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Das V-Modell ist eine abstrakte, umfassende, ursprünglich aus der IT kommende Projektmanagement-Methode für Entwicklungsprojekte. Der Begriff resultiert einerseits aus dem ersten Buchstaben des Vorgehensmodells und andererseits aus der V-förmigen Darstellung der Projektelemente aus Spezifikation und Zerlegung (im absteigenden Ast) und Realisierung und Integration im aufsteigenden Ast(siehe Abbildung).
Die Idee zum V-förmigen Vorgehen kam von Barry Boehm 1979. Das erste V-Modell wurde 1986 in Deutschland entwickelt. Zunächst war es für IT-Projekte der öffentlichen Hand vorgesehen, inzwischen wird es aber auch in der Privatwirtschaft eingesetzt.
In der Regel wird eine neue Variante des V-Modells aus der jeweils vorhergehenden Variante entwickelt, sobald ein Verbesserungsbedarf erkannt wird. Allgemeine Eigenschaften dieser Varianten und die Vor- und Nachteile, die mit ihrer Anwendung einhergehen, werden in separaten Artikeln beschrieben, siehe: Vorgehensmodell (Software).
Im Gegensatz zu einem klassischen Phasenmodell werden im V-Modell lediglich Aktivitäten und Ergebnisse definiert und keine strikte zeitliche Abfolge gefordert. Insbesondere fehlen die typischen Abnahmen, die ein Phasenende definieren. Dennoch ist es möglich, die Aktivitäten des V-Modells z. B. auf ein Wasserfallmodell oder ein Spiralmodell abzubilden.
Inhaltsverzeichnis |
Im Jahre 1986 startete das Bundesministerium für Verteidigung zwei Projekte
mit folgenden Zielen:
Hierzu wären grundsätzlich auch Prozessmodelle der NATO-Verbündeten in Frage gekommen, wie z. B. der amerikanische Standard DoD STD 2167 A oder der französische Standard GAM T 17. Eine eingehende Prüfung dieser Modelle zeigte jedoch, dass sie nicht in der Lage waren, allen Anforderungen gerecht zu werden. Somit entschloss man sich zu einer Eigenentwicklung, die im Jahre 1988 – als Ergebnis des Projektes SEU-WS – eine erste Version des V-Modells hervorbrachte. In dieses wurden dann bis April 1990 die Erkenntnisse aus dem Projekt SEU-IS integriert und die verbesserte Version des V-Modells per Erlass vom Februar 1991 durch den Bundesminister für Verteidigung als Entwicklungsstandard für die Softwareerstellung bei der Bundeswehr festgeschrieben.
Da sich auch andere Bundesbehörden mit ähnlich gelagerten Problemen konfrontiert sahen, wurde das V-Modell Ende 1991 an die Koordinierungs- und Beratungsstelle der Bundesregierung für Informationstechnik in der Bundesverwaltung (KBSt) übergeben, mit der Aufgabe, eine zivile Fassung des V-Modells zu erstellen. Diese Arbeiten waren im August 1993 abgeschlossen und die daraus resultierende einheitliche Version des V-Modells durch den Bundesminister der Verteidigung und den Bundesminister des Inneren veröffentlicht und festgeschrieben.
Neue Softwareentwicklungsansätze (z. B. Objekt-Orientierung, etc.) machten eine Überarbeitung des V-Modells notwendig, zumal dieses bis zu diesem Zeitpunkt sehr stark auf den „klassischen Softwareentwicklungsansatz“ zugeschnitten war. Als Ergebnis wurde im Juni 1997 das V-Modell '97 veröffentlicht, welches seitdem für jegliche Softwareentwicklung in der Bundesverwaltung zur Anwendung empfohlen wurde.
Das V-Modell 97 wurde im Zuge von neuen Erkenntnissen in der Softwareentwicklung im Februar 2005 durch die Version 1.0 des V-Modell XT (XT = Extreme Tailoring, engl. "to tailor" = schneidern) ersetzt. Hauptänderungspunkte sind hierbei
Eine einleitende Übersicht findet man in Grundlagen des V-Modells. Das V-Modell XT wird von der KBSt unter der Webseite des V-Modell XT bereitgestellt. Hier findet man die jeweils aktuelle Version. Weitere Infos sowie ein jährlicher Erfahrungsaustausch wird durch die Anwendervertretung ANSSTAND e. V. (Interessenvertretung der Anwender des SystementwicklungsSTANDards V-Modell) auf der Homepage der V-Modell Interessenvertretung zur Verfügung gestellt.
Das V-Modell kann in halbjährlichen Abständen aktualisiert werden. Derzeit ist die Version 1.2.1.1 (ca. August 2007) aktuell. Sie besteht aus:
Die nächste Version soll Ende 2008 veröffentlicht werden.
Das V-Modell fasst eine Reihe von ähnlich gelagerten Tätigkeiten zu einem so genannten Vorgehensbaustein zusammen. Einige dieser Vorgehensbausteine finden bei allen Projekten Anwendung und werden daher als V-Modell-Kern bezeichnet. Dazu gehören:
| Vorgehensbaustein | V-Modell Kern | Systementwicklungsprojekt (AG/AN) | Systementwicklungsprojekt (AG) | Systementwicklungsprojekt (AN) |
|---|---|---|---|---|
| Projektmanagement | X | X | X | X |
| Qualitätssicherung | X | X | X | X |
| Konfigurationsmanagement | X | X | X | X |
| Problem- und Änderungsmanagement | X | X | X | X |
| Systemerstellung | X | X | ||
| Anforderungsfestlegung | X | X | ||
| Lieferung und Abnahme (AN) | X | X | ||
| Lieferung und Abnahme (AG) | X | X | ||
| Vertragsschluss (AG) | X | |||
| Vertragsschluss (AN) | X |
Das V-Modell definiert eine Reihe von Dokumenten, die als Produkte bezeichnet werden. Diese setzen sich aus einzelnen Themen (Kapiteln) zusammen. Produkte, die einen starken inhaltlichen Zusammenhang haben, werden wiederum derselben Produktgruppe zugeordnet.
Jedes definierte Produkt durchläuft vier Zustände:
wobei folgende Übergänge zwischen diesen Zuständen möglich sind:
Tätigkeiten, die Produkte verändern, bezeichnet man als Aktivitäten; diese sind ihrerseits aus einzelnen Teilaktivitäten zusammengesetzt, die dann jeweils genau ein Thema behandeln. Inhaltlich verwandte Aktivitäten werden dabei wiederum zu Aktivitätengruppen zusammengefasst. Zu jeder Aktivität ist genau hinterlegt, welche Produkte sie benötigt bzw. verändert und welche Arbeitsschritte notwendig sind, um die gewünschte Modifikation herbeizuführen. Zu diesem Zweck ist jeder Aktivität ein Produktfluss und eine Abwicklung definiert. Während der Produktfluss beschreibt, aus welchen Aktivitäten die benötigten Eingabeprodukte mit welchem Zustand kommen, um dann in modifizierter Form bzw. modifiziertem Zustand an eine nachfolgende Aktivität weitergereicht zu werden, beinhaltet die Abwicklung genauere Anweisungen zur Durchführung der Aktivität.
Die zeitliche Abfolge der Aktivitäten ergibt sich somit aus der Verfügbarkeit der benötigten (Teil-)Produkte in einem bestimmten Zustand.
Vorgehensmodelle werden zur Anwendungsentwicklung von IT-Systemen verschiedenster Größe und Komplexität verwendet. Um bei Abwicklung kleinerer und mittlerer Projekte keinen übermäßig großen Mehraufwand zu produzieren, definiert das V-Modell für diese Projektgrößen Streichbedingungen, die die Menge der Aktivitäten und Produkte auf das notwendige Maß reduzieren. Den Vorgang des Anpassens des V-Modells auf die projektspezifischen Bedürfnisse bezeichnet man als Tailoring (von: engl. tailor – maßschneidern).