Vorwort
Wenn es um das Besorgen von (Fach-)Wissen geht, so ist der Gang in die Bücherei im heutigen Zeitalter für die meisten Personen lediglich dann in Erwägung zu ziehen, wenn die Informationen wissenschaftlich-fundiert gespickt sein sollen. Vielmehr greift „man“ - allen voran aus praktischen Gründen - oft lieber auf die hauseigenen Lexika zurück. Dass damit nicht jene Buchbeschwerer gemeint sind, die bei vielen im Haushalt in aller Komplettheit ungenutzt aber „gut zu haben“ vor sich hin existieren, dürfte angesichts des verhältnismäßigen Booms digitaler Nachschlagewerke und Enzyklopädien für den Computer um die Jahre 1997 bis 2000 ersichtlich sein.
Ein weiterer Fakt ist: Technologischer Fotschritt ist nicht aufzuhalten. Und so war es nicht verwunderlich, dass früher oder später auch das „freie“ Internet, dessen Verbreitung weltweit in der Regel ebenfalls stetig wächst, zum Ansammeln möglichst ausgearbeiteter Wissensberge zu Rate genutzt werden würde. Der wohl bekannteste und zugleich mit Abstand erfolgreichste Ansatz ist Wikipedia [1], eine freie Enzyklopädie.
Nachfolgend möchten wir anhand von Wikipedia sowie Microsofts Encarta 2005 (Professional), denen jeweils eine entsprechende Vorstellung und Bewertung gewidmet werden wird, einen Vergleich ziehen: Wie konkurrenzfähig ist Wikipedia als Open-Content- sowie -Source-Projekt wirklich? Dazu werden wir Encarta sowohl gegen Wikipedia als Online- als auch gegen die vor kurzem veröffentlichten CD-Version in den Wissenskampf ziehen lassen.
Sicher könnte man versuchen, die Aussagekraft eines solchen Vergleichs à la „Ihr vergleicht doch Äpfel mit Birnen!“ vermeintlich zu entkräften. Vermeintlich deshalb, weil ein solch arger Kontrast gerade in der Intention dieses Artikels liegt. Es geht nicht um die Form der Daten - es geht um die Daten selbst. Dass Encarta gerade in den neueren Versionen in multimedialer Hinsicht auf den ersten Blick gewisse Vorzüge gegenüber Wikipedia, ganz gleich ob on- oder offline, zu haben scheint, mag durchaus sein. Insofern bleibt hier also festzustellen, inwiefern das am Gesamtergebnis, bei dem der Fokus schließlich auf dem Wissen liegen soll, rütteln kann bzw. wie groß der Einflussrahmen solcher Features ist.
Die Kandidaten
Ehe wir die genannten Kontrahenten gegeneinander antreten lassen, möchten wir jedem Mitspieler zunächst die Chance einräumen, konkret vorgestellt zu werden, um einen Überblick zu verschaffen.
Im Rahmen dieses Artikels standen Encarta in der Version 2005 sowie 2005 Professional in der DVD-Fassung und Wikipedia als CD- sowie natürlich Online-Fassung zur Verfügung.
Encarta 2005 (Standard)
Die Encarta Enzyklopädie 2005, so der komplette Produktname, wird auf lediglich einer CD-ROM vertrieben. Bei Encarta 2005 handelt es sich um ein Programm für das Windows-Betriebssystem, das in einem recht übersichtlichen und schicken Interface entsprechende Artikel über nahezu alle erdenklichen Themen dieser Welt bereithält.
Die normale bzw. Standard-Version beherbergt insgesamt über 44.000 Artikel, die von über 13.700 Fotos und Abbildungen, über 70 Videos und Animationen sowie über 2.100 Audio- und Musikclips ergänzt bzw. untermauert und erweitert werden. Summa summarum kommt Encarta 2005 auf cirka 12,7 Millionen Wörter. Artikel können mittels einer Suchleiste am linken Bildschirmrand relativ rasch gefunden und aufgerufen werden.
Ein weiteres interessantes Feature stellen die 36.000 enzyklopädischen Karteneinträge sowie eine ganze Weltkarte als umfangloseres Pendant zum Weltatlas dar. Letzterer wurde zuvor als eigenes Produkt unter dem Markennamen „Encarta Weltatlas“ vertrieben, ist seit 2001 jedoch fester Bestandteil der Encarta Enzyklopädie in den Professional-Fassungen.
Gänzlich abstinent ist Encartas Bezug zum Internet übrigens nicht: Abgesehen von einer (etwa ein Jahr lang gültigen) Update-Funktion, die in unregelmäßigen Abständen in der Regel neue Artikel hinzufügt, seltener auch bisherige Artikel aktualisiert und/oder erweitert, sind in Encarta zudem über 6.000 Web-Verweise, allesamt von der Encarta-Redaktion ausgewählt, untergebracht.
Wird Encarta 2005 Standard von der CD ausgeführt, werden 150 MByte an Festplattenplatz benötigt. Beim Kopieren der Inhalte auf die Festplatte sind 557 MByte von Nöten. Alles in allem verläuft die Installation schnell, einfach und problemlos.
Das Erste, was beim Start der Software auffiel, war eine Meldung der auf dem Testsystem im Hintergrund laufenden Firewall: Offenbar wird anfangs vollautomatisch nach eventuellen Updates für die Encarta-Inhalte gesucht, die wir direkt einspielen ließen. Ansonsten offenbart sich ein Bildschirm, der die Hauptseite darstellt und von dem aus man in alle Teilbereiche des Programms gelangt. Links sitzt dann, wie eingangs erwähnt, die integrierte Suchleiste, mit der man auch recht schnell fündig wird:
Encarta 2005 (Standard) (Fortsetzung)
Hat man sich für einen Artikel entschieden, ihn gefunden und entsprechend ausgewählt, wird der rechte Frame durch die jeweilge Artikelansicht ausgetauscht. Nicht nur innerhalb von Artikeln sondern auch beim Weltatlas, den enzyklopädischen Karten oder eben auch beim multimedialen Material selbst findet man immer wieder Querverweise auf andere Inhalte Encartas vor:
In Sachen Multimedia kann Encarta mit relativ großen Geschützen aufwarten: Neben allerlei Fotos und Abbildungen gibt es zu einer Hand voll Artikel Musikclips und auditive Erklärungen. Mit einer Anzahl von über 70 gibt es im Verhältnis hingegen eher wenige Videos bzw. Animationen.
Zu guter Letzt noch einen Blick auf die Karteneinträge, die enzyklopädischen Karten sowie die statistischen Daten:



Die Karteneinträge sind stufenlos zoom- und drehbar.
Encarta 2005 (Professional)
Prinzipiell lässt sich sagen, dass es sich bei Encarta 2005 Professional um eine erweiterte Fassung der normalen Standard-Version handelt bzw. die Standard-Version entsprechend abgespeckt ist. Wie dem auch sei: Mit über 50.000 Artikeln, fast 20 Millionen Wörtern, über 21.500 Fotos und Abbildungen, über 2.750 Audio- und Musikelementen, 1,8 Millionen Karteneinträgen sowie über 30 Videos des Discovery Channels hat die Professional-Edition gegenüber Encarta 2005 Standard zweifellos den Trumpf in der Hand.
Gegenüber der normalen Ausgabe kommen jedoch noch eine Reihe anderer Features hinzu, als da wären:
- virtuelle 2D- und 3D-Reisen
- interaktives Historama
- Encarta Weltatlas
- Encarta Kids
- Wissenskompass
- Historama
- Wörterbuch
- einjähriger Zugriff auf MSN Encarta Premium
- Unterstützung bei Hausaufgabenbearbeitung (Rechercheassistent)
Encarta 2005 Professional kommt in zwei Fassungen daher: als CD- sowie als DVD-Version. Lediglich die DVD-Fassung ermöglicht jedoch zusätzlich virtuelle Flüge.



Summa summarum handelt es sich primär also um eine Erweiterung der Standard-Edition um multimediale Daten sowie einiger Sub-Programme wie etwa Encarta Kids oder der Rechercheassistent. Gerade Features wie der Weltatlas oder das Historama stellen jedoch eine recht interessante Erweiterung dar.
Zweifellos gegenüber Encarta Standard überlegen ist die Professional-Ausgabe jedoch mit dem integrierten Wörterbuch. Dieses kann im einsprachigen Modus nicht nur quasi den heimischen Duden in seine Schranken verweisen, sondern agiert bei Bedarf (wird es zum Zweispracher umfunktioniert) auch als Übersetzungshilfe. Programme wie diese sollen gerade bei Recherchen nützlich sein.
Auch der vollständig integrierte Weltatlas hat seine Vorteile: Er ist nicht nur dreidimensional, sondern auch außergewöhnlich detailreich. Ferner beherbergt er einige Verweise zu entsprechenden Statistiken, sodass es sich beim Encarta Weltatlas letztlich durchaus um mehr handelt, als nur um einen digitalen Globus.

Wikipedia (Internet)
Kommen wir nun also (lässt man die Online-Kosten einmal außen vor) zum kostenlosen Mitspieler in diesem Wettstreit: Wikipedia. Wie bereits eingangs erwähnt, gilt hier ganz und gar „nomen est omen“ - sieht man sich den Slogan „die freie Enzyklopädie“ an.
Zunächst ein paar Takte zum so genannten Wiki-Prinzip: Webseiten, die auf diesem Prinzip aufbauen, stellen ihren Lesern die Inhalte nicht nur frei zur Verfügung, sondern ermöglichen jedem Besucher darüber hinaus, diese Inhalte nahezu uneingeschränkt zu editieren. Selbstverständlich können auch neue Artikel aller Arten und Formen hinzugefügt werden. Man könnte das Ganze auch „Open-Content“ nennen.
Wikipedia setzt auf die MediaWiki [3]-Software und ist in über 100 Sprachen verfügbar. Während die englischsprachige Fassung von Wikipedia bereits im Januar 2001 startete, wurde die deutsche im Mai des selben Jahres ins Leben gerufen und fasst derzeit über 173.000 Artikel (Stand: 05.12.2004).
Auf der Hauptseite von Wikipedia findet sich zunächst eine Übersicht. Hier wird etwa auf Artikel über die Wikipedia bzw. das Wiki-Prinzip sowie zu entsprechenden Hilfestellungen zur Wiki-Syntax innerhalb von Artikeln verwiesen. Auch finden sich Artikel mit Bezug zu aktuellen Ereignissen. Da es aus leistungstechnischen Gründen keinen Index über alle 173.000 Artikel gibt, ist das Suchfeld am linken Rand, wie bei Encarta auch, im Grunde der essentiellste Bestandteil. Hier kann entweder nach einem Artikel mit dem exakten Wortlaut gesucht werden („Artikel“-Button), oder man sucht einfach innerhalb allen Artikeln, die den eingegebenen Begriff beinhalten - dies erledigt der „Suche“-Button:
Am oberen Bildschirmrand findet sich eine Kontrollleiste für den eigenen Account bei Wikipedia. Ein solcher Zugang ist völlig optional, da Änderung auch anonym getätigt werden können. An Stelle des eigenen Namens wird dann die IP-Adresse angezeigt. Nichtsdestotrotz sollte ein eigener Account in Betracht gezogen werden - gerade wenn man häufiger zum Projekt beiträgt. Nicht nur kann man sich so einen Namen machen, sondern bietet anderen Benutzern simultan auch eine Diskussionsseite über einen selbst. Die Anmeldung ist natürlich ebenfalls kostenlos.
Sicher besteht bei Wikipedia anfangs der Gedankengang, dass bei einem solchen Funktionsprinzip aber doch die Gefahr bestünde, dass Inhalte mutwillig gelöscht werden. Rein technisch ist dies auch möglich, doch werden solche Schäden in der Praxis wirksam durch eine Technik verhindert, die restlos jede Änderung am Inhalt protokolliert, sodass auch ein eventuell geschehenes Löschen mittels einiger Mausklicks von gutmütigeren Benutzern rückgängig gemacht werden kann. Fakt ist jedenfalls: Das Wiki-Prinzip funktioniert unter realen Bedingungen ebenso gut wie in der Theorie:
Was kann die Wikipedia in Sachen Multimedia bieten, wo Encarta in diesem Bereich bereits einige Dinge hat zeigen können? Nun, angesichts der Tatsache, dass es sich um eine Webseite handelt, ist das Ganze hier bereits in gewisser Weise eingeschränkt. Nichtsdestotrotz finden sich in vielen Artikel am Rand passende Bilder zur Thematik, die den Text unterstützen. Eine Bemerkung wert ist ebenfalls der konsequente Einsatz von LaTeX. Mittels LaTeX lassen sich unter anderem etwa mathematische Formeln adäquat im PNG-Format darstellen und sorgt so für ein gutes Stück mehr Übersichtlichkeit innerhalb entsprechend wissenschaftlicherer Artikelinhalte.
Sie befinden sich zwar noch in der Anfangsphase, finden aber immer mehr Anklang: Gesprochene Artikel („Gesprochene Wikipedia [4]“) im Rahmen der Wikipedia. Bislang gibt es hier zwar nur eine Hand voll aktive Teilnehmer, doch wächst die Zahl stetig. Als Audioformat wählte man hier das freie Ogg Vorbis.
Auch wenn die Liste an gesprochenen Artikeln noch auf ein oder zwei Blicke überschaubar ist, so ist die Idee sicherlich der Schritt in die richtige Richtung, Wikipedia noch multimedialer und auch für sehbehinderte Menschen zugänglich zu machen.
Übrigens: Die Lexikonverweise, wie sie etwa auch auf dieser Artikelseite vorkommen, führen zwar zu einer eigenen Sektion von ComputerBase - dessen Inhalte stammen jedoch aus der Wikipedia. Dies ist möglich, da die Inhalte der Wikipedia unter die GNU Freie Dokumentationslizenz gestellt wurden, was bedeutet, dass sie unter Beachtung bestimmter Regeln auch auf Seiten außerhalb der Wikipedia verwendet werden können und dürfen.
Wikipedia (CD)
Zu guter Letzt also noch ein Blick auf die CD-Fassung der Wikipedia (Download [5]). Im Grunde handelt es sich dabei um einen sogenannten Snapshot, also einen Abzug der Wikipedia, der dann zusammen mit der Digib4-Software gekoppelt wurde. Die Herbstausgabe hat einen Snapshot vom 1. September und somit 131.976 Artikel und 1.200 Bilder - durchaus ein Stück weniger als zwei Monate später online zur Verfügung steht, was nebenbei gut zeigt, wie stetig das Wachstum bei Wikipedia ist. Bei den Bildern handelt es sich um eine handerlesene Auswahl, da der Speicherplatz einer CD-ROM nicht alle Bilder der Wikipedia beinhalten kann.
Mittels dieser CD lässt sich die ganze Wikipedia, wenn auch in statischem Zustand, dann auch offline betrachten. Neben entsprechenden Indizes gibt es zudem Aufteilungen wie etwa nach Bildern, die ebenfalls durchsucht werden können. Das Interface ist relativ schlicht gehalten, dafür aber auch recht performant. Da die Daten von der CD gelesen werden, bedarf diese Fassung der Wikipedia zudem nur knapp über sieben MByte an Speicherplatz. Bei Bedarf können die Inhalte jedoch auch gänzlich auf die Festplatte kopiert werden. Nähere Informationen dazu gibt es bei Wikipedia selbst [6].
Da die Daten mit Digib4 für Windows bzw. MacDigibib für Macintosh verwendbar sind, werden bereits zwei der großen Plattformen unterstützt. Eine Linux-Unterstützung war aus Zeitgründen noch nicht möglich, wird jedoch nachgereicht werden.
Im aktuellen Zustand bringt die CD, deren ISO-Image-Datei bislang übrigens ungefähr 100.000 bis 200.000 Mal heruntergeladen wurde, die größtenteils unter Zeitdruck entstand und gar erst nach 20 Tagen Verspätung ins Presswerk ging, einige Schwierigkeiten [7] mit sich, die sich in aller Regel jedoch auf optische Aspekte bezieht. So etwa, dass einige Seiten auf das Browser-Bild optimiert wurde, oder dass mathematische Formeln (Stichwort LaTeX) noch nicht automatisch umgewandelt werden können sondern als Bitmaps abgespeichert werden mussten, was durchaus seinen Speicherplatz kostet.
Derzeit wird im Übrigen geplant, eine Wikipedia-Distribution auf DVD- und CD-ROM im Rahmen der Leipziger Buchmesse 2005 am 17. Mai des kommenden Jahres zu veröffentlichen [8], die die genannten Schwächen dann ausmerzen soll. Ferner soll die DVD(5)-Version eben jene Limits aufheben, die derzeit dazu führen, dass die CD-ROM kein komplettes 1:1-Abbild der Wikipedia ist.
Vergleich
Nachfolgend dann also der Vergleich der beiden Konkurrenten, der auf zwei Teile aufgeteilt wurde: Einerseits wird der strukturelle bzw. Layoutaspekt angesprochen, dann folgt der eigentliche (quantitative und qualitative) Vergleich der Inhalte.
Struktur und Layout
Ehe auf den inhaltlichen Aspekt eingegangen wird, möchten wir zunächst ein paar Takte zu den jeweiligen Benutzeroberflächen verlieren: Hier hat eindeutig Encarta die besseren Karten in der Hand. Weder die Online-, noch die Offline-Version der Wikipedia können dem Redmonder Mitspieler hier wirklich das Wasser reichen. Encarta beherbergt mindestens alles, was Wikipedia ebenfalls hat - und noch mehr. Erstaunlicher Weise hält sich die Performance bei Encarta trotz aller Animationen noch im grünen Bereich, wenngleich die Wikipedia-CD-Fassung hier angesichts der Schlichtheit ein Bisschen schneller daherkommt. In beide Oberflächen kann man sich jedoch zweifellos schnell einarbeiten und sie dann entsprechend effizient nutzen, was bei der Online-Fassung der Wikipedia möglicherweise etwas länger dauern könnte, sich im Nachhinein aber auch rentiert.
Auch in Sachen Multimedia war im Grunde schon im Vorfeld klar, dass hier ebenfalls Encarta trumpfen können wird. Inwiefern ein - wenn auch durchdachter - Weltatlas bzw. (enzyklopädisches) Kartenmaterial zu einer Enzyklopädie gehören sollten, sei dahingestellt. Doch überzeugen auch sämtliche andere Medien wie Animationen, Bilder, Videos und das Historama der Professional-Version prinzipiell auf ganzer Linie. Sie hauchen der Software eine gewisse Eigendynamik ein, die gerade bei der CD-Fassung der Wikipedia auf Anhieb fehlt - hier wird das Ganze sehr sachlich und statisch gehalten. Nichtsdestotrotz befindet sich Wikipedia gerade mit Überlegungen und Versuchen à la gesprochene Artikel auf dem richtigen Pfad; in Sachen Bebilderung steht Wikipedia Microsofts Pendant in nichts nach.
Was die Querverweise innerhalb der jeweiligen Lösungen anbelangt, tun sich die Konkurrenten nicht viel. Alle Lösungen sorgen in Maßen in gekonnter Art und Weise dafür, dass der Benutzer von Artikel zu Artikel springt und sich möglichst viele Informationen zu einem Thema und dessen Randthemen beschafft.
Gewiss soll das Wörterbuch von Encarta 2005 Professional nicht ins Hintertreffen geraten, wenngleich es ebenfalls auf einen wachsenden Konkurrenten stößt: das Wiktionary [9] („Wiki dictionary“). Zugegebenermaßen nicht direkt ein Teil von Wikipedia, jedoch ein Teil der wachsenden Wiki-Gemeinde und ein mindestens ebenso elaboriertes und seriöses Projekt wie die Wikipedia selbst.
Und überhaupt gibt es nebst Wikipedia noch eine ganze Reihe anderer, teils beeindruckender Projekte, die auf dem Wiki-Prinzip aufbauen, als da wären:
- Wiktionary [8] (Wörterbuch)
- Wikibooks [10] (teilweise ganze Lehrbücher)
- Wikinews (Beta) [11] (Nachrichten)
- Wikiquote [12] (Zitate)
- Wikisource [13] (Quellensammlung)
- Wikispecies [14] (Artenverzeichnis)
- Wikimedia Commons [15] (Mediensammlung)
- Meta-Wiki [16] (Projektkoordination der großen Wiki-Projekte)
Und wird bei Encarta 2005 Professional als Unterprogramm ein Wörterbuch mitgeliefert, dürfte es nicht verwerflich sein, Wikipedia im Rahmen dieses Vergleiches das Wiktionary zur Seite zu stellen. Beide können die jeweiligen Print-Derivate durchaus ersetzen, doch bietet Encartas Wörterbuch den Vorteil der optionalen Zweisprachigkeit. In Sachen Recherchen dürfte sich gerade Wikisource als sehr hilfreich erweisen.
Nachteilig bei all diesen Wiki-Projekten ist jedoch eines: Sie stehen nicht immer zur Verfügung. Leider sind die entsprechenden Server relativ oft überlastet und reagieren nur sehr träge oder gar nicht, was den Wissensdurst durchaus schneller dämpfen kann, als man denkt. Lediglich Offline-Fassungen wie die Wikipedia-CD lösen dieses Problem auf Kosten der Aktualität, was bei Encarta jedoch weitestgehend ebenfalls der Fall ist.
Inhalte
Sprechen wir nun also über den Inhalt, bei dem in manchen Bereichen nur recht schwierig ein gänzlich eindeutiges Urteil gefällt werden kann. Klickt man sich durch die Inhalte Encartas, fällt auf, dass der Fokus hier offenbar besonders auf gesellschaftliche und eher allgemeinere Themen gelegt wurde, was von den Themenbereichen der enzyklopädischen Karten untermauert wird. Insofern tut sich Encarta hier entsprechend schwer, die Artikel mit wissenschaftlicherem Belang konkreter bzw. detailreicher anzugehen, was angesichts der Zielgruppe - eben der „ganzen Familie“ - jedoch nicht verwunderlich ist. Encarta ist ohnehin dafür ausgelegt, dass auch jüngere Kinder ihren Nutzen aus dem Programm ziehen können, was sich eindeutig im Inhalt widerspiegelt.
Die Wikipedia hat hingegen explizit was wissenschaftliche Themen anbelangt teilweise exzellente Inhalte vorzuweisen. Der Einsatz von LaTeX ist als alles andere als spärlich zu bezeichnen, und auch sonst sind die jeweiligen Artikel dieser Sparte sehr elaboriert.


Was sich bei Computern bereits am Horizont abzeichnete, lässt sich bei den Sektionen Mathematik, Physik und Chemie - also grundsätzlich naturwissenschaftlichen Themen - bestätigen: Hier hat Wikipedia die Nase vorn. Der massive Einsatz von LaTeX sorgt nicht nur für mehr Übersicht, sondern schlicht für komplettere Artikel. Bestenfalls reicht Encarta hier knapp an Wikipedias Artikel heran, wird jedoch oft schlicht vom Open-Content-Monster überrannt:












Was Wikipedia zweifellos (noch?) nicht bieten kann, ist Encartas Weltatlas bzw. die enzyklopädischen Karten. An diesem Punkt kann eindeutig Encarta punkten.
Dass Karl Marx Recht hatte und Quantität tatsächlich Qualität bewirkt, lässt sich anhand der Wikipedia möglicherweise bestätigen: Hinsichtlich der Artikelanzahl kommt Encarta sowohl in der Standard- als auch Professional-Version ganz schön ins Schwitzen - über drei Mal so viele Artikel wie die Multimedia-Giganten weist Wikipedia derzeit vor. Und an eben dieser Stelle ist das Hauptaugenmerk auf „derzeit“ zu legen: Wikipedia wächst dauerhaft mit einer äußerst steilen Tendenz. Insofern steigt nicht nur die Quantität der Artikel, sondern früher oder später auch schlicht die Qualität, da sich immer mehr Nutzer finden, die zum Projekt kontributieren.
Artikelanzahl
Angaben in Artikel
|
Interessant ist an dieser Stelle, dass die US-amerikanische Version offenbar ein gutes Stück weit mehr an Inhalt bieten kann, als die deutschsprachige Encarta-Version. Ein solcher Zahlenunterschied lässt sich auch bei multimedialen Inhalten sowie den Karteneinträgen et cetera feststellen. Die englische Wikipedia hat übrigens über 400.000 Einträge.
Der Vorteil Wikipedias überhaupt ist natürlich das Konzept selbst: Jedermann kann seine Finger mit ihm Spiel haben - und das haben die Meisten. Immer mehr Leute trauen sich angesichts der partiell sehr gut ausgearbeiteten Hilfestellungen, Artikel zu erweitern. Dies ist auch verständlich: Wenn man etwas besser weiß und - vom positiven Effekt abgesehen - absolut ohne Konsequenzen bearbeiten kann - warum sollte man es nicht tun? Sicher, die Wiki-Syntax ist irgendwo gewöhnungsbedürftig, aber hat man erst einmal den Dreh 'raus, wagt man sich an nahezu alle Artikel heran - und sei es nur eine stilistische Verbesserung. Microsofts MSN Encarta ist hier jedenfalls nahezu ein Witz: Zwar mag dieser Service ebenfalls aktuell gehalten sein, doch werden nur die Wenigsten 29,99 Euro pro Jahr zahlen, wenn ein paar Mausklicks weiter Wikipedia mit kostenlosen Inhalten auf den User wartet.
Ebenso gewichtig ist der Nachteil der Abstinenz jeglicher redaktioneller Überprüfung der Inhalte: Es ist nie garantiert, dass das, was auf den Seiten der Wikipedia zur Verfügung steht, auch nur ansatzweise korrekt ist - und an der Rechtschreibung und Grammatik hapert es gerade in neueren Artikeln teilweise gewaltig. Je populärer ein Artikel ist, desto wahrscheinlicher ist eine solche Überprüfung allerdings, wenngleich eine Garantie nie gegeben sein wird.
Fazit
Für den Endverbraucher bedeutet das alles: Wer Vertrauen in die Leute hat und Wert auf den sachlichen, unverblümten Inhalt legt, ist mit der Wikipedia schlicht und ergreifend besser bedient. Man muss sich vor Augen halten, dass es sich bei Wikipedia um ein (sehr) dynamisches Unterfangen handelt, das stetig erweitert, ergänzt und verbessert wird. Wikipedia ist noch lange nicht am Ende der Entwicklung und seiner Möglichkeiten angelangt.
Wer es hingegen animiert oder gar auditiv unterstützt präferiert, der sollte zu Encarta greifen, was sich wohl gerade bei Kindern anbietet, die mit sehr wissenschaftlichen Inhalten ohnehin noch nicht viel anfangen können. Die Encarta-Inhalte sind absolut gesehen nicht schlecht - in Relation zu Lösungen wie der Wikipedia geht es in vielerlei Hinsicht jedoch besser sowie weitaus detaillierter; Encarta umreißt die Themen oftmals nur. Die Redmonder Enzyklopädie ist angesichts des Wörterbuchs, des Weltatlasses und allen anderen Features schlicht mehr als eine reine Enzyklopädie, was sich jedoch oft negativ auf die eigentlichen Inhalte auswirkt. Zudem existiert hier lediglich die Dynamik, dass jährlich eine neue Fassung der Encarta-Enzyklopädie veröffentlicht wird, bei der die Arbeit in der Regel jedoch in die Oberfläche und multimedialen Inhalte fließt.
Zur CD-Fassung der Wikipedia lässt sich im Grunde konkludierend sagen: Sie erfüllt weitestgehend ihren Zweck. Wer es sich beispielsweise nicht leisten kann, dauernd online zu sein, der ist mit dieser CD bestens bedient, da nur wenige multimediale Inhalte (Bilder) verloren gehen - und das Beste: Die CD steht kostenlos zum Download zur Verfügung und kann unter Umständen - es wurden etwa 40.000 CDs verteilt - gegen eine Schutzgebühr auch im Buchhandel erworben werden. Wer mit der CD bereits seine Freude hatte, dürfte sich zudem auf die zuvor erwähnte Wikipedia-Distribution freuen.
Auf den Punkt gebracht: Für die schnelle, sehr allgemeine und multimedial unterstützte Informationsbeschaffung: Encarta 2005, bei Bedarf Professional. Für alles Andere: Wikipedia mit den zugehörigen Seiten. Letztlich ist es eine Frage der persönlichen Präferenzen, Bedingungen und Notwendigkeiten.














