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Test: Cryteks Crysis

von Sasan Abdi

Vorwort

Es kommt nicht von ungefähr, dass Vorschusslorbeeren von umsichtigen Menschen mit großer Vorsicht verteilt und genossen werden. Allzu schnell könnten sich die damit verbundenen, überufernden Erwartungen an die eigene Leistung als zu hoch angesetzt entpuppen und am Ende herrscht Enttäuschung an Stelle der Begeisterung, die zu beobachten gewesen wäre, wenn weniger erwartet worden wäre. Crysis könnte ein Musterbeispiel sein. Denn nicht zuletzt aufgrund der bahnbrechend positiven Berichterstattung im Vorfeld der Veröffentlichung hat der neueste Coup aus dem Hause Crytek einiges zu leisten. Die Erwartungen sind ebenso hoch wie die Penibilität, mit welcher an diesen Test herangegangen werden soll.

Crysis Wallpaper
Crysis Wallpaper

Ob es den Verantwortlichen tatsächlich gelungen ist, eine neue Genre-Referenz – ja, das Spiel des Jahres zu schaffen – soll auf den nächsten Seiten geklärt werden.

Inhaltliches

Wohl in keinem anderen Spielesegment ist die Diskussion um die Gewichtung der grundlegenden Geschichte eines Titels kontroverser geführt worden als bei Egoshootern. Während die Traditionalisten darauf pochen, dass ein Shooter im Stile eines „Serious Sam“ keine nennenswerte Handlung, sondern ausschließlich zünftiges Geballer vorweisen muss, kam gerade in den letzten Jahren immer wieder die Forderung nach schlüssigen, sinnvollen Hindergrundhandlungen auch für Shooter auf – Half Life als Meilenstein immer vor Augen. Letztere Forderung soll an dieser Stelle nochmals explizit bekräftigt werden, bevor der Plot und das Missionsdesign von Crysis unter die Lupe genommen wird.

Crysis Startscreen
Crysis Startscreen

Plot

Crysis beginnt mit dem Fallschirmabsprung einer Nano-Anzüge tragenden US-Eliteeinheit über einem mittelgroßen, von koreanischen Truppen besetzten Eiland. Ziel der Elite-Kämpfer, zu denen natürlich auch der Spieler gehört, ist es, ein vor Ort aktives US-Forschungsteam von der Insel zu holen. Zumindest lautet die ursprüngliche Mission so. Im Verlauf der Handlung wird aber schnell klar, dass weitaus mehr hinter dem Auftrag steckt und dass das, wonach die Forscher gesucht haben, alles andere als tot oder vergessen ist.

Der Rest des Crysis-Plots spielt sich dann leider, der Ausgangssituation entsprechend, ziemlich konventionell. Während man im ersten Teil der zehn- bis zwölfstündigen Einzelspieler-Kampagne vor allem gegen die Koreaner ins Feld respektive in den Dschungel zieht, geht es im zweiten Teil vornehmlich in Höhlen gegen fiese, Kaulquappen ähnelnde Eis-Aliens zur Sache – Gordon Freeman und Co. lassen grüßen.

Insgesamt erzählt Crysis eine Geschichte, die man weitgehend als „ok“ bezeichnen kann, die sich de facto aber nahtlos in das Genre-Einerlei einreiht, das grob beschrieben und minimal auf Crysis abgewandelt, so lautet: Cooler Iron Man aus den USA versohlt im lässigen Nano-Anzug Koreaner und Aliens gleichermaßen.

Missionsdesign

Auch wenn das Missionsdesign von Crysis ähnlich wie der Plot nichts Bahnbrechendes in der Hinterhand hält, so kommt doch ordentlich Spaß auf. So ist beispielsweise das Areal, in dem man sich bewegen kann, schlicht weg riesig. Theoretisch steht es dem geneigten Spieler jederzeit frei, vom direkten Weg abzuweichen und die gesamte, doch recht große Insel zu erkunden.

Crysis-Mission – „Zerstöre die Flugabwehr“
Crysis-Mission – „Zerstöre die Flugabwehr“

Auch für weniger abenteuerlustige Spieler sind die Crysis-Aufträge ansprechend aufgebaut, auch wenn sie eigentlich immer so ablaufen, dass man von einem Punkt auf der Insel zum nächsten gescheucht wird. Auch die dabei gestellten Aufgaben stellen keine bisher nicht gesehenen Herausforderungen dar: Viel zu oft gilt es, Boden-Luft-Stellungen oder Störsender mit den eigenen Waffen auszuschalten oder Ziele für die Luftwaffe zu markieren (siehe Bilder oben und unten). Auch die häufige Rettung von Geiseln erklärt sich aus der Hintergrund-Handlung – Stichwort: „Rette die Forscher!“ – von selbst. Nervig oder aber realistisch ist das stets knappe Munitionsreservoir, das im wahrsten Sinne des Wortes manuell aufgestockt werden muss: Niedergeschossene Gegner lassen zwar stets ihre Waffen liegen, diese werden aber nicht beim Drüberlaufen eingesammelt, sondern müssen gezielt aufgehoben werden – für einige Spieler auf dem bewachsenen Dschungelboden ein fummeliges und deshalb lästiges, für die anderen ein realistisches Unterfangen.

Crysis-Mission – Luftwaffe zerlegt markiertes Munitionsdepot
Crysis-Mission – Luftwaffe zerlegt markiertes Munitionsdepot

Abgesehen davon sorgt das insgesamt sehr gelungene Missionsdesign für ein Mehr an Atmosphäre und das nicht zuletzt durch die Möglichkeit, verschiedene Wege zum Ziel zu nehmen. Dabei ist natürlich völlig klar, dass die Macher bei Crytek einen perfekten Weg vorgesehen haben, der sich beim Blick auf die Karte auch meistens sofort erschließt. Dennoch besitzt der Spieler die freie Wahl und kann sich seinen Zielen nach Belieben aus den verschiedenen Himmelsrichtungen nähern. Darüber hinaus aufgebrochen wird die eigentlich recht stringente Linearität der Missionen durch die zahlreichen sekundären Ziele, die in zuverlässiger Regelmäßigkeit über Funk angeboten werden.

Kämpferisches

Inhaltlich erwies sich Crysis soweit als vorzeigbar. Eine durchschnittliche Geschichte wird von einem guten Missionsdesign weitgehend aufgewertet. Höchste Zeit, auf einige spielerische Aspekte des Titels einzugehen.

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KI

Die Künstliche Intelligenz der Crysis NPCs (Non-Player Characters) kann sich sehen lassen. Vor allem die Gegner des Nano-Suit-Trägers sind in der Regel alles andere als dümmlich. Statt sich nach und nach auf ein Gefecht mit ihrem Widersacher einzulassen, rotten sich insbesondere die koreanischen KVA-Truppen gerne zusammen und kreisen einen sogar ein – eine besonders fiese Taktik im unübersichtlichen Dschungel.

Ein wenig getrübt wird dieser gute Eindruck von zeitweise anzutreffenden Totalausfällen der KI: So neigen manche KVA-NPCs dazu, den Dschungel am hellichten Tag mit Leuchtraketen zu erhellen. Nun könnte man argumentieren, dass dieses Vorgehen anderen Truppenteilen in der Umgebung als Warnung dienen könnte. Nach dem Abschuss besagter Leuchtgeschosse begnügen sich einige Koreaner aber damit, weiterhin auf das Blätterdach des Dschungels zu starren, anstatt sich wieder dem Kampf zu widmen. Auch das Feuerverhalten der Hubschrauber ist – neutral ausgedrückt – ungewöhnlich. Statt gezielt auf Gegner zu feuern, lieben es die NPC-Piloten, dauerfeuernd über dem Dschungel zu kreisen, auch wenn der Spieler an einer ganz anderen Position steht – ob sich da wohl andere US-Einheiten befinden?

Crysis – Überwiegend Starke KI in Aktion
Crysis – Überwiegend Starke KI in Aktion

Das Schussverhalten der gegnerischen NPC ist auch insgesamt wohl das größte Ärgernis an Crysis: Die KVA-Einheiten haben offenbar einen Röntgenblick. Es spielt meistens keine Rolle, wo der Spieler Deckung sucht, er kann gewiss sein, dass die Koreaner ihn, solange er sich in Reichweite befindet, gezielt unter Beschuss halten werden.

Einzige Rettung vor den Wall- beziehungsweise Gebüsch-hackenden Computergegnern bietet tatsächlicher Schutz in festen Strukturen oder aber – ganz schlicht – wegrennen oder zurückschießen. Besonders ärgerlich ist dieser Umstand bei Hubschraubern, für die man keine Rakete mehr übrig hat. Vor diesen kann sich der Nano-Suit-Träger noch so tief im Buschwerk verstecken; der Monitor wird weiterhin rot aufleuchten und die wahlweise weibliche oder männliche Stimme des Anzuges wird eindringlich darauf hinweisen, dass der Energiestand niedrig ist. Auch die vielerorts vorhandenen Blechhütten bieten nur unzureichenden Schutz, da der clevere NPC-Hubschrauberpilot häufig gerne gezielt durch das Dach schießt, sodass man eigentlich immer darauf achten muss, genügend Raketen mit sich zu führen.

Hubschrauber-Attacken wiegen ohne Raketenwerfer schwer
Hubschrauber-Attacken wiegen ohne Raketenwerfer schwer

Verschärft wird das „Röntgenblick-Problem“ durch die schier unglaubliche Standfähigkeit der Gegner: Selbst mit gezielten Schüssen aus einem schweren Maschinengewehr braucht es für die Standard-KVA-Schergen meistens ein ganzes Magazin; noch schwieriger wird es, besseren Gegnern wie anderen Anzugträgern oder den eisigen Aliens den Gar aus zu machen. Überdies trägt das „Bleischluckvermögen“ der Gegner zu einer Verschärfung der bereits erwähnten, chronischen Munitionsknappheit bei.

Waffen & Fahrzeuge

An Waffen bietet Crysis was das Herz begehrt. Von diversen Maschinengewehren über Schrotflinten bis hin zu Raketenwerfern, stationären MGs und Alien-Waffen kommt keine Waffengattung zu kurz. Abgerundet wird das Equipment des Nano-Suit-Trägers von diversen Granaten (Splitter-, Blend-, Rauchgranaten), einem Fernglas, das auch zum Markieren von Zielen verwendet werden kann, und diversen Upgrades wie Schalldämpfern, Taschenlampen oder Zielfernrohren (näheres zur Verwendung der Waffen-Optionen unter „Steuerung“).

Crysis – Senkrechtstarter in Aktion
Crysis – Senkrechtstarter in Aktion

Crysis – Jeep in Aktion
Crysis – Jeep in Aktion
Crysis – KVA-Panzer in Aktion
Crysis – KVA-Panzer in Aktion
Crysis – US-Panzer in Aktion
Crysis – US-Panzer in Aktion

Auch der Crysis-Fuhrpark lässt keine Wünsche offen. So kann man nicht zuletzt aufgrund der größe der Insel immer wieder auf diverse Jeeps, Panzer und sogar Senkrechtstarter zurückgreifen (siehe Bilderreihe oben).

Nano-Suit

Ein großes Feature von Crysis ist der bereits mehrmals erwähnte Nano-Anzug, den der Held des Spiels trägt und der ihm gegenüber den meisten Gegnern nennenswerte Vorteile verschafft. So verfügt der Anzug über Funktionen, die in verschiedenen Situationen sehr hilfreich sein können. Will man zum Beispiel eine KVA-Patrouille kampflos umgehen, so bietet sich die Tarn-Option des Anzugs hervorragend an, mit Hilfe derer man, leider nur für wenige Sekunden, im Nichts verschwindet. Selbstverständlich auch nur so lange, wie man keinen Schuss abgibt.

Geht einem einmal die Munition aus – was, wie erwähnt, häufiger passieren kann – so ist die „Maximale Stärke“-Option Gold wert. Mit dieser lässt sich eine befestige Position des Gegners aufgrund der gewaltigen Sprungkraft locker umgehen, aber auch Gegner können bestens gewürgt und durch die Gegend geschleudert werden. Besonders vorteilhaft ist hier die Möglichkeit, den Feind als Quasi-Schutzschild zu verwenden. Abgerundet werden die Fertigkeiten des Anzugs durch ein Schnelligkeits-Feature, das den Crysis-Helden für ein paar Sekunden zum Profi-Sprinter werden lässt, sowie vom standardmäßig aktiven Rüstungsschutz, der für eine erhöhte „Toleranz“ gegenüber gegnerischer Munition sorgt.

Cutscene: Nano-Suit setzt Adrenalin frei
Cutscene: Nano-Suit setzt Adrenalin frei

Bei der Nutzung der erwähnten Optionen muss bedacht werden, dass dadurch die Energie des Anzugs verbraucht wird und man somit wesentlich verwundbarer wird. Dieser durchaus logische Umstand sorgt in Verbindung mit der ziemlich starken KI dafür, dass man die Features seines Anzugs nicht allzu oft nutzt. Dies könnte auf einige Spieler ernüchternd wirken, soll hier aber als gesunder Realismus gelobt werden: Auch in einem Nano-Suit steckt eben ein Mensch und nicht Gott persönlich.

Näheres zur Steuerung des Anzugs unter „Steuerung“.

Multiplayer

„Nach dem Spiel ist vor dem Spiel“ – in der heutigen Zeit gilt dieser vom Fußball bekannte Spruch auch für PC- und Konsolen-Spiele. Nach der Einzelspieler-Kampagne sorgt der Multiplayer-Part häufig noch Monate für anhaltenden Spielspaß und wertet die Investition in das Spiel gehörig auf.

Crysis Multiplayer-Lounge
Crysis Multiplayer-Lounge

Vor diesem Hintergrund kann man den Mehrspieler-Modus von Crysis nur loben. Denn genau das verspricht er: Anhaltenden Spielspaß. Dabei wird jedoch auf bahnbrechende Neuerungen verzichtet. So gibt es neben dem obligatorischen Deathmatch nur einen weiteren Modus, in welchem man in Teams verschiedene Punkte einnehmen und halten muss. Lobenswert ist, dass alle Funktionen des Anzugs auch im Multiplayer verfügbar sind, was die Action auf den bis zu 32 Mann starken Servern erhöht.

Insgesamt gestaltet sich der Multiplayer also als wenig innovativ und doch grundsolide.

Technisches

Bisher durchlebten wir in diesem Test ein Wechselbad der Gefühle: Einem durchschnittlichen Plot und grundsoliden Multiplayer stehen ein gutes Missionsdesign, eine weitgehend gute – leider zu gut sehende – KI, ein ansprechendes Waffenarsenal und ein angemessener Fuhrpark sowie ein gutes Nano-Suit-Feature gegenüber. Nun wird es Zeit, sich der technischen Umsetzung von Crysis zuzuwenden.

Crysis – Empfohlene Grafik-Einstellungen
Crysis – Empfohlene Grafik-Einstellungen


Testsystem für Crysis

Herstellerempfehlung Crysis

Im folgenden Unterpunkt „Grafik“ soll nun geklärt werden, wie Crysis visuell wirkt und vor allem, wie das Testsystem mit dem Titel zurecht kam.

Grafik im Test

Der Hardware-Hunger von Crysis wird wohl auch die kommenden Monate kaum zu bändigen sein. Auf dem – zugegeben nicht mehr ganz state of the art – Testsystem war es schlicht nicht möglich, Crysis mit Anti-Aliasing und hohen Details zu spielen. In einer Auflösung von 1024*786 samt 2xAA ging die Rate der Bilder pro Sekunde (Frames per second / FPS) selbst in weniger aufwändigen Gefechten radikal unter die Grenze von 20 FPS und machte das Spielen quasi unmöglich. In besonders kniffligen Situationen krepierte die Darstellung gar bei Werten von unter 10 Bildern pro Sekunde und bot ein gelungenes Daumenkino dar. Gekrönt wurde die Vorstellung mit Systemabstürzen (Sound- / Bild-Freezes), die auf die schlichte Überforderung der Technik zurückzuführen waren.

Auch ohne AA und bei Details „Mittel“ lief Crysis manchmal an der Grenze der Spielbarkeit
Auch ohne AA und bei Details „Mittel“ lief Crysis manchmal an der Grenze der Spielbarkeit

Nicht ohne Grund also gab das Spiel für unser System die Empfehlung aus, Crysis auf mittlerer Detailstufe und mit deaktiviertem Anti-Aliasing zu spielen (siehe Bild unter „Technisches“). Die Abstürze im Hinterkopf beugte sich das anspruchsvolle Tester-Herz dann auch der Empfehlung. Doch selbst hier waren in einer Auflösung von 1280*1024 nur FPS-Raten im Bereich der 30 möglich, die sich in aufwändigeren Situationen (weiter Blick, viele Feuerquellen, Explosionen etc.) bedenklich gegen die 20 FPS bewegten. Damit gestaltete sich Crysis im Test zwar als spielbar – die volle Grafikpracht ließ sich jedoch nicht genießen.

Nun könnte man argumentieren, dass ja nicht jeder das Maximum aus dem Spiel herausholen muss. Die brutale Anforderung an den heimischen Spiele-Rechner ist aber schon etwas mehr als nur ein kleiner Wermutstropfen: Crysis könnte die eigene Durchschnittlichkeit in Sachen Story – ja, selbst für einen Alien-Shooter ist so etwas heute wichtig! – primär über die grandiose visuelle Umsetzung wieder hereinholen. Gerade hierfür wurde der Titel schließlich vorab auch besonders, fast schon überschwänglich gelobt. Schade nur, dass dieses herausragende Feature ganz offensichtlich nur Spielern mit absoluten Highend-Systemen zu Gute kommt.

Dennoch täte man Crysis natürlich unrecht, wenn man an dieser Stelle nicht auf die auch in besagter Konfiguration ansehnliche Grafik verweisen würde. Wie schon 2004 in FarCry kommt auch bei Crysis echtes Dschungel-Feeling auf – mit allem was dazu gehört. Sonne bricht realistisch durch das Blattwerk, Bäume und Gräser wiegen sich im Wind, das Wasser schimmert natürlich vor den Augen des Nano-Suit-Trägers und auch die Explosionen können sich locker mit Genre-Mitbewerbern messen. Abgerundet wird die visuelle Umsetzung von den in die Spielhandlungen integrierten Cutscenes, die mit viel Detail und Realistik geschaffen wurden und die generelle Spiel-Atmosphäre bedeutend aufwerten.

Visueller Eindruck von Crysis
Visueller Eindruck von Crysis

Crysis – Visueller Eindruck
Crysis – Visueller Eindruck
Crysis – Cutscene
Crysis – Cutscene

Crysis – Zerstörte Struktur
Crysis – Zerstörte Struktur
Crysis – Visueller Eindruck
Crysis – Visueller Eindruck

Auch wenn es nicht unbedingt zum Punkt Grafik gehört, sei auch erwähnt, dass man in Crysis nahezu alles zerstören oder bewegen kann, was einem über den Weg läuft. Egal ob TFT-Monitor, Kiste oder Flasche – alles lässt sich aufheben und wieder wegwerfen und auch Bäume fallen dank einer guten Physik-Engine nach leichtem Beschuss realistisch Mutter Erde entgegen.

Trotz dieser durchaus positiven Aspekte soll an dieser Stelle noch mal explizit formuliert werden, dass die vielerorts herbeigepredigte Grafik-Allmacht von Crysis sich auf nur noch halbwegs aktuellen Rechnern leider nicht zu hundert Prozent entfaltet hat.

Grafik im Optimum

An dieser Stelle darf aber natürlich nicht verschwiegen werden, was theoretisch alles mit Crysis auf einem absoluten Highend-System anzufangen ist (ComputerBase berichtete hierzu bereits ausführlich). Unter DirectX 9 und vorallem auf DX10-Systemen lässt sich die Darstellung – die richtigen technischen Voraussetzungen gegeben – mächtig aufbohren. Inwiefern ein solches Vorgehen nicht zuletzt auch mit Blick auf die Spielbarkeit sinnvoll ist, sei einmal dahin gestellt und obliegt dem Empfinden des jeweiligen Spielers.

Als großes Beispiel für besagtes Aufbohren sind die Detailstufen zu nennen. Während die Detailstufe „VeryHigh“ offiziell nur auf DX10-Systemen auswählbar ist, wurden „extreme“ Details letztlich aufgrund unzumutbarer Systemanforderungen ganz aus den Einstellungsmöglichkeiten gestrichen. Findige Nutzer fanden aber schon kurz nach der Veröffentlichung der offiziellen Crysis-Einzelspieler-Demo über die Modifizierung von Konfigurationsdateien einen Weg, sowohl die als DX10-exklusiv eingestuften „VeryHigh“-Details unter Windows XP auf DX9-Grafikkarten nutzbar zu machen (siehe folgende Bilder; um den Unterschied zu sehen, muss die Maus über die Bilder bewegt werden), als auch dem Enthusiasten die Möglichkeit zu geben, sogar über jene höchste einstellbare Detailstufe hinauszugehen.

In der entsprechenden News zu dem Thema berichteten [1] wir allerdings auch davon, mit welchen Performance-Auswirkungen diese Modifizierung einher geht: Beim Wechsel von „High“ auf „VeryHigh“ mit einer Nvidia GeForce 8800 Ultra bricht die Bildwiederholrate um knapp 50 Prozent von 31 FPS auf 16 FPS ein.

Bildwiederholraten – „High“ vs. „VeryHigh“
Bildwiederholrate @ High
Bildwiederholrate @ High
Bildwiederholrate @ VeryHigh (DX9)
Bildwiederholrate @ VeryHigh (DX9)

Wer sich diesem Performance-Einbruch nicht aussetzen will, oder schlicht nicht kann, dem sei hier noch der Unterschied der Detailstufen Niedrig und Mittel unter DX9 ans Herz gelegt.

Ein weiterer nennenswerter Aspekt, der generell kontrovers diskutiert wird, ist der Unterschied zwischen DX9- und -10-Systemen. Wie dieser Unterschied konkret visuell ausfällt, kann dem folgenden Beispiel entnommen werden. Weitere Eindrücke zum direkten Vergleich finden sich in unserer Meldung zum Thema [2].

Überdies berichteten wir, dass, wer ein HighEnd-System sein Eigen nennt und gerne noch einen Schritt weiter gehen möchte, ebenfalls über die Konfigurationsdateien einen Einfluss auf die Details nehmen kann. Eine Tabelle [3], welche im Forum von nV News [4] aufgetaucht ist, gibt Aufschluss darüber, wie man gezielt Einfluss auf die Einstellungen innerhalb der Konfigurationsdateien nehmen kann, um im Spiel – abweichend von den Standards – entweder extrem niedrige oder eben extrem hohe Details zu erhalten. Somit ist ein Detailgrad jenseits von „VeryHigh“ realisierbar, welcher womöglich den weggefallenen „Extreme“-Details entspricht.

Vista 64-bit, DX10, 2048x1536, 16xAF/4xAA, „Extreme“
Vista 64-bit, DX10, 2048x1536, 16xAF/4xAA, "Extreme"
Vista 64-bit, DX10, 2048x1536, 16xAF/4xAA, "Extreme"
Vista 64-bit, DX10, 2048x1536, 16xAF/4xAA, "Extreme"
Vista 64-bit, DX10, 2048x1536, 16xAF/4xAA, "Extreme"
Vista 64-bit, DX10, 2048x1536, 16xAF/4xAA, "Extreme"
Vista 64-bit, DX10, 2048x1536, 16xAF/4xAA, "Extreme"

Es zeigt sich, dass Crysis nicht unbedingt so aussehen muss, wie auf den Screenshots zu unserem Test. Voraussetzung hierfür ist dann aber entweder die Hinnahme eines massiven Daumenkino-Effekts, oder das Vorhandensein der entsprechend potenten Hardware.

Sound- & Sprachumsetzung

Die Geräuschkulisse in Crysis ist gut gelungen. Die Klänge des Dschungels kommen in einem authentischen Maße vor und auch musikalisch weiß das Crytek-Werk zu überzeugen. Dezent gesetzte Ingame-Musik erhöht den Nervenkitzel in besonderen Momenten und sorgt für ein Mehr an Atmosphäre.

Auch die Synchronisation wurde inhaltlich in angemessener Qualität umgesetzt. Leider wurde die deutsche Sprache aber an vielen Stellen nicht komplett lippensynchron eingesetzt, was vor allem in den erwähnten, ansonsten ansehnlichen Cutscenes auffällt.

Steuerung

Normalerweise wäre dieser Punkt gerade bei einem Egoshooter eigentlich keiner Erwähnung wert, da sich ja alle Exemplare des Genres konventionell über die WASD-Tasten und mit der Maus steuern lassen. Bei Crysis kommt aber hinzu, dass man auch den eleganten Nano-Suit im Eifer des Gefechts handhaben muss. Dies ist auf mehreren Wegen möglich. Der wohl einfachste ist, das Menü des Anzugs über die dritte Maustaste aufzurufen und dann die jeweilige Funktion über die Ziffern einzustellen. In der Praxis erwies sich die Steuerung der Anzug-Funktionen auf diesem Weg als tauglich – alles andere hätte die Häufigkeit des Einsatzes der Funktionen wohl weiter minimiert und damit ein nennenswertes Feature von Crysis zerstört.

Crysis Waffen-Menü
Crysis Waffen-Menü

Auch die Wahl der verschiedenen Waffenfeatures wurde komfortabel gelöst. Über die C-Taste lässt sich das Waffenmenü aufrufen, in dem man alle vorhandenen Modifikationen wie das Aufsetzen von Schalldämpfern, Taschenlampen oder Zielfernrohren vornehmen kann (siehe Bild oben). Insgesamt wurde die Steuerung von Crysis somit sauber umgesetzt.

Special Edition

Auch wenn es vielleicht nicht hundertprozentig zum Überbegriff „Technisches“ passt, so soll an dieser Stelle kurz auf die Gestaltung der Special Edition von Crysis verwiesen werden, die uns von EA für diesen Test freundlicherweise zur Verfügung gestellt wurde. Für einen Aufpreis von rund zehn Euro erhält der Käufer Crysis in einem schicken, metallenen Case, in dem neben dem Spiel selbst einiges an Bonusmaterial schlummert: So bietet die Box neben dem obligatorischen Handbuch auch ein schickes Art-Booklet, den Crysis-Soundtrack von Inon Zur und eine weitere Bonus-DVD, auf der es neben Screenshots und Videos auch ein Making Of sowie Storyboards gibt. Wer sich also umfassend mit dem Titel beschäftigen will, ist mit dieser Variante sicher bestens bedient.

Special Edition Cover von Crysis
Special Edition Cover von Crysis

Fazit

Auch wenn die vorangegangenen Seiten vielleicht etwas anderes implizieren zu scheinen: Crysis ist ein gelungener Egoshooter, der sich vor keinem Mitbewerber im Genre verstecken muss. Auch ist dem Autor dieser Zeilen durchaus bewusst, dass die geäußerte Kritik in vielerlei Punkten vielleicht manchmal etwas zu pingelig ist und man sich auf sehr dünnes Eis wagt, wenn man aus dem insgesamt recht einseitigen Pro-Crysis-Reigen ausschert.

Dennoch: Crysis hat in diesem Test nicht den geschürten, unseren Erwartungen entsprochen. Anzukreiden ist dies jedoch nur zum Teil den Entwicklern oder dem Publisher Electronic Arts, der zwar sicherlich zum Hype beigetragen hat, aber wohl insgesamt auf willige Pressevertreter getroffen ist, die sich vorab im Wochentakt in Lobesreden auf das Spiel überboten.

Allgemeiner Crysis-Bilderpool

Mit Crysis wurde tatsächlich die neue Genre-Referenz, vielleicht sogar das Spiel des Jahres erwartet. Während man sich über ersteres streiten kann, ist letzteres unsere Ansicht nach ausgeschlossen. Eine durchschnittliche Handlung, ein gutes Missionsdesign, gute – zu gut sehende – NPCs, eine gelungene technische Umsetzung und ein guter, aber nicht bahnbrechender Multiplayer – das sind Zutaten für einen ordentlichen Egoshooter, der für Genre-Freunde sicherlich Pflicht ist und je nach Auslegung der einzelnen Kernaspekte vielleicht noch zu einer Genre-Krone verargumentiert werden könnte. Geht man die Sache aber etwas kritischer an, so zeigt sich doch, dass sich die im Vorwort erwähnte Regel mit den Vorschusslorbeeren bestätigt hat. Crysis konnte den – zugegeben übertriebenen – Ansprüchen, mit welchen dieser Test angegangen wurde, nicht genügen.

Aus diesem Grund reiht sich der Crytek-Titel nach Meinung des Autors mit Blick auf aktuelle Neuerscheinungen über Timeshift [5], aber unter dem durchweg gelungenen Call Of Duty 4 [6] ein, auch wenn hierbei natürlich die unterschiedlichen Vorlieben („Kriegs“- / „Future-Shooter“) berücksichtigt werden müssen. Und auch wenn dies bedeutet, dass dieses Fazit manchem Lesereindruck widersprechen könnte.

URL-Liste:

  1. http://www.computerbase.de/news/software/spiele/actionspiele/2007/november/crysis_veryhigh_xp_extreme_vista/
  2. http://www.computerbase.de/news/software/spiele/actionspiele/2007/oktober/crysis_directx_9_directx_10_vergleich
  3. http://img512.imageshack.us/img512/6656/crysiscvarsra4.gif
  4. http://www.nvnews.net/vbulletin/showthread.php?t=101014&page=126
  5. http://www.computerbase.de/artikel/software/2007/test_egoshooter_timeshift/
  6. http://www.computerbase.de/artikel/software/2007/test_call_of_duty_4_modern_warfare/
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