Als Gyrator (auch Dualinverter) bezeichnet man in der Elektronik ein Zweitor (Vierpol) mit der Eigenschaft, dass der Betrag des Eingangswellenwiderstandes mit zunehmendem Betrag des Lastwellenwiderstands am Ausgang sinkt. Das heißt, ein Gyrator zeigt bei kapazitiver Ausgangsbelastung ein induktives Eingangsverhalten. Faktisch kann man damit eine Kapazität in eine Induktivität umwandeln und umgekehrt.
Gyratoren werden als aktive elektronische Schaltungen realisiert. Diese zeigen gyratorisches Verhalten nur in bestimmten Betriebsbereichen.
Zum Beispiel zeigen gegengekoppelte Emitterstufen (Transistoren in Emitterschaltung) gyratorisches Verhalten. Allerdings sind diskret aufgebaute Gyratoren mit Transistoren nur bedingt brauchbar, da sich gerade in dieser Schaltung die Temperaturdrift (Temperaturabhängigkeit der Transistoreigenschaften) negativ bemerkbar macht.
Mit der Verfügbarkeit von integrierten Operationsverstärkern (OPs) sind diese Probleme beherrschbar geworden, da in einem OP die einzelnen Transistoren physikalisch und damit thermisch sehr eng gekoppelt sind. Eine Gyratorschaltung mit OPs besteht aus zwei OPs - wenn möglich im selben IC-Gehäuse.
In der Systemtheorie wird ein Element als Gyrator bezeichnet, wenn die Flussgröße am Ausgang proportional zur Zustandsgröße am Eingang ist und umgekehrt. Beispiel: Der Gleichstrommotor. Die Drehzahl (Flussgröße Ausgang) ist proportional zur Spannung (Zustandsgröße Eingang). Das Drehmoment ist proportional zum Strom.[1]