Um das Verhalten eines Bipolartransistors oder Feldeffekttransistors auch in komplexen Schaltungen berechnen zu können, benötigt man ein vereinfachtes, abstraktes, Modell. Hierbei werden verschiedene Stufen der Abstraktion verwendet. Hierbei werden meist einfache Modelle zur Dimensionierung und komplexere Modelle bzw. deren Ersatzschaltbild zur Schaltungssimulation verwendet.
Theoretisch wäre auch eine exakte Berechnung des physikalischen Verhaltens beispielsweise über eine Monte-Carlo-Simulation möglich, aber schon in relativ einfachen elektrischen Netzwerken übersteigt der Rechenaufwand einer solchen Simualtion die Leistung heutiger Computer. Die Modelle dienen daher zur Vereinfachung und hinreichenden Nachbildung der realen Abläufe, um so den Rechenaufwand drastisch zu reduzieren.
Eine weitere Vereinfachung kann durch die Nutzung unterschiedlicher Modelle für den statischen und den dynamischen Betrieb. Erstere dienen zur gleichstrommäßigen Dimensionierung, und damit vor allem zur Berechnung der korrekten Arbeitspunkteinstellung, sowie für niederfrequente Logikschaltungen (z. B. TTL). Modelle für den dynamischen Betrieb dienen der wechselstrommäßigen Dimensionierung und damit zur Berechnung von Schaltungen für die Signalübertragung und Signalverarbeitung.
Der vorliegende Artikel beschäftigt sich ausschließlich mit der Modellierung des Bipolartransistors, für Informationen über den Aufbau und Verwendung von Bipolartransistoren wird auf den Hauptartikel verwiesen.
Inhaltsverzeichnis
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Im Folgenden werden die hier verwendeten Formelzeichen aufgelistet. Für weitere Formelzeichen siehe auch die mathematische Beschreibung.
| Zeichen | Beschreibung |
|---|---|
| IB,N | Idealer Basisstrom der Emitter-Diode |
| IB,I | Idealer Basisstrom der Kollektor-Diode |
| IB,E | Basis-Leckstrom der Emitter-Diode |
| IB,C | Basis-Leckstrom der Kollektor-Diode |
| IT | Kollektor-Emitter Transportstrom |
| ID,S | Strom der Substrat-Diode |
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| RB | Basiswiderstand |
| RC | Kollektorbahnwiderstand |
| RE | Emitterwiderstand |
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| CS,E | Sperrschichtkapazität der Emitter-Diode |
| CS,Ci | Interne Sperrschichtkapazität der Kollektor-Diode |
| CS,Ce | Externe Sperrschichtkapazität der Kollektor-Diode |
| CS,S | Sperrschichtkapazität der Substrat-Diode |
| CD,N | Diffusionskapazität der Emitter-Diode |
| CD,I | Diffusionskapazität der Kollektor-Diode |
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| Zeichen | Beschreibung |
|---|---|
| xT,I | Temperaturkoeffizient der Sperrströme |
| xT.B | Temperaturkoeffizient der Stromverstärkung |
Da Datenblätter meist in englisch verfasst sind, muss man auch die verwendeten Formelzeichen übersetzen können. Im Wesentlichen sind dies:
| Deutsch | Englisch | ||
|---|---|---|---|
| Bezeichnung | Zeichen | Bezeichnung | Zeichen |
| Spannung | U | voltage | V |
| Normalbetrieb | N | forward region | F |
| Inversbetrieb | I | inverse region | R |
| Sperrschicht | S | junction | J |
Die anderen Bezeichnungen können beibehalten werden.
Das Ebers-Moll-Modell ist das einfachste Modell für den Bipolartransistor. Es hat nur drei Parameter und beschreibt damit die wichtigsten Effekte. Das Ebers-Moll-Modell wird mit Hilfe eines Dioden-Ersatzschaltbildes dargestellt.
Ein npn-Transistor besteht aus zwei antiseriellen pn-Übergängen (Dioden) mit gemeinsamer p-Zone. Diese Übergänge werden als Emitter-Diode (Basis-Emitter-Diode; BE-Diode) und Kollektor-Diode (Basis-Kollektor-Diode; BC-Diode) bezeichnet. Durch die dünne Basis (p-Zone) im Bipolartransistor fließt der Großteil des Stromes über den Emitter ab. Daher besteht das Ebers-Moll-Modell zusätzlich zu den beiden Dioden aus zwei Stromquellen, die den Stromfluss durch die Basis beschreiben. Für den pnp-Transistor werden einfach die Vorzeichen umgedreht.
Zusätzlich wird noch ein Steuerfaktor für den Normalbetrieb
sowie den Inversbetrieb
verwendet, um den unsymmetrischen Aufbau eines realen npn-Transistors zu berücksichtigen.





Im Normalbetrieb sperrt die BC-Diode da UBC < 0 und kann deshalb vernachlässigt werden. Zusätzlich kann die zugehörige Exponentialfunktion durch -1 ersetzt werden, da
ist. Umgekehrt sperrt im Inversbetrieb die BE-Diode, wodurch man auch in diesem Fall eine Vereinfachung der Geichung auf die selbe Weise erhält.
| Normalbetrieb | Inversbetrieb |
|---|---|
![]() |
![]() |
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Wenn man den Bipolartransistor als Schalter einsetzt, kommt dieser vom Normalbetrieb in den Sättigungsbetrieb. Hierbei ist vor allem die minimal erreichbare Kollektor-Emitter-Spannung
interessant. Aufgelöst für diese Spannung erhält man die Gleichung

Bei
gilt
. Das Minimum erhält man bei IC = 0:

Für den Inversbetrieb vertauscht man Emitter und Kollektor. Dadurch erhält man für die Sättigung mit IE = 0:

Da AI < AN < 1 gilt UEC,sat(IE = 0) < UCE,sat(IC = 0). Dabei gilt üblicherweise
und
.
Durch die Umformung der beiden Stromquellen des Ebers-Moll-Modells in eine einzige gesteuerte Stromquelle erhält man das Transportmodell des Bipolartransistors. Das Transportmodell beschreibt das Gleichstromverhalten. Die Emitter und Kollektor-Diode wird dabei als ideal angenommen und der durch die Basis fließende Strom wird als Transportstrom IT getrennt berechnet. Für das Transportmodell gelten die folgenden Gleichungen:




![I_C = I_S \, \left[ e^\frac{U_{BE}}{U_T} - \left( 1 + \frac{1}{B_I} \right) \, e^\frac{U_{BC}}{U_T} + \frac{1}{B_I} \right]](http://pics.computerbase.de/lexikon/66355/3d467b1159f5acfb0ff1d98b772f13d0.png)
![I_E = I_S \, \left[ e^\frac{U_{BC}}{U_T} - \left( 1 + \frac{1}{B_I} \right) \, e^\frac{U_{BE}}{U_T} + \frac{1}{B_N} \right]](http://pics.computerbase.de/lexikon/66355/d5551bbdefc97109b996762752c8160d.png)
Da für den Normalbetrieb die Sperrströme vernachlässigt werden können, erhält man das reduzierte Transportmodell mit:



Um das statische Verhalten des Bipolartransistors besser modellieren zu können, muss das Transportmodell entsprechend erweitert werden. Hierbei sind vor allem die folgenden Effekte zu berücksichtigen:
Für das um diese Effekte erweiterte Transportmodell gelten im Allgemeinen die Zusammenhänge:


was sich aus den im Weiteren erläuterten Formeln ergibt.
Die Leckströme, die durch die Ladungsträgerrekombination in den pn-Übergängen erzeugt wird werden zu den jeweiligen Strömen der Kollektor- und der Emitter-Diode hinzuaddiert. Dies wird erreicht, indem man den Dioden im Transportmodell jeweils eine weitere Diode parallelschaltet. Diese zusätzlichen Dioden werden über die Leck-Sättigungs-Sperrströme IS,E und IS,C, sowie über die Emmissionskoeffizienten
und
beschrieben.


Wenn der Strom durch den Transistor sehr stark ist, ist der Transportstrom eines realen Transistors durch die hohe Ladungsträgerkonzentration in der Basis kleiner als durch das Grundmodell dargestellt. Dieser Effekt wird auch als Hochstromeffekt bzw. als starke Injektion bezeichnet.
Zusätzlich beeinflussen die Spannungen UBE und UBC die effektive Dicke der Basiszone und wirken sich somit auf den Transportstrom IT aus. Dieser Effekt ist als Early-Effekt bekannt.
Der Hochstrom- und der Early-Effekt wird durch die dimensionslose Größe qB dargestellt.

qB ist hierbei die relative Majoritätsträgerladung und setzt sich aus der Größe des Early-Effekts qEarly und der Größe des Hochstromeffektes qHoch zusammen:



Hierbei sind UA,N und UA,I die Early-Spannungen mit
. IK,N und IK,I sind die Knieströme der starken Injektion. Die Größe der Knieströme ist von der Größe und damit der Bauform des Transistors abhängig und liegen im Milliampere- (Kleinleistungtransitor) bis Amperebereich (Leistungstransistor).
Bei der Betrachtung des Kollektorstromes kommt die Auswirkung des Faktors qB besonders zur Geltung. Unter Vernachlässigung der Sperrströme erhält man:

Bei kleinen bis mittleren Stromgrößen IC < IK,N gilt
und somit
. Zusätzlich gilt

da
. Somit erhält man eine Näherungsgleichung für den Early-Effekt:

und durch Einsetzen in IC erhält man:

Bei großen Strömen
ist
und somit
. Durch Einetzen erhält man:

Unter Vernachlässigung der Sperrströme erhält man für IB die Gleichung

Für die Stromverstärkung B gilt der Zusammenhang

Zudem ist die Stromverstärkung B von UBE und UCE abhängig, da auch IC und qB von diesen Spannungen abhängig sind.
Der Verlauf der Stromverstärkung wird zur Näherung in drei Abschnitte unterteilt:
und
. Daraus ergibt sich die Vereinfachung:

erhält man
. Damit ist die Verstärkung B in diesem Bereich kleiner als bei mittelgroßen Kollektorströmen und wird mit steigendem Kollektorstrom IC ebenfalls größer.
und daraus folgend:

erhält man den Zusammenhang:

Die maximale Stromverstärkung bei konstanter Kollektor-Emitter-Spannung wird mit Bmax(UCE) bezeichnet. Für Transistoren mit großem Kniestrom IK,N und kleinem Leckstrom IS,E ist der Normalbereich so breit, dass der tatsächliche Verlauf von B mit der Näherungsgeraden in diesem Bereich eine Tangente bildet. Im Schnittpunkt gilt Bmax(UCE) = B0,max = BN, wobei B0,max bei UCE = 0 auftritt. Bei Transistoren mit kleinem Kniestrom und großem Leckstrom hingegen fällt der Normalbereich sehr schmal aus, wobei die Verstärkung unterhalb der Näherungsgeraden bleibt und damit B < BN gilt.
Da das Halbleitermaterial für den elektrischen Strom einen Widerstand darstellt, muss dieser Widerstand in Form der Bahnwiderstände dargestellt werden. Man unterscheidet zwischen dem Emitterbahnwiderstand RE, dem Kollektorbahnwiderstand RC und dem Basisbahnwiderstand RB.


Bei integrierten Transistoren ist bei vertikalen npn-Transistoren zwischen Substrat und Kollektor, sowie bei lateralen pnp-Transistoren zwischen Substrat und Basis, konstruktionsbedingt—wie in den nebenstehenden Abbildungen dargestellt—ein pn-Übergang: die sog. Substrat-Diode. Diese Substrat-Diode wird als herkömmliche pn-Diode üder die Shockley-Formel beschrieben. Hierbei wird für den Sättigungssperrstrom IS der Sättigungssperrstrom der Substratdiode IS,S eingesetzt:
(lateral)
(vertikal)Da die Substrat-Diode üblicherweise nicht beschalten wird, ist keine Modellierung erforderlich. Bei (fehlerhafter) Beschaltung kann jedoch ein Strom fließen und muss in diesem Fall auch berücksichtigt werden.
Bei der Ansteuerung mit sinus- oder pulsförmigen Signalen muss auch das dynamische Verhalten des Transistors beachtet werden. Hierzu benötigt man, wie bei der Diode, die im Transistor auftretenden Sperr- und Diffusionskapazitäten.
Bei einem einzelnen Bipolartransistor treten zwei und bei integrierten Transistoren drei Sperrschichtkapazitäten auf. Die Emitterdiode ist hierbei durch die Emittersperrschichtkapazität
charakterisiert. Die Kollektordiode wird durch die Kollektorsperrschichtkapazität CC,E beschrieben, welche sich aus der internen Sperrschichtkapazität CS,Ci der aktiven Zone bei B' und der externen Sperrschichtkapazität CS,Ce beim Basisanschluss B zusammen. Die Anteile der internen und externen Sperrschichtkapazität an der Kollektorsperrschichtkapazität wird durch den Parameter xCSC dargestellt:

Bei Einzeltransistoren liegt der Faktor xCSC meistens zwischen 0,5 und 1, was bedeutet, dass
ist. Bei integrierten Transistoren ist xCSC < 0,5 und damit CS,Ce > CS,Ci.
Bei integrierten Transistoren tritt zusätzlich die Sperrschichtkapazität der Substratdiode CS,S auf. Diese wirkt bei integrierten vertikalen npn-Transistoren am internen Kollektor C' und bei integrierten lateralen npn-Transistoren an der internen Basis B'. Daher gilt:

Beim Transistor treten zwei Diffusionskapazitäten auf: die Diffusionskapazität der Emitterdiode CD,N und die Diffusionskapazität der Kollektordiode CD,I. In diesen werden die Emitterdiffusionsladung QD,N und die Kollektordiffusionsladung QD,I gespeichert. Die Diffusionsladungen ergeben sich aus dem Transportstrom IT, welcher vom Kollektor zum Emitter fließt (siehe auch: Transportmodell).


Wobei die Zeitkonstanten τN und τI als Transit-Zeit bezeichnet werden. Durch Differentiation ergeben sich aus diesen Gleichungen die Diffusionskapazitäten:


Die Diffusionskapazitäten CD,N und CD,I treten parallel zu den Sperrschichtkapazitäten CS,E und CS,Ci auf. Im Normalbetrieb ist die Kollektor-Diffusionskapazität CD,I aufgrund der geringen inneren Basis-Kollektor-Spannung UB',C' im Vergleich zur inneren Kollektor-Sperrschicht-Kapazität CS,Ci sehr klein und kann daher vernachlässigt werden. CD,I kann infolge der Vernachlässigung von CD,I mit einer konstanten Transitzeit beschrieben werden, wodurch τN = τ0,I angenommen wird.
Wenn der Transitstrom klein ist gilt CD,N < CD,N, bei großem Transitstrom hingegen gilt CD,N > CD,N. Um dies korrekt darstellen zu können muss τN in der Ersatzschaltung genau modelliert werden. Eine Zunahme von τN gei großen Strömen wirkt sich als Abnahme der Grenzfrequenzen und der Schaltgeschwindigkeit des Transistors aus.
Aufgrund des Hochstromeffektes nimmt die Diffusionsladung überproportional zu. Die Transitzeit ist daher nicht konstant und nimmt mit steigendem Strom zu. Der Early-Effekt wirkt sich ebenfalls aus, da dieser die effektive Dicke der der Basiszone und damit die in der Basiszone gespeicherte Ladung verändert. Da jedoch mit den Parametern IK,N und UA,N keine präzise Beschreibung möglich ist, wird eine empirisch bestimmte Gleichung zur Beschreibung verwendet:
![\tau_N = \tau_{0,N} \, \left[ 1 + x_{\tau,N} \, \left( 3\,x^2 - 2\,x^3 \right) \, 2^\frac{U_{B'C'}}{U_{\tau,N}} \right]](http://pics.computerbase.de/lexikon/66355/5e7b8057054124b8d119ca7771d80879.png)
wobei der Faktor x für das Polynom über die folgende Gleichung definiert ist:

Zusätzlich ist τ0,N die ideale Transitzeit,
der Koeffizient der Transitzeit, IK,N der Transitzeit-Kniestrom und Uτ,N die Transitzeit-Spannung. Der Koeffizient der Transitzeit
gibt hierbei an, wie stark τN bei
zunehmen kann:

Die Hälfte der maximalen Zunahme erhält man bei
:

Daraus folgt, dass wenn die Spannung UB'C' um den Betrag der Spannung Uτ,N sinkt, steigt τN nur noch mit der halben Geschwindigkeit. d. h. für
ist die Zunahme von τN um den Faktor 2n kleiner.
Das statische Kleinsignalmodell beschreibt das Kleinsignalverhalten bei niedrigen Frequenzen und wird deshalb auch als Gleichstrom-Kleinsignalersatzschaltbild bezeichnet.
Aus dem Gummel-Poon-Modell wird durch Linearisierung im Arbeitspunkt das lineare Kleinsignalmodell. Der Arbeitspunkt wird hierbei in einem Bereich gewählt, in dem der Transistor nach erfolger Dimensionierung arbeiten soll. Üblicherweise ist dies der Normalbetrieb, weshalb im Weiteren Modelle für den Normalbetrieb gezeigt werden. Nach dem selben Prinzipien kann man jedoch auch Modelle für die anderen Transistor-Betriebsarten erstellen.
Die Linearisierung des Gummel-Poon-Modells erfolgt, indem man die Kapazitäten weglässt – da diese bei Gleichstom nicht wirken – und die Sperrströme vernachlässigt – also IB,I, IB,C und ID,S gleich Null setzt.
Weiters werden die nichtlinearen Größen
sowie
im Arbeitspunkt A linearisiert:



In der Praxis werden zur weiteren Vereinfachung auch die Bahnwiderstände nicht berücksichtigt. Daraus erhält man das vereinfachte statische Kleinsignalmodell. Bei einer zusätzlichen Vernachlässigung des Early-Effektes durch
erhält man des Weiteren eine alternative Darstellungsart dieses vereinfachten Modells, welche durch Linearisierung aus dem vereinfachten statischen Kleinsignalmodell erstellt wird. Die alternative Darstellungsart ist aufgrund des vernachlässigten Early-Effekts jedoch nur Ausnahmefällen brauchbar, da die Berechnung anhand dieser Vereinfachung meist zu unbrauchbaren Ergebnissen führt. In der Literatur findet man zudem oft eine Darstellung mit einem zusätzlichen Widerstand zwischen Basis und Kollektor, der sich durch die Linearisierung der Kollektor-Basis-Diode aus dem Ebers-Moll-Modell ergibt, jedoch nicht zur Modellierung des Early-Effekts dient.
Hierbei gelten die Gleichungen


Das Gummel-Poon-Modell, benannt nach seinen geistigen Vätern Hermann Gummel und H. C. Poon, ist das vollständige Modell eines Bipolar-Transistors und wird zur Schaltungssimulation – etwa in PSpice – verwendet. Es basiert auf dem Transportmodell und modelliert alle statischen und dynamischen Effekte in diesem.
Falls einige Werte im Datenblatt des Transistors nicht angegeben sind, werden (z. B. in PSpice) Standardwerte verwendet. In PSpice werden hierbei die folgenden Standardwerte verwendet:
| Parameter | IS | BN | BI | nE | nC | xT,I | fS | Udiff,E, Udiff,C, Udiff,S | mS,E, mS,C | xCSC | IS,S, IS,E, IS,C, RB, RC, RE, CS0,E, CS0,C, CS0,S, τ0,N, τ0,I, xτ,N, xT,B, mS,S, Iτ,N |
IK,N, IK,I, UA,N, UA,I, Uτ,N |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Standardwert | 10-16 A | 100 | 1 | 1,5 | 2 | 3 | 0,5 | 0,75 V | 333·10-3 | 1 | 0 | ∞ |
Hierbei bedeutet ein Standardwert von 0 oder ∞, dass der entsprechende Parameter so gesetzt wird, dass dieser Parameter keinen Einfluss auf die Berechnung hat und auf diese Weise nicht modelliert wird.
| Parameter | PSpice- Bezeichnung |
BC547B [1] | BC557B [2] | BUV47 [3] | BFR92P [4] |
|---|---|---|---|---|---|
| IS | IS | 7 fA | 1 fA | 974 fA | 0,12 fA |
| BN | BF | 375 | 307 | 95 | 95 |
| BI | BR | 13) | 6,5 | 20,9 | 10,7 |
| IS,E | ISE | 68 fA | 10,7 fA | 2,57 pA | 130 fA |
| nE | NE | 1,58 | 1,76 | 1,2 | 1,9 |
| IK,N | IKF | 82 mA | 92 mA | 15,7 A | 160 mA |
| UA,N | VAF | 63 V | 52 V | 100 V | 30 V |
| RBe | RBM | 10 Ω1) | 10 Ω1) | 100 mΩ1) | 6,2 Ω |
| RBi2) | — | 01) | 01) | 01) | 7,8 Ω |
| — | RB2) | 10 Ω1) | 10 Ω1) | 100 mΩ1) | 15 Ω |
| RC | RC | 1 Ω | 1,1 Ω | 35 mΩ | 140 mΩ |
| CS0,E | CJE | 11,5 pF | 30 pF | 1,093 nF | 1 fF |
| Udiff,E | VJE | 500 mV | 500 mV | 500 mV | 710 mV |
| mS,E | MJE | 672·10-3 | 333·10-3 3) | 333·10-3 3) | 347·10-3 |
| CS0,C | CJC | 5,25 pF | 9,8 pF | 364 pF | 649 fF |
| Udiff,C | VJC | 570 mV | 490 mV | 500 mV | 850 mV |
| mS,C | MJC | 315·10-3 | 332·10-3 | 333·10-3 3) | 401·10-3 |
| xCSC | XCJC | 13) | 13) | 13) | 130·10-3 |
| fS | FC | 500·10-3 3) | 500·10-3 3) | 500·10-3 3) | 500·10-3 3) |
| τ0,N | TF | 410 ps | 612 ps | 51,5 ns | 27 ps |
| xτ,N | XTF | 40 | 26 | 205 | 380·10-3 |
| Uτ,N | VTF | 10 V | 10 V | 10 V | 330 mV |
| Iτ,N | ITF | 1,49 A | 1,37 A | 100 A | 4 mA |
| τ0,I | TR | 10 ns | 10 ns | 988 ns | 1,27 ns |
| xT,I | XTI | 33) | 33) | 33) | 33) |
| xT,B | XTB | 1,5 | 1,5 | 1,5 | 1,5 |
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1) Wert nur allgemein angegeben. Bei hohen Frequenzen kommt es zu Ungenauigkeiten. |
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Zudem werden in PSpice einige weitere Effekte berücksichtigt, die im PSpice Referenzhandbuch [5] beschrieben werden, wofür das in PSpice verwendete Modell entssprechend erweitert wurde.
Wenn man das vollständige statische Kleinsignalmodell um die Sperrschicht- und Diffuionskapazitäten erweitert erhält man das dynamische Kleinsignalmodell.
Die Emitterkapazität CE setzt sich aus der Emitter-Sperrschicht-Kapazität CS,E und der Diffusionskapazität für den Normalbetrieb CD,N zusammen:

Die interne Kollektorkapazität CCi entspricht der internen Kollekor-Sperrschicht-Kapazität, da die interne Diffusionskapazität CD,I wegen
vernachlässigbar klein ist:

Die externe Kollektorkapazität CCe und die Substratkapazität CS entsprechen den jeweiligen Sperrschichtkapazitäten, wobei die Substratkapazität naturgemäß nur bei integrierten Transistoren zu finden ist:

In der Praxis werden der Emitterwiderstand RE und der Kollektorwiderstand RC meist vernachlässigt, während der Basiswiderstand RB nur in Ausnahmefällen vernachlässigt werden kann, da der Basiswiderstand einen starken Einfluss auf das dynamische Verhalten hat. Zudem wird in der Praxis die interne und externe Kollektorkapazität – ausgenommen bei integrierten Transistoren mit einer überwiegend externen Kollektorkapazität – als interne Kollektorkapazität CC zusammengefasst. Hieraus erhält man das vereinfachte dynamische Kleinsignalmodell:
Mit Hilfe des Kleinsignalmodells kann man die Frequenzgänge der Kleinsignalstromvertärkungen α und β, sowie der Transmittanz
, rechnerisch ermitteln. Die jeweiligen Grenzfrequenzen fα, fβ, fY21e, sowie die Transitfrequenz fT stellen ein Maß für die Schaltgeschwindigkeit und Bandbreite des Transistors dar. Hierbei gilt der Zusammenhang

Wird der Transistor in Emitterschaltung mit einer Stromquelle – bzw. mit einer Quelle mit einem Innenwiderstand Ri von
–betrieben, spricht man von einer Stromsteuerung. Die Grenzfrequenz wird in diesem Fall durch die β-Grenzfrequenz fβ nach oben begrenzt.
Wird der Transistor hingegen in Emitterschaltung mit einer Spannungsquelle – bzw. mit einer Quelle mit einem Innenwiderstand Ri von
–betrieben, spricht man von Spannungssteuerung. Die Grenzfrequenz wird in diesem Fall durch die Steilheitsgrenzfrequenz fY21e nach oben begrenzt.
Daraus folgt, dass man bei Spannungssteuerung eine höhere Grenzfrequenz und damit Bandbreite erreichen kann. Dies gilt auch für die Kollektorschaltung. Die größte Bandbreite erreicht jedoch die Basisschaltung bei der allgemein die Bedingung Ri > rE gilt und damit eine Stromsteuerung vorliegt und die Bandbreite durch die α-Grenzfrequenz fα nach oben begrenzt wird.
Die Bandbreite der Schaltung ist zusätzlich vom Arbeitspunkt abhängig. In Emitterschaltung mit Stromsteuerung und bei der Basisschaltung erhält man die maximale Bandbreite, indem man den Kollektorstrom IC,A so einstellt, dass die Transitfrequenz den maximalen Wert erreicht. Bei der Emitterschaltung mit Spannungssteuerung besteht ein komplizierterer Zusammenhang, da zwar die Steilheitsfrequenz fY21e mit steigendem Kollektorstrom IC,A abnimmt, aber gleichzeitig die Schaltung der Kollektorschaltung niederohmiger wird und dadurch die ausgangsseitige Bandbreite der Schaltung erhöht wird.
Die Transitfrequenz fT und die Ausgangskapazität in Basisschaltung Cobo (output, grounded base, open emitter) wird im Datenblatt des Transistors angegeben. Hierbei entspricht Cobo der Kollektor-Basis-Kapazität CCB. Hieraus ergibt sich:

