Vorwort
Hochkarätige Inhalte werden gerne von einem Medium auf ein anderes portiert, um von einer allseits bekannten Marke in größtmöglichem Umfang zu profitieren. Dass dabei häufiger die Qualität leidet, beweisen zahlreiche mehr oder weniger verkorkste Veröffentlichungen, bei denen beispielsweise ein Buch verfilmt oder ein Film in Videospiel-Form gegossen wurde. Vor diesem Hintergrund verwundert es nicht, dass sich mit Electronic Arts einer der großen Spiele-Publisher die gewichtigen Rechte an „Der Pate“ gesichert hat und mit einem ersten Teil bereits ein eher durchschnittliches Spiel veröffentlichte. Ob der unlängst fertig gewordene zweite Teil mehr taugt, soll in diesem Test geklärt werden.
Jugendschutz-Hinweis
Aufgrund der eindeutigen Gewaltdarstellung hat „Der Pate 2“ von der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) zurecht das Siegel „Keine Jugendfreigabe gemäß § 14 JuSchG“ erhalten, was bedeutet, dass das Spiel nur für Personen ab 18 Jahren freigegeben ist. Die Einschätzung basiert auf einer bereits entschärften deutschen Variante des Spiels, in der die Anwendung von Gewalt ausschließlich gegenüber gegnerischen Personen, nicht aber gegenüber unbeteiligten Passanten möglich ist.
Der Pate 2 auf einen Blick
Schon in den ersten Minuten von „Der Pate 2“ zeigt sich, dass sich das Spiel nicht detailgetreu an die Filmvorlage hält. So steht nicht etwa die Familie samt Anwalt Tom Hagen im Fokus der Handlung, sondern der zur Sippe gedichtete Nachwuchs-Mafiosi Dominic, in dessen Rolle der Spieler schlüpft und der von niemandem geringeren als seinem Boss Michael Corleone mit dem Aufbau einer eigenen Familie inklusive eines umfassenden „Filial-Netzes“ betraut wird. Doch zunächst gilt es, wie in der Filmvorlage aus dem im Umsturz befindlichen Kuba zu fliehen, was allerdings trotz Fidel Castros folgender Herrschaft kein Abschied für immer ist.
Die folgenden Spielabschnitte orientieren sich prinzipiell am Genrestandard. Zunächst ist New York Dreh- und Angelpunkt des Geschehens, wobei der Spieler vorerst nur auf einen der maximal sieben Handlanger, die im Spiel angeworben werden können, zurückgreifen kann. Später können dann mit Florida und zuletzt Kuba spektakulärere und vor allem größere Schauplätze angewählt werden, wobei man ab einem gewissen Zeitpunkt frei entscheiden kann, in welcher Stadt man sich aufhalten möchte. Das Stichwort „Freiheit“ ist allerdings keinesfalls in einem Atemzug mit „Der Pate 2“ zu nennen, da die Handlung einen strikten Gang nimmt und man während der Missionen allzu häufig von eigentlich überwindbaren Hindernisse wie einem kniehohen Zaun darin gehindert wird, den direkten Weg zum Ziel zu nehmen, um stattdessen dem Missionsscript zu folgen. Dieser Umstand wiegt insofern schwer, als dass gerade dieses Teilgenre besonders von dem Gefühl der Freiheit und der Größe der Umwelt lebt.
Die in den vergleichsweise kleinen Städteabschnitten zu meisternden Aufträge gestalten sich als zwiespältige Angelegenheit: Zwar bietet das Missionsdesign mit dem versuchten Ausschalten eines Staatsmannes (Fidel Castro), der Jagd nach gegnerischen Mafia-Granden und Gesprächen mit verschiedenen, filmbekannten Charakteren durchaus Abwechslung; auf der anderen Seite überwiegt aber eine öde Standard-Tätigkeit, nämlich die Übernahme von gegnerischen Geschäften. Abseits der gelungenen und in Teilen aus dem Filmklassiker stammenden Dialoge und einigen wenigen Ausnahmen lautet das übergeordnete Ziel in „Der Pate 2“ alle gegnerischen Familien auszuschalten. Dies ist indes nur dann möglich, wenn alle Geschäfte der jeweiligen Gegnersippe übernommen worden sind, was dazu führt, dass das letzte Drittel des Spiels nahezu ausschließlich aus der Erstürmung diverser Lokalitäten besteht. Letzteres läuft nach einem immer gleichen Muster ab: Begleiter auswählen, zum Zielort fahren, Wachen ausschalten, den Inhaber unter Druck setzen und kassieren. Die einzige, kleine Abwechslung besteht darin, dass die mafiageplagten Unternehmer auf unterschiedliche Druckmittel besonders stark anspringen. Doch selbst hier braucht es keiner größeren Überlegungen: Ein bisschen Schupsen hier, ein paar böse Worte dort – und schon ist das Geschäft übernommen.
Sodann gilt es, über die neue „Don“-Ansicht eine Wachmannschaft einzuteilen (siehe Bild oben), denn die KI schlägt ab und an zurück und versucht, verloren Geschäfte zurück zu erobern. Bei der besagten Ansicht handelt es sich um eine 3D-Vogelperspektive, in welcher man einen sinnvollen Überblick über die jeweilige Stadt inklusive den verfügbaren Geschäften erhält. Hier können Wegmarken gesetzt oder das weitere Vorgehen überdacht werden. Außerdem kann an dieser Stelle auf den Verwaltungsbereich zugegriffen werden, wobei die eigene Familie – wie könnte es anders sein – den wichtigsten Eintrag darstellt.
Im Verlauf des Spiels ergibt sich immer wieder die Möglichkeit, die eigene Familie durch die Rekrutierung von zwielichtigen Personen zu erweitern, wobei von der Gesundheit über die Waffen und das Aussehen bis hin zum Umgang mit den Waffengattungen die Fähigkeiten der „Soldaten“ immer wieder gegen Bares aufgemöbelt werden können. Bei der Team-Auswahl für eine Mission ist sogar zu einem gewissen Grad ein taktisches Vorgehen erforderlich, da ein jeder Gangster bestimmte Spezial-Fähigkeiten mit sich bringt, die über Erfolg oder Misserfolg einer Mission entscheiden können: Ein Sanitäter sorgt beispielsweise dafür, dass das Team heil durch den Auftrag kommt während ein Ingenieur Stromversorgungen lahm legt und der Sprengstoffexperte ungeahnte Zugänge eröffnet. Das Gewicht der richtigen Auswahl der Begleiter wird allerdings dadurch aufgehoben, dass man die Teammitglieder jederzeit im Handumdrehen austauschen kann. Braucht es zum Beispiel plötzlich einen Brandstifter, kann dieser – obwohl eigentlich in einer anderen Stadt mit der Bewachung eines Geschäfts beauftragt – jederzeit über das Verwaltungsmenü gegen ein aktives Teammitglied getauscht werden, sodass stets das richtige Personal zur stelle ist. Dies gilt übrigens auch bei Angriffen auf eigene Geschäfte, die man durch die Entsendung von ein, zwei „gemachten Männern“ ohne Probleme abwehren kann.
Durch die Stärke der Teammitglieder – man segnet eigentlich niemals das Zeitliche, da der Sanitäter alle Verletzten mit einer Spritze zu voller Gesundheit heilt – und die Teleport-Fähigkeiten wird der Schwierigkeitsgrad und damit auch die Notwendigkeit des Taktierens auf ein Minimum gesenkt. Statt lange abzuwägen, in welches Upgrade man sein Geld nun am besten investieren sollte, kann man schon in der Grundausstattung jede Aufgabe meistern. Die gut gemeinten Rollenspiel-Elemente mit dem „Hochleveln“ der eigenen Charaktere verlieren dadurch weitgehend ihre Daseinsberechtigung, was dem Spiel einiges an Tiefe nimmt und allzu oft dazu führt, dass sich „Der Pate 2“ als ein sinnfreies, manchmal übertrieben blutiges Spiel entpuppt.
Diverses
Grafik
Auch „Der Pate 2“ lebt aufgrund der Zugehörigkeit zum Action-Genre maßgeblich von der visuellen Umsetzung. Aus diesem Grund soll im Folgenden nach einer kurzen Auflistung der verwendeten beziehungsweise empfohlenen Hardware hierauf eingegangen werden.
Testsystem für „Der Pate 2“
- Windows Vista Ultimate (32 Bit)
- Intel Core 2 Duo E6700 @ 2,66 GHz
- Gigabyte GA-965P-DQ6
- Nvidia GeForce 9600 GT
- 2 x 1024 MB Crucial Ballistix (DDR2-RAM, PC2-8000)
Herstellerangaben für „Der Pate 2“
- Betriebssystem: Windows XP (SP 2) oder Vista 32 bit
- Prozessor: 2,8 GHz
- Arbeitsspeicher: 1 GB (Windows XP) / 2 GB (Windows Vista)
- Grafikkarte: 256 MB
- Festplatte: 9 GB Festplattenspeicher
- Soundkarte: DX-9-kompatibel
- DVD-ROM-Laufwerk
- Tastatur, Maus, ggf. USB-Lenkrad, Gamepad
- Internetanbindung
Abgesehen von den ansehnlichen Explosionen erweist sich „Der Pate 2“ technisch als unzeitgemäße Veröffentlichung. Dies liegt maßgeblich an der sterilen Umwelt, die vor allem von detailarmen, teils groben Texturen gezeichnet ist und das Spielgefühl deutlich beeinträchtigen. Und so wirkt das Spiel an vielen Stellen lieb- und leblos in Szene gesetzt, was von den durchaus vorhandenen positiven Momenten leider nicht aufgewogen werden kann, zumal sich einige handfeste handwerkliche Fauxpas wie diverse Clippingfehler zur ohnehin nicht reifen Leistung hinzugesellen.





Weiterhin verschärfend kommt hinzu, dass „Der Pate 2“ trotz der insgesamt mäßigen Grafik mit massiven Problemen bei der Bilderrate zu kämpfen hat, was auf eine in sich schlampige Umsetzung vermuten lässt. Denn unabhängig von den Qualitätseinstellungen lief das Spiel auf unserem Testsystem sowohl unter geringen Details / Auflösung als auch auf maximaler Stufe nur mit FPS-Einbrüchen, die besonders in offenen Abschnitten (beispielsweise auf der Stadt-Autobahn in Florida) drastische Ausmaße (von 40 auf 5 binnen weniger Sekunden) annahmen. Immerhin: In geschlossenen Bereichen wie beispielsweise bei der Übernahme von Geschäften durften wir uns unter maximalen Details über stabile Bilderraten im Bereich der 40 bis 50 freuen. Dennoch gilt es, an dieser Stelle einen deutlichen Negativpunkt zu vermerken.
Sound- & Sprachumsetzung
Anders als die Grafik kann sich die Sound-&-Sprachumsetzung sehen beziehungsweise hören lassen. So wartet „Der Pate 2“ mit gelungenen Dialogen und einigen Originalstimmen auf, was gerade die häufig vorkommenden Zwischensequenzen deutlich aufwertet und ein wenig Gehalt zur eher mauen Gesamtatmosphäre hinzufügt. Allerdings muss auch hier vermerkt werden, dass eine hervorragende technische Umsetzung – konkreter, die Synchronität – nicht immer gegeben ist. Außerdem hätte ein wenig mehr Vielfalt in den Kommentaren der Begleiter nicht geschadet, was allerdings mit Blick auf die sonstigen technischen Probleme als zu detaillierte Kritik anmuten muss.
KI
Die künstliche Intelligenz der NPCs fiel im Rahmen unseres Tests weder sonderlich negativ noch positiv auf. So suchen gegnerische Wachen gezielt Deckung und wissen ihren Angreifern gegebenenfalls auch über kleinere Distanzen sinnvoll zu folgen. Ein anderer kritischer Punkt im Wegesystem wird von den Entwicklern allerdings auf fragwürdige Weise umgangen: Feststeckende, sich verirrende Begleiter findet man „Der Pate 2“ zu keiner Zeit. Da die ausgewählten Teammitglieder stets in die Nähe des Spielers teleportiert werden, muss man sich um den Verbleib der Kollegen keinerlei Sorgen machen. Im Gegenteil vereinfacht das Teleport-Prinzip vielerlei Tätigkeiten, wie zum Beispiel die Auslöschung einer gegnerischen Familie: Einfach die Sprengung des gegnerischen Anwesens befehlen und schon mal das Weite suchen – der Bombenleger wird nach Platzierung des Sprengsatzes einfach neben das wartende Auto gebeamt und man darf dem Feuerwerk aus einiger Distanz beiwohnen. Hier findet sich also ein weiterer Aspekt, der dafür sorgt, dass das Spiel einen äußerst einfachen Schwierigkeitsgrad aufweist und jegliches Taktieren eine nicht notwendige Zeitverschwendung darstellt.
Multiplayer
Wer nach der rund acht Stunden währenden Einzelspieler-Kampagne weitere Lust auf „Der Pate 2“ verspürt, kann sich in den Mehrspieler-Modus wagen. Dieser kann theoretisch deswegen motivieren, weil hier die Teammitglieder ihre Waffenlizenzen erweitern können, sodass ein Thommy-Gun-Veteran fortan auch mit einer modifizierten AK-47 umgehen kann. Ob das Spiel mit dem eigenen Team gegen menschliche Gegner tatsächlich dauerhaft zu motivieren vermag, ist aufgrund der generellen Ausgestaltung des Spiels jedoch eher fraglich.
Kopierschutz
Wie bei den meisten Veröffentlichungen der vergangenen Monate setzt Electronic Arts auch bei „Der Pate 2“ auf das DRM-System SecuROM. Dies bedeutet, dass das Spiel nach der Installation beim ersten Start online verifiziert werden muss, was bei gegebener Internet-Verbindung automatisch und im Hintergrund geschieht. Waren deswegen bisher nur maximal fünf Installationen möglich, so bietet EA neuerdings mit dem „De-Authorization Management Tool“ (DMT) die Möglichkeit, die jeweilig aktiven Lizenzsysteme zu verwalten. Der einzige tatsächliche Vorteil für den Käufer ist allerdings nach wie vor darin zu finden, dass nach der einmaligen Verifizierung keine DVD mehr im Laufwerk liegen muss.
Fazit
„Der Pate 2“ hat prinzipiell ein großes Potential und zwar nicht nur mit Blick auf den hochkarätigen Namen, den Electronic Arts für die Entwicklung der Reihe eingekauft hat, sondern auch weil es im nunmehr zweiten Teil mit der „Don“-Ansicht und dem in Teilen durchaus originellen Spielprinzip etwas Einzigartiges zu bieten hat. Dies ist im stark umkämpften Gangster-Genre, in dem „Grand Theft Auto“ nach wie vor deutlich dominiert, eine nicht zu missachtende Eigenschaft.
Allerdings: Wo man in Ansätzen einen wirklich hervorragenden Titel vermutet, wird man im Detail mit einem insgesamt mangelhaften Ergebnissen abgespeist. Dies lässt sich zu aller erst an der mäßigen Optik festmachen, die vielleicht noch zu verkraften gewesen wäre, wenn man nicht zusätzlich mit drastischen Einbrüchen bei den Bilderraten zu kämpfen hätte. Doch auch inhaltlich weiß das namhafte Spiel kaum zu überzeugen. Auch wenn sich selbst hier einige gute Ansätze finden, so verläuft die Handlung von „Der Pate 2“ über weite Strecken eher eintönig, da man allzu oft die Geschäfte der gegnerischen Familien übernehmen muss, wobei die wenigen Ausnahmen – hier ist erneut die Castro-Mission auf Kuba hervorzuheben – zeigen, dass es keiner riesigen Innovation im Missionsdesign bedurft hätte, um einen spannenden, abwechslungsreichen Plot samt entsprechender Missionen abzuliefern. Auch ein deutliches Mehr an Bewegungsfreiheit hätte zur Atmosphäre beitragen können, wobei eine ausgewogenere Verteilung der Notwendigkeit von Gewaltanwendung ebenfalls angebracht gewesen wäre. Einzig die Zwischensequenzen wissen in dieser Hinsicht dank ausgefeilter Dialoge und einer angemessenen Übersetzungsarbeit zu überzeugen; eine Feststellung im Detail, die zeigt, wie sehr wir in diesem Test an dem Spiel verzweifelt sind.
Insofern gestaltet sich „Der Pate 2“ als Spiel, das nur echten Liebhabern des Genres oder aber des Filmklassikers als möglicherweise sinnvoller Kauf erscheinen kann. Doch selbst Enthusiasten seien abschließend gewarnt: Unter Verweis auf die zahlreichen Schwachpunkte muss von einem Zuschlag für „Der Pate 2“ generell abgeraten werden.




