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Test: Mafia 2

von Sasan Abdi, Wolfgang Andermahr

Vorwort

Vor gut acht Jahren gelang der tschechischen Spieleschmiede Illusion Softworks mit „Mafia“ ein Überraschungserfolg, der neue Maßstäbe im Action-Genre setzte und mit dem die Macher bewiesen, dass als „Open World“ angelegte Umgebungen auch unter Anwendung eines strikt linearen Plots gut funktionieren können.

Dementsprechend groß waren die Erwartungen an die Fortsetzung, die von den mittlerweile in 2K Czech unbenannten Machern für Publisher Take 2 entwickelt wurde. Dabei spielten nicht nur die riesigen Fußstapfen des ersten Teiles eine Rolle, sondern auch die vergleichsweise lange Entwicklungszeit, die auf manche Neuerung und ein insgesamt überzeugendes, fesselndes Spiel hoffen ließen.

„Mafia 2“ – Packshot
„Mafia 2“ – Packshot

Seit dem 27. August lädt „Mafia 2“ nunmehr in die fiktive Metropole Empire Bay ein, in der erwartungsgemäß jede Menge Action und die undurchsichtigen Strukturen der italienisch-amerikanischen Mafia auf den Spieler warten.

Im Folgenden soll geklärt werden, ob „Mafia 2“ den Erwartungen gerecht wird, inwieweit auch dieses Mal wieder eine lineare Konzeption zum Einsatz kommt und ob und für wen das Spiel interessant sein könnte.

Inhaltliches

Plot

„Mafia“ schließt nicht an den Vorgänger an, sondern erzählt eine völlig neue Geschichte, die den Spieler in die Wirren und Abenteuer der Nachkriegs-USA mitnimmt – eine Zeit, in der die Unterwelt die großen Metropolen regiert und in der der Staat eine bloße Statistenrolle im Kampf der unterschiedlichen Familien und Einwanderer-Ethnien um Macht und Reichtum spielt.

Dieses Setting bleibt auch nach unzähligen Filmen, Spielen und Büchern spannend, doch hätte man sich für manche Aspekte der grundsätzlichen Handlung von „Mafia 2“ durchaus ein wenig mehr Innovation erhofft: Im Mittelpunkt steht der italienisch stämmige Vito Scaletta, dessen Eltern als kleine Leute vor Mussolini flohen und die im Land der unbegrenzten Möglichkeiten – weitgehend vergeblich – ihr Heil suchten.

Klar, dass Vito mit diesem Background schon früh mit dem Gesetz in Konflikt gerät und einer zünftigen Haftstrafe nur durch den freiwilligen Dienst am Vaterland entkommt. Ehrenhaftes Verhalten sowie eine Verletzung bringen den jungen Protagonisten allerdings beinahe ebenso schnell wieder aus den Gefahren des 2. Weltkriegs zurück ins Zentrum der Handlung, die fiktive US-Metropole Empire Bay, in der sich schnell alte Verbindungen und Möglichkeiten auftun.

Und wie der Zufall so will (hier hätte beispielsweise eine alternative Erzählung gut getan), muss Vito, wieder daheim angelangt, erfahren, dass sein mittlerweile verstorbener Vater sich bei einem fiesen Kredithai vor nicht allzu langer Zeit eine satte Summe geliehen hat, die nun niemand bedienen kann. Um seine Schwester und seine Mutter vor den raffgierigen Schlägern zu schützen, muss Vito also schleunigst Geld auftreiben – doch woher? „Zum Glück“ gibt es die Mafia.

Ein solcher Einstieg ist, wie angedeutet, nicht sonderlich originell, schließlich folgt er dem typischen „Guter-Junge-kann-ja-nichts-dafür“-Schema, was zwar eine leichtere Identifikation mit dem Hauptcharakter ermöglicht, dafür aber schon allzu oft durchgekaut wurde.

Szenen aus dem Plot von „Mafia 2“
Mafia 2 – Plot

Mafia 2 – Plot
Mafia 2 – Plot

Mafia 2 – Plot
Mafia 2 – Plot

Umso erfrischender ist, dass das besagte „Schema F“ durch eine Priese Zynismus aufgepeppt wird. So wird Vito zu Beginn nicht zur Gänze als braver Junge gezeichnet, der einzig und allein durch seine Umwelt zu den Taten gezwungen wird, die er im Verlauf der gut zwölfstündigen Kampagne begehen wird. Stattdessen lassen die Verantwortlichen den Protagonisten immer wieder deutlich machen, dass es für ihn, nicht zuletzt bedingt durch den Vater, der stets für einen Hungerlohn einer ehrlichen Arbeit nachging, im Leben darum geht, möglichst schnell an Besitz und Macht zu gelangen: Waffen, Weiber, Autos und Geld, je mehr desto besser – so lautet die Devise. Zwar handelt es sich auch dabei nicht um ein besonders tiefgründiges oder neues Statement, doch wird dem Plot dadurch der andernorts so stark bediente Herzschmerz à la „das Leben hat mich hart gemacht, dabei war ich doch eigentlich ein Engel“ genommen, der im Rahmen eines Spiels wie „Mafia 2“ ohnehin nicht ziehen würde.

Was den Verantwortlichen ebenfalls gut gelingt, ist die Vermittlung eines (zunächst) nicht-überzogenen Gangster-Alltags. Damit wäre indirekt bereits das Missionsdesign angesprochen: Realistischer Weise wird Vito nicht gleich in die ganz großen Geschäfte geworfen, in denen es um Ehre, Verrat und die ganz dicken Batzen Geld geht, sondern verdient sich Stück für Stück mit der harten Arbeit auf der Straße seine Sporen.

Mafia-Bosse: Es geht doch nichts über die Familie
Mafia-Bosse: Es geht doch nichts über die Familie

Kurzum: Was mancher Zeitgenosse eine „schleppenden Handlung“ nennt, nennen wir „realistisch“. Vito klaut angesagte Fahrzeuge, vermöbelt zahlungsunwillige Personen und den Auftraggebern unliebsame Konkurrenten, verkauft Zigaretten vom Lastwagen – und endet schließlich doch wieder im Knast. Diese Einführung ins Mafiosi-Dasein ist inhaltlich tatsächlich von einer langsamen Erzählgeschwindigkeit geprägt, was allerdings in unseren Augen völlig in Ordnung geht.

Die im Spiel überraschend umfassend behandelte Gefängniszeit dient dann als Vorbereitung für die Zeit als wirklich großer Fisch im Teich, wobei die drei in der Stadt aktiven Familien inklusive rustikaler Machtkämpfe, Verrat und mancher mehr oder weniger überraschender Wendungen die Bühne betreten. Auch hier gilt bis zum etwas abrupten Ende: Wirklich innovativ ist das Gebotene nicht, doch weiß die solide erzählte Geschichte den Spieler bis zum bitteren Ende bei der Fahnenstange zu halten.

Atmosphäre & Missiondesign

Ein Spiel wie „Mafia 2“ lebt zweifellos stark von der Atmosphäre. Die übergeordnete Frage lautet dabei, ob dem Spieler eine Umgebung geboten wird, der es über viele kleine Details gelingt, der Realität im weitesten Sinne zu ähneln. Die konkreteren Fragen lauten hier unter anderem: Wie verhalten sich die Passanten? Wie ist der Fahrzeugverkehr geregelt? Inwieweit ist Interaktion möglich und welche zusätzlichen (also über Kampagneninhalte hinaus gehenden) Optionen bieten sich dem Spieler bei der Bewegung durch die Umwelt?

Mit Blick auf diese Fragen lässt sich sagen, dass es den Entwicklern gut gelingt, eine authentische Atmosphäre zu erschaffen. Die Bürger von Empire Bay gehen ihren täglichen Geschäften nach (es wuselt!), es gibt rund 50 Automodelle mit realistischem Schadensmodell sowie patroullierende Polizisten, Tankstellen, Kleidungsläden, Bars, Restaurants und Werkstätten, in die man sich auch fernab einer Mission jederzeit begeben kann. Hinzu kommt, dass die Umwelt auf den Spieler reagiert: Ein gefährlicher Fahrstil oder das Ziehen einer Waffe wird – je nach Ausprägung der jeweilig involvierten NPCs – entweder mit Panik oder aber mit Gegenwehr quittiert.

Selten: Modell-Doppelungen in Empire Bay
Selten: Modell-Doppelungen in Empire Bay

All' das klingt zunächst verdammt gut, wird jedoch im Spiel ein wenig durch die mangelnde Notwendigkeit dieser Interaktion getrübt. So ist es de facto gar nicht notwendig, sich in den besagten Läden umzutun. Denn es geht auch so: Zu Beginn einer Mission wird man nahezu immer mit Waffen ausgestattet, wobei man im Verlauf von Schießereien die besten Schießprügel wie die legendäre Tommy findet und aufnehmen kann. Wozu also einen Waffenshop aufsuchen? Autos – auch geklaute – müssen in der Regel nicht legalisiert (also umgesprüht und mit einem neuen Kennzeichen versehen) werden, da der Spieler ohnehin nicht zur Rechenschaft gezogen wird. Der lachse Umgang mit offensichtlich gestohlenen Autos führt darüber hinaus sogar dazu, dass man eigentlich auch auf die Garage vor der Wohnung verzichten kann, da man sich für jede Mission ein anderes Gefährt seiner Wahl „borgen“ kann. Die Garage erhält also erst dann einen Sinn, wenn man von wichtigen Spielfiguren seltene Boliden übernimmt. Dennoch beschränkt sich die Funktion von Werkstätten zumeist auf das Reparieren (wobei dies auch in der eigenen Garage möglich ist) sowie auf das leichte Tunen der Motoren und den Wechsel von Felgen. Noch weniger sinnvoll sind die vielen Restaurants und Diners, in denen man zwar ein Getränk bestellen kann, um die Gesundheit wieder aufzuladen – mehr Interaktion ist allerdings nicht möglich.

Nebentätigkeiten in Empire Bay
Mafia 2 – Atmosphäre

Mafia 2 – Atmosphäre
Mafia 2 – Atmosphäre
Mafia 2 – Atmosphäre

Insbesondere letzteres ist vor allem inhaltlich bedingt, was es notwendig macht, an dieser Stelle das Missionsdesign anzusprechen. „Mafia 2“ ist strikt linear, was bedeutet, dass nicht einmal minimale Änderungen im Fortlauf des Plots möglich sind, weswegen die besagten Lokalitäten auch kaum dazu dienen können, neue Inhalte anzubieten. Dennoch lässt sich die Umgebung auch als „Open World“ bezeichnen, da man jederzeit durch das genau richtig dimensionierte Empire Bay kurven kann.

Die Frage lautet allerdings auch in diesem Fall: Wozu? Es gibt im herkömmlichen Sinne keine Nebenmissionen (dazu gleich mehr) oder nennenswerte Gimmicks, die einen Ausflug in unbekannte Gassen oder Waldstücke rechtfertigen würden. Im Gegenteil, der durchschnittliche Spieler dürfte eigentlich erst durch den Missionsablauf die Stadt so richtig entdecken, was zum Teil auch technisch bedingt ist: Da es nur innerhalb der Missionen (sehr fair gesetzte) Speicherpunkte gibt, kann es mit ein wenig Pech passieren, dass die Errungenschaften (beispielsweise neue Kleidung, neue Waffen oder ein besonderes Auto) verloren sind, falls Vito auf einem individuellen Streifzug überraschend das Zeitliche segnet.

Dem Vorwurf, wonach „Mafia 2“ keinerlei Nebenmissionen bietet, soll an dieser Stelle aber widersprochen werden. Statt die Nebenmissionen an bestimmte Punkte oder Personen zu binden, die der Spieler jederzeit aufsuchen kann oder die ab einem bestimmten Zeitpunkt zugänglich sind, werden diese geschickt in den Plot integriert und sogar über mehrere Missionen fortgestrickt, was zur Folge hat, dass ein umfassendes Gesamtbild entsteht, wobei der Spieler Personenverbindungen sowie Ursache-Wirkungsketten erkennen kann. Es gibt also durchaus Nebenmissionen, nur sind diese nicht nur mit bestimmten Belohnungen verbunden, sondern liefern auch einen inhaltlichen Input.

Über das Nebensächliche lässt sich aber sicher gut streiten, schließlich hat man es hier bis zu einem gewissen Grad mit einer Definitionsfrage zu tun. Die Hauptsache weiß dagegen ohne Abstriche zu überzeugen. „Mafia 2“ ist, wenig überraschend, ein Mafia-Epos, das gekonnt filmähnlich erzählt wird und das auch genau diesen Anspruch hat: Nicht „Open World“ und super-interaktiv, sondern ultra-linear und dafür spannend und authentisch.

Dieser Anspruch spiegelt sich auch im Missionsdesign wider. Die Wichtigkeit der Aufgaben nimmt von 1945 bis 1951 schleichend aber doch merklich zu, wobei eine wunderbare Vielfalt an Inhalten geboten wird: Vito liefert unter Zeitdruck zuvor geklaute Benzinmarken aus, vergräbt Leichen aus einem Kofferraum im Wald, überfällt die Gegner seiner Bosse mit einem MG-42, rettet Mafiosis aus den Fängen anderer Mafiosis, engagiert sich im Krieg der Familien und muss schlussendlich die ganz großen und wichtigen Entscheidungen treffen (letzteres bedeutet natürlich nicht, dass der Spieler eine Wahl hätte). Angenehm ist dabei, dass man immerhin häufig die Wahl zwischen einem Rambo-Vorgehen und dem Einschleichen hat, wobei der Action-Anteil zu keiner Zeit zu kurz kommt.

Das Missionsdesign ist somit als „sehr gut“ zu bezeichnen. Dies setzt aber, ähnlich wie die Bewertung der Handlung, voraus, dass man sich mit der grundsätzlichen, bereits eingehend geschilderten Konzeption von „Mafia 2“ arrangieren kann.

Technisches

Grafik

Natürlich lebt ein Spiel wie „Mafia 2“ auch von der visuellen Umsetzung. Dieser wollen wir uns im Folgenden kurz widmen, wobei umfassende Informationen zu Aspekten wie der verwendeten Engine, PhysX und der Performance unserem bereits veröffentlichten Bericht [1] entnommen werden können.

Testsystem für „Mafia 2“

Herstellerempfehlung für „Mafia 2“

2K Czech hält auch grafisch das Versprochene: „Mafia 2“ ist visuell zwar nicht das Spiel des Jahres, bietet aber doch eine hervorragende Präsentation. Dank realistischer Licht- und Schattenverhältnisse, gut gelungener (zumeist scharfer) Texturen und tollen (PhysX-)Effekten hat man es hier mit einer Umsetzung zu tun, die derzeit zur Oberklasse zu zählen ist.

Dies ist allerdings auch mit der ein oder anderen Ruckelei verbunden, insbesondere wenn es sich bei dem jeweiligen Spielsystem um eine nicht mehr top-aktuelle Konfiguration handelt. So lief das Spiel auf unserem praxisnahen System erst dann mit annehmbaren und vor allem relativ stabilen Bilderraten, als die Kantenglättung deaktiviert und PhysX auf die unterste Stufe gesetzt war. Wer Empire Bay also in voller Pracht genießen möchte, sollte auch über die entsprechende Hardware verfügen. Der besagte Performance-Report liefert Aufschluss darüber, welche Komponente am besten abschneiden.

Gelungene Grafik: Weitere visuelle Eindrücke
Mafia 2 – Grafik

Mafia 2 – Grafik
Mafia 2 – Grafik

Mafia 2 – Grafik
Mafia 2 – Grafik

Benchmarks

Mafia 2 bietet dem Käufer eine schicke Grafik, die zwar nicht das Crysis-Niveau erreicht, aber vor allem durch seine Detailverliebtheit auffällt. Um diese umzusetzen hat das Entwicklerteam 2k Czech eine eigene DirectX-9-Engine entwickelt, die auf den Namen „Illusion“ hört. Einige der Highlights des technischen Grundgerüstes sind laut der Entwickler die Umsetzung von Ambient Occlusion, Soft-Shadows, Depth of Field sowie PhysX, wobei letzteres in der GPU-Variante enthalten ist.

Video abspielen

Wir haben uns bereits in einem ausführlichen Performancebericht die zu erwartende Leistung von Mafia 2 anhand der Demoversion angeschaut [2], die technisch identisch mit dem finalen Produkt ist. Nichtsdestotrotz möchten wir uns noch einmal die Geschwindigkeit einiger aktueller Grafikkarten anschauen, wobei wir jedoch eine andere, 60 Sekunden lange Testsequenz verwenden. Diese zeigt eine Autofahrt durch die Stadt und ist damit recht typisch für das erste Drittel des Spieles, das meistens aus viel Dunkelheit und Schnee besteht. Wer unter anderem genauere Informationen zu PhysX haben möchte, dem empfehlen wir einen Blick in den Performancebericht.

Als Hardware kommt das aktuelle Testsystem für Grafikkarten [3] zum Einsatz. Die Treiber haben wir auf den aktuellen Stand gebracht, weswegen der Catalyst 10.8 sowie der GeForce 258.96 genutzt werden. Als Auflösung haben wir uns für 1920x1200 entschieden, wobei wir die Testszene sowohl ohne Anti-Aliasing und anisotrope Filterung, als auch mit den beiden qualitätssteigernden Features nutzen. Bei der Kantenglättung müssen wir aber anmerken, dass es sich nicht um das gewohnte MSAA handelt, sondern um 2xSSAA, da das Spiel keine andere Einstellung zulässt.

1920x1200 1xAA/1xAF

 Durchschnitts-FPS:
ATi Radeon HD 5970
104,4
Nvidia GeForce GTX 480
94,8
ATi Radeon HD 5870
78,5
Nvidia GeForce GTX 470
78,1
ATi Radeon HD 5850
68,7
Nvidia GeForce GTX 465
62,1
ATi Radeon HD 5830
61,3
Nvidia GeForce GTX 460 1GB
60,1
Nvidia GeForce GTX 460
58,3
ATi Radeon HD 5770
45,8
ATi Radeon HD 4870
35,7
Nvidia GeForce GTX 260
29,7
 Minimal-FPS:
ATi Radeon HD 5970
80
Nvidia GeForce GTX 480
69
ATi Radeon HD 5870
64
Nvidia GeForce GTX 470
58
ATi Radeon HD 5850
54
ATi Radeon HD 5830
47
Nvidia GeForce GTX 465
46
Nvidia GeForce GTX 460
44
Nvidia GeForce GTX 460 1GB
44
ATi Radeon HD 5770
36
ATi Radeon HD 4870
27
Nvidia GeForce GTX 260
22
1920x1200 1xAA/1xAF

Aufgrund der unterschiedlichen Testsequenz hat es in Mafia 2 einige Verschiebungen gegeben. Unangefochten an der Spitze liegt die Dual-GPU-Karte Radeon HD 5970. Störende Mikroruckler konnten wir während des Spielens zwar kaum wahrnehmen, jedoch ist ein später vermehrtes Auftreten derer durchaus möglich. Bei den Single-GPU-Karten hat die GeForce GTX 480 von Nvidia die Nase vorn und rendert um 21 Prozent flotter als die Radeon HD 5870. Letztere kann bei den Minimum-FPS aufholen und liegt dann nur noch um acht Prozent zurück.

Die GeForce GTX 470 liegt gleich auf mit der Radeon HD 5870 und muss sich nur bei den Minimum-FPS um zehn Prozent geschlagen geben. Ähnliches wiederholt sich bei der GeForce GTX 460, die allgemein gleich viele Bilder pro Sekunde liefert und nur bei den Minimum-FPS gegen die Radeon HD 5830 verliert. Während die generelle Leistung der meisten Nvidia-Karten also etwas besser als die der ATi-Pendants in den identischen Preisklassen ist, können die Radeon-Chips bei den Minimum-FPS in Mafia 2 aufholen und manchmal die Konkurrenz gar überholen.

Einzig bei den älteren Modellen sieht die Situation anders aus. Denn die Radeon HD 4870 ist jeweils um etwa 20 Prozent schneller als die GeForce GTX 260. Spielbar ist Mafia 2 in diesen Qualitätseinstellungen ohne Einbußen ab der Radeon HD 5770. Mit der Radeon HD 4870 ist dies mit kleinen Einschränkungen noch möglich, während die GeForce GTX 260 zumindest für anspruchsvolle Situationen zu langsam ist.

1920x1200 AA/16xAF

 Durchschnitts-FPS:
ATi Radeon HD 5970
78,2
Nvidia GeForce GTX 480
59
ATi Radeon HD 5870
53,5
Nvidia GeForce GTX 470
47,5
ATi Radeon HD 5850
47,4
ATi Radeon HD 5830
38
Nvidia GeForce GTX 460 1GB
37
Nvidia GeForce GTX 465
36,6
Nvidia GeForce GTX 460
35,2
ATi Radeon HD 5770
30,3
Nvidia GeForce GTX 260
22,6
ATi Radeon HD 4870
22,3
 Minimal-FPS:
ATi Radeon HD 5970
60
Nvidia GeForce GTX 480
43
ATi Radeon HD 5870
40
Nvidia GeForce GTX 470
35
ATi Radeon HD 5850
34
ATi Radeon HD 5830
28
Nvidia GeForce GTX 460
26
Nvidia GeForce GTX 460 1GB
26
Nvidia GeForce GTX 465
25
ATi Radeon HD 5770
21
ATi Radeon HD 4870
17
Nvidia GeForce GTX 260
17
1920x1200 AA/16xAF

Im Vergleich zum Performancebericht des Mafioso-Spiels können die GeForce-Karten bei Nutzung der Kantenglättung ein Plus für sich verbuchen. Und der Grund ist schnell gefunden: Denn die Nvidia-GPUs brechen bei der Darstellung von Vegetation im Vergleich zu den Radeon-Karten stärker ein. Während die alte Testsequenz einen Marsch durch einen Park beinhaltet und somit einige Vegetation zeigt, gibt es diese bei der „Straßenrundfahrt“ für diesen Test nicht.

Und damit liegt die GeForce GTX 480 insgesamt zehn Prozent vor der Radeon HD 5870 und bei den Minimum-FPS noch acht Prozent. Die GeForce GTX 470 arbeitet durchweg auf ein und demselben Niveau wie die Radeon HD 5850 und muss damit kleinere Einbußen gegenüber den Messungen ohne Kantenglättung hinnehmen. Die GeForce GTX 460 zeigt sich dagegen wiederum unbeeindruckt und rendert immer noch im selben Verhältnis zur Radeon HD 5830 wie bei abgeschaltetem Anti-Aliasing.

Um einiges besser ergeht es nun der GeForce GTX 260, die in diesem Fall exakt gleich schnell wie die Radeon HD 4870 ihre Arbeit verrichtet. Nichtsdestotrotz sind beide Grafikkarten zu langsam für die gewählten Qualitätseinstellungen. Für 1920x1200 mit aktiver Kantenglättung sollte es mindestens eine GeForce GTX 460 oder Radeon HD 5830 sein. Mit einer GeForce GTX 470 oder einer Radeon HD 5850 läuft das Spiel dann völlig flüssig.

Sound- & Sprachumsetzung

In puncto „Sound- & Sprachumsetzung“ machen die Verantwortlichen alles richtig. Dies beginnt bei den auch in der deutschen Ausgabe exzellenten, teils bekannten Sprecher/innen, geht über eine weitgehend exakte Lippensynchronität und endet bei realistischen, satten Motoren-, Umgebungs- und Waffengeräuschen.

Ebenso hervorragend fällt die Vertonung aus: Neben pompösen Orchesterstücken darf man sich über unterschiedliche Autoradioklänge freuen, die in Kombination mit der visuellen Präsentation auf Basis von zur jeweiligen Zeit passenden Stücken den jeweiligen Lebensstil des Jahrzehnts unterstreichen und so die Authentizität weiter erhöhen.

Steuerung

Die Steuerung birgt grundsätzlich keinerlei Überraschungen, verdient dafür aber gelobt zu werden. Über die WASD-Tasten lässt sich Vito angenehm exakt durch Empire Bay lotsen, wobei in Kampfsituationen per STRG-Taste hinter nahezu jedem Gegenstand Deckung gesucht werden kann. Hierbei handelt es sich um eine weit verbreitete Funktion, die in Kombination mit der Möglichkeit, die Gegner aus der Deckung unter Beschuss nehmen zu können, auch im Falle von „Mafia 2“ wunderbar funktioniert.

Die Steuerung verdient auch deswegen Lob, weil ein Ingame-Wechsel zwischen Tastatur- und Gamepad-Steuerung problemlos möglich ist. Wer also beispielsweise Fahrzeuge, von denen es an die 50 Originalmodelle mit falschen Namen gibt, lieber mit dem präziseren Pad steuern will, wird sich über diese Möglichkeit freuen.

Hinzu kommt, dass die Macher kräftig am Fahrzeugverhalten geschraubt haben. Im Arcade-Modus kommen deswegen selbst echte Rüpel im tiefsten Winter bei entsprechend vereisten Straßen mit ein wenig Konzentration ohne nennenswerten Unfall von A nach B. Wem dies zu unrealistisch ist, der wechselt das Fahrzeugverhalten in den Simulationsmodus, was dazu führt, dass die Boliden plötzlich extrem sensibel auf Unwägbarkeiten wie komplett verschneite Straßen reagieren, weswegen der optionale Tempomat wesentlich öfter eingeschaltet wird – so stellt man sich das Fahren ohne Extras aus dem Jahr 2010 vor.

Einzig bei den häufig vorkommenden Boxkämpfen hätten wir uns ein wenig mehr Abwechslung gewünscht. Abgesehen von einer handvoll k.o.-Moves kann man nur eine Kombination aus drei leichten Schlägen (linke Maustaste) und zwei heftigen Schlägen (rechte Maustaste) platzieren. Per gedrückter Leertaste verharrt Vito in Deckung und weicht jedem Schlag aus, der prompt gekontert werden kann. Da man diese sehr simpel gehaltene Abfolge nach dem zweiten Kampf drauf hat, verlieren die folgenden Kämpfe schnell an Pep, was aufgrund der ansonsten rundum gelungenen Steuerung aber keinen echten Grund zur Beschwerde gibt.

KI

Die künstliche Intelligenz stellt aus technischer Perspektive sicher den diskussionswürdigsten Aspekt dar, denn hier lassen sich durchaus Punkte finden, die Anlass zur Kritik geben. Diese sind allerdings keinesfalls besonders auffällig, sodass die Wahrnehmung natürlich von Spieler zu Spieler variiert.

Der diesem Test zugrundeliegenden Einschätzung nach bekleckern sich die Gegner tatsächlich nicht mit Ruhm – wer extrem wendige, clevere Mafiosis und Schläger erwartet, wird also eher enttäuscht. Zwar werden handfeste Schnitzer durch sinnvoll gesetzte Scripte sowie die vielen gelungenen Zwischensequenzen vermieden, doch erweisen sich die Gegner insbesondere in Feuergefechten als zwar Deckung suchend, insgesamt aber zu statische und somit ungefährliche Kontrahenten. Wer mit dem Genre vertraut ist, kann deswegen getrost von Beginn an auf der schwersten der drei Schwierigkeitsstufen loslegen.

Dennoch scheint der vielerorts formulierte Unmut über die KI von „Mafia 2“ überspitzt. Nüchtern betrachtet handelt es sich bei der Gegner-KI zwar sicher um keine herausragende, unterm Durchschnitt bewegt man sich aber noch lange nicht.

Die Gegner-KI ist nicht überragend, geht aber in Ordnung
Die Gegner-KI ist nicht überragend, geht aber in Ordnung

Dies wird schließlich auch durch die gut reagierenden bzw. agierenden NPCs in der Stadt unterstrichen. Wer einen Passanten umfährt oder die Waffe zieht, löst Schrecken, aber auch Gegenwehr aus. Wer „nur“ rüde fährt, wird durchaus auch mal beschimpft. Angenehm ist dabei, dass einem die meisten NPC-Autos in der Stadt auf wilde Hupsignale ein wenig Platz macht, auch wenn auch dies aufgrund von KI-Schnitzern von Zeit zu Zeit schiefgeht (was durchaus realistisch ist!).

Bedauerlich ist dagegen das Verhalten der Polizei. Während man in „Mafia“ bei kleinsten Vergehen erbarmungslos gejagt wurde, erweisen sich die Gesetzeshüter des Nachfolgers als Waschlappentruppe, die viel zu viele Straftaten durchgehen lässt: Extreme Tempoüberschreitung, Fahrerflucht, Autodiebstahl oder die Zurschaustellung von Waffen auf offener Straße? Viel zu häufig lassen einen die Streifen unbehelligt. Und selbst wenn nicht, hat man sie binnen kürzester Zeit locker abgeschüttelt – schade, da nicht zuletzt deswegen längere rasante Verfolgungsjagden eher flach fallen.

Multiplayer

„Mafia 2“ verfügt derzeit und wohl auch zukünftig über keinerlei Mehrspielermodus, auch wenn sich Gerüchte, wonach dieser per Download-Content nachgereicht wird, weiter wacker halten.

Die Bewertung von diesem Umstand kann kaum objektiv erfolgen, da die Spieler-Schwerpunkte sich stark unterscheiden. Fest steht natürlich, dass sich in diesem Punkt für echte Multiplayer-Freunde ein k.o.-Kriterium findet.

Diese Einschätzung kann indes nicht als allgemeine Aussage in diesem Test stehen bleiben. Stattdessen soll an dieser Stelle ein ebenso pragmatischer wie trauriger Standpunkt vertreten werden: In Zeiten, in denen viele Spieleschmieden und Publisher halbgare Einzelspieler-Titel auf den Markt werfen, die alibimäßig einen extrem rudimentären, kaum unterstützten Mehrspielermodus enthalten, sei gesagt: Lieber ein Einzelspieler der es in sich hat, als die besagte Alibi-Kombination.

Vor diesem Hintergrund stellt sich dann natürlich die Frage, inwieweit der Einzelspieler-Modus von „Mafia 2“ diesem Anspruch gerecht wird. Dies soll abschließend im Fazit geklärt werden.

Kopierschutz

Zur Sicherung der Inhalte setzt man bei 2K Czech auf die Online-Aktivierung via Steam. Dies bedeutet auch, dass Patches über die Valve-Plattform eingespielt werden und auch der angekündigte Download-Content wird hierüber zu beziehen sein, was durchaus komfortabel ist. Weniger komfortabel ist dagegen, dass dies einen Weiterverkauf oder die Weitergabe an Freunde nahezu unmöglich macht, was aufgrund der Konzeption des Spiels als „Singleplayer only“ für einige Spieler durchaus relevant sein dürfte.

Fazit

Zur abschließenden Bewertung von „Mafia 2“ kommt man nicht umhin, sich nochmal einer der grundlegenden konzeptionellen Fragen dieser Tage zu widmen. Diese bezieht sich auf die Balance zwischen spielerischer Freiheit und einer dichten, spannenden Erzählung – ein Spannungsfeld, das häufig auch unter Begriffen wie „Open World“ vs. „Linearität“ behandelt wird.

Natürlich liegt die Stärke eines Spiels gerade im Vergleich zum Film darin, dass die Interaktivität wesentlich umfassender ist. Der Spieler kann, anders als der Kinozuschauer, entscheiden, wohin sich der Protagonist wendet, wie er vorgeht und häufig auch, welchen der vorgeschlagenen Handlungsstränge er einschlägt.

Was man bei derlei Spielen – nicht immer, aber durchaus häufig – beobachten kann, ist, dass die Probleme in puncto Spannung, Authentizität und Dichte parallel zum Ausmaß des „Open World“-Charakters zunehmen. Dies ist in großen Teilen nur logisch, denn dort, wo die Entwickler dem Spieler große Freiheiten zugestehen, kann die übergreifende Erzählung über Scripte und Videosequenzen kaum greifen, weswegen auch heute noch gilt: Eine echte „Open World“ erlaubt keine oder zumindest nur eine rudimentäre übergeordnete Erzählung, da vor allem der oder die Spieler in der Lage sind, Aktion und Reaktion – also Handlung – zu erschaffen.

Solange hier kein Paradigmenwechsel in Form von großen inhaltlichen Innovationen stattfindet, hat ein Spiel wie „Mafia 2“ deswegen in unseren Augen jede nur erdenkliche Daseinsberechtigung. Ja, es ist ultra-linear. Ja, es bietet abseits der Haupthandlung nur wenig Interessantes. Und ja, es ist herzlich wenig „Open World“. Dafür kriegt man etwas geboten, das man als Beginn der in Zukunft sicher zunehmend relevanten Symbiose aus Kino und Spiel bezeichnen kann: „Mafia 2“ lädt dazu ein, den jungen Vito Scalletta auf seinem Weg zu begleiten (nicht als bloßer Zuschauer, sondern als Steuermann), der – im Rahmen der Handlung und nicht abseits davon – tief in die konsequente, gut gelungene Welt von Empire Bay einsteigen und dabei ein hervorragendes Spielerlebnis empfinden kann.

Losgelöst von der Diskussion um Linearität und Co. und auch aufgrund der ansonsten tadellosen Umsetzung stellt sich deswegen die Frage: Was will man im Jahr 2010 eigentlich mehr?

Weitere Informationen:

URL-Liste:

  1. http://www.computerbase.de/artikel/grafikkarten/2010/test-mafia-2-performancebericht/
  2. http://www.computerbase.de/artikel/grafikkarten/2010/test-mafia-2-performancebericht/2/#abschnitt_so_testen_wir
  3. http://www.computerbase.de/artikel/grafikkarten/2010/test_10_grafikkarten_directx_11/2/#abschnitt_testsystem
  4. http://www.computerbase.de/artikel/grafikkarten/2010/test-mafia-2-performancebericht/
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