Der Begriff EIA-232, ursprünglich RS-232, bezeichnet einen Standard für eine serielle Schnittstelle, die in den frühen 1960ern von einem US-amerikanischen Standardisierungskomitee (heute EIA – Electronic Industries Alliance) eingeführt wurde.
Inhaltsverzeichnis |
Mainframes und Text-Terminals sind unter Zuhilfenahme von Modems durch Punkt-zu-Punkt-Verbindungen über die Telefonleitung ähnlich wie Fernschreiber zusammengeschlossen worden. Die Übertragung der Daten bei beiden Systemen erfolgte sequenziell. Durch den ursprünglichen Verwendungszweck bedingt weist die Schnittstelle einige Unsymmetrien bei der Definition der Steuer-Leitungen auf, die bei den später üblich gewordenen Anwendungen in völlig anderen Bereichen zu Verschaltungsproblemen führen können.
Die aktuelle amerikanische Version heißt offiziell ANSI/EIA/TIA-232-F-1997 und ist aus dem Jahr 1997. Die aktuell in den USA und Europa übliche Bezeichnung ist RS-232 (RS steht dabei für Radio Sector, womit die ursprünglich zuständige Abteilung der Behörde gemeint ist, wird aber heute als Recommended Standard gelesen). Zur Frage der korrekten Bezeichnung siehe den Abschnitt Kennzeichnung von Standards bei EIA – Electronic Industries Alliance.
EIA-232 definiert die Verbindung zwischen dem Terminal (data terminal equipment (DTE), Datenendeinrichtung) und dem Modem (data communication equipment (DCE), Datenübertragungseinrichtung), was Timing, Spannungspegel, Protokoll und Stecker betrifft. Allgemein sind die Parameter unter Serielle Datenübertragung erläutert.
Weitere Übertragungsstandards wie RS-422, RS-485 findet man unter der Rubrik Serielle Schnittstelle.
| Bitrate (bit/s) | Bitdauer |
|---|---|
| 50 | 20 ms |
| 300 | 3,3 ms |
| 1.200 | 833 µs |
| 2.400 | 417 µs |
| 4.800 | 208 µs |
| 9.600 | 104 µs |
| 19.200 | 52 µs |
| 38.400 | 26 µs |
| 57.600 | 17 µs |
| 115.200 | 8,68 µs |
| 230.400 | 4,34 µs |
| 460.800 | 2,17 µs |
| 500.000 | 2,00 µs |
Das Timingdiagramm zeigt ein Beispiel, wie ein Zeichen übertragen wird. Zunächst liegt der Ruhepegel an. Der Ruhezustand der Übertragungsleitung, der auch mit „Mark“ bezeichnet wird, entspricht dem Pegel einer „logischen 1“. Als Erstes wird das Startbit logisch „0“ („Space“) gesendet, um den Empfänger mit dem Sender synchronisieren zu lassen. Die (zeitliche) Dauer der jeweiligen Bits hängt von der eingestellten Bitrate ab, welche bei der EIA-232 gleich der Baudrate ist.
Darauf folgen 5 bis 8 Datenbits (Nutzdaten). Angefangen wird mit den LSB (least significant bit) und beendet mit dem MSB (most significant bit). In diesem Beispiel werden 8 Datenbits gesendet. Nun folgt optional ein Parity-Bit, welches zur Erkennung von Übertragungsfehlern dient. Das Paritätsbit bewirkt, dass bei gerader („EVEN“) Parität immer eine gerade bzw. bei ungerader („ODD“) Parität eine ungerade Anzahl von „1“-Bits übertragen wird. Es gibt also die Möglichkeiten „E“ wie even parity oder „O“ wie odd parity oder kein Parity-Bit entsprechend „N“ wie no parity. Weiterhin kann das Paritätsbit immer gesetzt („M“ wie mark parity) oder immer gelöscht („S“ wie space parity) sein. Abgeschlossen wird die Übertragung mit ein oder zwei Stoppbits logisch „1“. Die folgende Ruhezeit darf beliebig lang sein (hier im Beispiel ist sie ein halbes Bit lang).
Da alle möglichen Variationen in den Standards festgelegt sind, müssen bei beiden Geräten, die an der Kommunikation beteiligt sind, alle Parameter gleich eingestellt sein, damit eine erfolgreiche Kommunikation garantiert werden kann.
Von vielen Geräten werden folgende Einstellungen verwendet: 8 Datenbits, no Parity, 1 Stoppbit, was oft als 8N1 abgekürzt wird. Damit sind für die Übertragung eines Bytes auf der Leitung mindestens 1 + 8 + 1 „Bitdauern" nötig, woraus sich bei 115.200 Bit/s für die Nutzdaten ein Maximaldurchsatz von 92.160 Bit/s (=115.200×8/10 Bit/s) ergibt.
Um ein definiertes Übertragungsverhalten zu erreichen, schreibt die Norm eine maximale Flankensteilheit am Sender und eine (von der Bitrate abhängige) minimale Flankensteilheit im Übergangsbereich −3 V … 3 V am Empfänger vor.
| max. Baud | max. Länge |
|---|---|
| 2.400 | 900 m |
| 4.800 | 300 m |
| 9.600 | 152 m |
| 19.200 | 15 m |
| 57.600 | 5 m |
| 115.200 | <2 m |
Da wegen der verwendeten Spannungsübertragung die Spannung am Empfänger mit zunehmender Leitungslänge (wegen des größer werdenden elektrischen Kabelwiderstandes und der Kabelkapazität) abnimmt, ist die Leitungslänge begrenzt.
Ein weiterer begrenzender Faktor ist die Laufzeit des Signals. Da eine EIA-232-Schnittstelle am Leitungsende nicht mit ihrem Wellenwiderstand abgeschlossen werden kann (zu große Verlustleistung), gibt es unweigerlich Leitungsreflexionen. Mit zunehmender Übertragungsrate und Kabellänge stören die Reflexionen immer mehr die Datenübertragung. Die Norm verlangt, dass die Flankensteilheit am Sender den Wert 30 V/µs nicht überschreiten darf, womit die Auswirkung der Reflexionen begrenzt werden. Empfängerseitig wird durch einen Schmitt-Trigger wieder ein Rechtecksignal mit sehr hoher Flankensteilheit hergestellt.
Ein weiterer Aspekt ist, dass die Signalübertragung nicht differentiell, sondern asymmetrisch (single-ended bzw. unbalanced) erfolgt. Das zu übertragende Signal beinhaltet einen Gleichspannungsanteil und ist deshalb relativ empfindlich auf Gleichtaktstörungen. Solche Störungen können z. B. durch induktive Einkopplung in die Schleife RxD-Gnd entstehen. Weil sich alle Signale auf das gleiche Gnd-Signal beziehen, kann ein Strom auf der Txd-Leitung einen Spannungsabfall auf der Gnd-Leitung erzeugen, welcher zu einer Potentialverschiebung zwischen den beiden Kommunikationspartnern führt und beispielsweise auf der RxD-Leitung gesehen wird und Störungen verursacht.
Laut ursprünglichem Standard ist eine Kabelkapazität von max. 2500 pF zulässig, was bei Standardkabeln einer Kabellänge von max. 15 m (50 Fuß) entspricht. Mit Kabeln, welche eine besonders niedrige Kapazität aufweisen (beispielsweise UTP CAT-5 Kabel mit 55 pF/m), lassen sich konform zur Definition 45 m erreichen. Die nebenstehende Tabelle gibt Erfahrungswerte von Texas Instruments wieder.
Die Probleme der gegenseitigen Beeinflussung über Gnd, fehlender Abschlusswiderstand etc. lassen sich durch eine differentielle Übertragung wie bei RS-485, LVDS etc. beheben.
Um zwei Geräte über die serielle Schnittstelle zu verbinden, müssen die „hörenden“ mit den „sprechenden“ Leitungen verbunden werden. Bei Terminals bzw. Rechnern (DTE – data terminal equipment) sind „sprechende“ Leitungen TxD, RTS und DTR, „hörende“ Leitungen sind RxD, CTS, DSR, DCD und RI. Bei Modems (DCE – data circuit-terminating equipment) ist es genau umgekehrt; es gibt die vom Terminal „gesprochenen“ Signale an die Gegenseite weiter und muss daher auf diese „hören“, andersherum werden die von der Gegenseite „gehörten“ Signale zum Terminal „weitergesagt“.
Die praktische Identifizierung von DTE- und DCE-Geräten ist durch Messung des Ruhepegels (Spannung zwischen GND und TxD bzw. RxD, unterschiedliche Belegung 9- und 25-poliger Kabel beachten) möglich. Manche modernen Geräte erkennen unbeschaltete Anschlüsse und schalten zwecks Energieeinsparung die Ausgangstreiber ab. In diesem Fall muss den vermutlichen Ausgängen durch einen geeigneten Widerstand zwischen Signalanschluss und GND ein angeschlossener Gegenüber vorgegaukelt werden.
| Messung zwischen |
DTE | DCE |
|---|---|---|
| GND und TxD | −3 … −15 V | ca. 0 V |
| GND und RxD | ca. 0 V | −3 … −15 V |
Die Namen und Beschreibungen der wichtigsten Signalleitungen orientieren sich an der ursprünglichen Verwendung der Schnittstelle. Mit "Gegenstelle" ist in dieser Tabelle nicht die "Gegenseite" (beim klassischen Verwendungszweck diejenige am anderen Ende der Telephonleitung) gemeint, sondern der "lokale Partner" des DTE (also im klassischen Fall ein DCE). WICHTIG: Die Leitungsbezeichnungen sind sowohl bei DTE (PC) als auch bei DCE (Modem) die gleichen und aus der Sicht des DTE formuliert, aber die Eigenschaft des Anschlusses (Input bzw. Output) ist natürlich jeweils unterschiedlich!
| Abkürzung | Name | Beschreibung | Pin-Nr. 25-pol. |
Pin-Nr. 9-pol. |
Input/Output (beim DTE, z.B PC) |
|---|---|---|---|---|---|
| Common Ground | Gemeinsame Abschirmmasse (nicht Datenmasse) | Pin 1 | — | — | |
| TxD, TX, TD | Transmit Data | Leitung für ausgehende (von DTE gesendete) Daten (negative Logik). | Pin 2 | Pin 3 | Out |
| RxD, RX, RD | Receive Data | Leitung für eingehende (von DTE zu empfangende) Daten (negative Logik). | Pin 3 | Pin 2 | In |
| RTS | Request to Send | „Sendeanforderung“; Ein High-Pegel an diesem Ausgang signalisiert, dass DTE Daten senden möchte | Pin 4 | Pin 7 | Out |
| CTS | Clear to Send | „Sendeerlaubnis“; Ein High-Pegel an diesem Eingang ist ein Signal der Gegenstelle, dass sie Daten von DTE entgegennehmen kann | Pin 5 | Pin 8 | In |
| DSR | Dataset Ready | Ein High-Pegel an diesem Eingang ist ein Signal der Gegenstelle, dass sie im Prinzip einsatzbereit ist (aber nicht notwendigerweise auch empfangsbereit, siehe CTS) | Pin 6 | Pin 6 | In |
| GND | Ground | Signalmasse. Die Signalspannungen werden gegen diese Leitung gemessen. | Pin 7 | Pin 5 | — |
| DCD, CD | (Data) Carrier Detect | Mit einem High-Pegel an diesem Eingang signalisiert die Gegenstelle, dass sie einlaufende Daten auf der Leitung erkennt (dem Namen nach ist das die Modulationsträger-Erkennung) und an DTE weitergeben möchte | Pin 8 | Pin 1 | In |
| DTR | Data Terminal Ready | Mit einem High-Pegel an diesem Ausgang signalisiert DTE seine Betriebsbereitschaft an die Gegenstelle. Damit kann die Gegenstelle, z. B. ein Modem, aktiviert oder auch zurückgesetzt werden. Üblicherweise antwortet die Gegenstelle mit einem High-Pegel auf DSR | Pin 20 | Pin 4 | Out |
| RI | Ring Indicator | Ein High-Pegel an diesem Eingang signalisiert dem DTE-Gerät, dass ein Anruf ankommt, d.h. dass jemand eine Datenverbindung aufzubauen wünscht, („ring“ ist engl. für „klingeln“; besonders bei Modems). Siehe auch: Rufton. | Pin 22 | Pin 9 | In |
Für Lexikon-Artikel gilt die Lizenz „Creative Commons Attribution/Share Alike“.
Die Wikipedia ist eine Enzyklopädie, deren Inhalte frei nutzbar sind und es immer sein werden.