Loop laufen lassen, fällt der Unterschied noch weit größer aus.
Die aktuellen Preise im Einzelhandel liegen in Deutschland meist unter den Empfehlungen von AMD; besonders die Verfügbarkeit spielt dabei eine große Rolle. Aus diesem Grund haben wir ein Diagramm mit allen Prozessoren aus dem Testparcours zusammengestellt und die günstigsten Preise bei den Preisvergleichsdiensten Geizhals.at und Preistrend.de für Boxed-Prozessoren heraus gesucht (die Hardware sollte zu diesem Preis auch möglichst erhältlich sein). In Ausnahmefällen, zum Beispiel bei zu großen Preisunterschieden zwischen der Tray-Variante und dem Boxed-Prozessor, haben wir aber ab und an auch den günstigeren Preis gewählt. Wir weisen ausdrücklich noch einmal darauf hin, dass sich die Preise der Prozessoren täglich ändern können, weswegen eine dauerhafte Korrektheit der Liste nicht garantiert werden kann. (Stand der Preise: 13.05.2008)
Wie üblich gilt bei der Übersicht das bekannte Motto: Fällt ein Prozessor im Preis, wandert er in dem Diagramm nach oben und sein Rating erhöht sich dadurch. Für das Preis-Leistungs-Verhältnis wird das Gesamtrating durch den Preis dividiert und mit 1000 multipliziert. Das Ergebnis repräsentiert die Leistung, die man, kaufmännisch gerundet, aktuell für einen Euro erhält.
Durch die neuen Preise von Intel hat der Core 2 Quad Q6700 einen gewaltigen Satz nach vorne gemacht. Die Phenom-CPUs können ihm aktuell somit nicht einmal mehr über den Preis gerecht werden. Preislich liegt der Q6700 genau auf dem Niveau des hier betrachteten Phenom X4 9850, in der Leistung liegt der Q6700 aber in fast jedem Test in Front.
Fazit
Eigentlich braucht man nur den WinRAR-Test begutachten, um endlich die erlösende Nachricht zu bekommen: Die neuen Phenoms arbeiten so schnell wie sie können. Eine magere Sekunde Abweichung zwischen unserem Phenom mit 2,5 GHz im Original und dem vorher auf Basis des B2-Steppings simulierten Prozessors ohne TLB-Bug spiegelt genau das wider, was wir bereits im letzten Test gezeigt haben: Es gibt keine Performance-Unterschiede zwischen einem alten Phenom, bei dem man den TLB-Fix im BIOS deaktivieren kann, und den neuen Prozessoren.
Größter Vorteil der AMD Phenom X4 ist ihr Preis. Obwohl er Intels Core-2-Plattformen in der Leistung kaum schlagen kann, ist sein Preis oftmals attraktiver, auch wenn der Spielraum zusehends mit jedem Tage geringer wird. Gerade einmal 175 Euro sind für den schnellsten Quad-Core-Prozessor von AMD von Nöten, der zudem einen freien Multiplikator besitzt und so dem Käufer einige Spielereien erlaubt. Jenes Feature sucht man bei Intel in dieser Preisklasse vergebens, dort gibt es die freie Multiplikator-Wahl erst ab 500 Euro aufwärts.
Den gewichtigsten negativen Aspekt am neuen Prozessor von AMD kann man am Ende der Tests natürlich nicht unter den Tisch schieben. Die Rede ist von der in unserem Test deutlich gestiegenen Leistungsaufnahme der schnelleren Phenom-Prozessoren. Verallgemeinern wollte man bei AMD unsere Erkenntnisse nach einem regen E-Mail-Verkehr (auch mit Ingenieuren) allerdings nicht. Offiziell heißt es weiterhin, dass es zwischen dem B2- und dem neuen B3-Stepping keine Änderungen gibt, die die Leistungsaufnahme über die Anhebung der Spannung hinaus direkt beeinflussen. Meldungen von Prozessoren mit sehr hoher als auch mit angeblich außerordentlich geringer Leistungsaufnahme und unsere Ergebnisse beim Vergleich einer B2- mit einer B3-CPU seien schlichtweg auf die unterschiedlichen „Roh-Prozessoren“ zurückzuführen, so AMD.
AMD Phenom X4 9850 Black Edition
AMD konnte bereits zur Vorstellung der neuen Prozessoren Ende März große Kontingente der fehlerfreien Prozessoren in den Handel ausliefern. Das machte sich auch gleich deutlich bemerkbar: Man bekommt das Flaggschiff, das wir uns heute noch einmal näher angesehen haben, aktuell schon für etwa 175 Euro. Die Frage, ob man sich in den kommenden Tagen und Wochen zum quasi gleichen Preis für einen AMD Phenom X4 9850 oder einen Intel Core 2 Quad Q6600/Q6700 entscheidet, bleibt letztendlich die Entscheidung des Kunden. Die zugrunde liegende Plattform, genauer gesagt das Mainboard, könnte mit seinen Features den Ausschlag für den Kauf des Prozessors geben.
Größere Änderungen an der Prozessorserie Phenom sind in den kommenden Monaten indes nicht zu erwarten. Die Gerüchteküche spricht zwar schon von einem B4-Stepping, das höhere Taktraten bei gesunkener Leistungsaufnahme erlauben soll – viel Substanz haben die Meldungen zurzeit aber noch nicht. Gesichert scheint, dass es in einigen Wochen nochmals einen schnelleren AMD Phenom X4 9950 mit einer nochmals gestiegenen TDP von 140 Watt geben wird, der anschließend von der High-End-Serie AMD Phenom FX nochmals übertrumpft werden dürfte – sofern sie denn kommt. Ob diese dann an die Leistung und den Erfolg der berühmt-berüchtigten Athlon FX anknüpfen kann, werden wir zu gegebener Zeit untersuchen