Facebook blamiert sich mit Kampagne gegen Google

Jirko Alex
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Nicht nur beim Bieterwettstreit um Skype waren Google und Facebook Konkurrenten, auch die Angebote der beiden Internetgiganten nähern sich einander immer weiter an. Dies war anscheinend Grund genug für Facebook, eine PR-Agentur damit zu beauftragen, kritische Berichte über Google in den Medien zu lancieren.

Wie aus einem veröffentlichten Mailverkehr zwischen dem Blogger Chris Soghoian und der PR-Agentur Burson-Marsteller hervor geht, wollte die Agentur den Blogger dazu überreden, über Datenschutzprobleme des Google-Features „Social Circle“ zu berichten. Ähnliche Anfragen gingen auch an USA Today und beinhalteten teilweise sogar Ghostwriter, die die Artikel für die kontaktierten Medien angefertigt hätten. Die so lancierten Meldungen hätten sich auf öffentlich zugängliche Informationen berufen sollen, die von weiteren Medien kontrolliert und übernommen werden könnten. Auf diese Weise wäre eine weitere Kampagne zu Datenschutzproblemen bei Google losgetreten worden, die den Suchmaschinengiganten zu Zeiten, in denen er sich etwa für die Bewegungsdatenerfassung in Android vor dem US-Senat äußern muss, heimgesucht hätte.

Burson-Marsteller legte den eigenen Auftraggeber in den Mails allerdings nicht offen, sodass es anfangs wie ein Krimi wirkte, den Puppenspieler hinter den Fäden der geplanten Kampagne zu finden. Nach einem Bericht der „The Daily Beast“ wurde allerdings Facebook als Auftraggeber identifiziert. Das Unternehmen gab gegenüber der Newsseite zur Begründung an, Bedenken zur Datensicherheit bei Google zu hegen und äußerte darüber hinaus Unmut über Googles Versuche, Facebook-Informationen in eigenen Services zu verarbeiten. Google setzt vermehrt auf personalisierte Suchen und soziale Empfehlungen (Google Buzz) und dringt damit in Tätigkeitsbereiche von Facebook ein. Das weltgrößte Online-Poesiealbum mausert sich auf der anderen Seite vermehrt zum Nachrichtensuchdienst und erobert damit Google-Territorium.

In einem aktuellen Statement bedauert Burson-Marsteller den Auftrag angenommen zu haben. Zwar sollten keine Interna oder noch unbekannte Informationen publik gemacht, sondern die Aufmerksamkeit auf bereits öffentlich zugängliche Informationen gelenkt werden, doch sei das Vorgehen der Agentur gegen das eigene Geschäftsgebahren gewesen und hätte abgelehnt werden müssen. Vielmehr als Burson-Marsteller leidet aber Facebook unter dem Rückstoß der missglückten PR-Kampagne. Insbesondere unter dem Eindruck der jüngsten Meldungen über Sicherheitslücken in dem sozialen Netzwerk wirkt der Versuch, den Konkurrenten Google anzuschwärzen, geradezu ironisch.