Einleitung
Im vorletzten Monat des Jahres 2009 bringt AMD noch einmal ein wenig Leben in die High-End-Sparte des eigenen Prozessorgeschäfts. Dies geschieht nicht mit einer Neuvorstellung im eigentlich Sinne. Die Rede ist vom „bekannten“ AMD Phenom II X4 965 Black Edition mit 3,4 GHz, der insofern neu ist, als dass er fortan im C3-Stepping mit einer TDP von 125 Watt ausgeliefert wird. Oberflächlicher betrachtet ist der Prozessor kein Unbekannter, schließlich gibt es das Modell mit der identischen Bezeichnung bereits seit dem 13. August 2009 [1]. Doch dem Prozessor haftete das eher negative Image aufgrund der sehr hohen TDP von 140 Watt an, und der Prozessor zeigte sich mit einer Spannung von 1,4 Volt in der Tat nicht gerade von der grünen Seite.
Es ist dabei schon ein wenig ironisch, dass unser neuer AMD Phenom II X4 965 Black Edition (C3) bereits in der 33. Kalenderwoche des Jahres 2009 gefertigt wurde, in der der erste Phenom II X4 965 vorgestellt wurde. Doch genau die zwölf Wochen, die zwischen dem Zeitraum des Launches der ersten Phenom II X4 965 zur Vorstellung des heutigen C3-Modell liegen, hatte damals auch schon der erste C2-965 auf dem Buckel. Dieser wurde schon in der 21. Kalenderwoche, also Mitte Mai, gefertigt. Die Zeit braucht es, damit die CPU den Massenmarkt erreicht.
Doch was bedeutet das C3-Stepping denn nun genau? Laut AMD gibt es keine direkten Leistungsanpassungen, vielmehr wurden drei wesentlich Dinge angepackt. Die erste betrifft die TDP, die von 140 auf 125 Watt gesenkt wurde. Der zweite Punkt hat damit indirekt zu tun: die TDP-Absenkung wurde wohl allein über eine Anpassung der Spannung erreicht, doch dazu später mehr. Laut AMD haben die Ingenieure mit dem C3-Stepping den C1E-Support für das Power-Management auf der Hardware-Seite implementiert, was für den Kunden bedeuten soll, dass keine Performanceeinbrüche beim Wechsel zwischen den verschiedenen Powerstates mehr vorkommen sollten. Dieses setzt allerdings ein ordentliches Mainboard mit dazu passendem BIOS-Support voraus. Der dritte und letzte Punkt ist der Fix des Errata 379 „DDR3-1333 Configurations with Two DIMMs per Channel May Experience Unreliable Operation“ (PDF [2]). AMD beschreibt das im C3-Stepping gelöste Problem mit den Worten „memory controller will now support up to 4x DDR3 DIMMs at 1333MHz“ sachlich nüchtern. Es wird letztendlich ein reibungsloser Betrieb mit DDR3-1333 in allen vier Bänken bzw. über beide Kanäle versprochen.
Alt gegen Neu: Phenom II X4 965
Da es einige Anpassungen in den letzten drei Monaten gab und der C1E-Support noch verbessert wurde, haben wir das aktuellste BIOS auf unser Asus M4A79T Deluxe gespielt, welches keine vier Wochen alt ist. Um den Vergleich zwischen Vorgänger und Nachfolger des 965 auch wirklich zu wahren, haben wir das alte Modell noch einmal in ausgewählten Tests mit der neuen BIOS-Variante „2103“ überprüft. Zum Einsatz kam dafür kurzer Hand noch einmal das alte Testsystem, welches quasi schon in Rente geschickt war. Da der Launch von AMD inklusive Sample aber zu einem überraschenden Zeitpunkt kam, und das neue System noch nicht vorzeigbar ist, musste das alte System noch einmal kurz aus dem Ruhestand geholt werden.
Man muss schon genau hinsehen, um die Unterschiede festzustellen. Für einen Laien ist dies fast unmöglich, da sich hinter allen Zahlen- oder Buchstabenkombinationen Informationen verbergen, die den Prozessor genau spezifizieren. Am wichtigsten ist dabei die erste Reihe nach dem kursiv gedruckten Produktnamen. Dort finden wir „HDZ965FBK4DGI“ für das alte 140-Watt-Modell und „HDZ965FBK4DGM“ für das neue 125-Watt-Modell. Dieser eine Buchstabe Unterschied bedeutet in diesem Fall das neue Stepping „C3“ und alle damit einhergehenden Änderungen. Den Rest zu erklären ist auch nicht schwer. Das „H“ steht für die Phenom-Familie, die Athlon-Prozessoren haben an der Stelle ein „A“. Das „D“ an zweiter Stelle steht für die Desktop-Reihe. An dritter bis sechste Stelle folgt die Modellnummer des Prozessors, so wie sie auch aus vielen Support-Listen der Mainboardhersteller [3] oft heraus gelesen werden kann. Bei den normalen Quad-Core-Prozessoren besteht diese aus einem „X“ und drei Ziffern, beispielsweise „X945“. Bei den „Black Edition“-Modellen steht als erstes ein „Z“, dann folgen drei Ziffern – Z965 zum Beispiel.
Die energiesparenden Modelle hingegen kommen erst mit drei Zahlen, am Ende kommt dann ein „E“ ins Spiel – also 600E, 705E usw.. Die beiden kommenden Buchstaben spezifizieren die TDP des Prozessors und damit auch den benötigten Kühler, wobei das „FB“ für 125 und 140 Watt steht. Was folgt, ist der Sockel, für den die CPU vorgesehen ist: „K“ steht für AM3, „J“ für AM2+. Die kommende Ziffer ist wohl am einfachsten zu erraten, steht sie doch für die Anzahl der Prozessorkerne – „4“. Der nächste Buchstabe „D“ steht für die Cache-Bestückung von 512 KByte L2-Cache pro Kern und einen L3-Cache in Größe von 6 MByte. Die letzten beiden Buchstaben stehen für die Revision des Prozessors – das Stepping eingeschlossen. So leicht – oder auch schwer – kann man anhand von wenigen Buchstaben und Zahlen feststellen, was genau man vor sich zu liegen hat. AMDs bereitgestellte Unterlagen [4] sind für die Art der Ermittlung leider nie vollständig bzw. auf dem aktuellsten Stand, so dass sich der Laie wohl auch weiterhin auf das Wort eines Fachmanns verlassen muss. Im Handel könnte dies in den ersten Tagen zu einem kleinem Glücksspiel werden, da nicht jeder Shop die genaue Produktbezeichnung und TDP angibt.
Nachdem wir die Prozessoren erst einmal äußerlich betrachtet und festgestellt haben, dass diese Probanden auch das sind, was sie laut Verpackung vorgeben zu sein, fällt der zweite Blick wie üblich auf das Tool CPU-Z. Die Änderungen sind beim MouseOver über die beiden CPUs kaum zu bemerken, man muss schon genau hinsehen. Als erstes fällt die Spannung auf, die von glatten 1,40 auf 1,375 Volt gesenkt wurde, zudem ist das Stepping von „C2“ auf „C3“ korrekt gestiegen. So weit, so gut.
Um die Unterschiede – wenn vorhanden – zwischen dem neuen und dem alten Stepping zu zeigen, haben wir einige Benchmarks ausgesucht. Da man kleinere Unterschiede in erster Linie in Anwendungen und auch theoretischen Tests bemerkt, liegt der Fokus auch auf diesen Bereichen. Während uns dort in erster Linie die Performance interessiert, gehen wir im folgenden Abschnitt auf die Leistungsaufnahme und zusätzliche Messwerte ein, die aufzeigen, dass sich die Leistungsaufnahme des Prozessors aufgrund der Spannungsabsenkung leicht verringert hat. Zeitgleich werden wir auch das jetzt gelöste Problem der Vollbestückung mit DDR3-1333 untersuchen, welches beim C2-Stepping auftreten konnte. Dafür haben wir einmal 2 x 2 GByte DDR3 verwendet, beim zweiten Durchgang haben wir den Test mit 4 x 1 GByte DDR3-1333 mit identischen Timings und ebenfalls gleicher Spannung wiederholt. Zu guter Letzt gibt es wie üblich auch einen kurzen Blick auf das Overclocking, was unseren Kurztest mitsamt Fazit abschließen soll.
Benchmarks
Cinebench
Angaben in Punkten
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wPrime
Angaben in Sekunden
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SiSoft Sandra
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WinRAR
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TrueCrypt
Angaben in Megabyte pro Sekunde (MB/s)
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TMPGenc Xpress 4: DV zu MPEG2
Angaben in Minuten, Sekunden
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BioShock
Angaben in Bildern pro Sekunde (FPS)
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Far Cry 2
Angaben in Bildern pro Sekunde (FPS)
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Was die vielen Benchmarks im Detail schon zeigen, lässt sich auch in einem Rating zusammenfassen. Unterschiede in der Performance sind – wie auch von AMD direkt angegeben – nicht vorhanden. Da wir zudem keine Probleme beim Betrieb mit vier DDR3-1333-Speichermodulen beim bisherigen C2-Stepping hatten, folgten auch keine in der neuen C3-Version. Im Sinne der Performance ist es relativ egal, wie die Speicherbestückung aussieht, von AMD gibt es mit dem C3-Stepping aber nun den offiziellen Segen dafür.
Rating
Angaben in Prozent
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Sonstige Messungen
Leistungsaufnahme
Angaben in Watt (W)
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Temperatur
Angaben in °C
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Zum Vergleich haben wir auch beim neuen Phenom II X4 965 Black Edition die Spannung kurzzeitig auf 1,4 Volt angehoben. Dabei zeigt sich, dass das Stepping auf neben der Tatsache, dass es mit weniger Volt auskommt, auf die Leistungsaufnahme keine Auswirkung hat – beide CPUs liegen gleich auf.


Neben der geringeren Leistungsaufnahme des Prozessors unter Vollast von sieben Prozent ist der Umstand der Änderung der Speicherbestückung positiv festzustellen. Am Ende bleibt festzuhalten, dass das neue Stepping einen Schritt in die richtige Richtung gemacht hat, jedoch andere Komponenten ebenfalls viel Potential zum Einsparen von Strom bieten.
Neben der Leistungsaufnahme und Temperatur wollen wir auch einen kurzen Blick auf das stabile Overclocking werfen. Während unser erstes Modell des Phenom II X4 965 BE mit 3,8 GHz nicht stabil zu betreiben war [5], setzten wir unsere Hoffnung in die neue Version. Dafür mussten wir uns außerhalb der Spezifikationen von AMD begeben, die eine Maximalspannung von 1,4 Volt für den neuen Phenom II X4 965 BE im C3-Stepping vorsehen. In diesem Fall geht wie bei allen Übertaktungsversuchen natürlich die Garantie verloren.
3,9 GHz erwies sich dieses Mal als Grenze des Machbarem. Hier und da ging es stabil bis in Windows und auch einige Benchmarks liefen sauber durch, doch die Anzahl der Bluescreens nahm verdächtig zu. Mit weiteren Spannungsanpassungen und Änderungen im BIOS an anderen Stellen ist der Takt sicher machbar, mit der einfachen Spannungserhöhung der CPU im BIOS auf 1,5 Volt war jedoch nur 3,8 GHz stabil zu betreiben.
Fazit
Der AMD Phenom II X4 965 im neuen Stepping C3 ist eine sehr, sehr sanfte Evolution. Die neue Version erlaubte es, die Spannung gerade so weit nach unten zu korrigieren, dass der Prozessor in der TDP-Einstufung von 140 auf 125 Watt abrutscht. Für die Vermarktung ist das am Ende wohl entscheidender als die am Ende für den Kunden spürbare Senkung der Leistungsaufnahme. 140 Watt als TDP schrecken ab, da es sonst keine Prozessoren mit solch einer hohen Leistungsaufnahme im Handel gibt. Mit 125 Watt gliedert sich die Variante jedoch in der Masse der anderen Modelle ein und kann mit dem hohen Takt von 3,4 GHz glänzen. Insofern hat AMD alles richtig gemacht, genau drei Monate nach dem Start der ersten Version die neue Variante ins Rennen zu schicken.
Da die neue Version im Handel auch genau so viel kosten soll wie die bisherige Lösung, 195 US-Dollar, hat die 140-Watt-Version ihre Daseinsberechtigung nahezu verloren. Hierzulande sind es aktuell jedoch real noch 20 Euro Unterschied zu Ungunsten der C3-Version [6], so dass man sich noch einige Tage gedulden sollte, bis mehr Händler die CPU in ihrem Sortiment führen und der Preis angepasst ist. Dann hat man die Qual der Wahl: einen Phenom II X4 955 Black Edition für unter 130 Euro [7] oder einen Phenom II X4 965 Black Edition für unter 150 Euro. Mit weiter fallenden Preisen dürfte sich das Bild nach und nach zu Gunsten des neuen Probanden verschieben, zumal der Phenom II X4 955 spätestens im zweiten Quartal durch eine 95-Watt-Version ersetzt werden soll. Dies dürfte dann eine Version mit festem Multiplikator sein, während der aktuelle 955 dank frei wählbarem Multiplikator noch direkt mit dem 965 konkurriert. Spätestens dann ist der Phenom II X4 965 jedoch da, wo er hin soll: allein an der Spitze des AMD-Portfolios.




