Vorwort
Das offizielle Prequel zu „S.T.A.L.K.E.R.: Shadow of Cernobyl“ sorgte gleich am Tag der Veröffentlichung für zweifelhafte Furore. In der ausgelieferten Variante gestaltete sich das Spiel mit Namen „S.T.A.L.K.E.R.: Clear Sky“ (SCS) mit Blick auf die Performance als schlicht unspielbar. Aus diesem Grund hatten die Verantwortlichen auch gleich einen „Day One“-Patch veröffentlicht, was vermuten lässt, dass das Spiel wohl aus Zeitgründen bewusst früher „Gold geschickt“ und über einen frühzeitigen Patch weitere Entwicklungsarbeit nachgeschoben wurde. Wir waren kurz davor, vom Test abzusehen.
Doch in der Tat bewirkte das Update kleine Wunder, sodass wir uns dann doch dem geplanten Test von „Clear Sky“ widmen konnten. Die Technik, soviel sei bereits an dieser Stelle verraten, stand aber auch weiterhin immer wieder im Fokus der Aufmerksamkeit.
Technisches
Aus diesem Grund wollen wir uns auch gleich eingangs mit den technischen Aspekten von „Clear Sky“ beschäftigen. Nachdem auch der Vorgänger dafür bekannt war, selbst Highend-Systeme mit extremen Anforderungen in die Knie zu zwingen, liegt auch beim Prequel nach der Auflistung der verwendeten beziehungsweise empfohlenen Hardware der Fokus vor allem auf der grafischen Umsetzung des Spiels.
Testsystem für S.T.A.L.K.E.R.: Clear Sky
- Windows Vista Ultimate (32 Bit)
- Intel Core 2 Duo E6700 @ 2,66 GHz
- Gigabyte GA-965P-DQ6
- ATi Radeon HD 3850
- 2 x 1024 MB Crucial Ballistix (DDR2-RAM, PC2-8000)
Herstellerempfehlung für S.T.A.L.K.E.R.: Clear Sky
- Betriebssystem: Windows XP oder Vista
- Prozessor: Intel Core 2 Duo E6400 / AMD 64 X2 4200+
- Arbeitsspeicher: 1,5 GB
- Festplatte: 10 GB Festplattenspeicher
- Grafikkarte: DX-9-kompatibel, 256 MB, GeForce 8800 GT / Radeon HD 2900 XT
- Soundkarte: DirectX 9.0c kompatibel
- DVD-ROM-Laufwerk
- Tastatur, Maus
- Internet-/LAN-Anbindung für Multiplayer
Grafik
Leider haben die Macher von GSC Gameworld aus den Erfahrungen mit „Shadow of Chernobyl“ offenbar nicht allzu viel gelernt. Wie man diversen Foreneinträgen im Internet entnehmen kann, gibt es auch mit Blick auf den Release von „Clear Sky“ jede Menge Spieler, die mit Performance-Problemen zu kämpfen haben. Die Berichte gehen dabei erstaunlich weit auseinander: Während manch einer von wunderbar flüssigen FPS-Werten bei extrem hohen Einstellungen berichtet, gibt es auch zahlreiche Käufer, die trotz adäquater Hardware mit 10 bis 20 FPS und/oder häufigen Einbrüchen bei den Raten zu kämpfen haben.
Dies ist allerdings insbesondere immer dann der Fall, wenn der Spieler in den Genuss der erwähnten neuen DirectX-10-Features kommen will und dazu in den Einstellungen die Option „Dynamische Beleuchtung der Objekte“ oder gar „Erweiterterte dynamische Beleuchtung“ angewählt hat. Da häufig auch noch standardmäßig mindestens 2xAA über den Grafikkarten-Treiber erzwungen werden, ist an ein flüssiges Spielen auf vielen Systemen dann nicht mehr zu denken. Aus diesem Grund haben sich jedoch schnell einige Faustregeln zur Performanceoptimierung im Internet gefunden, die hier ohne Gewähr kurz erwähnt werden sollen:
- Unbedingt den neuesten Patch installieren (in diesem Test Vers. 1.5.03, Achtung: Alte Spielstände gehen verloren!)
- AA im Grafikkarten-Treiber deaktivieren
- Bei vergleichsweise geringem Arbeitsspeicher (< 2 GB) nicht länger als zwei Stunden am Stück spielen
- Schattenqualität und Sonnenstrahlen reduzieren
- Da Clear Sky bisher de facto keinen Multi-Core-Support bietet, schwören einige Spieler auf die Verwendung von Tools à la CPU-Control
- Gleiches gilt für den Eintrag „r2_gi“, der in der user.ltx zu finden ist und der auf 0 gesetzt einige weitere FPS einbringen soll (der Wert sollte ab Vers. 1.5.03 standardmäßig auf 0 gesetzt sein





Im Rahmen unseres Tests hatten wir mit ähnlichen Problemen zu kämpfen. Dabei stellte sich schnell die Erkenntnis ein, dass „Clear Sky“ mit Blick auf die grafische Umsetzung nur zwei Arten der Funktion kennt: Entweder ganz, oder gar nicht. Mit aktiviertem DX-10-Feature, mittleren Details und einer Auflösung von 1400x900 waren zwar FPS-Werte von 50 bis 60 und damit fast eine identische Performance wie unter der Verwendung von statischer Beleuchtung möglich – diese Werte waren aber alles andere als konstant. Besonders bei der Bewegung und beim Herumdrehen innerhalb von Lagern, aber auch in Kampfsituationen und vor allem beim Nachladen (ein Phänomen, das viele Spieler bereits erlebt haben dürften) ging die Rate innerhalb von Sekunden deutlich in die Knie, was mit Tiefstwerten von rund 20 FPS zwar nicht zur absoluten Unspielbarkeit führte, aber den Spielspaß doch deutlich schmälerte. Aus diesem Grund entschieden wir uns für die visuell weniger attraktive, dafür aber deutlich flüssigere Variante mit statischer Beleuchtung, 1680x1050 und maximalen Details, mit denen recht konstant rund um die 70 Bilder pro Sekunde möglich waren. Mit diesen Einstellungen wurden auch die für diesen Test verwendeten Screenshots gemacht (siehe zum Beispiel die obige Bilderreihe).
Dennoch lohnt natürlich ein Blick darauf, was unter Verwendung der erweiterten dynamischen Beleuchtung möglich ist. Ein mit den soeben beschriebenen Einstellungen gemachter, was Detailgrad und Auflösung anbetrifft also nicht absolut fairer Vergleich lässt sich einsehen, wenn man über das folgende Bild mit der Maus fährt. Dabei wird deutlich, dass die Variante mit aktivierter „Dynamische(r) Beleuchtung der Objekte“ trotz schwächerem Detailgrad und einer niedrigeren Auflösung deutlich realistischer aussieht als das D3D9-Pendant. Aus diesem Grund soll an dieser Stelle nochmal explizit erwähnt werden, dass – je nach individuellem Anspruch an die Konstanz der Bilderraten – auf der verwendeten Konfiguration prinzipiell auch ein Spielen mit D3D10-Features möglich ist, zumal sich die Einbrüche in freier Landschaft oder im Untergrund weniger gravierend ausnehmen als in den Lagern. So war es uns zum Beispiel möglich, entsprechende Einstellungen zum Test des Mehrspieler-Modus' zu verwenden (siehe Abschnitt „Multiplayer“).
Da die Themen „Grafik“ und „Performance“ im Zusammenhang mit „Clear Sky“ eine besonders wichtige Rolle spielen, werden wir demnächst (abgesehen von den Benchmarks in diesem Test) auch noch einen umfassenderen Performance-Report zu „S.T.A.L.K.E.R.: Clear Sky“ veröffentlichen. Als kleinen Vorgeschmack gibt es auf der nächsten Seite einige erste Benchmarks auf verschiedenen Grafikkarten, die die beschriebenen Probleme und Eindrücke detaillierter visualisieren.
Sound- & Sprachumsetzung
Entgegen der grafischen Umsetzung gibt „Clear Sky“ in puncto Sound und Sprache keinerlei Anlass zum Lamentieren. Die Musik hält sich dezent zurück und untermalt in passenden Moment je nach Situation das Setting. Auch die Lokalisierung ist bis auf einige Ausnahmen solide erfolgt, wobei sprachlich die Klischees in Sachen russisch-deutschem Akzent bis zur Grenze des guten Geschmacks ausgereizt werden.
Benchmarks
Da S.T.A.L.K.E.R.: Clear Sky neben Crysis aktuell wohl das hardwarefordernste Spiel ist, wollen wir unseren Lesern an dieser Stelle einige Benchmarks anbieten. Jene Messungen wurde auf dem Testsystem für Grafikkarten [1] sowie der Spielversion 1.5.03 erstellt. Als Sequenz nutzen wir einen etwa 60 Sekunden währenden Rundgang (siehe Video), der mit dem Beginn des Spieles anfängt. Für die High-End-Karten haben wir die Grafikqualität auf „Erweiterte dynamische Beleuchtung der Objekte“ (D3D10) gestellt, aus Performancegründen jedoch die Sonnenstrahlen auf „Mittel“ belassen.
Bei den Performancekarten verzichten wir dagegen auf die höchste Detailstufe, da dazu die Geschwindigkeit nicht mehr ausreichend ist. Bei den Testkandidaten senken wir die Qualität auf „Dynamische Beleuchtung“ (D3D9) mit ansonsten maximalen Details. Den anisotropen Filter stellen wir im Spiel durchgehend aufs Maximum ein, während die (nicht funktionierende) Kantenglättung ausgeschaltet bleibt. Als Treiber kommen der Catalyst 8.8 beziehungsweise der ForceWare 177.92 zum Einsatz.
1280x1024 1xAA/16xAF - High-End
Angaben in Bildern pro Sekunde (FPS)
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Bei den High-End-Karten findet sich schnell ein Sieger. Die Radeon HD 4870 X2 profitiert deutlich durch den CrossFire-Modus und setzt sich so klar vor die Radeon HD 4870 sowie die GeForce GTX 280. Es gibt keine andere Grafikkarte, mit der S.T.A.L.K.E.R.: Clear Sky besser läuft – darüber hinaus fallen die störenden Mikroruckler nur gering auf. Nichtsdestotrotz erledigt auch die GeForce GTX 280 ihre Arbeit anstandslos und ist mehr oder weniger die einzige Single-GPU, mit der man das Spiel unter der Direct3D-10.A-API mit den (beinahe) höchsten Details flüssig wiedergeben kann.
Mit einer GeForce GTX 260, GeForce 9800 GTX+ sowie einer einzelnen Radeon HD 4870 läuft das Spiel schon zäher und man sollte nicht mehr allzu hohe Anforderungen bezüglich der Bilder pro Sekunde haben. Trotzdem läuft S.T.A.L.K.E.R.: Clear Sky auch mit diesen Grafikkarten mit maximalen Details noch relativ flüssig. Anders dagegen die Radeon HD 4850, die nicht nur spürbar langsamer als die Radeon HD 4870 ihre Arbeit verrichtet, sondern durchschnittlich nur unspielbare 16 FPS erreicht. Da die Leistung doch immens unter der des größeren Bruders liegt, gehen wir aktuell allerdings noch von einem Treiberfehler aus.
1280x1024 1xAA/16xAF - Performance
Angaben in Bildern pro Sekunde (FPS)
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Von den Performance-Karten schlägt sich mit der dynamischen Beleuchtung (D3D9) die GeForce 9800 GTX+ mit Abstand am besten und überrundet regelrecht sämtliche ATi-Grafikkarten – inklusive der Radeon HD 4850. Sie scheint in dieser Qualitätseinstellung ebenfalls unter einem Bug zu leiden, da die Performance nur auf dem Niveau einer GeForce 9600 GT liegt und die Minimum-FPS gar noch unter denen einer Radeon HD 4670 – das Phänomen ist reproduzierbar. Allgemein scheinen in S.T.A.L.K.E.R.: Clear Sky (D3D9) die Nvidia-Grafikkarten besser zu laufen als die von ATi.
Inhaltliches
Neben der technischen Umsetzung spielen natürlich auch inhaltliche Aspekte eine Rolle und das ganz besonders deswegen, weil ein Firstperson-Shooter mit heftiger RPG-Beimischung, wie „Clear Sky“ es ist, in hohem Maße auch von der Atmosphäre, der Handlung und dem Missionsdesign lebt. Genau diesen Dingen soll im Folgenden die Aufmerksamkeit gelten.
Plot
Eigentlich wollte der Protagonist von „S.T.A.L.K.E.R.: Clear Sky“, Söldner Narbe, nur ein paar nervöse Wissenschaftler in die Zone führen. Dann aber machte eine besonders starke Emission den Plan zunichte und tötete alles Leben im Wirkungsradius – bis auf ihn. Und so erwacht der Spieler nach einer ungewissen Zeit der Bewusstlosigkeit als Söldner Narbe in einem unbekannten Bett an einem unbekannten Ort, der, wie sich herausstellt, der „Clear Sky“-Fraktion gehört. Dabei handelt es sich offenbar um eine Organisation, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Zone näher zu erforschen, ohne sie zu bekämpfen.
In der sich im Folgenden entfaltenden Handlung stellt sich heraus, dass Narbe aus irgendeinem Grund gegen die tödliche Wirkung der Emissionen so gut wie immun ist. So überlebt er jeden noch so starken Ausstoß, was ihn für „Clear Sky“ besonders interessant macht. Da verwundert es nicht, dass der Auftrag schnell lautet, zu Forschungszwecken ins Innere der Zone vorzudringen. Da ein echter Stalker in der Regel sein Leben nicht einfach so in den Dienst der Wissenschaft stellt, haben sich die Macher hierfür einen kleinen Kniff ausgedacht: So willigt Narbe ein, weil sein Nervensystem trotzt seiner Immunität bei jeder durchstandenen Emission weiteren Schaden nimmt und irgendwann dadurch zerstört werden wird. Die Lösung des Rätsels rund um die besonders starken Emissionen wird also zum lebensrettenden Zwang.
Doch der Weg ins Innere der Zone mitsamt der dort auf den Stalker wartenden Bösewichte ist lang und will erst einmal bewältigt werden. Im Verlauf des Spiels gerät man dabei schnell an die fünf großen Fraktionen, denen man bei Bedarf beitreten kann, die die Zone für sich beanspruchen und die in Teilen miteinander im Krieg stehen. Dementsprechend ist es in jedem der großen, frei zugänglichen Gebiete möglich, die Machtbalance zu Gunsten der einen oder anderen Fraktion zu ändern (näheres dazu auch im nächsten Abschnitt).
Alles in allem wirkt die Handlung von „Clear Sky“ sehr authentisch. So trägt neben der grafischen Umsetzung auch die Handlung selber deutlich dazu bei, dass eine düstere, post-sowjetische Atmosphäre entsteht, in der nicht allzu schnell Langeweile aufkommt. Weiterhin positiv bedingt wird dieser Umstand vom Missionsdesign.
Missionsdesign
Da es sich bei „Clear Sky“ genauso wie beim Vorgänger um eine Mischung aus Firstperson-Shooter und Rollenspiel handelt, kann der Spieler neben den obligatorischen Hauptmissionen auch immer wieder Nebenquests annehmen und sich dadurch bei den Fraktionen beliebter machen. So werden einem die Nebenmissionen in jedem Gebiet von den verschiedenen Mitgliedern der Fraktionen angeboten und sollen zum einen Abwechslung, zum anderen eine zusätzliche Quelle für Geld und Ausrüstungsgegenstände bieten. De facto stellen die Missionen aber nach einiger Spielzeit leider keine allzu große Abwechslung mehr dar, da sie einander inhaltlich zu sehr ähneln. So gilt es zumeist Mitglieder einer gegnerischen Fraktion von Punkt X zu vertreiben, unliebsame Personen auszuschalten, oder einen Gegenstand aus einer schwer zugänglichen Gegend zu bergen. Die Belohnung für dieses „Suche“-, „Finde“- und „Töte“-System fällt dabei in der Regel nicht mal sonderlich berauschend aus, sodass sich die Wege und Mühen inklusive obligatorischem, mehrfachen Neuladen häufig nicht lohnen. Verschärft wird der daraus entstehende Frust dadurch, dass das Script von einigen dieser Nebenmissionen trotz eifriger Patcherei nicht funktioniert und man deswegen beispielsweise auf die angekündigte Gegnerschar, die es an einem Außenposten zurückzuschlagen gilt, ewig warten kann, oder aber der Auftraggeber den gefunden Gegenstand nicht mehr haben möchte.
Dieser Umstand kann natürlich in Abhängigkeit vom Spielertyp unterschiedlich empfunden werden, führte in unserem Test aber schnell dazu, dass sich Söldner Narbe abgesehen, von einigen Ausnahmen, zumeist nur noch auf das Wesentliche konzentrierte. Als Belohnung wird die potentiell empfundene Eintönigkeit von den Hauptmissionen, die zum Glück deutlich abwechslungsreicher ausfallen und zum stetigen Voranschreiten motivieren, entschärft.
Kämpferisches
Das Bild von „S.T.A.L.K.E.R. - Clear Sky“ ist fast komplett. Vor dem Fazit wollen wir uns nun abschließend dem kämpferischen Teil des Spiels widmen.
KI
Die künstliche Intelligenz der gegnerischen NPCs in „Clear Sky“ ist weitgehend als in Ordnung zu bezeichnen. So weichen gegnerische Charaktere Granaten aus und suchen stetig Deckung. Außerdem stoßen sie, sofern in Überzahl, gezielt vor, sodass der Kampf gegen eine Übermacht je nach Schwierigkeitsgrad häufig im Laden des letzten Spielstandes endet. Als einzige aber zugleich auch nennenswerte Schwäche erweisen sich Kämpfe, in denen die KI dem Spieler direkt gegenüber steht: Statt zu feuern begnügen sich die NPC-Schützen hier ab und an damit, nur hin und her zu tänzeln und selbst auf kürzeste Entfernung daneben zu schießen.
Weitaus problematischer verhält sich die auf der Seite von Narbe kämpfende KI. Anders als die gegnerischen NPCs gelingt den verbündeten Einheiten trotz rudimentär vorhandener Befehlsoptionen für den Spieler selten ein präziser, koordinierter und somit gemeinsamer Vorstoß auf einen befestigten Posten des Gegners, was bedeutet, dass man zumeist selber die Zügel in die Hand nehmen muss, um zum Ziel zu gelangen.
Trotzdem kann der KI von Clear Sky alles in allem ein befriedigendes Zeugnis ausgestellt werden, da sich auch die zahlreichen Mutanten nicht leicht veräppeln lassen. Allerdings weisen auch diese ab und an Aussetzer in den Bewegungsabläufen auf (wegen der Mutation könnte man freundlicherweise Absicht unterstellen) und haben besondere Schwierigkeiten damit, den Feind zu fixieren, wenn dieser sich auf einen schwer zu erreichenden Felsen flüchtet.
Ausrüstung
Getreu der düsteren Post-Sowjet-Ära, in der „Clear Sky“ spielt, darf das Waffenarsenal nicht allzu modern ausfallen. Trotzdem bietet es im realistischen Rahmen, was das Herz begehrt. Neben zahlreichen Maschinengewehren und Pistolen russischer und westlicher Bauart samt Aufsätzen wie Schalldämpfern oder Granatwerfern darf der Spieler auch auf überraschend effektive Jagdgewehre, Schrotflinten und Scharfschützengewehre zurückgreifen. Außerdem verfügt Söldner Narbe schnell über Schutzanzüge, die je nach Qualität nicht nur vor Kugeln, sondern bis zu einem bestimmten Grad auch vor Strahlung, Feuer und Elektrizität schützen. Abgerundet wird der Ausrüstungsreigen von Granaten, einem Gerät zum Aufstöbern von Anomalien und darin verborgenen, weitere Vorteile bringenden Artefakten sowie von Medikits, Nahrung und Verbandszeug.



Abgesehen davon bietet sich in „Clear Sky“ die Möglichkeit, einen Großteil der Gegenstände aufzurüsten und sie nach häufiger Benutzung auch zu reparieren. Dies bietet sich besonders für Waffen und den Schutzanzug an. Während den Waffen beim Mechaniker des Vertrauens Eigenschaften wie eine stärke Durchschlagskraft oder ein geringerer Rückstoß zugewiesen werden können, kann dem Anzug ein verbesserter Schutz gegen Kugeln, Strahlung oder sonstige Gefahren verpasst werden. Dieses ebenfalls an das RPG-Genre angelehnte Feature ist zum einen gut ausgestaltet, verschärft aber auf der anderen Seite die chronische Geldknappheit, die man bei „Clear Sky“ erfährt, da sämtliche Einnahmen einem bei Map-Übergängen entweder von Banditen abgeknöpft werden, oder aber eben für Upgrades und Reparaturen draufgehen. Mit Patch 1.5.04 [2], der diesem Test allerdings nicht zugrunde lag, hat sich am gesamten Balancing und somit auch an den Preisen etwas verändert, sodass sich der Geldmangel in der aktuellsten Version eventuell nicht mehr ganz so auffällig ausnimmt.
Multiplayer
Der Multiplayer von „S.T.A.L.K.E.R.: Clear Sky“ bietet die übliche Genre-Kost und sticht dabei weder positiv noch negativ aus der Konkurrenz hervor. So gilt es in den gängigen Modi mit einem je nach Geldbeutel schwachen oder aber eben üppigen Waffenarsenal alle Gegner auszuradieren. Neben klassischen LAN-Spielen werden natürlich auch Online-Sessions unterstützt, für die es auch schon einige gutbesuchte Server gibt.




Die obigen vier Screenshots wurden übrigens, da es auf dieser kleinen MP-Map möglich war, mit D3D10-Einstellungen und hohen Details bei relativ stabilen 25 FPS und bereits mit dem neuen Patch 1.5.04 geschossen.
Fazit
Wer ausreichend Zeit hat und auch bereit ist, diese in die Ermittlung der besten Einstellungen auf dem heimischen Rechner zu investieren, könnte mit „S.T.A.L.K.E.R. - Clear Sky“ ziemlich viel Spaß haben. Denn soviel steht fest: Das Spiel hat einigen Tiefgang und besticht durch die Erzeugung einer ebenso authentischen wie düsteren Post-Sowjet-Atmosphäre. Zwar ist die Handlung, die sich von der „Clear Sky“-Basis bis ins Zentrum der Zone entwickelt, prinzipiell von Anfang an vorhersehbar, doch stellen die zahlreichen Entscheidungen und Optionen auf dem Weg dorthin hervorragende Möglichkeiten dar, das Ende des Spiels zu verändern, was im übrigen auch zu einem erneuten Spielen einlädt und die Wertigkeit deutlich erhöht.
Dies geschieht im Übrigen auch durch die lange Spielzeit: Wer sich allen Aspekten und Aufgaben in der Zone stellt, kann gut und gerne an die 30 Stunden oder gar länger mit „Clear Sky“ verbringen. An dieser Stelle kommt es eben darauf an, wie man die Ausgestaltung der Nebenquests empfindet. Der aktuelle Patch könnte einige der in Version 1.5.03 noch immer vorhandenen Probleme im Scripting behoben haben, sodass der Kritikpunkt bezüglich der fehlerhaften Erfüllung der Nebenaufgaben wegfallen könnte.
Die technische Umsetzung von „Clear Sky“ gibt leider (quasi als Markenzeichen von GSC Gameworld) erneut einigen Grund zur Beschwerde. So erscheint der häufig angeführte Vorwurf, dass man es in der Grundversion mit einer Art kostenpflichtigen Beta zu tun hat, nicht unbedingt weit her geholt, da das Spiel ein guter Beweis dafür ist, dass es sich in der heutigen Zeit tatsächlich lohnt, mit dem Kauf bis ein paar Wochen nach Veröffentlichung zu warten. Dabei kann man den Entwicklern nicht mal zum Vorwurf machen, dass „Clear Sky“ schlecht aussieht. Doch wie sich gezeigt hat, bedarf es – zumindest aktuell in der für diesen Test verwendeten Version 1.5.03 – einigen Getüftels, um zu einem sowohl visuell als auch leistungsmäßig ordentlichen Spielerlebnis zu gelangen. Dies dürfte für manche Spieler nicht unbedingt abschreckend wirken, doch darf man nicht vergessen, dass die Verantwortlichen für das vorgeblich fertige Produkt auch einen entsprechend Preis verlangt haben, der eigentlich einschließen sollte, dass man dann auch ein tatsächlich fertiges Spiel erhält.
Vielleicht aus diesem Grund brauchte es in unserem Test (abgesehen vom Ausprobieren der idealen Systemeinstellungen) einige Zeit, bis man mit „Clear Sky“ so richtig warm wurde. Gibt man dem Spiel aber eine Chance, so kann man nach ein, zwei Stunden davon ausgehen, dass einen das Zonen-Fieber im positiven Sinne gepackt hat.
Wenn die nahenden weiteren Patches nun noch das eine oder andere inhaltliche Problem lösen und die Performance weiter verbessern, kann also davon ausgegangen werden, dass es sich bei „S.T.A.L.K.E.R. - Clear Sky“ – wahrscheinlich Ende des Monats – um ein gutes Spiel handelt, das ein jeder Freund des Genres bedenkenlos kaufen kann. Wenn.







