Vorwort
Bis zur Vorstellung von Teil drei verband man die Strategiespielreihe Empire Earth (EE) vor allem mit Zweierlei: Zum einen ist Empire Earth die Serie, die es bisher nicht geschafft hat, am großen Vorbild und der Genrereferenz schlechthin, Age of Empires, vorbeizuziehen. Zum anderen haben es die Empire-Earth-Spiele trotzdem gewusst, mit einer Vielzahl von Epochen, Einheiten und Möglichkeiten, dem damit verbundenen Tiefgang und einem hohen Grad an Ernsthaftigkeit nicht nur bekennende Strategen zu verzaubern.
ComputerBase wirft im Folgenden einen Blick auf den dritten Teil der Serie und klärt, ob der beschriebene Ist-Zustand weiterhin seine Gültigkeit hat.
EE 3 auf einen Blick
In Sachen Umsetzung hat Publisher Vivendi (Sierra) auch dieses Mal wieder die Verantwortung auf die Spieleschmiede Mad Doc Software übertragen – und das prinzipiell aus gutem Grund: Auch wenn sich sicher darüber streiten lässt, ob der erste oder der zweite Teil der Reihe der bessere ist; die Umsetzung von Empire Earth 2 durch Mad Doc war angemessen und machte Spaß.
Dieses Mal riskierten die verantwortlichen Spieldesigner und -programmierer mit ihrem neuesten Werk einen Ausflug in Comicgefilde. So sehen Einheiten und Gebäude aus, als wären sie einem der einschlägigen Magazine entsprungen, und auch die Sprachumsetzung macht schnell deutlich (siehe „Grafik“ bzw. „Sound- und Sprachumsetzung“), dass es mit der Ernsthaftigkeit bei Empire Earth 3 aus ist.
Dass es sich beim dritten Teil der einst so ehrwürdigen Reihe um eine Art Arcade-RTS (Real Time Strategy) mit gewissen Runden-Elementen handelt, wird auch beim Blick in den Einzelspieler klar. Statt auf eine breite, epische Kampagne quer durch alle Epochen zu setzen, warten hier nur ein Scharmützel- sowie ein Welteroberungsmodus auf den Spieler. Letzterer soll wohl eine Kampagne ersetzen – tut es aber nur leidlich.
So folgt der Welteroberungsmodus keinerlei Geschichte oder logischem Verlauf, sondern lädt den Spieler über eine im Kern von anderen Strategiespielen bekannte Weltansicht dazu ein, den in 60 große Provinzen zerstückelten Globus Stück für Stück zu erobern (siehe Bild unten). Befinden sich in besagten Provinzen anfangs noch leicht zu schlagende, einheimische Stämme, so rückt mit jeder Runde einer der ernstzunehmenderen KI-Gegner heran, der sich eine einmal eingenommene Provinz nicht mehr so leicht abluchsen lässt.
Bei der Wahl seiner Eroberungen muss der Spieler vor allem auch auf die Eigenschaften der Provinz achten. Diese liefern zu unterschiedlichen Graden die Ressourcen „Handel“, „Imperium“, „Armee“ und – ganz wichtig – „Forschung“. Bei allen anstehenden Kämpfen um neue Provinzen gilt es nun, die Balance zwischen besagten Ressourcen so im Gleichgewicht zu halten, dass das eigene Wachstum nicht ins Stocken gerät. Ferner ist es enorm wichtig, dass man genügend Provinzen sein Eigen nennt, die eine hohe Anzahl an „Forschung“ produzieren. Nur mit letzterer ist der so wichtige Zivilisationsaufstieg möglich, der neue Einheiten und das Erforschen von weiteren Spezialfähigkeiten erlaubt.
Das war es dann aber auch schon mit der Spannung in Empire Earth 3. Die Missionen laufen immer gleich ab: Man stellt – sofern noch nicht getan – Armeen in Provinz X auf und schickt diese dann per Rechtsklick nach Provinz Y. Hier kann der Spieler dann entscheiden, ob der Ausgang der sich anbahnenden Schlacht automatisch entschieden, oder aber in Echtzeit aufgefochten werden soll. Letzteres ist, sofern man nicht über eine haushohe Überlegenheit verfügt, in jedem Fall empfehlenswert, da das System dazu neigt, sehr unlogische Ausgänge von Schlachten zu ermitteln.



Steigt der ambitionierte Feldherr also höchst selbst ins Geschehen ein, so läuft dies immer gleich ab: Man landet irgendwo auf der lieblos gestalteten Karte (siehe Abschnitt „Grafik“) und muss ein Hauptquartier errichten – nachdem man eine Rohstoffquelle ausfindig gemacht hat. In Empire Earth 3 gibt es im Feld nur zwei Arten von Ressourcen: Zum einen diverse Rohstoffe (Eisen, Holz etc.), deren Abbau durch ein und denselben Gebäudetyp (Lagerhaus) erfolgt und der unabhängig von der Art der Ressource auf das Konto „Rohstoffe“ addiert wird, und die Ressource „Vermögen“, die automatisch durch den Bau eines Marktes erzeugt wird.
Auch beim Basen-Bau selber offenbart sich ein ärgerlicher Grad an Simplizität: Die paar Gebäudetypen, die es gibt, braucht man in der Regel nicht einmal. Stattdessen werden eine Rohstoffquelle gesucht, ein Lagerhaus, ein Hauptquartier, Häuser und eine Kaserne und gebaut – und dann heißt es warten. Da die genannten Ressourcen anfänglich erst mal herangeschafft werden müssen und von den Gegnern ohnehin kein Angriff zu erwarten ist (siehe Abschnitt „KI“), passiert in den ersten Minuten einer solchen Eroberung meist herzlich wenig.
Sobald das Startbudget verbraten ist, beginnt die Suche nach dem Gegner. Ist dieser entdeckt und der Rohstoff-Abbau läuft, so kann mit der Produktion weiterer Einheiten begonnen werden. Auch hier ist Empire Earth 3 so einfach gehalten wie nur irgend möglich: Zwar gibt es drei unterschiedliche Völker, unter denen man sich vor Beginn des Welteroberungsmodus' entscheiden muss und die mit unterschiedlichen Einheiten-Typen und Fähigkeiten daher kommen. Doch innerhalb dieser Differenzierung gibt es dann nur noch höchstens ein halbes Dutzend verschiedener Einheiten je Epoche, die gebaut werden können. Insofern fällt die taktische Wahl beim Einheitenbau schnell und einfach aus: Von jedem ein bisschen, lautet die Devise.
Auch in Sachen Diplomatie hat Empire Earth 3 wenig zu bieten. Die Möglichkeiten beschränken sich im Kern darauf, dass man auf jeder Karte mit zwei einheimischen Stämmen den einen für sich gewinnen kann. Dies geschieht entweder über die Zahlung von viel Vermögen, oder aber, in dem man eine Aufgabe erfüllt. Das war es dann aber auch schon wieder im Einerlei von Empire Earth 3, denn allzu oft muss im Rahmen der Aufgabe ein Mitglied des einen Stammes aus den Händen des anderen gerettet werden.
Insgesamt gestaltet sich Empire Earth 3 als langsam und innovationslos und insofern als völlig eintönig. Der Welteroberungsmodus kann eine echte Kampagne nicht annähernd ersetzen und spielt sich eher wie eine Aneinanderreihung von Scharmützeln.
Diverses
Bisher konnte uns Empire Earth 3 also nicht zu überzeugen. Im Folgenden soll auf einige weitere Kernaspekte eingegangen werden – vielleicht finden sich hier ja doch noch Eigenschaften, die das Bild ein wenig aufhellen.
Grafik
Grafisch überrascht Empire Earth 3 – leider nicht im positiven Sinne. Eine völlig unzeitgemäße visuelle Umsetzung trifft in diesem Spiel auf Systemanforderungen, die absolut ungerechtfertigt erscheinen. Die Karten, auf denen die Schlachten von Empire Earth 3 stattfinden, sind so lieblos animiert, dass einem von Zeit zu Zeit die Tränen kommen. Auch die Einheiten, die im Comicstil durch die Gegend rennen, sehen klobig, ja wie aus Spielen vom Anfang des Jahrzehnts importiert aus und auch die simple Globusübersicht weiß nicht mit einer grandiosen Oberfläche zu bestechen.




Umso erstaunlicher sind die Systemanforderungen von Empire Earth 3. Im Folgenden finden sich die obligatorischen Auflistungen der vorhandenen beziehungsweise empfohlenen Hardwarekonfiguration.
Testsystem für Empire Earth 3
- Windows Vista Ultimate (32 Bit)
- Intel Core 2 Duo E6700 @ 2,66 GHz
- Gigabyte GA-965P-DQ6
- GeForce 7900 GTX (512 MB)
- 2 x 1024 MB Crucial Ballistix (DDR2-RAM, PC2-8000)
Herstellerempfehlung Empire Earth 3
- Betriebssystem: Windows XP oder Vista (32 Bit)
- Prozessor: 3,2 GHz
- Arbeitsspeicher: 1 GB
- Festplatte: 6,5 GB Festplattenspeicher
- Grafikkarte: DirectX 9.0c kompatibel, 256 MB
- Soundkarte: DirectX 9.0c kompatibel
- DVD-ROM-Laufwerk
- Internet-Anbindung für Multiplayer
Die empfohlene Systemkonfiguration kommt der von Crysis nahe und übertrifft diese sogar in einigen Punkten. Schockierenderweise hat sich die Empfehlung aber als offensichtlich sinnvoll entpuppt. Auf unserem Testsystem konnte Empire Earth 3 nur auf der mittleren Detailstufe (2xAA) gespielt werden. Alles darüber endete mit Bilderraten von unter 20 und damit in der Unspielbarkeit. Was bei Crysis noch mit einer herausragenden Grafik verargumentiert werden kann, ist bei Empire Earth 3 schlicht nicht zu erklären. Ganz offensichtlich wurde hier schlecht programmiert, sodass selbst die schwache grafische Umsetzung Systeme je nach Einstellung in die Knie zwingen kann.
Überdies wies das Spiel im Test neben einer generellen Instabilität einige eklatante Darstellungsfehler auf. Neben Pixelfehlern fiel dabei vor allem die offenbar fehlerhafte Darstellung des Marktes auf, die an dieser Stelle stellvertretend für weitere Fehler genannt beziehungsweise gezeigt werden soll (siehe Bild oben).
Sound- und Sprachumsetzung
Während die soundtechnische Umsetzung angemessen gelungen ist, gestaltet sich die Sprachumsetzung von Empire Earth 3 als schlechter Witz. Wohl um den Comic-Charakter des Spiels zu stärken, glucksen die Einheiten als Antwort auf ein Anklicken meist schlecht eingesprochene, wenig lustige Kommentare à la „Oh Mann, Hammer-Time“ vor sich her. Überdies gibt es von eben diesen Kommentaren zu wenige Varianten, sodass das Anklicken eigener Einheiten bald zur Belastung für die Ohren wird.
KI
Auch die KI der NPCs (Non-Player Characters) von Empire Earth 3 gestaltet sich als außerordentlich schwach. So verfügen die eigenen Einheiten, so könnte man glauben, über keinerlei Wegfindung. Wer die eigenen Truppen an einen bestimmten Punkt auf der Karte beordert, sollte diese unbedingt beim Lauf dorthin beobachten: Sie bleiben gerne einmal stehen, auf halbem Weg hängen, oder verirren sich an Orten der Karte, die bisher noch nicht erforscht waren. Weiterhin sehr negativ fällt auf, dass die Einheiten sich nicht im Verbund bewegen, sondern frei nach der eigenen Geschwindigkeit los rennen. So laufen schwach gepanzerte Fernkämpfer häufig schutzlos in gegnerischen Einheiten.
Auch die gegnerische KI ist wahrlich schlecht ausgeprägt. So muss man in den seltensten Fällen mit einer aktiven Intervention durch den Feind rechnen – dies geschieht eigentlich nur dann, wenn man seine eigene Basis direkt neben der des Gegners errichtet. Ansonsten weisen die Gegner alle Dümmlichkeiten auf, die man bereits von den eigenen Einheiten gewohnt ist.
Jugendschutz
Das Vorhandensein eines Unterpunktes mit der Bezeichnung „Jugendschutz“ mag gerade bei einem Strategiespiel seltsam anmuten, ist aber in diesem Falle durchaus berechtigt. So erhielt Empire Earth 3 in Deutschland nach eingehender Prüfung keine Jugendfreigabe und ist somit erst für Spieler ab 18 Jahren erhältlich. Begründet wurde dieser Schritt von der zuständigen Prüfstelle USK [1] damit, dass die Charakterisierung der vorhandenen Volksgruppen sowie manche Namen von Einheiten (z.B. Selbstmordattentäter) dem Jugendschutz zuwider laufen würden. Auch die Möglichkeit, ABC-Waffen einzusetzen, führte zu der Einschätzung, dass Empire Earth 3 Minderjährige beeinträchtigen könnte.
Fazit
Es verwundert doch schon sehr, mit was für einem dritten Teil von Empire Earth sich Mad Doc und Vivendi an die Öffentlichkeit wagen. Immerhin handelt es sich hierbei nicht um eine beliebige Low-Budget-Reihe, sondern um die Antwort auf Age of Empires und Co. Umso unverständlicher ist, wie die Verantwortlichen ein solch unfertiges Spiel auf die Käufer loslassen konnten. Auch ein erster Patch (Version 1.1), der für diesen Test natürlich aufgespielt wurde, änderte an dieser Tatsache merklich nichts.
Schon die wirklich unglaublich schwache grafische Umsetzung von Empire Earth 3 vergrault einen Großteil potentieller Spieler auf den ersten Blick. Dies wäre für ein Strategiespiel sogar noch zu verschmerzen, denn letzten Endes geht es ja primär darum, gehörigen Tiefgang dank vieler Epochen, Einheiten, Möglichkeiten und mittels einer umfassenden Diplomatie zu schaffen – auf diesem Weg kann sich ein grafisch noch so verhunzter Titel unter echten Strategen immer noch viele Freunde machen und ein echter Kassenschlager werden. Doch auch dies bietet Empire Earth 3 leider nicht einmal im Ansatz.
Das Missionsdesign ist genauso statisch gehalten wie die Antworten der Einheiten. Von letzteren gibt es genau wie von Epochen und Völkern viel zu wenige. Abgerundet wird dieser Negativ-Reigen von der faktisch nicht vorhandenen Kampagne, die durch einen langweiligen Eroberungsmodus mehr schlecht als recht ersetzt wird.
Und so verwundert es nicht, dass Empire Earth 3 sowohl vom Status wie auch vom spielerischen her in der Belanglosigkeit herumdümpelt. Wer sich heute ein neues Strategiespiel zu legen möchte, ist mit dem mittlerweile eigentlich zum alten Eisen gehörenden Age of Empires 3 besser bedient.






