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Fadenspiel

11. Jan 2010, 09:49
Die Figur Dunkelheit kommt aus Hawaii

Das Fadenspiel (im deutschsprachigen Raum auch Hexenspiel genannt) ist ein Geschicklichkeitsspiel für eine oder mehrere Personen. Dabei werden mit einer geschlossenen Kordel Figuren geknüpft, die sich oft aus der Natur ableiten.

Weltweit gibt es tausende Fadenspiele, meist Figuren. Das Abnehmen oder Abhebespiel (siehe Abnehmspiel) ist vermutlich das in Mitteleuropa bekannteste Fadenspiel.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Ursprung

Das Spiel besitzt keinen eindeutig nachvollziehbaren Ursprung (wie zum Beispiel Tangram). Es wird bei indigenen Völkern auf allen Kontinenten gespielt etwa bei nordamerikanischen Indianern, bei den Inuit oder den Papua. Dabei werden auch die gleichen Figuren erzielt. Einführung in die europäische Welt erhielt es unter anderem durch den Anthropologen Franz Boas.

[Bearbeiten] Bedeutung

Die Fadenspiele haben sowohl die Aufgabe der Vorbereitung auf den geschickten Umgang mit Nähzeug oder den zur Jagd benötigten Harpunenleinen, als auch zum Teil eine rituelle Bedeutung. Die Mädchen der Chugacheskimos spielen es vorzugsweise im Herbst, weil man glaubt, damit die Strahlen der Herbstsonne einweben zu können und den Winterbeginn hinauszuzögern. Die Entstehung der Geflechtfiguren wird oft durch Reime oder Lieder begleitet, in denen Geschichten, Märchen und Legenden erzählt werden.

[Bearbeiten] Die Kordel

Als Kordel kommen Tiersehnen, Menschenhaare, Naturfasern usw. zum Einsatz. Am praktikabelsten ist allerdings eine Nylon- oder Baumwollschnur von etwa 3 mm Durchmesser. Die Länge hängt von der Komplexität der Figuren ab, allerdings sind 2 Meter eine gute Richtzahl.

[Bearbeiten] Spielweisen

Anfang des Abnehmspiels, eine seltenere Ausgangsposition

[Bearbeiten] Ein Spieler

In der Regel wird das Fadenspiel allein gespielt.

[Bearbeiten] Figur

Es geht darum, durch bestimmte Techniken den Faden so um die Finger zu legen, dass zum Schluss ein Bild entsteht. Der Alleinspieler nutzt dazu auch seine Zähne oder seine Zehen als "dritte Hand".

[Bearbeiten] Fadengeschichten

Fadengeschichten setzen sich aus mehreren Figuren zusammen. Dabei wird ein Bild aus dem vorherigen gespielt und nicht wieder von vorne angefangen.

[Bearbeiten] Tricks

Hier wird die Schnur scheinbar kompliziert verschlungen, um dann überraschend gelöst zu werden. Am bekanntesten sind die Entfesselungstricks. Weitere Tricks sind Knotenschlagen und Schnur durch die Schlaufe. Aus einem Faden kann auch ein Armband gespielt werden.

[Bearbeiten] Zwei Spieler

Ein Spieler macht eine oder mehrere Figuren zusammen mit einem anderen Spieler. Ein Beispiel hierfür ist das Abnehmspiel.

[Bearbeiten] Zwei und mehr Spieler

Bei mehreren Spielern wird ein längerer Faden benötigt. So spielen bei einem 20m Faden 5 Personen die 5 Finger einer Hand. Es können allerdings nicht alle Figuren auf große Fäden übertragen werden.

[Bearbeiten] Figuren

Weltweit gibt es tausende Fadenfiguren, bei beinahe allen Völkern. Die Geflecht- oder Webfiguren tragen Namen wie

  • Vier Diamanten (in Deutschland unter dem Namen Jakobsleiter bekannt) - diese Figur gibt es auf allen Kontinenten und ist vermutlich die bekannteste Figur weltweit.
  • Katzenwiege (siehe Abnehmspiel)
  • Harpune
  • Ausleger (Boot)
  • Maus
  • Kämpfende Kopfjäger
  • Hexenbesen
  • Badewanne
  • etc.

Navajoindianer sind sehr geschickte Fadenspieler. Ethnologen haben ihnen daher einen neuen Ausdruck gewidmet: Ist während des Fadenspiels an einem Finger eine untere Schlinge über eine obere zu bringen, sagt man: "Mach einen Navajo!"

[Bearbeiten] Literatur

  • Elffers Joost und Schuyt Michael: Das Hexenspiel, „Finger-Fadenspiele neu entdeckt“, 1978, Studio DuMont, ISBN 3-7701-1024-2
  • Felix R. Paturi: Schnurfiguren aus aller Welt, 1988, Hugendubel Verlag, ISBN/EAN: 3880343780
  • Walschik, Lothar "Fadenspiele sind mehr", 2006 3. Auflage, Kallmeyerische Verlagsbuchhandlung GmbH, ISBN 3-7800-5825-1

[Bearbeiten] Siehe auch

[Bearbeiten] Weblinks

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