Ein Petri-Netz ist ein mathematisches Modell von nebenläufigen Systemen. Es ist eine formale Methode der Modellierung von Systemen bzw. Transformationsprozessen. Die ursprüngliche Form der Petri-Netze nennt man auch Bedingungs- oder Ereignisnetz. Petri-Netze wurden durch Carl Adam Petri in den 1960er Jahren definiert. Sie verallgemeinern wegen der Fähigkeit, nebenläufige Ereignisse darzustellen, die Automatentheorie.
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Ein Petri-Netz ist ein bipartiter und gerichteter Graph. Er besteht aus Stellen (Places) und Übergängen bzw. Transitionen (Transitions). Stellen und Transitionen sind durch gerichtete Kanten verbunden. Es gibt keine direkten Verbindungen zwischen zwei Stellen oder zwei Transitionen.
Stellen werden als Kreise, Transitionen als Rechtecke dargestellt. Jede Stelle hat eine Kapazität und kann entsprechend viele Token, Marken bzw. Zeichen enthalten. Ist keine Kapazität angegeben, steht das für unbegrenzte Kapazität oder für eins. Jeder Kante ist ein Gewicht zugeordnet, das die Kosten dieser Kante festlegt. Ist einer Kante kein Gewicht zugeordnet, wird der Wert eins verwendet.
Sind alle Kapazitäten der Stellen und Gewichte der Kanten eines Petri-Netzes 1, so wird es auch als Bedingungs-, Prädikat- oder Ereignis-Netz bezeichnet.
Die Belegung der Stellen heißt Markierung und ist der Zustand des Petri-Netzes.
Transitionen sind aktiviert bzw. schaltbereit, falls sich in allen Eingangsstellen mindestens so viele Marken befinden, wie die Transitionen Kosten verursacht und alle Ausgangsstellen noch genug Kapazität haben, um die neuen Marken aufnehmen zu können. Schaltbereite Transitionen können zu einem beliebigen Zeitpunkt schalten. Beim Schalten einer Transition werden aus deren Eingangsstellen entsprechend den Kantengewichten Marken entnommen und bei den Ausgangsstellen entsprechend den Kantengewichten Marken hinzugefügt. Marken werden in einem Petri-Netz nicht bewegt. Sie werden entfernt und erzeugt!
Die Marken eines Petri-Netzes sind in ihrer einfachsten Form voneinander nicht unterscheidbar. Für komplexere, aussagekräftigere Petri-Netze sind Markeneinfärbungen, Aktivierungszeiten und Hierarchien definiert worden.
Lebendigkeit:
Erreichbarkeit: Eine Markierung eines Petri-Netzes heißt erreichbar, falls es eine Schaltsequenz der Transitionen gibt, welche die Startmarkierung in diese Markierung überführt.
Konservativität: Ein Petri-Netz heißt konservativ, falls die (beliebig) gewichtete Summe der Marken konstant ist.
Beschränktheit: Ein Petri-Netz heißt b-beschränkt, wenn es eine Schranke b gibt, so dass nie mehr als b Marken in einer Stelle liegen.
Sicherheit: Ein Petri-Netz heißt sicher, falls es 1-beschränkt ist.
Konflikt: Es besteht ein Konflikt bei einer nicht nebenläufigen Aktivierung von zwei Transitionen. Im Vorbereich bedeutet das, dass zwei Transitionen die gleiche Marke benötigen um zu schalten. Im Nachbereich sind es zwei Transitionen, die Marken erzeugen können, aber die Kapazität nicht für beide ausreicht.
Kontakt: Eine Transition hat Kontakt, wenn Sie nicht schalten kann, weil sonst die Kapazität einer Stelle im Nachbereich überschritten würde.
Ein Petri-Netz ist ein 6-Tupel (S,T,F,K,W,m0). Durch das 3-Tupel (S,T,F) ist ein bipartiter und gerichteter Graph definiert.



Die Mengen der Stellen S und Transitionen T sind disjunkt (formal:
). Die aktuelle Markierung
bezeichnet man als Zustand des Petri-Netzes. m(s) ist die Anzahl der Marken auf Stelle s.
Folgende (Teil-)Mengen sind für
definiert:
, also alle Stellen, von denen eine Kante zur Transition t führt,
, also alle Stellen, zu denen eine Kante von der Transition t aus führt.Eine Transition t heißt aktiviert, schaltbereit oder hat Konzession, falls gilt:



Eine aktivierte Transition t kann schalten. Falls sie schaltet, werden für alle Plätze s die Anzahl der Marken wie folgt neu berechnet:
| m'(s) = m(s) - W(s,t) | falls s ∈ •t und s ∉ t• |
| m'(s) = m(s) + W(t,s) | falls s ∉ •t und s ∈ t• |
| m'(s) = m(s) - W(s,t) + W(t,s) | falls s ∈ •t und s ∈ t• |
| m'(s) = m(s) | sonst |
Um mit Petri-Netzen genauere Modelle aufstellen zu können, wurden diese im Laufe der Zeit um neue Elemente erweitert. Daraus entstanden neue Klassen von Petri-Netzen, die einerseits mächtiger sind, andererseits aber schwerer oder gar nicht geschlossen analysiert werden können.
Durch Prioritäten und hemmende Kanten erreichen Petri-Netze die Mächtigkeit der Turingmaschine.
Zusätzlich zu den zeitlosen Transitionen der klassischen Petri-Netze wurden Transitionen eingeführt, welche beim Schalten Zeit verbrauchen. Dabei unterscheidet man verschiedene Klassen von Netzen, je nachdem welche Art von zeitverbrauchenden Transitionen in ihnen vorkommen:
Farbige Petri-Netze erweitern Marken um verschiedenen "Farben", indem die Marken nun strukturiert und getypt sind. Während Marken bei normalen Petri-Netzen nicht unterschieden werden können, ist dies durch die Färbung der Marken möglich.
Verallgemeinerte Form der Petri-Netze, bei der Transitionen, Stellen und Konnektoren mit Attributen versehen werden können.