6/18 Shuttle XPC SN85G4 im Test : Der Wolf mit 2.200 MHz im Schafspelz

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Bios / OC / Stabilität

Das Bios präsentiert sich reichhaltig und aufgeräumt. Neben den obligatorischen Einstellungsmöglichkeiten erlaubt es, sämtliche Onboard-Komponenten jumperlos und per Tastendruck zu deaktivieren. In Sachen Tuning gibt man sich ebenfalls großzügig und rückt Speicher und Prozessor sowie Chipsatz wahlweise gehörig auf die Pelle. Der Speicher darf neben den vom RAM vorgegeben Timings - was, wir greifen ein wenig vorweg, einwandfrei funktioniert hat - auch mit speziellen Verzögerungszeiten angesprochen werden. Zur Auswahl stehen die CAS Latency (2.0 - 3.0), tRCD (2-7), tRAS (5-15) und tRP (2-6). Die Spannung darf zur Unterstützung auf bis zu 2,9 Volt angehoben werden. Auch anderen Komponenten darf mit ein wenig "mehr Saft" auf die Sprünge geholfen werden. So kann die CPU-Spannung von 0,8 auf 1,7 Volt, die AGP-Spannung von 1,6 bis 1,8 Volt und die Chipsatzspannung bis 1,9 Volt angehoben werden. Auch der Hypertransport-Bus darf mit bis zu 1,5 Volt gut 0,2 Volt über Spezifikation betrieben werden. Auch so schaffte er aber nicht den Sprung von 3x (600 MHz - Standard nForce 3) auf 4x, wie es der K8T800 von VIA bietet. Wem die 2,0 GHz seines Athlon 64 3200+ noch nicht genug sind, der darf den internen Referenztakt bis auf unrealistisch hoch erscheinende 280 MHz erhöhen. Hieran orientiert sich dann automatisch der Speichertakt, je nachdem, welchen Teiler man vorher eingestellt hat (2:1,3:2,6:5,1:1).

Eine Besonderheit verbirgt sich hinter dem ansonsten oft stiefmütterlich behandelten Menüpunkt "PC Health Status". Hier schlägt das Herz der Lüftersteuerung, die dem Barebone in Zusammenarbeit mit der Heatpipe und den beiden groß dimensionierten Lüftern einen in jeder Lebenslage leisen Betrieb ermöglichen soll. Wahlweise darf einer der drei Lüfter oder Lüfteranschluss 1 (CPU) und 3 (Netzteil) durch die Steuerung automatisch geregelt werden. Als Basis dienen vier Geschwindgkeitsstufen: Full, Mid, Low und Ultra Low. Wird eine dieser Stufen eingestellt, bedeutet dies jedes Mal, dass ab einer CPU-Temperatur von 78°C die Lüfter auf Volllast laufen. Darunter mit der entsprechend eingestellten Stufen (Beispiel: Mid eingestellt bedeutet, Lüfter drehen bis 78°C mit mittlerer Geschwindigkeit, darüber voll). Mit zwei weiteren Einstellungsmöglichkeiten können diese Stufen feiner abgestimmt werden. Bei "Quiet" drehen die Lüfter ab 70°C mit Low (darunter Ultra Low), ab 74°C mit Mid und ab 78°C mit Full. Bei der Einstellung Safe werden die Temperaturschwellen etwas herunter gedreht und liegen bei 56, 67 und wiederum 78°C.

Was sich in der Theorie noch absolut optimal anhört, hat in der Praxis dann allerdings auch weiterhin mit einigen Problemen zu kämpfen. Doch zuerst sollten wir vielleicht Entwarnung bezüglich der Temperaturschwellen geben. Auch wenn 78°C dem ein oder anderen PC-Besitzer den Angstschweiß auf der Stirn perlen lässt, sollte hier nochmal klipp und klar erwähnt werden, dass solche Temperaturen, insbesondere dann, wenn sie - wie beim Athlon 64 - intern gemessen werden, absolut keine Gefahr darstellen. Die Diode des FN85 erwies sich darüber hinaus als äußerst korrekt und stieg beim Wechsel von Idle auf Last binnen Sekunden um über zehn Grad an, was für eine realistische Messung spricht. Zusammen mit der Hardwareabschaltung sollte dem Prozessor im XPC also nicht all zu viel passieren.

Doch zurück zum Thema. Wir, die wir von Natur aus hohen CPU-Temperaturen gelassen gegenüber stehen, gingen mit der Einstellung "Ultra Low" erwartungsvoll an den Start. In dieser Einstellung erreichte das System nach einer guten halben Stunde im Windows-Betrieb ohne Last 47°C. Die CPU lief bei 70°C und das Netzteil bei beachtlichen 56°C. Cool'n'Quiet war hierbei aktiv.

Bei Cool'n'Quiet, das nur der Athlon 64 und nicht der Athlon 64 FX unterstützt, handelt es sich um einen Stromsparmechanismus, der es der CPU ermöglicht, in sog. "P-States" zu verfallen. D.h. wenn keine Last anliegt, kann der Prozessor den Takt auf 800 MHz und die VCore auf 1,3 Volt senken. Diese Feature muss allerdings vom Mainboard unterstützt werden, was beim FN85 der Fall ist.

Unter den eben genannten Bedingungen erreicht die CPU auf der Stufe "Ultra Low" dennoch 70°C, obwohl auch die Grafikkarte, eine GeForce 2 MX, nicht viel zur Erwärmung beiträgt. Allerdings ist das Barebone in diesem Modus wirklich leise. Die Lüfter sind praktisch nicht zu hören und nur die Festplatten säuseln - je nach Modell - mehr oder weniger melodisch dahin. An heißen Sommertagen wird diese Stufe wohl leider nicht mehr für genug Kühlung sorgen und die Geräuschkulisse notgedrungen ansteigen.

Speicherkompatibilität

Dem Thema Speicherchaos hatten wir uns bereits in unserem letzten Artikel zum Sockel 754 gewidmet und wir wollen uns die Details an dieser Stelle ersparen. Shuttle tut gut daran, dem FN85 nur zwei RAM-Slots spendiert zu haben. Zwar wird die Entscheidung bei einem Barebone eher aus Platzgründen gefallen sein. Wirklich sicher gehen, dass ein Kunde in jeder Konfiguration DDR400 auch stabil nutzen kann, kann man allerdings nur mit dieser Wahl. Wie sieht es nun mit der Kompatiblität aus? In dieser Disziplin muss das SN85G4 jeweils ein Paar zweier gleicher Module mit ihren Werkseinstellungen ("By SPD") durch den CPUMark des 3DMark03 schiffen, der sich in unseren Speichertests als sicherer Indikator für die Systemstabilität heraus gestellt hat.

Erkannte Timings Windows laden CPUMark03
Corsair CMX512 - 3200LL 2.0-2-3-6 ok ok
Corsair CMX256A - 3200LL 2.0-2-2-6 ok ok
Corsair CMX256A - 3700 2.5-4-4-7 ok ok
Corsair CMX256A - 3200C2 2.5-3-3-7 ok ok
OCZ PC3700 2.5-3-3-8 ok ok
Infineon PC3200U-30330-A0 3.0-3-3-8 ok ok
takeMS 512MB DDR PC400 10/03 3.0-3-3-8 ok ok
takeMS 256MB DDR PC400 10/03 3.0-3-3-8 ok ok
takeMS 256MB DDR PC400 04/03 - - -
Samsung 256MB PC3200U (CCC) 3.0-3-3-8 ok ok

Ohne Frage, das SN85G4 bzw. sein Mainboard, das FN85, meisterte unseren Testparcours in Sachen Kompatiblität als bisher beste Platine. Alle Module wurden mit ihren korrekten Timings erkannt und liefen unter Windows gemäß ihrer Spezifikationen einwandfrei. Dass auch hier die TakeMS 256 MB-Module nicht liefen, liegt schlicht und ergreifend am Speicher. Erst eine neue Revision der Module arbeitet mit dem Athlon 64 zusammen. Unser Modul aus dem Frühjahr diesen Jahres ließ sich hingegen noch nie zum stabilen Einsatz bringen.

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