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WiBe

7. Jul 2008, 14:42

Unter WiBe[1] (Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen) wird ein Verfahren zur Beurteilung der Wirtschaftlichkeit von Investitionen (primär IT-Investitionen) innerhalb der Bundesverwaltung verstanden. Grundlage für die Durchführung der Wirtschaftlichkeitsbetrachtung ist gegenwärtig die von der KBSt (Koordinierungs- und Beratungsstelle für Informationstechnik des Bundesministeriums des Innern) bereitgestellte "WiBe 4.1- Empfehlung zur Durchführung von Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen in der Bundesverwaltung, insbesondere beim Einsatz der IT".

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Prinzipien

Die öffentliche Verwaltung soll bei Ihrer Aufgabenwahrnehmung wirtschaftlich handeln. Durch den Einsatz der WiBe wird eine ökonomische Betrachtung von Investitionsvorhaben innerhalb der Bundesverwaltung ermöglicht. Zudem können verschiedene Investitionsvorhaben miteinander vergleichbar gemacht werden. Das WiBe-Verfahren hat daneben weitere Prinzipien:

  • Vereinheitlichung des Verfahrens zur Betrachtung der Wirtschaftlichkeit von Investitionsvorhaben (insbesondere IT-Investitionen)
  • Erfassung aller Ein- und Auszahlungen die mit der Investition in Verbindung stehen
  • Zeitgerechte Zuordnung aller Zahlungsströme
  • Besondere Eignung für Projekte im öffentlichen Sektor
  • Berücksichtigung von Risiken
  • Darstellung monetärer und nichtmonetärer Kriterien
  • Bewertbarkeit von verschiedenen Alternativen
  • Anpassbarkeit an Projekttypen und -größen

[Bearbeiten] Ziele

Die WiBe ist eine methodische und inhaltliche Hilfe für den Vorhabensverantwortlichen und soll begründete und nachvollziehbare Aussagen über die Wirtschaftlichkeit von (IT-) Investitionen geben. Sie gibt einen einheitlichen methodischen Rahmen für die Ermittlung der Wirtschaftlichkeiten in der gesamten Bundesverwaltung vor und soll zur Optimierung der Methode für Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen anregen.

[Bearbeiten] Methodik

Das Verfahren unterscheidet quantitative und qualitative Kriterien zur Bewertungen eines Investitionsvorhabens. In einer Kosten- und Nutzenanalyse wird auf Basis der Kapitalwertmethode die monetäre Vorteilhaftigkeit ermittelt. Durch die Einbindung von Risikozuschlägen können Unsicherheiten einfach berücksichtigt werden. Mit Hilfe einer Nutzwertanalyse werden neben der monetären Vorteilhaftigkeit die qualitativen Wirkungen des Investitionsvorhabens bewertet.

[Bearbeiten] Rechtliche Grundlagen

Nach § 7 der Bundeshaushaltsordnung (BHO) müssen Institutionen auf Bundesebene bei Ihrer Haushaltsführung Sparsamkeit und Wirtschaftlichkeit beachten. Zudem sollen für alle finanziellen Maßnahmen angemessene Wirtschaftlichkeitsuntersuchungen durchgeführt werden. Präzisiert wird dies in den Verwaltungsvorschriften zu § 7 BHO. Für Investitionen mit erheblicher finanzieller Bedeutung, (mehr als 50.000 €) sind finanzmathematische Verfahren vorgeschrieben, worunter die dynamische Kapitalwertmethode verstanden wird.

[Bearbeiten] Entwicklung

[Bearbeiten] 1992 - WiBe 1.0

Die Bundesverwaltung muss auf Grund der steigenden finanziellen Anforderungen verstärkt auf IT-Systeme zurückgreifen. Da die Einsatz-Entscheidung abhängig vom Grundsatz der Wirtschaftlichkeit getroffen werden muss, wird ein Konzept zur Wirtschaftlichkeitsbetrachtung von IT-Vorhaben entwickelt. Gleichzeitig wird das Verfahren in ein Softwaretool für Microsoft Excel integriert (IT-WiBe 1.0).

[Bearbeiten] 1997 - WiBe 2.0

Das Konzept erreicht zunehmende Akzeptanz innerhalb der Bundesverwaltung. Als eigenständiges 32-Bit Programm erscheint eine neues Softwarelösung (IT-WiBe 2.0).

[Bearbeiten] 2001 - WiBe 3.0

Nach einer Überarbeitung erscheint die Software unter dem Namen WiBe21 (IT-WiBe 3.0). Im Vergleich zum Fachkonzept aus dem Jahre 1997 werden kaum Veränderungen vorgenommen.

[Bearbeiten] 2004 - WiBe 4.0

Das Fachkonzept wird inhaltlich weiter entwickelt und ergänzt. Die Software wird plattformunabhängig neu entwickelt und als Open Source veröffentlicht (IT-WiBe 4.0).

[Bearbeiten] 2007 - WiBe 4.1

Unter Berücksichtigung der technischen Weiterentwicklung wird das Kriterium "Herstellerunabhängigkeit" überarbeitet und ergänzt. Die Plattformunabhängigkeit der Lösung kann nun innerhalb des Kriteriums "Plattform-/Herstellerunabhängigkeit" bewertet werden.

[Bearbeiten] Aufbau der WiBe 4.1

[Bearbeiten] Versionen

Das Verfahren ist in vier zeitlich orientierte Versionen unterteilt, um das Investitionsvorhaben von der Planung bis zur Erfolgskontrolle begleiten und bewerten zu können. Durch die Unterteilung wird eine Untersuchung ähnlich eines fortlaufenden Qualitätsmanagements erreicht. Jede weitere Version konkretisiert die Vorgängeruntersuchung (-version).

WiBe Zielsystem

Planungsphase:

  • Version 1 - Grobkonzeption
  • Version 2 - Feinkonzeption

Realisierungsphase:

  • Version 3 - Erprobung und Abnahme

Einsatzphase:

  • Version 4 - Einführung und Betrieb

[Bearbeiten] Module

Die WiBe unterteilt sich in mehrere Module, mit denen die quantitativen als auch qualitative Kriterien bewertet werden. Im Modul "WiBe KN - Kosten- und Nutzen" wird die monetäre Vorteilhaftigkeit der Investition ermittelt. Ebenfalls können in diesem Modul Unsicherheiten in Form von Risikozuschlägen berücksichtigt werden ("WiBe KN/R"). In den Modulen "WiBe D - Dringlichkeitskriterien", "WiBe Q - Qualitativ-Startegische Kriterien" und "WiBe E - Externe Effekte" werden qualitative Kriterien bewertet. Der in der WiBe bereitgestellte "generelle Kriterienkatalog" ist auf die Bewertung von IT-Investitionen angepasst und im Folgenden grob dargestellt. Andere Kriterienkataloge für andere (nicht IT-) Investitionen können individuell entwickelt werden.

WiBe Zielsystem
WiBe Zielsystem
WiBe KN/R

Entwicklungskosten und Entwicklungsnutzen

  • Entwicklungskosten für die neue IT- Maßnahme
  • Entwicklungsnutzen aus Ablösung des alten Verfahrens

Betriebskosten und Betriebsnutzen

  • Laufende Sachkosten/Sachkosteneinsparungen
  • Laufende Personalkosten/Personalkosteneinsparungen
  • Laufende Kosten/Einsparungen bei Wartung/Systempflege
  • Sonstige Laufende Kosten und Einsparungen
WiBe D
  • Ablösedringlichkeit Altsystem
  • Einhaltung von Verwaltungsvorschriften und Gesetzen
WiBe Q
  • Priorität der IT-Maßnahme
  • Qualitätszuwachs bei der Erledigung von Fachaufgaben
  • Informationssteuerung der administrativ-politischen Ebene
  • Mitarbeiterbezogene Effekte
WiBe E
  • Ablösedringlichkeit aus Perspektive des externen Kunden
  • Benutzerfreundlichkeit aus Kundensicht
  • Wirtschaftliche Effekte extern
  • Qualitäts- und Leistungssteigerungen
  • Synergien

[Bearbeiten] WiBe-Software

Zur Durchführung von Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen nach dem derzeitigen WiBe 4.1-Fachkonzept stellt die KBSt eine Software zur Verfügung. Diese befindet sich seit 2005 in der Version 4.0. Die Open Source-Lösung basiert auf einer Java-Programmierung und kann als Einzelplatz- und Mehrbenutzerversion, sowohl unter Microsoft Windows als auch unter Linux verwendet werden. Der generelle Kriterienkatalog oder individuell angepasste Kriterienkataloge können importiert und exportiert werden. Durch die Anpassung individueller Kriterienkataloge innerhalb der Software ist es möglich, die WiBe auch für Investitionsvorhaben außerhalb des IT-Bereiches anzuwenden. Grundsätzlich kann die Wirtschaftlichkeitsbetrachtung auch mit Hilfe geeigneter Kalkulationsoftware durchgeführt werden, was zeitweise einen erheblichen Mehraufwand für Bundesbehörden bedeutet. Seit der Einführung im Jahre 1997 hat sich die WiBe-Software der KBSt als Standardinstrument zur Durchführung von Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen in der Bundesverwaltung durchgesetzt.

[Bearbeiten] Literatur

  • Peter Röthig, Knut Bergmann, Christian Müller: WiBe 4.1- Empfehlung zur Durchführung von Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen in der Bundesverwaltung, insbesondere beim Einsatz der IT, Bundesministerium des Innern (KBSt), Schriftenreihe der KBSt, ISSN 0179 - 7263, Band 92

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Kosten im Griff: http://www.ipo-it.com/publikationen/2006_moderneverwaltung_WiBe_CM.pdf In: move - moderne verwaltung 9.2006

[Bearbeiten] Weblinks

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