Short Message Service (engl. für „Kurznachrichtendienst“, Abk. SMS) ist ein Telekommunikationsdienst zur Übertragung von Textnachrichten. Er wurde zuerst für den GSM-Mobilfunk entwickelt und ist nun in verschiedenen Ländern auch im Festnetz als Festnetz-SMS verfügbar.
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Obgleich die Abkürzung SMS den Dienst zur Übertragung von Kurznachrichten bezeichnet, steht sie heute umgangssprachlich zumeist für die Nachricht selbst. Daher führt der Duden die Abkürzung SMS als Femininum; in der Schweiz und auch in Österreich ist das Neutrum üblich.
Ursprünglich war der Dienst, als Teil des Signalisierungskanals zum Rufaufbau, ein Nebenprodukt und gedacht, um Netzstörungen oder ähnliche Informationen an die Nutzer zu senden. Daher wurde der Dienst oftmals kostenlos angeboten, entwickelte sich aber zum größten Ertragsbringer der Netzbetreiber. Da eine Kurznachricht circa 1/1000 des Dateninhaltes einer Gesprächsminute hat, sind die Margen für den Netzbetreiber entsprechend hoch.
Weiterentwicklungen des SMS existieren unter dem Namen Enhanced Message Service (EMS) und Multimedia Messaging Service (MMS).
Die erste Short Message (Kurzmitteilung oder Kurznachricht) des Short Message Service (SMS) wurde am 3. Dezember 1992 von einem PC an ein Mobiltelefon im Britischen Vodafone-Netz gesendet. Dies war etwa ein Jahr nach der Einführung des GSM-Standards für Mobiltelefone in Europa.
Durch die hohe Akzeptanz von SMS nehmen Kurznachrichten einen zunehmenden Einfluss auf soziale Interaktion (z. B. Terminvereinbarungen) und Sprache.
So ist simsen seit den 1990er Jahren im deutschsprachigen Raum auch die umgangssprachliche Bezeichnung für das Versenden von Kurzmitteilungen mit einem Mobiltelefon. Dieser Neologismus ist gerade bei der Jugend beliebt, da er deutlich kürzer ist als „eine Kurzmitteilung senden“. Entwickelt hat er sich aus dem Versuch heraus, smsen auszusprechen und eine angemessene, praktikable Schreibweise zu finden. Der Begriff „texten“ ist ebenfalls gebräuchlich. Im süddeutschen Raum hat sich der Ausdruck esemessen (S-M-S, ausgesprochen als „es-em-es-sen“) eingebürgert.
Um mehr Inhalt in die auf 160 Zeichen beschränkten Nachrichten zu bringen, hat sich eine weitverbreitete Abkürzungskultur entwickelt, welche auch in Chats und E-Mails anzutreffen ist, siehe Netzjargon und die Liste der Abkürzungen des Netzjargons. Ebenfalls werden inzwischen Emoticons so oft in Kurznachrichten verwendet, dass viele davon in modernen Mobiltelefonen bereits vorgespeichert sind.
Der SMS benötigt nur wenig zusätzliche Infrastruktur, hauptsächlich sind dies die Kurzmitteilungszentralen. Die übertragene Datenmenge ist im Vergleich zur Sprachübertragung gering, eine Kurzmitteilung umfasst etwa 1/1000 der Datenmenge einer Gesprächsminute. Bei nutzungsabhängigen Tarifen ist der Preis bezogen auf die Datenmenge erheblich höher als bei der Sprachübertragung. Jedoch sind auch die Kosten für den Aufbau und Betrieb des Netzes nur zum Teil von der zur Verfügung gestellten Datenübertragungsrate abhängig.
Anfangs wurden SMS von den Netzanbietern kostenlos angeboten, was später aufgrund des wirtschaftlichen Potentials eingestellt wurde. Innerhalb Europa schwanken die Preise für SMS sehr stark. Eine Nachricht kostet in Frankreich etwa 9 Cent bis 15 Cent, in Österreich netzintern ab 1 Cent, in Deutschland etwa 3 Cent bis 19 Cent, in der Schweiz zwischen 6,5 und 13 Cent (zwischen 10 und 20 Rappen) und in Italien etwa 15 Cent; in Dänemark jedoch meist nur 20 Øre, was etwa 3 Cent entspricht. Aufgrund des zur Zeit in Deutschland herrschenden Preiskrieges im Mobilfunk-Sektor ist damit zu rechnen, dass der Preis weiter fällt.
Im Jahr 2003 wurden in Europa über 16 Milliarden Kurzmitteilungen pro Monat versendet. Der Erfolg des mit Hilfe von Mobiltelefonen genutzten SMS liegt damit deutlich über dem der Vorgänger, also der separierten digitalen Funkmeldeempfänger (u. a. Pager).
In den USA war SMS lange Zeit unbekannt, da sich dort das Pager-System etabliert hat und Nachrichten nur innerhalb desselben Mobilfunknetzes versandt werden konnten. Dieses Hindernis wurde mittlerweile beseitigt und so steigt die Anzahl versendeter Kurznachrichten pro Monat, während die versendeten Pager-Mitteilungen stagnieren. SMS wird in den USA teilweise unter der Service-Bezeichnung „text messaging“ vermarktet. Die Kosten variieren zwischen komplett kostenlos, 10 US-¢ pro versandter Nachricht/Empfang kostenlos und 5¢ pro empfangener oder versandter Nachricht.
In Deutschland wurden 2006 nach Angaben des BITKOM (Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V.) 22,4 Milliarden Kurzmitteilungen verschickt (zum Vergleich: Der MMS wurde 116 Millionen Mal in Anspruch genommen).[1]
Die Datenübertragung per SMS ist derzeit einer der teuersten Datenübertragungsarten, die existieren. So kostet die Übertragung von einem Megabyte Daten per SMS bei den größten deutschen Mobilfunkanbietern derzeit 1423 Euro. Der Preis für die Übertragung der gleichen Datenmenge über das UMTS-Netz liegt hingegen bei circa 50 Cent pro Megabyte.[2]
Seit dem Frühjahr 2003 sind in Deutschland auch Premium-Dienste möglich. Die Kosten für den Premium Rate SMS (PR-SMS) beginnen bei 0,29 Euro und steigt dann in 10-Cent-Schritten an, bis zu 4,99 Euro. Der PR-SMS dient als Abrechnungsmöglichkeit im Micropayment-Bereich (zum Beispiel für Klingeltöne, Logos, Votings im TV und andere einzeln zu bezahlende Dienstleistungen), wird aber auch zur erotischen Kommunikation (Flirtline) genutzt und steht hier im Wettbewerb zu den 0900-Telefonnummern (früher: 0190).
Der Anbieter eines kostenpflichtigen Service erhält etwa 50 bis 60 % der Einnahmen aus den Premium-Nachrichten, der Rest geht an den Mobilfunkbetreiber (vergleiche 0900-Nummer: etwa 80 bis 90 % für den Serviceanbieter). Trotz dieser erheblich schlechteren Konditionen wird in diversen Servicebereichen, die speziell von jungen Zielgruppen genutzt werden, vermehrt auf die leicht zu kommunizierenden Short Codes gesetzt.
Der Mobilfunkbetreiber ist beim Einzug des Verbindungsentgelts dem Kunden gegenüber zur Auskunft über die Anspruchsgrundlage verpflichtet [3] [4]
Seit 1997 lassen sich Kurzmitteilungen auch über das Internet verschicken. In den ersten Jahren war der Versand von Kurzmitteilungen über das Internet, genau wie innerhalb der Mobilfunknetze selbst, kostenlos. Heute ist der Internet-Versand von Kurzmitteilungen meist zu einem Preis zwischen 0,04 Euro und 0,10 Euro möglich, je nachdem welche Zustellgeschwindigkeit und zusätzlichen Dienste angeboten werden. Möglichkeiten zum Versand kostenloser Kurzmitteilungen existieren aber weiterhin, meist dienen diese Angebote als Marketinginstrument.
Letztere finanzieren sich oft über den Handel mit persönlichen Informationen, dies können unter anderem Email-Adressen sein, die an externe Adress-Broker weitergegeben werden, um z.B. Werbemails zu versenden, oder komplette Datensätze des jeweiligen Users, aus denen sich Interessenprofile erstellen lassen, welche einen hohen Verkaufswert haben, da Adressbroker ihren Kunden somit Datensätze anbieten können, die bestimmte Zielgruppen maßgeschneidert enthalten. Zunehmend wird das Internet auch als Missbrauchsmedium genutzt, um kostenpflichtige SMS-Abos abzuschließen; der User wird meist nicht ausreichend über die entstehenden Kosten aufgeklärt. Viele Betreiber seriöser sogenannter "Free-SMS"-Seiten wehren sich gegen ihren schlechten Ruf, indem sie mehr Transparenz für User bieten und von anderen SMS-Anbietern einfordern [5] Des weiteren wird den meisten Gratis-Kurzmitteilungen ein Werbetext angehängt, sodass dem Nutzer weniger als die üblichen 160 Zeichen zur Verfügung stehen.
Der SMS nutzt einen Signalisierungs-Kanal des GSM-Standards wie etwa SDCCH (Stand-alone Dedicated Control Channel) oder FACCH (Fast Associated Control Channel). Diese Kanäle werden auch genutzt, um Gespräche aufzubauen und zu halten. Kurzmitteilungen kann man parallel zu einer Telefonverbindung versenden/empfangen. Hierzu wird ein Teil der Bandbreite des Verkehrsdatenkanals temporär zum Signalisierungskanal (SACCH) umkonfiguriert und zum Versand/Empfang einer Kurzmitteilung genutzt.
Der Versand einer solchen Nachricht erfolgt grundsätzlich vom Mobiltelefon an die Kurzmitteilungszentrale (SMSC) des Netzbetreibers; sie sendet sich also nicht von einem Mobiltelefon direkt zu einem anderen. Die Nummer der Kurzmitteilungszentrale hat den gleichen Aufbau wie eine „normale“ Mobilfunknummer (MSISDN = Mobile Subscriber Integrated Services Digital Network Number) und ist in den Einstellungen des Mobilfunkgeräts hinterlegt. Die Kurzmitteilungszentrale liest aus dem Header unter anderem die Zielnummer aus und sendet die Nachricht entweder im eigenen Netz an diese Zielnummer oder übergibt sie an den Netzbetreiber der Zielnummer. Die verschiedenen Netzbetreiber sind untereinander verbunden (interkonnektiert). Ist der Empfänger kein Mobilfunkgerät, sondern eine Anwendung (zum Beispiel im Fall einer Anmeldung bei einem Short-Message-Newsletter-Service), wird der Inhalt der Nachricht über Datenverbindungen an die Server des Service-Anbieters weitergeleitet.
Eine Kurzmitteilung besteht aus zwei Teilen:
Hauptartikel SMS-Kodierung
Es gibt insgesamt drei verschiedene Arten der Kodierung im SMS:
Der SMS kennt 3 Betriebsmodi:
Ist eine Nachricht nicht zustellbar, weil das Empfangsgerät ausgeschaltet ist oder sich in einem Funkloch befindet, speichert sie die Kurzmitteilungszentrale (SMSC) des Netzes, zu der die Empfängernummer gehört, für eine Vorhaltezeit zwischen (bei manchen Netzbetreibern vom Absender wählbar, meist max. 48 Stunden). In regelmäßigen Abständen unternimmt die SMSC weitere Sendeversuche, bis die Nachricht nach Ablauf der Zeit schließlich gelöscht wird. Die Netzbetreiber berechnen in einem solchen Fall trotzdem die normalen Versandgebühren.
Ist eine Nachricht wegen unbekannter Empfängernummer unzustellbar, lehnt die SMSC sie bereits beim Absenden ab.
Ein Benutzer kann von einem Handy eine SMS verschicken und sich die Übermittlung bestätigen lassen. Dadurch erfährt der Absender, in welchem Moment der Empfänger sein Handy einschaltet, wenn es zuvor z. B. ausgeschaltet war. Da die Netzbetreiber die dafür geschaffenen Standards nicht immer einhalten, besitzen SMS-Empfangsbestätigungen nur bedingte Aussagekraft; beispielsweise quittieren manche Netzbetreiber jede SMS aus einem Fremdnetz automatisch sofort oder nie. Über das Internet verschickte SMS bieten die Empfangsbestätigung nur im professionellen Einsatz.
Alternativ zu „normalen“ Telefonnummern kann man Kurzmitteilungen auch an sog. Kurzwahlnummern (= Shortcodes) senden. Shortcodes werden direkt in der Kurzmitteilungszentrale des Netzbetreibers verwaltet, sind also nicht an eine SIM-Karte gebunden. Gerade im Marketing-Bereich nutzt man häufig Shortcodes, da sie leicht zu kommunizieren sind, einen höheren Nachrichtendurchsatz erlauben und sich bei Bedarf durch erhöhte Kosten als Abrechnungsmethode nutzen lassen (siehe wirtschaftliche Bedeutung/Anwendungen).
Nicht unerheblich für die weitere Verbreitung von SMS war die Erfindung des Text on 9 keys (T9), mit welcher die Texteingabe über die typischen wenigen Tasten des Mobiltelefons deutlich komfortabler wurde, weil das Mehrfachtippen für den richtigen Buchstaben im Regelfall entfallen kann. T9 basiert auf einer intelligenten Texterkennung anhand eines im Mobiltelefon gespeicherten Wörterbuches.
In Motorola-Mobiltelefonen wird das ähnlich funktionierende iTAP verwendet.
Abgesehen von der Funktion als Kommunikationsmittel wird der SMS auch zur Steuerung und Überwachung von verschiedenen technischen Geräten verwendet.
So ist es beispielsweise möglich, das Öffnen eines Garagentors oder die Ausgabe eines Getränks bei einem Getränkeautomaten durch das Senden einer Kurzmitteilung an eine bestimmte Telefonnummer zu veranlassen. In Österreich ist es möglich, via SMS über den Service Paybox Zigaretten an Automaten zu erwerben. Die Abrechnung erfolgt über das Bankkonto.
Bei Alarmanlagen und bei Heizungen kann sich der Besitzer mittels vorgefertigter, in der Anlage gespeicherter Nachrichten per Kurzmitteilung über Störungen verständigen lassen.
In Vorarlberg wird die SMS-Technologie verwendet, um öffentlichen Linienbussen per Knopfdruck an der Haltestelle den Bedarf zur Anfahrt abgelegener sogenannter „Rufbushaltestellen“ zu melden.
Beim deutschen Mautsystem verwenden die On-Board-Units SMS zum Übertragen von Abrechnungsdaten.
Obwohl die Mobilfunknetze in Deutschland gut ausgebaut sind, kommt es am Jahreswechsel immer zu Netzüberlastungen. Dies verwundert nicht bei 500 Millionen Kurzmitteilungen [6] innerhalb weniger Minuten. So kommen pünktlich versendete Kurzmitteilungen vereinzelt erst Stunden später beim Empfänger an.
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