Koordinaten: ehem. Sitz des Kombinates: 50°58' 44.56" n. Br., 11° 2'14.68" ö. L.
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Der VEB Kombinat Mikroelektronik „Karl Marx“ Erfurt (im folgenden kurz "Kombinat Mikroelektronik Erfurt") wurde 1978 nach Auflösung der VVB Bauelemente und Vakuumtechnik gegründet. Stammbetrieb wurde das Funkwerk Erfurt. Die Gründung des volkseigenen Kombinats war das Resultat eines am 23./24. Juni 1977 vom ZK der SED gefassten Beschlusses "Zur weiteren Verwirklichung der Beschlüsse des IX. Parteitages der SED auf dem Gebiet der Elektrotechnik und Elektronik".
Das Kombinat Mikrolelektronik Erfurt bildete zusammen mit dem VEB Kombinat Robotron Dresden und dem Kombinat VEB Carl Zeiss Jena die industrielle Basis des Hochtechnologieprogramms der DDR im Bereich Elektronik.
Der erste Generaldirektor Prof. Dr. Heinz Wedler leitete das Kombinat bis zu dessen Auflösung nach der Wende in der DDR. Das Stammwerk des Kombinates wurde 1990 zur ERMIC GmbH, der Rest des Kombinates wurde in eine Treuhand-Holding (PTC-electronic-AG) überführt. Diese sollte die Privatisierung bzw. Abwicklung der einzelnen Kombinatsbetriebe realisieren. Einige erfolgreiche Unternehmensausgründungen aus dieser Zeit existieren noch heute.
Der Schwerpunkt des Kombinats Mikroelektronik Erfurt lag innerhalb des Technologieprogrammes vor allem in der Halbleiterfertigung. Im Rahmen des RGW war das Kombinat somit auch führend an der Entwicklung/Produktion von Mikroprozessoren, Einchip-Mikrorechnern und komplexen Speicherschaltkreisen beteiligt. Im Kombinat waren zuletzt 60000 Mitarbeiter beschäftigt.
Zur industriellen Halbleiterfertigung entstanden drei moderne Chipfabriken (Geodaten) am Standort Erfurt:
Das Werk ESO III war für die Massenproduktion von Schaltkreisen mit Strukturbreiten von 1-1,2 µm vorgesehen (Technologieniveau 5, 32-Bit-Prozessor, 1-4 Mbit-DRAM). Die Waferproduktion von ESO III wurde im Jahr 1990 bereits "unter der Treuhand" aufgenommen.
Am Standort Erfurt wurde der erste Mikroprozessor (U808) der DDR entwickelt. Hier wurden auch fast alle CPUs der DDR produziert. So wurde auch die in der DDR sehr verbreitete 8bit-CPU U880 (unlizenzierter Zilog Z80-Nachbau, z.B. in PC1715, KC85-Reihe) in Erfurt gebaut. Die 1989 schon fertiggestellte und für die Massenproduktion in Erfurt vorgesehene 32bit-CPU U80701 wurde jedoch nach dem Ende der DDR nicht mehr in die Produktion im neuesten Werk ESO III überführt.
Durch den westlichen Cocom-Technologieboykott waren die Mitglieder des RGW vom Markt für westliche Hochtechnologie abgeschnitten und somit gezwungen alle modernen Technologien vollständig innerhalb der eigenen Volkswirtschaften zu entwickeln. Obwohl in der DDR das Embargo teilweise umgangen werden konnte und dem Bereich Mikroelektronik überdurchschnittliche finanzielle, personelle und materielle Mittel zugeführt wurden, war es der DDR-Volkswirtschaft mit dem Kombinat Mikroelektronik Erfurt letztlich nicht möglich den Entwicklungsabstand zu den weltweit führenden Halbleiterherstellern von durchschnittlich ein bis zwei Bauteilgenerationen aufzuheben.
Kombinatsadresse: 5010 Erfurt, Juri-Gagarin-Ring 154 (Geodaten)