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Grundig AG

30. Nov 2008, 22:57
Markenlogo
Radio-Fernsehkombination Zauberspiegel 348, 1957

Die Grundig AG war ein von dem Radiohändler Max Grundig gegründetes deutsches Unternehmen für Unterhaltungselektronik mit Sitz in Fürth und später Nürnberg. Es wurde zu einem Symbol des westdeutschen Wirtschaftswunders und galt lange Zeit als sog. Traditionsunternehmen. Im April 2003 musste das Unternehmen Insolvenz anmelden.

Teile des früheren Geschäftsbetriebes agieren rechtlich unabhängig und selbstständig. Die Bezeichnung Grundig wird dabei sowohl als Firmenname als auch als Produktmarkenbezeichnung verwendet.

Zu den Kernprodukten der Grundig AG gehörten Geräte der Unterhaltungselektronik (z. B. Radios, Fernseher, Tonbandgeräte, Videorecorder, HiFi-Anlagen), Videoüberwachungs- und Einbruchmeldeanlagen (Sicherheitstechnik), Messtechnik, Autoradios, Satelliten-Receiver, usw., später auch Klein-Elektrogeräte (z. B. Rasierer, Haarschneidemaschinen, Haartrockner) und Büroelektronik (z. B. Diktiergeräte).

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Geschichte

[Bearbeiten] Aufstieg

TK-1 Tragbares Grundig-Tonbandgerät aus dem Jahre 1960
Mikrofon (um 1955)
Mikrofon (um 1956)
Ermöglichten Raumklang ohne Zusatzboxen: Die 1995 vorgestellte Grundig-Surroundanlage Space Fidelity PA3 (links) und Nachfolger PA6 (rechts, Ausführung ohne Alu-Flügel)

Die Geschichte des Konzerns begann 1930 mit der Gründung des Radio-Vertrieb Fürth, Grundig & Wurzer (RVF). Nach Kriegsende 1945 erkannte Max Grundig den Absatzmarkt für Radios und leitete die Produktion des Gerätebausatzes „Heinzelmann“ ein. 1947 wurde der Grundstein für ein Fabrik- und Verwaltungsgebäude an der Fürther Kurgartenstraße gelegt, das schon nach kurzer Bauzeit als Hauptfertigungsstandort fungierte. Ein sichtbares Zeichen für die Verbindung mit der Stadt Fürth war die Aufnahme des Fürther Kleeblatts in das Firmenlogo. 1951 wurden die ersten Fernsehempfänger in einer neuen Fabrikhalle gefertigt - der Standort und das Unternehmen wuchsen rasant. Grundig war zu dieser Zeit Europas größter Rundfunkgerätehersteller. Unternehmen aus Nürnberg, Frankfurt am Main und Karlsruhe wurden aufgekauft, darunter die Adlerwerke und Triumph. Beide Werke fusionierten 1956 zur Triumph-Adler AG und produzierten seither nur noch Büromaschinen, jedoch nicht unter der Marke Grundig, sondern mit eigenen Namen. 1960 entstand die erste Fertigung für Grundig im Ausland - Tonbandgeräte wurden in Irland gefertigt. Auch auf der Fürther Hardhöhe und in Nürnberg-Langwasser entstanden neue Fertigungshallen. 1968 trennte sich Grundig von der Triumph-Adler AG, um 1972 die Grundig-Werke GmbH in eine eigene Aktiengesellschaft umzuwandeln.

[Bearbeiten] Niedergang

Zu Beginn der 1980er Jahre brach der Umsatz der Grundig AG erstmals ein. Die Gründe dafür waren vielfältig. Japanische Hersteller drängten gigantische Mengen an Unterhaltungselektronik auf die europäischen Märkte. Möglicherweise ist eine wesentliche Ursache auch die Tatsache, dass Grundig bei den steigenden Produktionszahlen des noch jungen Mediums Video zwischen 1976 und 1981 gleich mit insgesamt fünf untereinander inkompatiblen Home-Videoformaten (VCR, VCR Longplay, SVR, Video2000 und Compact Video Cassette) aufgewartet hatte, um erst ab 1979 sein gemeinsam mit Philips entwickeltes Video2000-System zu favorisieren. Dieses überstürzt auf den Markt geworfene und mit Qualitätsproblemen kämpfende Videoformat hatte interessante Features zu bieten, konnte sich aber gegenüber dem in den USA und Japan in dieser Zeit bereits verbreiteten VHS der Matsushita-Gruppe nicht mehr durchsetzen.

1983 lag die Beteiligung des niederländischen Elektrokonzerns Philips an der Grundig AG bei 24,5 Prozent. Im Dezember 1983 meldete die Geschäftsführung einen Gruppenumsatz von 3,06 Milliarden DM. Der an die Max-Grundig-Stiftung abgeführte Gewinn betrug 44 Millionen DM. Im April 1984 erhöhte der Philips-Konzern seine Beteiligung auf 31,6 Prozent und übernahm die Leitung der Grundig AG. Der bisherige Geschäftsführer und Firmengründer Max Grundig schied aus der Unternehmensführung aus. Im April 1984 billigte das Bundeskartellamt die Fusion zwischen Philips und Grundig unter der Bedingung, dass Grundig seinen Vertrieb mit Diktiergeräten verkaufen musste.

Der Philips-Konzern gab 1998 aufgrund unbefriedigender Entwicklung des Unternehmens Grundig an ein bayerisches Konsortium unter Führung von Anton Kathrein (persönlich haftender Gesellschafter der Kathrein Werke KG) ab. Ende Juni 2000 wurde der Firmensitz von Fürth in das benachbarte Nürnberg verlegt. Das Unternehmen erwirtschaftete 2001 einen Umsatz in Höhe von 1,281 Milliarden Euro, machte dabei jedoch 150 Millionen Euro Verlust. Die Banken verlängerten daher im Herbst 2002 die Kreditlinien nicht mehr, und der Konzern musste Mitte April 2003 Insolvenz anmelden.

[Bearbeiten] Zerschlagung

Ende der 80er Jahre hatte Grundig noch über 28.000 Beschäftigte, und 2003 waren bei dem Unternehmen noch rund 3.500 Mitarbeiter angestellt. Die hohen Pensionsbelastungen stellten bei den Verhandlungen um einen potentiellen Investor eines der entscheidenden Probleme dar.

Anteilseigner an der Grundig AG waren BEB Bayerische Elektronik-Beteiligungs GmbH & Co. KG (Kathrein, Bayerische Landesbank Girozentrale, Bayerischer Sparkassen- und Giroverband, HypoVereinsbank AG, Bayerische Landesbank für Aufbaufinanzierung).

Im Januar 2004 wurde der Bereich Home Intermedia System (HIS) der Grundig AG von dem türkischen Elektronikhersteller Beko Elektronik und dem britischen Unternehmen Alba Radio Ltd. zu einem Kaufpreis von rund 80 Millionen Euro übernommen.

Der Bereich Bürogeräte wird von der jetzt selbständigen Grundig Business Systems weitergeführt.

Der ehemalige Geschäftsbereich Grundig Car InterMedia System wurde am 17. November 2003 von der Delphi Corporation übernommen. Neben den Bereichen Autoradio usw. zählen auch OnBoard-Units für Mauterfassungssysteme zum Produktspektrum (Toll Collect).

Zum 1. Mai 2004 wurde die Grundig SAT Systems (GSS) GmbH als Management-Buy-out gegründet. Sie übernimmt die Tätigkeiten des ehemaligen Grundig-Bereichs „Kopfstationen und Satelliten-Systeme“.

Die Produktion der Grundig Intermedia GmbH erfolgt vorwiegend in der Türkei über den Eigentümer Beko und in Asien über Fremdfirmen. Bei Beko in Istanbul existieren seit Oktober 2006 und Januar 2007 zwei eigene Fertigungslinien für LCD-Fernseher der Marke Grundig. Die dort gefertigten Geräte des High-End-Segmentes werden weiterhin von den Ingenieuren der Grundig Intermedia GmbH in Nürnberg entwickelt und betreut.

Zum 18. Dezember 2007 übernahm die türkische Koç Holding alle Anteile an der Grundig Multimedia B.V., der Mutterfirma der in Nürnberg ansässigen Grundig Intermedia GmbH. Bisher lagen je 50 Prozent der Anteile bei dem britischen Unterhaltungselektronik-Unternehmen Alba Radio Ltd. und bei der Koç-Tochter Beko Elektronik.

Nach dem Versuch, mit Produkten, die "designed and developed in Germany" sind wieder eine führende Marke in Deutschland und Europa zu werden, wird zum Jahresende 2008 auch die Entwicklung in Nürnberg geschlossen. Somit geht ein weiteres starkes Standbein der Marke Grundig nach Istanbul verloren. Nach internen Angaben will man sich in Folge stärker auf das Geschäft im niedrigeren Preissegment mit höheren Stückzahlen konzentrieren, wofür das Know How aus Nürnberg nicht länger benötigt wird. Die Firmenzentrale der Grundig Intermedia GmbH, einer Tochter der Grundig Elektronik AS mit Sitz in Istanbul/Türkei, bleibt nach eigenen Angaben in Nürnberg.

[Bearbeiten] Literatur

[Bearbeiten] Weblinks

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