Vorwort & Systeminformationen
Vom Regen in die Traufe – dieses Sprichwort trifft in höchstem Maße auf die Gruppe von Teenagern zu, die sich in ObsCure II erneut fiesen Monstern und mysteriösen Vorfällen in ihrer Umgebung stellen müssen. Für Freunde des Horror-Survival-Genres bedeutet der zweite Teil auf der PlayStation 2 oder dem PC: Baseballschläger raus für die Monsterjagd im „American-Pie-Look-Feel“.
Testsystem für ObsCure II:
- Windows Vista Ultimate (32 Bit)
- Intel Core 2 Duo E6700 @ 2,66 GHz
- Gigabyte GA-965P-DQ6
- GeForce 7900 GTX (512 MB)
- 2 x 1024 MB Crucial Ballistix (DDR2-RAM, PC2-8000)
Hersteller-Empfehlung für ObsCure II:
- Betriebssystem: Windows XP oder Vista (32 Bit)
- Prozessor: 2,4 GHz oder höher
- Speicher: 1 GB RAM
- Festplatte: 9 GB Festplattenspeicher
- Grafikkarte: DirectX 9.0c kompatibel, 128 MB
- Soundkarte: DirectX 9.0c kompatibel
- DVD-ROM: DVD-ROM-Laufwerk
- Steuerung: Tastatur und 3-Tasten-Maus oder Gamepad (letzteres bei Coop empfohlen)
ObsCure II auf einen Blick
Manchmal ist das Leben auch für Teenies so richtig hart. Dass Pickelchen und sonstige körperliche Problemzonen aber nicht alles sein müssen, zeigte ObsCure: Neben dem allgemeinen Stress der Pubertät und dem Druck in der Highschool sahen sich die Jugendlichen hier weitaus größeren Problemen gegenüber. Nach einer schrecklichen Nacht in der Schule veränderte sich das Leben aller Beteiligten maßgeblich und ein Jeder hoffte, dass sich die Geschehnisse niemals wiederholen würden.
Wäre der erste Titel nicht auf der einen Seite derart hochgelobt, auf der anderen Seite aber auch so häufig zerrissen worden und wäre das Genre nicht prinzipiell rar bestückt – die Träume der geschundenen Teenie-Seele hätten sich erfüllt und die Idee hinter ObsCure wäre vorerst von allen Spieleplattformen in die Nach-Primetime im Fernsehen verbannt worden. Doch so müssen die Charaktere in einem zweiten Teil noch einmal ans Werk.
So aber sah sich der niederländische Publisher Playlogic [1] genötigt, mit Hilfe der Spieleschmiede Hydrovisions [2] (Alone in the Dark 5) einen zweiten ObsCure-Teil [3] auszuloben, der eben jene Geschehnisse, die übrigens eine frappierende Parallele zum Film „The Faculty“ [4] aufwiesen, auf der PlayStation 2, der Wii und dem PC fortsetzt. Da auch der Teenie-Horror eine gewisse Stringenz erfordert, spielt ObsCure II gut zwei Jahre nach besagter Nacht in der Highschool. Einige der aus dem ersten Teil bekannten Charaktere sind auch dieses Mal wieder vertreten und bilden mit neuen Persönlichkeiten eine heterogene Truppe, die sich schon bald mit einem surrealen Problem an ihrem College konfrontiert sieht.
So scheint eine plötzlich überall wachsende neue Party-Droge, eine Art Blumen-Gewächs, das zerstampft inhaliert wird, nicht nur für höllisch gute Trips zu sorgen. Nein, die offenbar geträumten Horrorszenarios werden plötzlich wahr, was sich darin äußert, dass beispielsweise eine exklusive Party einer Burschenschaft zum Abendessen für eine Vielzahl von Monstern wird.




Selbstredend obliegt es der Allmacht des Spielers, herauszufinden, was genau es mit den Gewächsen auf sich hat und wie man die bizarren Vorgänge stoppen kann. Dabei entfaltet sich in ObsCure II ein durchaus klassischer, aber doch plausibler und recht spannender Plot, der nach und nach hinter die Kulissen der Lehranstalt und damit auf den Grund des Problems führt.
Im Zuge dessen streift der Spieler mit abwechselnden Duos seiner Gruppe durch verschiedene Areale wie das Studentenwohnheim, den Friedhof oder eben ein Burschenschaften-Clubhaus. Dabei kommt eine exzellent ausgewogene Balance an Action und Rätseln zum Einsatz, die Profi-Spielern auf Dauer eventuell langweilig werden könnte, nicht zuletzt aber für Einsteiger ideal ist.
So steht der Spieler zumeist nach einer großen Monster-Metzelei vor kniffligen Aufgaben wie dem Lösen von Puzzlen, dem Auffinden von einer Vielzahl von Schlüsseln oder einem Regalsystem, das zunächst richtig gestellt werden will, damit sich der weitere Weg auftut. Dazu muss der Spieler nicht nur ab und an sein Datenzentrum bemühen, sondern zunächst einmal den richtigen Charakter aus seinem Duo auswählen. Während die coolen Typen – darunter natürlich auch ein Skater – primär zuhauen können und Kisten und andere schwere Gegenstände bewegen können, übernehmen die Ladies im Spiel ganz klischeehaft die Denkaufgaben und enträtseln Puzzle sowie andere seltsame Gegenstände und können – gewieft wie sie sind – auch zahlreiche Schlösser knacken.
Grafik
Die Grafik von ObsCure II kann es nur bedingt mit der Pracht aktueller Shooter aufnehmen. Das muss sie aber auch nicht. In der vorliegenden Aufmachung genügt der Titel sämtlichen genretypischen Anforderungen, so dass die grafische Umsetzung grundlegend dazu beiträgt, dass man ObsCure II den Teenie-Horror-Plot atmosphärisch abnimmt und tatsächlich in das Geschehen abtauchen kann. Auch mit Blick auf die Genrekonkurrenz von Resident Evil 4 und dem Psycho-Schocker Silent Hill muss sich ObsCure II nicht verstecken. Einzig die sich teilweise wiederholenden Texturteile stoßen bei längerem Spielen dann doch sauer auf – ein Umstand, den die Macher mit etwas mehr Mühe sicher hätten vermeiden können.




Auf dem Testsystem lief ObsCure II in der maximalen Auflösung (1600*1200) mit 80 bis 90 Bildern pro Sekunde erwartungsgemäß flüssig und dürfte auch auf deutlich älteren Systemen keinerlei Performance-Probleme verursachen.
Sound
Wenn ein Genre maßgeblich von der soundtechnischen Umsetzung lebt, dann wohl das Survival-Adventure. Umso wichtiger, dass ObsCure II auch in Sachen Audio voll auf der Höhe ist. Was im ersten Teil passend zum Plot noch von den College-Rockern von Sum 41 realisiert wurde, leistet dieses Mal nicht minder hochwertig das Boston String Quartet sowie der Kinderchor der Pariser Oper – Gänsehaut-Effekte am Fließband und ein passender Soundtrack sind da garantiert.
Kamera
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Kameraführung, die entscheidend für Überblick, Spielspaß und Atmosphäre ist. Hier weist ObsCure II aber leider frappierende Defizite auf, die für große Unübersichtlichkeit sorgen und auf Dauer aufregen können. So gibt es beispielsweise keinerlei Möglichkeit, die Kamera hinter seinem Protagonisten festzustellen. Gerade bei Raumwechseln startet man außerdem zumeist mit einer besonders schlechten Einstellung des Blickwinkels – ein unschöner Umstand, da gerade hier die meisten Gegner zu erledigen sind. Und auch sonst weiß die Kameraführung nicht zu glänzen, so dass man oft wichtige Gegenstände übersieht und, sofern diese entscheidend für den Fortgang der Geschichte sind, dadurch für Minuten in einem Abschnitt gefangen ist.
Künstliche Intelligenz
Die Künstliche Intelligenz (KI) zeigt sich in ObsCure II von einer mittelmäßigen Seite. Während die Monster gerne mal an Hindernissen hängen bleiben oder öfter daneben hauen, strapazieren vor allem die von der KI gesteuerten Mitspieler die Nerven des Spielers. Gerade im Umgang mit Schlagwaffen (Baseball- oder Icehockeyschläger) wird der große Radius der Waffen den NPCs häufig zum Verhängnis. Da diese sich nicht im Ausweichen oder Abstand halten verstehen, kriegen sie meistens den für das Monster gedachten Schlag ab und quittieren diesen mit einem entsprechenden Kommentar. Auch beim Umgang mit schwereren Waffen – zum Beispiel der Schrotflinte – verstehen sich die Kumpanen exzellent darin, die maximale Streuung vom eigentlichen Ziel abzulenken. Einzige Abhilfe bietet hier der Elektroschocker, mit dem man die Gegner vergleichsweise gezielt und ohne großartiges Zielen niederstrecken kann.
Coop-Modus
Der Coop-Modus von ObsCure bedeutete schon zu Zeiten des ersten Teils einen nennenswerten Unterschied zur Genre-Konkurrenz. So kann auch im zweiten Teil jederzeit ein zweiter menschlicher Spieler in die Geschehnisse eingreifen und den von der KI gespielten Part des jeweilig aktiven Duos übernehmen. Anders als im ersten Teil müssen sich die beiden Spieler nun nicht mehr zwingend einen Bildschirm teilen: An kniffligen Stellen kann eine Person nach Absprache die Führung übernehmen, während der andere Spieler warten muss, bis eben jene durch Spieler Nummer Eins wieder abgegeben wurde. Dadurch bietet der Coop-Modus einige neue Aspekte bei dem Weg durch die jeweiligen Areale, was in der Tat sehr positiv ist. Auch wenn durchweg Genre-untypisch, könnte man an dieser Stelle aber bemängeln, dass es keinen echten gemeinsamen Modus gibt, wie man ihn beispielsweise aus dem RPG-Bereich kennt.
Um ObsCure II im Coop-Modus zu spielen, bedarf es eines Gamespads.
Synchronisation
Die Synchronisation gestaltet sich löblich, da es keine gibt. Die Stimmen wurden im Original belassen, was sehr zur Atmosphäre beiträgt. Man sollte als Spieler jedoch nicht den Fehler machen, die deutschen Untertitel zu aktivieren. Diese hinken nicht nur den Stimmen hinterher, sondern sind teilweise derart falsch beziehungsweise sinnentfremdet übersetzt, dass man meinen könnte, ein Grundschüler wäre mit der Aufgabe betraut worden.
Fazit
ObsCure II ist überraschend – in vielerlei Hinsicht. So zeigt der Titel zunächst einmal, dass auch ein noch so abgedroschenes Szenario immer noch genug hergeben kann, um ein spannendes, den Anforderungen eines Genres entsprechendes Spiel zu schaffen. Auf der anderen Seite aber wird der Beweis erbracht, dass die Referenz mit Silent Hill und dem eher actionlastigen Resident Evil 4 längst nicht ausgemacht ist.
ObsCure II kann es, wie auch der erste Teil, mit der jeweiligen Konkurrenz als eine Art Survival-Horror-Underdog aufnehmen und ist nicht zuletzt für Genre-Fremde, die mal hineinschnuppern möchten, einen Blick wert. Alten Hasen könnten der doch eher etwas seichte Plot und die vergleichsweise schnell zu durchschauenden Rätsel auf Dauer langweilig werden, so dass diese wohl weiterhin vornehmlich mit Silent Hill bedient sein dürften. Nicht zuletzt auch Gelegenheitsspieler dürfte ObsCure II ermutigen, einen ersten Schritt in das doch recht spezielle Segment zu tun. Gewisse Schwierigkeiten mit der Kameraführung sowie ein insgesamt alles andere als innovativer Plot sind aus diesem Grunde schnell verziehen.



