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Mikado (Spiel)

18. Mär 2010, 15:38
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Mikado-Spiel

Mikado ist ein bekanntes Geschicklichkeitsspiel aus Europa, das aus dem Chien Tung-Orakel entstanden ist: Mikado besteht ebenfalls aus mehreren bunten Holzstäbchen.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Name

Mikado-Spiel aus dem frühen 17. Jahrhundert

Seinen Namen hat das Spiel von dem Stab mit dem höchsten Wert: Er ist blau gestreift und heißt Mikado (Titel des japanischen Kaisers, auch Tennō genannt). Die buddhistische Wahrsagemethode Chien Tung, aus der das Spiel entwickelt wurde, enthält auch einen Stab namens Mikado.

Das Haus von Tsuchimikado übernahm im 16. Jahrhundert einige Kultur, möglicherweise auch das Chien-Tung-Orakel.

Andere Namen und Varianten:

  • Spellicans (Großbritannien)
  • Jonchets (Frankreich)
  • Mikado, Kaiserspiel, Federspiel, Zitterwackel (Deutschland)
  • Chien Tung (China)
  • Mikado, pick-up sticks, spellicans, jackstraws (orig. jerk-straws) (USA)
  • Spilikins/Spillikins (orig. Spelleken) (Kanada)
  • Selahtikan Straws / Scattering Straws (Lenni Lenape-Indianer)

[Bearbeiten] Regeln

[Bearbeiten] Bestandteile

Das übliche Mikadospiel besteht aus 41 Stäben (Mikadostäbchen, Mikadostäbe) von ca. 18 cm Länge und 3 mm Dicke. Die Enden der Stäbe sind zugespitzt. Die Stäbe sollten absolut gerade und gleich dick sein. In der Regel werden die Mikadostäbchen aus Holz gefertigt.

Die Stäbe haben farbige Kennzeichen, die verschiedenen Werten entsprechen:

Name Farbcode Wert Anzahl
Mikado dünne blaue Spirallinie (oder schwarze Streifen) 20 1
Mandarin blau-rot-blau 10 5
Bonzen (jap. bōzu->Bonze) rot-blau-rot-blau-rot 5 5
Samurai rot-gelb-blau (oder rot-grün-blau) 3 15
Kuli (chin. guli für „Arbeiter“) rot-blau 2 15

Insgesamt gibt es also 170 Punkte.

[Bearbeiten] Spiel

Mikado

Das Spiel wird auf einem möglichst einem Tisch oder auf glattem Boden gespielt.

Der erste Spieler stellt alle Stäbe gebündelt auf den Tisch und lässt sie umfallen. Hier gibt es mindestens zwei Methoden:

  1. Alle Stäbe mit einer Hand halten und loslassen
  2. Stäbe mit zwei Händen halten, durch Verdrehen auffächern, dann fallen lassen

In jedem Fall liegen die Stäbe danach chaotisch übereinander auf dem Tisch.

Nun soll ein Stab nach dem anderen weggenommen werden, ohne dabei andere Stäbe zu bewegen. Auch hier gibt es mehrere Techniken: Per Hand:

  • einfach nehmen („einsame“ Stäbe)
  • vorsichtig wegrollen (mehrere Stäbe nebeneinander)
  • herausziehen (freier Stab zwischen anderen)
  • aufstellen, indem man auf das spitze Ende drückt (Stäbe, die nur mit einem Ende den Boden berühren)
  • gleichzeitig beide Enden berühren und hochheben (aufliegender Stab)

Wer bereits im Besitz des Mikados (oder auch nur eines Mandarins bei vereinfachten Regeln) ist, darf auch diesen als „Helfer“ benutzen:

  • Stab mit der Spitze wegrollen
  • unter den Stab gehen und dann hochwerfen

Bewegt sich bei dem Versuch ein zweiter Stab (üblicherweise kommentiert mit „hat gewackelt“), wird abgebrochen. Die verbleibenden Stäbe werden eingesammelt, und der nächste Spieler ist an der Reihe.

Nach einer bestimmten Anzahl von Runden (normalerweise fünf) hat der Spieler gewonnen, der die meisten Punkte gesammelt hat. Bei Gleichstand zweier Spieler gewinnt der, der die meisten Stäbe besitzt, bei nochmaligem Gleichstand wird eine weitere Runde gespielt.

[Bearbeiten] Regelvarianten

  • Ein „schlechter“ Wurf darf wiederholt werden
  • Man darf aufstehen, aber nicht den eigenen Platz verlassen
  • Der Stapel wird nicht neu gemischt, sondern der nächste Spieler macht weiter
  • Wer das Wackeln verursacht, verliert seine erreichten Punkte. Man darf aber abbrechen und dem nächsten Spieler den "unmöglichen" Zug überlassen
  • Wer Kuli, Samurai, Bonzen und Mandarin in genau dieser Reihenfolge aufnehmen kann, erhält einen Bonus (z.B. doppelte Punktzahl)

Erlaubte Helfer:

  • Mikado nur, wenn der Spieler auch einen Stab jeder anderen Art hat (Kuli, Samurai, Bonzen, Mandarin)
  • Mikado (traditionell)
  • Mikado / Mandarin (vereinfacht)
  • Mikado / Mandarin / Bonzen
  • Jeweils genau der passende Helfer; der Mikado muss also ohne Helfer aufgenommen werden
  • Wer den falschen Stab als Helfer benutzt, verliert seine Punkte dieser Runde.

Der Stab, bei dem „es gewackelt hat“:

  • geht noch an den Spieler
  • wird herausgenommen
  • wird sofort fallen gelassen

[Bearbeiten] Redensart

Über die Redewendung „Wer sich rührt, hat verloren“ wurde die MetapherMikado-Effekt“ für die Erläuterung von (meist behördlicher) Untätigkeit üblich: Wenn mehrere Behörden zuständig sein könnten, muss diejenige losarbeiten, die ein Problem als erstes offiziell konstatiert, hat also ‚verloren‘.[1]

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Vgl. Eva Glauber: Wirtschaft fürchtet Mikado-Effekt. Nach der Wahl geht die Angst vor dem Stillstand um – Lange Regierungsbildung als schlimmste aller Varianten, in: Wiener Zeitung.at, 20. September 2005. Neuerlich erst Sigmar Gabriel: Die Weltgemeinschaft muss aufhören, Mikado zu spielen. Die Entwicklung in Deutschland zeigt doch: Es ist keineswegs so, dass derjenige verliert, der sich zuerst bewegt. In: Klima-Media.de, Pressespiegel vom 8. Juli 2009: „G8-Gipfel will Klimaabkommen erarbeiten – viele kritische Mahnungen im Vorfeld“.
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