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Kombinat Mikroelektronik Erfurt

1. Jun 2008, 23:25
Skulptur „Hand mit Chip“ vor dem Eingang des „Funkwerks“, Stammwerk des Kombinat Mikroelektronik Erfurt.
Skulptur „Hand mit Chip“ vor dem Eingang des „Funkwerks“, Stammwerk des Kombinat Mikroelektronik Erfurt.
Die Kleincomputerreihe KC85/2-4) wurde im Kombinat vom VEB Mikroelektronik „Wilhelm Pieck“ Mühlhausen als Konsumgut hergestellt.
Die Kleincomputerreihe KC85/2-4) wurde im Kombinat vom VEB Mikroelektronik „Wilhelm Pieck“ Mühlhausen als Konsumgut hergestellt.
Taschenrechner „Konkret 100“: Produziert im Kombinat Mikroelektronik Erfurt.
Taschenrechner „Konkret 100“: Produziert im Kombinat Mikroelektronik Erfurt.

Koordinaten: ehem. Sitz des Kombinates: 50°58' 44.56" n. Br., 11° 2'14.68" ö. L.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Geschichte

Der VEB Kombinat Mikroelektronik „Karl Marx“ Erfurt (im folgenden kurz "Kombinat Mikroelektronik Erfurt") wurde 1978 nach Auflösung der VVB Bauelemente und Vakuumtechnik gegründet. Stammbetrieb wurde das Funkwerk Erfurt. Die Gründung des volkseigenen Kombinats war das Resultat eines am 23./24. Juni 1977 vom ZK der SED gefassten Beschlusses "Zur weiteren Verwirklichung der Beschlüsse des IX. Parteitages der SED auf dem Gebiet der Elektrotechnik und Elektronik".

Das Kombinat Mikrolelektronik Erfurt bildete zusammen mit dem VEB Kombinat Robotron Dresden und dem Kombinat VEB Carl Zeiss Jena die industrielle Basis des Hochtechnologieprogramms der DDR im Bereich Elektronik.

Der erste Generaldirektor Prof. Dr. Heinz Wedler leitete das Kombinat bis zu dessen Auflösung nach der Wende in der DDR. Das Stammwerk des Kombinates wurde 1990 zur ERMIC GmbH, der Rest des Kombinates wurde in eine Treuhand-Holding (PTC-electronic-AG) überführt. Diese sollte die Privatisierung bzw. Abwicklung der einzelnen Kombinatsbetriebe realisieren. Einige erfolgreiche Unternehmensausgründungen aus dieser Zeit existieren noch heute.

[Bearbeiten] Bedeutung

Der Schwerpunkt des Kombinats Mikroelektronik Erfurt lag innerhalb des Technologieprogrammes vor allem in der Halbleiterfertigung. Im Rahmen des RGW war das Kombinat somit auch führend an der Entwicklung/Produktion von Mikroprozessoren, Einchip-Mikrorechnern und komplexen Speicherschaltkreisen beteiligt. Im Kombinat waren zuletzt 60000 Mitarbeiter beschäftigt.

Zur industriellen Halbleiterfertigung entstanden drei moderne Chipfabriken (Geodaten) am Standort Erfurt:

  • ESO I: Baubeginn 1981 - Fertigstellung 1984
  • ESO II: Fertigstellung 1988
  • Die Inbetriebnahme von ESO III fiel 1989/1990 in die Wendezeit und damit in die Zeit der Auflösung des Kombinates

Das Werk ESO III war für die Massenproduktion von Schaltkreisen mit Strukturbreiten von 1-1,2 µm vorgesehen (Technologieniveau 5, 32-Bit-Prozessor, 1-4 Mbit-DRAM). Die Waferproduktion von ESO III wurde im Jahr 1990 bereits "unter der Treuhand" aufgenommen.

Am Standort Erfurt wurde der erste Mikroprozessor (U808) der DDR entwickelt. Hier wurden auch fast alle CPUs der DDR produziert. So wurde auch die in der DDR sehr verbreitete 8bit-CPU U880 (unlizenzierter Zilog Z80-Nachbau, z.B. in PC1715, KC85-Reihe) in Erfurt gebaut. Die 1989 schon fertiggestellte und für die Massenproduktion in Erfurt vorgesehene 32bit-CPU U80701 wurde jedoch nach dem Ende der DDR nicht mehr in die Produktion im neuesten Werk ESO III überführt.

Durch den westlichen Cocom-Technologieboykott waren die Mitglieder des RGW vom Markt für westliche Hochtechnologie abgeschnitten und somit gezwungen alle modernen Technologien vollständig innerhalb der eigenen Volkswirtschaften zu entwickeln. Obwohl in der DDR das Embargo teilweise umgangen werden konnte und dem Bereich Mikroelektronik überdurchschnittliche finanzielle, personelle und materielle Mittel zugeführt wurden, war es der DDR-Volkswirtschaft mit dem Kombinat Mikroelektronik Erfurt letztlich nicht möglich den Entwicklungsabstand zu den weltweit führenden Halbleiterherstellern von durchschnittlich ein bis zwei Bauteilgenerationen aufzuheben.

[Bearbeiten] Liste der VEB des Kombinats

Kombinatsadresse: 5010 Erfurt, Juri-Gagarin-Ring 154 (Geodaten)

  • VEB Mikroelektronik „Karl-Marx“ Erfurt Stammwerk (MME), früher Funkwerk Erfurt (FWE)
ehem. Adresse: 5020 Erfurt, Rudolfstraße 47 - PSF 405 (Telefon 51771 - Telex 61433)
entwickelte und produzierte unipolare Schaltkreise
ehem. Adresse: 1200 Frankfurt (Oder), Postfach 379 (Telefon 460 - Telex 016252)
entwickelte und produzierte bipolare Schaltkreise, sowie die einzige Spielekonsole der DDR (BSS 01)
  • VEB Mikroelektronik „Anna Seghers“ Neuhaus am Rennweg, früher Röhrenwerk Neuhaus am Rennweg (RWN)
ehem. Adresse: 6420 Neuhaus am Rennweg, Thomas-Mann-Strasse 2 (Telefon 50 - Telex 628332)
entwickelte und produzierte Transistoren
Import Sonderbauelemente, Applikationen, Bauelementestrategie
  • VEB Zentrum für Forschung und Technologie Dresden (ZMD) - 1986 erfolgte die Übernahme durch das Kombinat Carl Zeiss Jena
entwickelte und produzierte Schaltkreise auf Basis GateArray- und Standardzellentechnologie und technologische Forschung
Hersteller von Spezialröhren
  • VEB Mikroelektronik „Karl Liebknecht“ Stahnsdorf
ehem. Adresse: 1533 Stahnsdorf, Ruhlsdorfer Weg (Telefon 680 - Telex 015220)
entwickelte und produzierte Leistungselektronik
  • VEB Mikroelektronik „Robert Harnau“ Großräschen, früher Gleichrichterwerk Großräschen
ehem. Adresse: 7805 Grossräschen, Karl-Liebknecht-Straße 1 (Telefon 6001 - Telex 0178849)
entwickelte und produzierte Dioden
  • VEB Werk für Fernsehelektronik Berlin (WFB)
ehem. Adresse: 1160 Berlin-Oberschönweide, Ostendstrasse 1-5 (Telefon 63830 - Telex 112007)
entwickelte und produzierte optoelektronische Bauelemente
ehem. Adresse: 5700 Mühlhausen, Eisenacher Strasse 40 (Telefon 530 - Telex 0618722)
produzierte den Schultaschenrechner SR-1 und die HeimcomputerKleincomputer«) KC85, außerdem Halbleiterdioden und Reed-Kontakte.
  • VEB Uhrenwerke Ruhla, einschließlich Festkörperschaltkreis-Produktion und Maschinenfabrik (heute MAHO)
  • VEB Uhrenwerk Glashütte
  • VEB Uhrenwerk Weimar
  • VEB Plastverarbeitung Eisenach
diese bildeten den sogen. Leitbereich Uhren und stellten den leistungsfähigen Industriebereich dar, der aber unter den soz. Wirtschaftsbedingungen nicht voll aufblühen konnte. Ein "unwirtschaftlicher Devisenbeschaffer", Uhren wurden im NSW unter Herstellungskosten verkauft.
Hersteller von Gehäusen für Transistoren, Dioden und Schaltkreisen
  • VEB Secura Berlin
  • VEB Elektromat Dresden
Hersteller von Produktionsanlagen für Bauelemente der Elektronik
  • VEB Hochvakuum Dresden
  • VEB Feinwerktechnik Dresden
  • VEB Spurenmetalle Freiberg
Hersteller von Einkristallen für die Mikroelektronik

[Bearbeiten] Literatur

[Bearbeiten] Weblinks

Commons
 Commons: Kombinat Mikroelektronik Erfurt – Bilder, Videos und Audiodateien
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