Kommentar : AMDs schleierhaftes Marketing mit dem Athlon 64

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Jan-Frederik Timm

... die scheinen uns auf den ersten Blick nicht ganz schlüssig zu sein. Eine solche legte vor etwas über einer Woche zum wiederholten Male AMD an den Tag. Doch wir erinnern uns: Schon zum Launch der Athlon64 FX-51 und Athlon64 3200+ hatte man sich mit Samples eines Prozessors zurück gehalten und es gab international nur den umgelabelten und um zwei HyperTransport-Kanäle beschnittenen Opteron 148, den FX-51, direkt von AMD als Presseexemplar. Einen Athlon 64 3200+ zu ergattern war ein kniffliges Unterfangen. Am Ende gelang es doch, da gerade die Mainboardhersteller großes Interesse daran hatten, insbesondere den kleinen Prozessor für den Sockel 754 zu promoten.

AMD hingegen schien es allein auf einen Paukenschlag abgesehen zu haben, man hatte wohl Bedenken, das Rating von 3200+ würde in vielen Anwendungen gegenüber der Konkurrenz nicht gerechtfertigt genug sein und somit für Kritik bei der Einführung sorgen. Der Prozessor wäre in der über ein breites Anwendungsspektrum gemittelten Leistung wirklich nicht schneller als der P4 mit 3,2 GHz gewesen - ein durchaus schlechter Start in den Markt. So ergab es sich, dass all überall auf dem Globus FX 51-Tests aber deutlich weniger Athlon64 3200+ Berichte zu lesen waren. Hätte man die CPU aber nicht im Kielwasser der noch kräftigeren FX-51 Version mit schwimmen lassen können? Weltweit fiel das Fazit zu beiden Prozessoren nämlich durchweg positiv aus. Hatte man sich hier schlicht und ergreifend verschätzt? Auch nach dem 23. September sorgte AMD noch ein paar Wochen für Stille um den Sockel 754, da erst später Test-CPUs bereit gestellt wurden. Wie eine Hauptplatine testen, wenn kein Prozessor das vollgestopfte PCB betreibt? Hersteller, die neben dem Board auch eine CPU bereit stellen konnten, hatten hier gute Karten.

Und nun, zweieinhalb Monate nach dem Startschuss der Athlon64-Ära, erfolgt die Einführung des Athlon64 3000+ heimlich, still und leise. Kein Sample, keine Pressemitteilung - nichts! Dabei ist es genau diese CPU, die dem Sockel 754 Leben einhauchen könnte und einhauchen wird! Es hieß also wieder telefonieren, E-Mails schreiben und ein glückliches Händchen zu haben, um ein Exemplar ergattern zu können und letztendlich mit einem Review, wie dem von uns veröffentlichten, das ein äußerst positives Fazit trug, 'Werbung' (nein, nennen wir es lieber Öffentlichkeitsarbeit) für ein Produkt zu machen, das dessen Hersteller nur in Nebensätzen erwähnt.

Hält man sich zurück, um bei verbesserter Produktionsausbeute und somit sinkenden Stückzahlen des Athlon64 3000+ (denn dieser basiert auf einem um die Hälfte seines L2-Caches beraubten 3200+) den schwindenden Vorräten im Handel und den Kunden ebenfalls neutral begegnen zu können? Engpässe dann mit künstlich kastrierten CPUs zu stopfen, wäre ein kostenintensives Unterfangen. Oder hat man am Ende Bedenken, mit der um fast 200 EUR günstigeren CPU dem Athlon64 3200+ den Markt abzugraben? Diesem Problem hätte man mit einer nicht ganz so aggressiven Preisgestaltung entgegen treten können. Dann hätte den Prozessor zwar nicht die breite Masse gekauft, die ihn jetzt wohl erwerben wird. Sollte es jedoch die Intention gewesen sein, die firmeninterne Konkurrenz zu den Spitzenprodukten so klein wie möglich zu halten, wäre der breite Markt auch nicht AMDs Ziel gewesen. Ist er es also doch? Oder will man am Ende ein ganz anderes Zugpferd, nämlich das schnellste Roß auf dem Sockel A, den XP3200+, vor unliebsamer und überstürzter Konkurrenz schützen? Auch dieser kostet mit weit über 300 EUR deutlich mehr als der schnellere Athlon64 und all zu früh sollte man eine sich immer noch glänzend verkaufende Prozessorserie dann doch nicht vom Markt verdrängen. Ist der Athlon64 3000+ am Ende also eine weitere CPU, die vor allem den OEM den Umstieg auf eine neue Technologie schmackhaft machen soll? Hinter all diesen Entscheidungen steht das Management einer Firma, die es geschafft hat, gegen den Branchenriesen Intel zu bestehen, was eine nicht zu verachtende Leistung darstellt. Uns jedoch bleibt die Logik dahinter das ein oder andere Mal verschlossen.

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