PC-Mäuse im Test: Sechs Modelle von Death Adder bis Habu im Vergleich

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Martin Eckardt
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MS Razer Habu

Unser nächster Kandidat, die Microsoft Habu, stellt zumindest aufgrund ihrer Herkunft eine gewisse Besonderheit dar, entspringt sie doch einer gemeinschaftlichen Entwicklung der beiden bis dato in diesem Segment konkurrierenden Hersteller Microsoft und Razer. Während sich das milliardenschwere Unternehmen aus Redmond maßgeblich für das Design der Maus verantwortlich zeichnet, vertraut man bei der Technik auf das Know-How der auf anspruchsvolle Computerspielerperipherie spezialisierten Schmiede aus Kalifornien. Man darf also viel von dieser Symbiose erwarten – auch angesichts der Preises, der mit etwa 50 Euro für eine Maus schon beachtlich hoch ausfällt.

So gibt es die erste Überraschung bereits beim eifrigen Entleeren der auffälligen Verpackungskartonage. Denn zu Maus, Treiber-CD und mehrsprachig gestaltetem Quick-Installationsguide gesellen sich ein Satz Teflon-Ersatzgleitfüße und ein zusätzliches Seitentastenmodul mit leicht geänderter Tastenanordnung als nicht ganz alltägliche, aber durchaus lobenswerte Dreingaben.

Microsoft Habu Lieferumfang
Microsoft Habu Lieferumfang

Divergierend zur üblichen Razer-Produktpalette und zu den jüngsten Mausentwicklungen Microsofts ist die Habu nur für den rechtshändigen Gebrauch konzipiert. Dabei unterstützen eine leichte Taillierung auf der Daumenseite sowie die nach rechts hin abschüssig verlaufende Mauskörperwölbung die natürliche Anatomie der Führungshand. Allerdings bleiben nicht nur Linkshänder außen vor, auch Nutzer mit kleinen Händen werden mit der Habu arge Handlingprobleme bekommen, denn der vergleichsweise voluminöse, hecklastig ausbalancierte Mauskörper erzwingt die komplette Auflage der Hand mit einem recht steilen Handanstellwinkel, was ohne längere Eingewöhnungsphase eher unangenehme Gefühle aufkommen lassen könnte – hier scheint sich Microsoft eindeutig durchgesetzt zu haben, denn der bullige Auftritt der Habu, die mit der ganzen Hand übers Mauspad gewuchtet werden möchte, erinnert nicht im Entferntesten an das grazile Erscheinungsbild die Zwei-Finger-Führung der Razer Copperhead.

Microsoft Habu
Microsoft Habu
Microsoft Habu
Microsoft Habu
Links: MS Laser 6000, Mitte: MS Habu, Rechts: Razer Copperhead
Links: MS Laser 6000, Mitte: MS Habu, Rechts: Razer Copperhead

Sieben frei belegbare Tasten stehen dem Habu-Besitzer zur Verfügung. Die beiden Haupttasten, die mit ihrem dezenten Mittelschwung in der Frontansicht noch den stärksten Gedanken an die züngelnden Razer-Schlangen erwecken, sind dabei mit einer leicht griffigen Gummierung versehen, wie wir sie bereits bei der Copperhead und ihren Vorgängern vorfanden. Dem alten Leiden der Razer-Mäuse folgend, neigen leider auch sie mit zu großem Vertikalspiel zum leichten Klappern. Deutlich schwerwiegender ist allerdings der viel zu grelle und laute Klickton der Haupttasten, der ein absolut minderwertiges Qualitätsgefühl erweckt und den Anwender bei jeder Betätigung erneut zusammen zucken lässt. Etwas besser ist es da um die Seitentasten bestellt, deren Erreichbarkeit je nach verwendetem Modul variiert, mit der standardmäßig verbauten Tastenleiste aber schon nahezu optimal für die meisten Geschmäcker sein dürfte. Doch auch hier hätte das Bediengeräusch etwas sanfter ausfallen dürfen. Als zweifelsfrei gelungen lässt sich derweil das eindrucksvoll beleuchtete Mausrad beschreiben. Es ist ausreichend dimensioniert, sicher aufgehängt, bietet einen angenehmen Druckpunkt sowie einen wohldosierten Rasterwiderstand gänzlich ohne Scrollgeräusche und macht in Kombination mit der sehr griffigen, geriffelten Oberflächenstruktur in jeder Lebenslage eine gute Figur.

Direkt in Mausradnähe sind zwei weitere, kleine Buttons platziert, die standardmäßig als DPI-Umschalter fungieren, mit der mitgelieferten Software aber ebenfalls beliebig belegt werden können – etwa mit hilfreichen Makros für den Office- oder Multimediabetrieb. Im schnellen Gefecht ist ihre Erreichbarkeit aber eher suboptimal. Die letzte Taste ist auf der Mausunterseite zu finden. Mit ihr lässt sich, wie wir es von der Razer Copperhead kennen und auch bei der Genius Navigator 535 beobachten konnten, zwischen den verschiedenen Konfigurationsprofilen wechseln, die mausintern abgespeichert werden. Leider ist eine Anzeige des aktuell gewählten Profils nur im Treiber möglich, sodass man sich seine aktuelle Wahl besser merken sollte.

Microsoft Habu Beleuchtung
Microsoft Habu Beleuchtung

Qualitativ macht die Microsoft-Razer-Symbiose leider nicht den allerglücklichsten Eindruck. Dies liegt zum einen an der bereits erwähnten Geräuschkulisse und der Klapprigkeit der Haupttasten, zum anderen am insgesamt wenig robust wirkenden Kunststoffkleid des Nagers, trotz üppigen 122 Gramm Kampfgewicht. Dennoch haben sich die Ingenieure zumindest bei der Komposition der Oberflächenstrukturierung Mühe gegeben, der fühlenden Führungshand immer etwas Interessantes zum Entdecken zu bieten. So gibt es glatte Flächen im Bereich der Seitentasten, eine stark griffige Gummierung entlang des blau beleuchteten Lichtschlauches, eine matte, auch bei hitzig-schwitzigen Gefechten nicht zur glitschig-klebrigen Rutschbahn mutierende Kunststoffoberhaut am Mausbauch sowie die bereits benannten weichen, rutschfest beschichteten, lang gezogenen Maushaupttasten.

Microsoft Habu
Microsoft Habu

Trotz ihrer Masse und ihrer voluminösen Gestalt entpuppt sich die Habu als echter Mauspadfeger. Ein Blick unter die Maus verrät; nur drei vergleichsweise winzige Teflonfüße sorgen für eine möglichst geringe Auflagefläche und somit für niedrigsten Gleitwiderstand. Auf allen Belägen ist die Habu die mit Abstand leichtfüßigste Maus des Testfeldes und distanziert im Quervergleich auch die eingestandenen Gamer-Werkzeuge Logitech G5 und Razer Copperhead. Damit soviel Spritzigkeit überhaupt noch kontrollierbar bleibt, sollten keine zu schnellen Mauspads verwendet werden: Stoff- oder ähnlich gemächliches Material bietet in der Hinsicht wohl den besten Padcharakter für die pfeilschnelle Habu, raue Hartplastikuntergründe seien derweil nur echten Speed-Junkies an Herz gelegt. Unterdessen bedarf die technische Ausstattung der Microsoft-Razer-Patchworkmaus keiner weiteren Worte, denn auch hier verrichtet der etablierte Agilent-ADNS-6010-Laser zuverlässig seinen Dienst.

Microsoft Habu
Microsoft Habu
Microsoft Habu
Microsoft Habu
Microsoft Habu – optionale Seitentasten
Microsoft Habu – optionale Seitentasten

Die Habu Konfigurationssoftware ist augenscheinlich ein Razermachwerk. Sie verbraucht lediglich 10 MByte Festplattenspeicher, ist aber dennoch enorm potent, etwas verspielt gestaltet, hinreichend übersichtlich und intuitiv bedienbar. Alle sieben Maustasten sind frei mit entsprechenden Standardfunktionen (Rechtsklick, vor, zurück, DPI-Switch, etc.), aber auch beliebigen Tastenkombinationen (so genannten Makros) oder multimedialen Funktionen (nächster Titel, lauter, leiser, etc.) zu konfigurieren. Selbst das Mausrad kann weg vom obligatorischen Scrollen für beliebig andere Zwecke missbraucht werden – der Kreativität werden hier kaum Grenzen gesetzt. Wie es sich für eine richtige Gamer-Maus gehört, kann die Empfindlichkeit der Bewegungsachsen individuell justiert werden. Zudem ist die blaue Mausbeleuchtung partiell oder vollkommen deaktivierbar. Wie bereits thematisiert, ist auch die Habu in der Lage, fünf Profile auf dem mausinternen Speicher abzulegen. Diese beinhalten allerdings nur die Informationen über Tastenbelegung, Abtastrate und Abtastgenauigkeit.

Microsoft Habu: Treibersoftware aus dem Hause Razer
Microsoft Habu: Treibersoftware aus dem Hause Razer

Für die einwandfreie Funktion der Maus ist es von äußerster Wichtigkeit, die aktuelle Treiber- und Firmwareversion aufgespielt zu haben. Sollte die der Auslieferung beigelegte noch nicht der neusten Version (ab 2.01) entsprechen, ist unbedingt das auf der Razerhomepage erhältliche Update zu installieren, da anderenfalls einige Habu-Funktionen, wie etwa das Profilmanagement oder die 500- respektive 1000-Hz-Abfrage, nicht oder nur eingeschränkt zur Verfügung stehen.