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Bericht: Assassin's Creed

von Sasan Abdi

Vorwort

Mit PC-Spielen ist es ähnlich wie mit Kinofilmen: Auch die beste Produktion braucht eine solide Marketing- und PR-Arbeit, um den Verantwortlichen neben einem Imagegewinn auch ökonomischen Erfolg zu sichern. Im Normalfall bedarf es dazu einer gewissen Summe Geld und dem passenden Knowhow. Günstiger geht es, wenn für die Erregung der öffentlichen Aufmerksamkeit Personen zur Verfügung stehen, am besten solche, die „anders“ sind und dadurch auffallen.

Letzteres Prinzip wurde vorbildlich auf Assassin's Creed angewendet und das aus dem einfachen Grund, weil der im Morgenland spielende Meuchelmörder-Spaß nicht etwa von einem Mann (chef-)entwickelt wurde, der die in der breiten Öffentlichkeit verbreiteten Merkmale eines Programer-Geeks erfüllt, sondern weil das Ubisoft-Spiel von einer Person geschaffen wurde, die so gar nicht in das „Schema F“ passen will und die neben all den fehlenden Merkmalen obendrein auch noch eine Frau ist. Das mediale Interesse wurde sozusagen erzeugt, weil jemand „normal“ war, obwohl er es eigentlich nicht sein sollte.

Assassin's Creed – Packshot

Und so verwundert es nicht, dass Jade Raymond, das Mastermind hinter Assassin's Creed, sich mit dem Näherkommen der PC-Version von Beginn des Jahres an immer mal wieder mit Interviews und Berichten in der deutschen Presse wiederfand und das wohl vor allem deswegen, weil ihr gepflegtes Äußeres so gar nicht mit ihrer Profession zusammenpassen will. Der Hype um Miss Jade war so groß, dass sich selbst einige führende Feuilletons genötigt sahen, die ebenso talentierte wie eloquente Entwicklerin zu einem Gespräch einzuladen.

Dass Vorab-Hypes sich auf die reelle Bewertung eines Titels problematisch auswirken können, ist spätestens seit Crysis bekannt [1]. In diesem Fall aber gestaltet sich die Situation ein bisschen entspannter, schließlich hat Assassin's Creed auf der Konsole bewiesen, dass es Potential hat. Auf der anderen Seite aber ist die Portierung von Spielen auf dritte Plattformen dann doch häufig ein heikles Geschäft, in das manchmal zu wenig investiert wird und das deswegen dazu führen kann, dass das Spiel auf dem Weg von A nach B einiges an Attraktivität verliert.

Vor diesem Hintergrund soll Assassin's Creed für den PC auf den kommenden Seiten unter die Lupe genommen werden. Dabei sollen aber keine parallelen zur Konsolen-Variante gezogen werden. Stattdessen stellt sich die Frage, ob Assassin's Creed separat für den PC betrachtet ein gelungener Titel ist.

Inhaltliches

Auf den ersten Blick setzt sich Assassin's Creed in Sachen Inhalt von den meisten aktuellen Spielen ab. Zu Beginn dieses Tests soll es deswegen auch gleich um genau diesen gehen.

Plot

Die Einordnung in ein Genre fällt für Assassin's Creed reichlich schwer. Anstelle eines Begriffs wie „Action-Adventure“ macht sich die folgende Beschreibung wohl etwas konkreter: Assassin's Creed ist weitgehend ein interessanter Mix aus Tomb Raider und Spielen wie der Gothic- oder auch der Thief-Serie. Dabei trifft das Actionreiche und Lineare aus der Lara Croft Reihe auf die weitläufige – aber für den Spieler in diesem Fall inhaltlich nicht sonderlich interessante und zugängliche – Weite eines Gothic III sowie den Schleich-Anteil von Thief.

Auch das Setting ist, gerade für einen solchen Titel, vergleichsweise ungewöhnlich gewählt: Statt in einer futuristischen Zukunft, einer höchst fiktiven Gegenwart oder aber in einem Weltkrieg spielt Assassin's Creed im vorderen Orient der Kreuzzüge und somit in einer Zeit, die normalerweise eher für rundenbasierte Strategiespiele à la Medieval: Total War bekannt ist.

Allerdings wäre es für ein actiongeladenes Epos im Stile Hollywoods, das Assassin's Creed insgesamt durchaus ist, wohl ein Frevel, wenn nicht doch ein bisschen Futuristik mit in die Handlung spielen würde. So schlüpft der Spieler zunächst in die Rolle von Desmond Miles, der in einer Gegenwart lebt, die nicht unbedingt abwegig erscheint und der eigentlich nur ein Barkeeper ist. Doch muss sich Desmond aufgrund seiner Gene in die Dienste eines zwielichtigen Konzerns fügen, der ihn mit Hilfe des sogenannten Animus in die Vergangenheit seines Assassinen-Vorfahren Altair (gesprochen: Alta-ir) schickt und ihn dessen Leben aus zunächst unbekannten Gründen noch einmal durchleben lässt.

Assassin's Creed – Desmond Assassin's Creed – Desmond
Desmond: Gefangener seiner Gene

Dieser kleine storytechnische Kniff ist nicht unbedingt sonderlich originell, doch haben sich die Macher in einer Zeit, in der Spiele, die ausschließlich in der Vergangenheit stattfinden, irgendwie altbacken wirken, wohl nicht getraut, Assassin's Creed gänzlich ins 12. Jahrhundert zu verlegen. Doch immerhin wirken die kurzen Zwischensequenzen, in denen man in die Gegenwart zurückgelangt und als „echter“ Desmond Stück für Stück herausfindet, wozu die gesamte Aktion eigentlich dienen soll, manchmal sogar recht erfrischend. Außerdem erlaubt es sich für die Entwickler so, Altair mit neuzeitlichen Errungenschaften wie einem punktgenauen GPS auszustatten – ein grandioses Feature in den verwinkelten Gassen von Damaskus, Jerusalem und Co.

Assassin's Creed – Animus
Der Animus aus Assassin's Creed

Und so durchlebt Desmond im Animus liegend noch einmal, wie der hochnäsige Altair aufgrund seiner Arroganz zunächst alle Ränge in der Gemeinschaft der assassinischen Elite-Mörder, die sich als Kämpfer für den Frieden unter den Menschen versteht, verliert und diese durch neun gezielte Morde wiedererlangen muss. Während sich die Zielpersonen zu Beginn der Handlung offenbar als böse Zeitgenossen entpuppen, die nichts anderes im Sinn haben, als am dritten Kreuzzug und dem bevorstehenden Sturm König Richards auf Jerusalem als Kriegsgewinner zu profitieren, wachsen Altair von Mission zu Mission die Zweifel und schon bald stellt sich die auch heute nach wie vor höchst relevante Gretchenfrage, nämlich die, wer denn nun wirklich gut und wer tatsächlich böse ist unter den vielen religiösen Eiferern, die sich damals – wie wohl auch heute – im vorderen Orient herumtreiben.

Insgesamt gestaltet sich der Plot von Assassin's Creed – eine Schlüsselszene bietet der oben verlinkte offizielle Trailer zum Spiel – über weite Strecken als spannend und wohl durchdacht. Zwischen den generellen Wirren des Krieges bleiben die tatsächlichen Hintergründe – sowohl in Altairs als auch in Desmonds Gegenwart – im schummrigen Dunkeln. Der Ausgang dieser zwiespältigen Suche soll an dieser Stelle bewusst nicht behandelt werden, doch endet Assassin's Creed auf eine Weise, die vielen Zeitgenossen zumindest fragwürdig vorkommen dürfte.

Missionsdesign

Das Missionsdesign von Assassin's Creed nimmt einen anfänglich wirklich in seinen Bann. So gilt es beispielsweise, einen angeblichen Waffenschieber in Damaskus möglichst lautlos zu eliminieren. Dazu muss Altair vom Stützpunkt der Assassinen zum Zielort Damaskus reiten. Dort angekommen erhält man in der gutversteckten Hinterhof-Zweigstelle der Bruderschaft erste Tipps, wo nach konkreteren Hinweisen zu suchen ist. Sodann kann man der wohl atemberaubendsten Tätigkeit des Spiels, der Fassadenkletterei, fröhnen.

Geschickt wie eine Katze lässt sich Altair dazu über Hauswände und Überstände auf die Dächer der mittelalterlichen Städte lotsen, um dann an schmalsten Vorsprüngen und Fenstern hohe Türme wie jene von Kirchen oder Moscheen zu erklimmen. Oben angelangt werden die umliegenden Viertel der Stadt via GPS synchronisiert und man erhält weitere Anhaltspunkte – um wieder auf den Boden der Tatsachen zu gelangen reicht ein eleganter Todessprung in eines der vielen Heufuhrwerke.

Assassin's Creed – Todessprung
Todessprung als bequeme Alternative, um wieder auf die Erde zu gelangen

Assassin's Creed – Free-Climbing Assassin's Creed – Free-Climbing Assassin's Creed – Free-Climbing
Fassenkletterei-Deluxe – für Altair kein Problem

Diese Anhaltspunkte sind auch dringend nötig, denn bevor man zuschlagen kann gilt es, weitere Informationen über die Routinen der Zielperson zu sammeln. Dazu können verschiedene Informationskanäle genutzt werden: So ist es möglich, dem Ziel nahestehende Personen mit ein paar Fausthieben zuzusetzen und so ein paar Hinweise zu erhalten. Einen weniger brutalen Weg stellt das Belauschen von Schergen oder normalen Bewohnern am Marktplatz dar. Eine dritte – und im Vergleich zur Konsolen-Version in Teilen neue – Möglichkeit stellt die Option dar, anderen Assassinen in der Stadt einen Dienst zu erweisen und so an weitere Informationen zu gelangen. Dies funktioniert über verschiedene Minispiele, bei denen man beispielsweise unter Zeitdruck ein paar Leibwachen erledigen, eine bestimmte Anzahl von Fahnen sammeln oder über die Dächer von A nach B gelangen muss. An dieser Stelle verliert Assassin's Creed also ein wenig an Linearität, da der Spieler selbst entscheiden kann, welche der vorhandenen Informationsquellen und damit verbundenen Aufgaben er nutzen will. Allerdings ist der Ausgang dieser Wahl unerheblich – Hauptsache, man erfüllt die notwendige Anzahl der Nebenquests; um welche es sich dabei speziell handelt, hat keinen weiteren Einfluss. Optional können auch die weiteren Quellen angezapft werden, doch ergibt sich aus daraus kein Vorteil – was schnell dazu führt, das man nur das Minimum erfüllt, um dann zuzuschlagen.

Assassin's Creed – Lauschangriff
Lauschangriff: Dank guter Ohren auch von Ferne möglich

Was sich Anfangs insgesamt als sehr spaßig gestaltet, wird spätestens beim dritten Attentat ziemlich langweilig. Das große Problem ist die stetige Wiederholung bereits erlebter Handlungen. Eigentlich immer gelangt man auf dem gleichen Weg in die Stadt: Vor den Toren einem Gelehrten helfen, der von einer handvoll Wachen gepeinigt wird. Sodann kann man sich in die Mitte einer devoten Gelehrten-Gruppe nehmen lassen, die ohne Kontrollen das Tor passieren darf. Nachdem das Assassinen-Büro aufgesucht und ein paar Türme erklommen wurden, sieht man sich immer gleichen Informationsquellen gegenüber, was bedeutet: Leute verprügeln, beklauen oder belauschen – die einzige, kleine Abwechslung bieten die kurzweiligen Minispiele, die sich inhaltlich zumindest prinzipiell von den häufig deckungsgleichen Aufgaben der Informationsgewinnung unterscheiden.

Assassin's Creed – Gelehrte
Gelehrte stellen die beste Deckung dar

Und so verliert das Missionsdesign von Assassin's Creed spätestens nach der Hälfte der gut 15 bis 20 Stunden Spielzeit einen Teil seines Reizes – was wirklich schade ist, da dies durch eine etwas größere Variation in der Aufgabengestaltung hätte verhindert werden können. Ab diesem Zeitpunkt wirken dann nicht mehr die Aufgaben motivierend, sondern vielmehr das Interesse am Fortgang der im vorherigen Abschnitt beschriebenen spannenden Geschichte. Ein wenig aufgewertet wird dieser Minuspunkt aber durch die wirklich gelungene Atmosphäre, die dank weitgehend intelligent agierenden Zivilisten und malerisch nachempfundenen, alten Stadtkernen samt Türmen und Minaretten erzeugt wird.

Kämpferisches

Im Bereich „Inhaltliches“ konnte Assassin's Creed alles in allem überzeugen. Auch wenn der anfängliche, von der grandiosen Atmosphäre und dem urbanen Free-Climbing erzeugte Rausch mit zunehmender Anzahl abgeschlossener Missionen stetig abflaut, so hält einen die Geschichte doch bis zum bitteren Ende bei der Stange. Höchste Zeit, sich Assassin's Creed etwas mehr im Detail anzuschauen.

Steuerung

Gerade weil es sich bei Assassin's Creed um eine Portierung von der Konsole handelt, verdient der Punkt „Steuerung“ eine erhöhte Aufmerksamkeit, da eine schlampige Umsetzung an dieser Stelle schwer wiegen kann. Doch kann hier gleich Entwarnung gegeben werden: Man wird wohl in keinem Fall zu dem Schluss gelangen, dass sich Altair am PC mit Maus und Tastatur sonderlich intuitiv steuern ließe, doch funktioniert das Ganze alles in allem recht solide.

Assassin's Creed
Anfängliche Einblendungen erleichtern die Steuerung

Nach einer kurzen Eingewöhnungszeit, in der einem das kurze und gelungene Tutorial zu gute kommt, dauert es nicht mehr allzu lange, bis man weitgehend mühelos mit den WASD-, der Leer-, Umstell- und E-Taste sowie der Maus durch die orientalischen Städte manövrieren kann. Die Mehrfachbelegung der besagten Tasten wird anfangs am oberen Bildschirmrand visualisiert, was einer möglichen Verwirrung im Kampf oder bei der Flucht vorbeugt.

KI

Die Künstliche Intelligenz der NPCs ist gut gelungen. Die Stadtwachen lassen sich nicht leicht hinters Licht führen, sind prinzipiell misstrauisch und ziehen sehr schnell ihre Schwerter. Auch reagieren sie auf ihre Umwelt: Rempelt man beim Anschleichen an einen hinderlichen Posten einen Passanten an, der seinen Tonkrug fallen lässt, so ist Ärger vorprogrammiert. Auch plötzlich aufstobende Tauben sorgen bei der Wachmannschaft für Aufsehen. Diese Wachsamkeit kann man sich aber auch zunutze machen: Ein gut positionierter toter Kamerad lässt Torwachen schonmal von ihrem Posten verschwinden, sodass man auf einen nervenaufreibenden Kampf oder die Chauffierung durch Gelehrte verzichten kann.

Der Grad der Aufmerksamkeit, die man erregt, wird durch eine Darstellung am oberen Bildrand visualisiert. Während man bei einem weißen Symbol unauffällig ist, steht man bei einem gelben unter besonderer Beobachtung. Rot wird das Symbol, wenn die Wachen misstrauisch sind oder bereits zum Angriff übergehen. Generell lässt sich die eigene Auffälligkeit verringern, wenn man sich via Leertaste in die gebückte Haltung eines Gelehrten begibt, was aber einen ungleich langsameren Gang zur Folge hat.

Assassin's Creed – Kampf
Wer einmal auffällt, sieht sich schnell von einer Gruppe Wachen umringt

Was in der Stadt realistisch ist, ist auf dem Land nervig. So fragt sich, warum die zahlreich vorkommenden Wachposten auf den großen Straßen zwischen den Städten einen sofort als Assassinen entlarven, wenn man galoppiert, dies aber nicht tun, wenn man sachte und langsam vorbeireitet – ob der Reitstil wohl ähnlich wie die Mimik etwas über die wahren Absichten einer Person verrät? Jedenfalls führt dies dazu, dass man entweder wild gehetzt durch die Landschaft prescht oder tatsächlich andauernd zum gemächlichen Ritt ansetzt, was das anfänglich nötige Reisen zwischen den Städten zu einer recht langwierigen Prozedur macht.

Auch die Zivilisten und Zielpersonen sind mit einer guten KI ausgestattet. So lassen sich erstere nicht allzu leicht beklauen und haben ihren ganz eigenen Kopf, während letztere ihre Umgebung stets misstrauisch beäugen und es Altair möglichst schwer machen, sie in einer abgeschiedenen, dunklen Gasse zu erwischen.

Waffen

Das Waffenarsenal des Meuchelspezialisten Altair ist überschaubar, aber völlig ausreichend. Neben einem Schwert und einem weniger auffälligen Kurzschwert kann im Verlauf des Spiels auch auf eine sehr nützliche „Hidden Blade“ zurückgegriffen werden, bei der es sich um eine ausfahrbare Mini-Klinge handelt, die am Handgelenk befestigt ist und die sich dadurch ideal zum lautlosen und unauffälligen Töten eignet. Abgerundet wird das Ganze durch Wurfmesser, die nötigenfalls im Fernkampf eingesetzt werden können.

Assassin's Creed
Beste Wahl im offenen Kampf: Das Schwert

Schwierigkeitsgrad

Der Schwierigkeitsgrad von Assassin's Creed ist nicht einstellbar. Stattdessen steigert er sich automatisch von Mission zu Mission. Dies äußert sich darin, dass die Zielpersonen sich an immer unzugänglicheren Orten aufhalten und von immer mehr Wachpersonal umgeben sind. Außerdem sind die Stadtwachen ab einem bestimmten Zeitpunkt deutlich misstrauischer als noch zu Anfang.

Insgesamt ist der Grad der Schwierigkeit gut gelungen. Während der geübte Spieler anfänglich keinerlei Probleme haben dürfte, gleich beim ersten Versuch Erfolg zu haben, sind im weiteren Verlauf der Geschichte durchaus mehrere Anläufe nötig, um eine Mission zu erfüllen.

Multiplayer

Der Multiplayer von Assassin's Creed ist, um es auf den Punkt zu bringen, nicht vorhanden. Auch wenn das Spielprinzip unter Umständen die Grundlage für einen neuen, innovativen Mehrspieler-Stil geboten hätte, ist das gänzliche Fehlen eines solchen Modus doch zu verkraften. Letzten Endes wäre es wohl doch nur auf eine simple PvP-Metzlerei hinausgelaufen – ein Feature, auf das man bei den vielen durchschnittlich geratenen Mehrspieler-Optionen, die man jährlich präsentiert bekommt, gerne verzichten kann. All jene, denen ein Multiplayer-Modus als Pflichtbeilage erscheint, müssen für Assassin's Creed an dieser Stelle einen Minuspunkt vermerken.

Technisches

Im Bereich Kämpferisches gab es prinzipiell nichts zu beanstanden. Die Steuerung und die KI sind gut gelungen, das Waffenarsenal ist überschaubar aber doch völlig angemessen geraten und der Schwierigkeitsgrad ist wohl gewählt. Einzig das Fehlen eines Multiplayers könnte dem einen oder anderen Spieler unter Umständen sauer aufstoßen, was aber wie beschrieben Ansichtssache ist. Im letzten Abschnitt geht es nun um die (audio)visuelle Umsetzung.

Grafik

Testsystem für Assassin's Creed

Herstellerempfehlung für Assassin's Creed

Assassin's Creed fußt auf einer eigenen Engine, die den Namen „Scimitar“ trägt. Es ist wohl auch dem Erfolg auf der Konsole zu danken – Assassin's Creed verkaufte sich dort weltweit um die fünf Millionen mal – dass sich angeblich schon weitere, auf dieser Engine basierende Titel in der Entwicklung befinden. Ein anderer Grund für den Erfolg der Technologie dürfte sein, dass Assassin's Creed damit nicht nur verdammt gut aussieht, sondern auch noch vergleichsweise systemschonend läuft.

Assassin's Creed – Grafische Umsetzung
Im Visier: Altair beobachtet einen vorgeblichen Foltermeister

Assassin's Creed – Grafische Umsetzung Assassin's Creed – Grafische Umsetzung Assassin's Creed – Grafische Umsetzung

Neben ansehnlichen Charakteranimationen bietet Assassin's Creed wunderschöne Licht- und Schattenreflexe, gelungene Nebel- und Dunsteffekte und authentische Texturen – und das, ohne Ladezeiten innerhalb der Städte erforderlich zu machen. An dieser Stelle muss aber erwähnt werden, dass Nutzer einer 4:3-Auflösung mit schwarzen Balken leben müssen, da Assassin's Creed für eine solche Darstellung nicht optimiert ist.

Insgesamt lief das Spiel auf dem Testsystem in einer Auflösung von 1400 * 900 mit 1xAA/1xAF (Catalyst 8.3) mit soliden 40 bis 50 Bildern pro Sekunde. Weiter ausreizen ließ sich die Darstellung allerdings nicht: Bei einer höheren Auflösung (1680x1050) und 4xAA gingen die FPS-Werte in den Bereich der 15 bis 30, was das Spielen auf weiten Strecken zum Daumenkino-Erlebnis machte. Weitere Angaben zur Performance von Assassin's Creed liefert unser Bericht „Windows Vista: Geschwindigkeitscheck“ [2].

Sound- & Sprachumsetzung

Die Sound- und Sprachumsetzung gibt keinerlei Anlass zur Beschwerde. Während sich dies im Audiobereich bei den meisten Titeln sagen lässt, die den Anspruch haben, Verkaufsknüller zu werden, ist dies gerade in puncto Sprachumsetzung häufig nicht der Fall. Assassin's Creed aber weiß mit einer wirklich sauberen Synchronisierung zu überzeugen – ein Umstand, der nennenswert zur bereits erwähnten authentischen Atmosphäre beiträgt.

Fazit

Nach dem Erfolg auf der Konsole waren die Erwartungen, mit der an diesen Test gegangen wurde, recht hoch. Zu oft erwiesen sich Portierungen von hochgelobten Titeln in der Vergangenheit als mäßig gelungen und so war auch in diesem Fall die natürliche Skepsis zu einem gewissen Grad von vornherein vorhanden.

Doch gelang es Assassin's Creed bereits in den ersten zehn Minuten, eben diese in alle Winde zu zerstreuen. Zunächst ist dafür maßgeblich die packende grafische Umsetzung sowie das erstmal aufregend und innovativ wirkende Spielprinzip verantwortlich. Wirklich schade ist, dass das Spiel in dieser letzteren Hinsicht schnell abflaut. Schuld daran sind die viel zu einheitlichen Aufgaben, die erfüllt werden müssen, um zur Zielperson vorzurücken.

An dieser Stelle müsste das Fazit nun wohl zur weiteren Kritik an Assassin's Creed ansetzen, doch gibt es noch andere Aspekte, die Beachtung verdienen. Es ist der gelungenen, erfrischend authentischen Handlung zu danken, dass nach dem ersten – sprichwörtlichen – Höhenrausch kein Spannungsabfall zur großen Ernüchterung führt. Stattdessen verfolgt der Spieler nun die mit – manchmal etwas zu – breiten Monologen bespickte Geschichte, auch wenn die Fassadenkletterei, das Belauschen an Marktständen und das Eliminieren von Bogenschützen mittlerweile längst zum viel zu häufig durchgeführten Standard-Repertoire des Profi-Killers Altair gehört.

Bildstrecke „Assassin's Creed im Test“ (64 Bilder)
Assassin's Creed

Mit Blick auf die Geschichte und das Missionsdesign ließe sich also zu einem ausgeglichenen, eher positiven Fazit kommen. In Kombination mit der ansonsten wirklich gut gemachten Umsetzung – angefangen bei der Steuerung und KI, über die lebensechte und vergleichsweise systemschonende Grafik, bis hin zur sauber durchgeführten Synchronisation – muss Assassin's Creed aber doch ausdrücklich als sehr gelunge PC-Portierung eines bereits erfolgreichen Konsolen-Titels gelobt werden, womit auch die eingangs zentral formulierte Frage beantwortet wäre.

Zugegeben, das Jahr ist noch jung. Alles in allem aber könnte es bereits in seinem ersten Drittel mit Assassin's Creed einen der vielversprechendsten Spiele bereitgehalten haben.

Persönliches Fazit von Andreas Frischholz:
Die Reise durchs Morgenland hinter den Schultern von Altair ist allein Szenario-bedingt eine erfrischende Abwechslung zum sonstigen Spieleralltag. Die große und offene Spielwelt ist den Entwicklern hervorragend gelungen, insbesondere die Städte wirken äußerst glaubwürdig und setzen allein durch ihre Größe Maßstäbe. Im Zusammenspiel mit der anspruchsvollen Optik und dem stilvollen Design entsteht eine Faszination, die lange an den Monitor fesselt.

Hinzu kommt die clevere Erzählweise, die für eine vielschichtigere Handlung sorgt. Der Schnitt zwischen steriler Zukunftsvision und schmutzigem Mittelalter weiß zu gefallen. All dies ist aber auch nötig, um die Spieler dauerhaft bei der Stange zu halten, denn die eigentliche Spielmechanik kann mit dem hohen Niveau der Präsentation nicht mithalten. So wiederholen sich die Aufträge und Mini-Spiele immer wieder; wirklich Neues hat nach einer gewissen Zeit Seltenheitswert.

Das gilt auch für weitere Teile des Titels wie etwa das Kampfsystem oder die KI. Ersteres ist zwar allein wegen der äußerst gelungenen Animationen immer wieder ein Augenschmaus, jedoch stellt sich nach einiger Zeit eine gewisse Eintönigkeit ein. Die KI arbeitet ordentlich, vor allem die schiere Masse an NPCs in den Städten beeindruckt. Sobald feindliche Soldaten Altair über Dächer und Kanten verfolgen, sorgt das regelmäßig für spannende Momente und unterhält dauerhaft aufgrund der außergewöhnlichen Beweglichkeit des Assassinen (und seiner Verfolger). Jedoch fordern die Kämpfe und Fluchten auch nur, wenn eine größere Schar an NPCs die Verfolgung aufnimmt. Gelungene Einzelgefechte treten selten auf.

Lobenswert ist die Qualität der Portierung von der Xbox 360. Technisch gibt es nicht viel zu meckern - dass der Titel recht hohe Anforderung an ein System stellt, ist aufgrund der gebotenen Optik nicht weiter verwunderlich. Die Steuerung benötigt zwar ein wenig Einarbeitungszeit und hinterlässt in manchen Szenen einen recht hakligen Eindruck, geht im Großen und Ganzen aber gut von der Hand.

Sehenswert ist Assassin’s Creed also allemal, jedoch gibt es spielerisch durchaus Alternativen. Wer auf ausgefeiltere Schwertkämpfe steht, die zudem noch von einem Magie-System und diversen Physikspielereien unterstrichen werden, sollte einen Blick auf das mittlerweile einige Jahre alte und technisch ein wenig betagte Dark Messiah of Might and Magic werfen. Eine ausgefeiltere Handlung sowie mehr Abwechslung bei den Aufgaben bietet The Witcher. In puncto Spielwelt sucht aber Assassin’s Creed momentan und wohl noch auf lange Sicht Seinesgleichen.

URL-Liste:

  1. http://www.computerbase.de/artikel/software/2007/test_cryteks_crysis/
  2. http://www.computerbase.de/artikel/software/2008/bericht_windows_vista_geschwindigkeitscheck/3/#abschnitt_assassins_creed
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