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Test: Star Trek Online

von Sasan Abdi

Vorwort

Massive-Multiplayer-Online-Spiele (MMOGs) üben auf Spieleschmieden und Publisher ohne Zweifel einen gewissen Reiz aus. Zwar ist die Entwicklung und das tägliche Geschäft bei entsprechenden Projekten mit einigem Aufwand verbunden; dafür darf man sich aufgrund von Abogebühren, kostenpflichtigen Addons und Download-Inhalten bei einer ausreichend großen Community über eine dauerhaft sprudelnde Einnahmequelle mit hohem Bindungswert freuen.

Star Trek Online – Packshot
Star Trek Online – Packshot

Vor diesem Hintergrund verwundert es nicht, dass mit „Herr der Ringe“ und „Star Wars“ bereits so manche große Marke ihren Weg ins von „World of Warcraft“ knallhart dominierte Segment gefunden hat. Dementsprechend schien es auch nur eine Frage der Zeit zu sein, bis auch das altehrwürdige „Star Trek“ in den Weiten des Internets und in trauter Gemeinsamkeit gespielt werden kann.

Genau dies ist neuerdings unter dem einfachen aber bezeichnenden Titel „Star Trek Online“ möglich. Ob der Ausflug geglückt ist und ob sogar Nicht-Trekkies angesprochen werden, soll im Folgenden geklärt werden.

Systemanforderungen

Testsystem für „Star Trek Online“

Herstellerempfehlung für „Star Trek Online“

STO auf einen Blick

Ob MMO(RP)G oder konventionelles Videospiel mit RPG-Elementen: Aller Anfang ist gleich. Dies gilt auch für „Star Trek Online“, sodass zu Beginn erst einmal die Charaktererstellung ansteht. Diese gestaltet sich nicht sonderlich übersichtlich, was neben gravierenden Lokalisierungsproblemen (dazu gleich mehr) auch an der Vielfalt der Möglichkeiten liegt. So bieten die Entwickler von Cryptic derart viele Optionen und Unterkategorien, dass der durchschnittliche Spieler sich sogar etwas überfordert fühlen dürfte, während ambitionierte Spieler frohlocken: Von zig Gesichts- und Haar-Details bis hin zur Uniform lässt sich verdammt viel feinjustieren.

Der STO-Charaktereditor bietet viele Möglichkeiten
STO - Charaktererstellung
STO - Charaktererstellung
STO - Charaktererstellung

Ist der Charakter einmal erstellt, geht es auch schon in die Weiten des Universums. Hier macht sich vor allem in den ersten Minuten und Stunden schnell Ernüchterung breit: Wer packende, deutlich zusammenhängende Missionen erwartet, wird zumindest in Teilen enttäuscht. Stattdessen gilt es insbesondere zu Beginn, allerlei lahme Standard-Missionen durchzuführen, die häufig mit der Zerstörung feindlicher Geschwader oder dem Scannen von Planeten bzw. Alien-Artefakten zu tun haben. Wie so oft gilt aber auch hier, dass belohnt wird, wer den Inhalten eine Chance gibt. Denn mit längerer Spielzeit und höheren Charakterleveln gewinnt die Grundgeschichte von STO immer mehr an Kontur, wobei die dazu passenden Haupt-Quests zumeist eine gute Figur machen und sich plötzlich auch so manche Querverbindung zu den langweiligen zufallsgenerierten Standard-Missionen erkennen lässt.

Weitaus motivierender als die Missionen ist allerdings die Charakterentwicklung und zwar vor allem deswegen, weil beendete Aufträge und der recht zügig von statten gehende Charakteraufstieg nette Belohnungen wie zusätzliche Crewmitglieder, neue Schiffe und Features mit sich bringen. Diese können zum Teil genauso wie gefundene Gegenstände in ein relativ komplexes Wirtschaftssystem eingespeist werden, sodass auch auf anderen Wegen an die jeweilig gewünschte Ausrüstung gelangt werden kann. Auf diese Weise lässt sich bereits in wenigen Spielstunden ein recht heimeliges Schiff aufbauen, mit dem die manchmal eintönige Reise von Punkt A nach Punkt B auf der (2D-)Sternenkarte etwas spaßiger bzw. motivierender ausfällt.

Mäßig: Eine STO-Oberflächenmission
Mäßig: Eine STO-Oberflächenmission

Mit Blick auf die Missionen lässt sich eine sinnvolle Zweiteilung ausmachen, die leider auch qualitativ gilt: So müssen sowohl im Weltraum als auch auf diversen Oberflächen Kämpfe bestritten werden. Erstere fallen aufgrund unterschiedlicher Gegnergattungen, der Anwendung der besagten Schiffsverbesserungen und dank einer angemessenen Dynamik auch auf Dauer recht spannend aus. Letztere sind dagegen wegen einer mangelnden taktischen Tiefe, blassen Umgebungen und schwach agierenden NPCs eher schwer genießbar, wobei die grundsätzlich komplexe Steuerung von STO hier mit einer mangelnden Präzision gekrönt wird. Selbiges gilt für die Klassen-Dreiteilung in Taktik-, Wissenschaft-, und Ingenieurs-Offizier, die sich im Weltall eher bemerkbar macht als bei den chaotischen Bodenkämpfen, bei denen die damit verbundenen unterschiedlichen Fähigkeiten kaum zum Tragen kommen.

Der MMO-Charakter kommt dabei stets dahingehend zur Geltung, dass die besagten Quests in zufällig zusammengewürfelten Gruppen angegangen werden. Man macht sich also höchst selten alleine an die Zerstörung eines Klingonen-Geschwaders, sondern zieht im Verbund mit anderen Spielern ins Feld. Dies funktioniert prinzipiell recht gut – echte Taktik ist zumindest bei den Bodengefechten allerdings nicht gefragt. Stattdessen münden derlei Geschehnisse meist in einem wilden Durcheinander, in dem ein Jeder nach Gutdünken den Questfaden verfolgt. Dies gilt freilich nur, wenn man nicht ohnehin gemeinsam mit Freunden oder in einer Allianz spielt und auch in den Schlachten im All wird der Schwerpunkt eher auf Absprache gesetzt, da riesige gegnerische Kreuzer nur durch koordiniertes, gemeinsames Feuern pulverisiert werden können.

Ab Level 6 bietet sich schließlich die Möglichkeit, einen der Sternenflotte feindliche gesinnten Charakter zu erstellen. Dieser ist in seiner Handlungsvielfalt allerdings vorerst rein auf PvP-Szenarien beschränkt, bei denen es sich um kleine, zu Beginn charmante Scharmützel mit anderen Spielern handelt, die auf Dauer aber kaum tragen können. Hier findet sich eine Schwäche, die mittelfristig aufgrund von nachgereichten Inhalten ausgebügelt werden soll, aktuell aber klar negativ zu Buche schlägt, da die Böse-Funktion genauso wie der PvP-Bereich ziemlich beschnitten wirken.

Weitere visuelle Eindrücke aus STO
STO - Grafik

STO - Grafik
STO - Grafik
STO - Grafik

Letztlich bietet leider auch die technische Umsetzung Grund zur Klage. Zwar läuft STO wunderbar stabil und verzögerungsfrei, was für die ersten Monate der Live-Phase eines solchen Spiels keinesfalls Standard ist; dafür krankt es aber an manch anderer Stelle. Sofort ins Auge springt beispielsweise die noch längst nicht komplette Lokalisierung, die sich in einem ständigen Sprachengemisch aus deutschen und englischen Texten niederschlägt. Ohnehin sollte man nicht zu viele gesprochene Texte erwarten, da die Macher nicht zuletzt aufgrund der Textfülle eher auf das geschriebene Wort setzen. Überdies muss man leider auch sagen, dass STO visuell angemessen, aber keinesfalls bahnbrechend daherkommt. Wer also einen wahren Augenschmaus erwartet, sollte besser die Finger vom neuen Trekkie-Spiel lassen. Allerdings muss an dieser Stelle einschränkend gesagt werden, dass eine grandiose grafische Umsetzung auch nicht zwingend notwendig ist, sodass der aktuelle Stand von den mäßigen Oberflächen weitgehend ausreicht. Dennoch gilt: Astrein ist STO bei weitem nicht.

Kosten

Star Trek Online wird von Cryptic per Download vertrieben und kostet in der Digital Deluxe Variante [1] zunächst 59,99 Euro. Die abseits davon fälligen Abokosten variieren [2] je nachdem, wie lange sich der Spieler binden möchte. So werden für einen Monat 14,94 Euro, für drei bzw. sechs Monate dagegen 41,37 bzw. 75,83 Euro berechnet. Gezahlt werden kann per Kreditkarte, PayPal oder elektronischem Lastschriftverfahren.

Fazit

So richtig weiß „Star Trek Online“ bisher nicht zu überzeugen. Dafür hapert es noch an zu vielen Stellen, was dazu führt, dass ein spielerischer Tiefgang nur dann spürbar wird, wenn der Spieler sich in ausgedehnter Geduld übt. So kann es schon an die fünf Stunden dauern, bis man sich mit allen Facetten des eher komplexen Spieles vertraut gemacht hat und bis vor allem die im Hintergrund wabernde Geschichte ein wenig an Kontur gewinnt. Diese Zeitspanne kam uns jedoch nicht als spannendes Erkunden, sondern als nerviges Einarbeiten vor, denn bis es endlich soweit war, galt es, sich mit ziemlich öden Missionen, einer mäßigen Technik und einer in Teilen hakeligen Steuerung auseinanderzusetzen.

Ein weiterer Grund für dieses eher kritische Fazit liegt in der nicht gelungenen Umsetzung der Bodengefechte. Sicher, im Weltraum sorgen die Schiffsschlachten gerade im Zusammenspiel mit ein paar motivierten Mitspielern für einige launige Stunden. Dafür herrscht auf den Oberflächen gähnende Langeweile, was insbesondere auch auf die nicht sonderlich charmant in Szene gesetzten Umgebungen zurückzuführen ist. Hier hätte ein bisschen mehr Vielfalt und weniger Konserve einiges retten können.

All' das zusammen genommen sorgt dafür, dass wir für STO keine Empfehlung aussprechen können – solange es sich beim potentiellen Käufer nicht um einen echten Trekkie handelt. Dieser dürfte sich über das Realität gewordene Star Trek-Universum durchaus freuen, schließlich gibt es einige Parallelen zu den Episoden aus dem beliebten Fernseh- und Kinoformat, denen man bei Cryptic eigens eine eigene Erläuterung [3] gewidmet hat. Ausschlaggebend für die Nicht-Empfehlung ist letztlich aber auch der Preis, denn für eine happige Anschaffung und nennenswerte monatliche Gebühren kriegt der durchschnittliche Spieler mit Lust auf ein neues MMO-Setting schlichtweg zu wenig geboten.

Abseits davon kann man übrigens sogar zu dem Urteil kommen, dass „Star Trek Online“ nur bedingt ein echtes MMOG ist. Dafür wird das erste M für „Massively“ inhaltlich viel zu wenig betont, denn eigentlich würde der Titel auch lokal funktionieren – die ganz großen, zusammen hängenden Massenschlachten mit der dringenden Notwendigkeit zur Abstimmung im Team finden sich hier eher selten. STO ist vor diesem Hintergrund, wenn man so will, eher ein Online-Spiel, das sich mehr auf unkomplizierte Action als auf ein länger geplantes Vorgehen fokussiert – was mit Blick auf die stark gefragten Casual-Titel in Ordnung geht, aber erwähnt werden muss.

URL-Liste:

  1. http://www.startrekonline.com/buy
  2. http://www.startrekonline.com/buy
  3. http://www.startrekonline.com/node/1018
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