09.02.2007 17:41

EMI: Bald Musik im MP3-Format ohne DRM?

Bislang wurde Musik im Internet weistgehend wenig kundenfreundlich vertrieben. Dies lag in erster Linie daran, dass die einzelnen Labels den Onlineshops diverse Kopierschutzmechanismen aufzwangen, die verhindern, dass die Musik über einen bestimmten Rahmen hinaus, genutzt werden kann. Mit EMI scheint nun ein Branchenriese umzudenken.

So wird berichtet, dass derzeit der weltweit drittgrößte Musikkonzern in Verhandlung mit einigen Online-Shops stehen würde. Gegenstand dieser Gespräche soll der Vertrieb von Musik ohne Kopierschutz im altbekannten MP3-Format sein. Wie das Wall Street Journal unter Berufung auf unternehmensnahe Kreise berichtet, soll man sich bereits seit Dezember 2006 in diesen Gesprächen befinden. Sollte es sich Bewahrheiten, könnte EMI beispielhaft für ein Umdenken innerhalb der Musikindustrie stehen, die bislang rigide auf die Durchsetzung der eigenen DRM-Mechanismen insistierte.

Demnach zeige EMI Interesse daran, über den Online-Musikanbieter Snocap Musik auf der beliebten MySpace-Plattform zu vertreiben. Weitere Partner, die derzeit hinter vorgehaltener Hand genannt werden, seien RealNetworks, MusicNet und eMusic. Eine ganz bestimmte Bedingung knüpft das Plattenlabel allerdings an den ungeschützten Vertrieb seiner Musik: Die Online-Shops müssen eine Vorauszahlung in Millionen-Höhe leisten, so dass der Konzern auf jeden Fall zu seinem Geld kommen werde – egal wie oft die Musik letztendlich real abgesetzt wird. Eine Entscheidung für das MP3-Format sei aber derzeit noch nicht gefällt worden, so die Quellen der Zeitung.

Unterdessen scheint auch Sony BMG derzeit an einen Kurswechsel zu denken. So berichtete Maarten Steinkaamp, der Kontinentaleuropa-Chef des Unternehmens, gegenüber der Financial Times Deutschland, dass das Unternehmen die Debatte über DRM-Mechanismen begrüße und bereits interne Optionen prüfen würde. Warner Music will indes an der Verbreitung der eigenen Musik unter Zuhilfenahme von DRM festhalten. Dies sagte Warner-Chef Edgar Bronfman am gestrigen Donnerstag im Rahmen der Präsentation des eigenen Quartalsergenisses, das für den Konzern mit einem Umsatzeinbruch von rund 74 Prozent desaströs ausgefallen war.

Bei den Kunden selbst kam DRM unterdessen noch nie gut an. Grund dafür war neben der nur restriktiven Nutzbarkeit der käuflich erworbenen Dateien vor allem die Inkompatibilität einzelner Formate zu einigen Abspielgeräten. So kann zum Beispiel Musik, die in Apples iTunes Store gekauft worden ist (AAC-Format), auch nur auf Apples iPods abgespielt werden. Musik im kopiergeschützten WMA-Format, das von nahezu allen anderen Online-Shops eingesetzt wird, kann man im Umkehrschluss leider nicht auf dem iPod abspielen. EMIs Gedankenspiele, in Zukunft unter Umständen gänzlich auf DRM-Mechanismen zu verzichten, wäre also ein großer Schritt in Richtung einer besseren Kundenfreundlichkeit.

Autor: Christoph Becker  Quelle: Futurezone

Mehr zum Thema

  • Topnews

    „Aufgrund unverhältnismäßig hoher Betriebskosten“

    Grooveshark stellt Betrieb für Deutschland ein Update

    Der Online-Musikdienst Grooveshark hat den Zugriff für Nutzer aus Deutschland beendet. Surft man mit deutscher Kennung die Internetseite der Community an, bekommt man nur einen Texthinweis auf das vorläufige Ende zu Gesicht, das angeblich aufgrund „zu hoher Betriebskosten“ notwendig sei. Gemeint sind damit GEMA-Forderungen.

    18. Jan 2012 18:40 226 Kommentare
  • Musik in der Cloud

    iTunes Match in Deutschland gestartet

    16. Dez 2011 13:14 98 Kommentare
  • Serious Sam 3: BFE

    Unbesiegbares Monster als Werkzeug gegen Raubkopierer

    8. Dez 2011 18:14 163 Kommentare
  • Lizenzen für Streaming und längere Hörproben

    Bitkom und GEMA einigen sich bei Online-Musikangeboten

    8. Dez 2011 12:54 56 Kommentare
  • Topnews

    Nur fünf von 100 Kopien legal erworben

    Ubisoft nennt Gründe für ausbleibende PC-Versionen

    Nicht zuletzt durch in der Vergangenheit sehr restriktive Kopierschutzmaßnahmen hat der französische Entwickler und Publisher Ubisoft sich einen eher durchwachsenen Ruf erarbeitet. Nach den jüngsten Äußerungen von Creative Director Stanislas – verantwortlich für „I am alive“ – dürfte sich daran wenig ändern.

    25. Nov 2011 12:22 559 Kommentare
Themenseiten:

Anzeige