Analyse : Neue Mainboards für den Pentium 4

, 12 Kommentare
Analyse: Neue Mainboards für den Pentium 4

Vor ungefähr zwei Wochen brachten angeblich authentische Intel Dokumente das Internet in Aufruhr und am 2.8.2002 griffen auch wir das Thema in dieser News auf. "Der Pentium 4 ab 3GHz wird neue Mainboards benötigen", war die Hauptaussage, die überall wie Pilze aus dem Boden schoss. Seitdem ist eine Weile vergangen und neue Gerüchte haben einen fundierten Überblick fast unmöglich gemacht. Wir haben uns seitdem bedeckt gehalten, um nicht durch fehlendes Hintergrundwissen das Feuer weiter anzuheizen. Nun haben wir uns besagte Dokumente nochmals vorgenommen und ausführlich analysiert. Und siehe da, die meisten bekannten Informationen lassen sich in diesen Papieren nicht mal ansatzweise wiederfinden.

Analyse Teil 1

Den Anstoß gaben vor gut zwei Wochen besagte Dokumente, doch was sagten diese überhaupt aus?

Bevor wir uns auf irgendwelche Schlussfolgerungen einlassen, wollen wir zu allererst die Grundlage dafür schaffen. Vollkommen unabhängig von dem, was derzeit berichtet wurde und wird, gehts es schlicht und ergreifend vorerst um die Auswertung der Dokumente.

In erster Linie enthielten diese Papiere Informationen über einen Wechsel in Intels "Flexible Motherboard Guideline". Diese 'Guidelines' (Richtlinien) enthalten allem Anschein nach Angaben für Mainboardhersteller, welchen Vorgaben man gerecht werden muss, um seine Platine für eine bestimmte Prozessorserie 'validieren zu können'. D.h. auf welche technischen Details man achten muss, um Prozessoren über eine gewisse Zeitspanne verwenden zukönnen. Machen wir uns vorerst an die Tabelle in der rechten, oberen Ecke.

FMB Guidelines
FMB Guidelines

Der bisherige Standard 'Northwood FMB1' sah demnach für ein Intel-Mainboard einen Voltage Regulator vor, der 60A an die CPU liefern musste. Hiermit wurden alle neuen Pentium 4 Northwood CPUs bis zu einer TDP (Termal Design Power) von 64Watt und auch die letzten Willamette-Cores mit einer TDP von 77Watt offiziell unterstützt. Die neue Richtlinie FMB2 sieht nun eine Stromversorgung von 70A vor und ermöglicht so offiziell den Einsatz von leistungshungrigeren CPUs bis zu einer TDP von maximal 82Watt (Willamette-CPUs werden nicht mehr behandelt, da Boards, die sich nach FMB2 richten, diese nicht mehr unterstützen.). Unverändert geblieben ist in beiden Richtlinien die sog. Tcase, die angibt, unter welcher Maximaltemperatur eine 'thermal solution' (Kühler) den Prozessor dauerhaft halten muss.

Table 22 also lists the maximum and minimum processor temperature specifications for TCASE. A thermal solution must be designed to ensure the temperature of the processor does not exceed these specifications.

Mehr sagt diese Tabelle vorerst nicht aus!

Kommen wir nun zu der Grafik im oberen, linken Bereich des Dokumentes. Diese enthält weitere, wichtige Informationen. Die Richtlinie Northwood FMB1 sollte demnach bis Ende 2002 laufen. Die neue Richtlinie hingegen sollte im 2.Quartal 2002 einsetzen und über das 2.Quartal 2003 bis zum Ende der Northwood-CPU-Serie (EOL) den Standard für ein Northwood-validiertes Mainboard bilden. Mehr relevante Informationen bietet uns auch diese Grafik nicht.

Für eine Analyse haben wir den nun folgenden Text kurzer Hand frei übersetzt:

  • Intel empfiehlt, dass Mainboards mit den Chipsätzen i850E, 845E und 845G bis zum 4. Quartal 2002 bezüglich Northwood FMB2 ein Update erfahren und für die Massenproduktion im 1. Quartal 2003 bereit stehen.

    • Intels neuer Referenz-Kühler (Boxed Kühler, Wärmeleitwert = 0,33° C/W) für FMB2 wird bis zum 4. Quartal 2002 die Massenproduktion erreichen und kann dann von OEMs erworben werden.
    • Intel empfiehlt den Herstellern, Mainboards im Rahmen der Northwood FMB2 bis zum 4. Quartal 2002 für eine dauerhafte Systemtemperatur von bis zu 42°C auszulegen (bisher 40°C).
    • Wie es mit der Kompatibilität der neuen Platinen auf Basis der FMB2 zum kommenden Prescott aussieht, wird momentan erforscht. Weitere Informationen folgen dazu im 3.Quartal 2002.

  • Intel empfiehlt, Mainboards mit i845PE und i845GE von Anfang an auf Northwood FMB2 auszulegen.

Welche Schlüsse können wir also aus diesen Aussagen ziehen? Zuerst einmal, dass Boards mit einem Chipsatz für den alten 400MHz FSB nicht geupdatet werden müssen. Da Boards mit i850, i845 oder i845D offiziell keinen 533MHz FSB unterstützen und somit auch keine der kritischen CPUs, ist dieser Schritt dort überflüßig. In dem ersten Unterpunkt informiert Intel darüber, dass man bis zum 4.Quartal 2002 einen neuen Kühler serienreif haben wird, der notwendig ist, um die neuen CPUs, die wesentlich mehr Wärme produzieren, trotzdem auch weiterhin unter der in Northwood FMB2 spezifizierten Tcase von 70°C zu halten. Da die Prozessoren mehr Wärme abgeben werden, wird demnach auch die Systemtemperatur höher liegen als noch bei CPUs, die offiziell unter FMB1 liefen. Demnach empfiehlt Intel den Mainboardherstellern, dass man die Boards im Rahmen der FMB2 für eine dauerhafte Sys-Temp von 42°C auslegt. Der dritte Unterpunkt gibt sogleich Auskunft über die Kompatibilität der Boards auf Northwood FMB2 Basis zum kommenden Prozessor Prescott (FSB666). Allerdings kann Intel hierzu noch keine genaueren Angaben machen.

Der letzte Punkt beinhaltet nochmals eine relativ logische Anweisung. Anstatt Mainboards mit den ausstehenden Chipsätzen i845PE und i845GE noch auf FMB1 auszurichten, soll hier von Anfang an nach den Richtlinien der Northwood FMB2 gearbietet werden, um beim Launch auch zukünftige CPUs auf allen diesen Boards zu ermöglichen.

So weit zu dieser ersten Seite, auf der weder die in den letzten Tagen oftmals diskutierte, magische Taktrate von 3,06GHz, noch von einer maximalen Leistung von aktuellen Mainboards von 70Watt die Rede war.

Auf der nächsten Seite: Analyse 2. Teil

12 Kommentare
Themen: