Karl Steinbuch (* 15. Juni 1917 in Stuttgart-Cannstatt; † 4. Juni 2005 in Ettlingen (Baden)) war ein deutscher Kybernetiker, Nachrichtentechniker und Informationstheoretiker.
Steinbuch gilt als „Theoretiker der informierten bzw. falsch programmierten Gesellschaft“ (Stefan Rieger 2003) und einer der Pioniere der deutschen Informatik, mit seiner Lernmatrix als Pionier der künstlichen neuronalen Netze, sowie als Mitbegründer der künstlichen Intelligenz und der Kybernetik. Er prägte den Begriff Kybernetische Anthropologie.
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Steinbuch arbeitete nach dem Zweiten Weltkrieg als freiberuflicher Physiker, wechselte 1948 als Entwicklungsingenieur zur Stuttgarter Firma Standard Elektrik Lorenz (SEL), wo er die Entwicklung des ersten Europäischen volltransistorisierten Computersystems (ER 56) leitete und mehr als 70 informationstechnische Patente auf ihn zurückgehen. Er war Technischer Direktor und Leiter der Zentralen Forschung bei SEL, bevor er 1958 als Ordinarius und Institutsdirektor an die Universität Karlsruhe berufen wurde, wo er bis zur Emeritierung 1980 Direktor des Instituts für Nachrichtenverarbeitung und -übertragung war. Seine Arbeiten auf dem Gebiet lernfähiger Maschinen gelten als Pionierleistungen.
In einer Anklageschrift an die Adresse der „Hinterwelt“, die er von Friedrich Nietzsche entlehnte[1], versuchte er Ende der 1960er, die Bildungspolitik der Bundespolitik zu beeinflussen. Mit Kollegen wie Jean Ziegler aus der Schweiz formulierte er den zu erwartenden Bildungsnotstand und die sich abzeichnende bürgerliche Lobbygesellschaft. Der englische soziale Geschichte beschreibende Eric J. Hobsbawm hat in seinem Lebenswerk „Das imperiale Zeitalter“ ein Denkmodell hierzu geschrieben. Die Politik hat mit den positiv ausgerichteten Mahnern der neuen Generation (wie John Naisbitt mit „Megatrends Arbeitsplatz“) neue Denkmethoden installiert.
In der Diskussion der 1970er Jahre um die Folgen des technischen Fortschritts wandte er sich in seinen Sachbüchern gegen die aufkommende ökologische Orientierung und gegen das öffentlich-rechtliche Fernsehen wegen seiner angeblich gefährlichen Informationspolitik. Ein privates Kabelfernsehen sollte dem entgegenwirken. Er forderte, einen „Technischen Gerichtshof“ einzurichten, dessen Aufgabe es sein sollte, Forschungs- und Anwendungsverbote auszusprechen. Dessen Richter sollten mit Fachexperten besetzt werden.
Die Ausprägung des Begriffes Informatik geht auf Steinbuch zurück, der ihn erstmals in einer Veröffentlichung (1957) über eine Datenverarbeitungsanlage für das Versandhaus Quelle gebrauchte.
Er war Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina (Halle/Saale), Mitglied der Europäischen Akademie für Umweltfragen, und Mitglied der International Academy of Science.
2004 erfuhr Steinbuch mit der Benennung eines Stipendiums nach ihm eine Ehrung. Mit dem Karl-Steinbuch-Stipendium fördert die MFG Stiftung Baden-Württemberg IT- und Medienprojekte.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Steinbuch, Karl |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Kybernetiker, Nachrichtentechniker und Informationstheoretiker |
| GEBURTSDATUM | 15. Juni 1917 |
| GEBURTSORT | Stuttgart-Cannstatt |
| STERBEDATUM | 4. Juni 2005 |
| STERBEORT | Ettlingen |