34/34 ATi Radeon HD 3870 im Test : Ein neuer Name alleine reicht nicht

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Beurteilung

Nachdem die Radeon HD 2900 XT für die meisten potenziellen Käufer wohl ohne Zweifel enttäuschend ausgefallen ist, möchte ATi mit der Radeon-HD-3800-Serie viel besser machen. Und obwohl man es nicht geschafft hat, alle Schwachstellen der R600-Architektur mit dem RV670 auszubügeln, so hat man es dennoch vollbracht, aus dem vormals schwächelnden R600 eine lohnenswerte GPU zu machen. Die heute getestete PowerColor Radeon HD 3870, die dem von ATi festgelegten Referenzdesign folgt, ist einer der vorerst beiden Grafikkartentypen, die mit dem RV670 ausgestattet sind. Die Radeon HD 3850 werden wir in einem weiteren Review ausführlich testen.

Ohne Anti-Aliasing sowie der anisotropen Filterung zeigt die ATi Radeon HD 3870 eine gute Leistung, die der der Radeon HD 2900 XT in nichts nachsteht. So liegt man – unabhängig von der Auflösung – im Schnitt gleich auf mit der Grafikkarte aus der Radeon-HD-2000-Serie. Doch auch gegen die Konkurrenz sieht es nicht schlecht aus. In 1280x1024 liegt die Radeon HD 3870 lediglich zehn Prozent hinter der GeForce 8800 GT, während man sich von der GeForce 8800 GTS spürbar absetzen kann. In 1600x1200 ändert sich prozentual gesehen beinahe gar nichts und in 2560x1600 ist das Ergebnis ebenfalls bereits bekannt. Die GeForce 8800 GT wird minimal langsamer, bleibt mit einer Differenz von knapp neun Prozent aber immer noch vor dem neuen ATi-Spross.

Da moderne High-End-Beschleuniger im Performance-Segment aber genug Leistung bieten, um mit den beiden qualitätssteigernden Features zu spielen, interessiert die Geschwindigkeit ohne Kantenglättung sowie der anisotropen Filterung wohl nur die wenigsten Leser. Und genau dort lag bisher der Schwachpunkt der Radeon HD 2900 XT: die Karte brach deutlich mehr ein als die GeForce-8800-Serie aus Kalifornien. Und so erzielt auch die Radeon HD 3870 in 1280x1024 mit 4xAA und 16xAF das – relativ gesehen – schlechteste Ergebnis über aller Testreihen. Die Grafikkarte kann sich gerade einmal drei Prozent von der Radeon HD 2900 XT absetzen, während die GeForce 8800 GT mit einem Vorsprung von 19 Prozent problemlos davon zieht.

PowerColor Radeon HD 3870
PowerColor Radeon HD 3870

Anders sieht jedoch schon in 1600x1200 aus. Dort liegt die ATi Radeon HD 3870 zehn Prozent vor der Radeon HD 2900 XT und nur noch acht Prozent hinter der GeForce 8800 GT. In 2560x1600 (wobei die hier im Fokus stehenden 3D-Beschleuniger für diese Auflösung meistens zu langsam sind, dazu sollte man schon zu einer GeForce 8800 GTX, GeForce 8800 Ultra oder – besser noch – zu einem SLI-Gespann greifen) kann die Radeon HD 2900 XT wieder etwas aufholen und liegt auf demselben Level wie die Radeon HD 3870. Die GeForce 8800 GT bleibt neun Prozent schneller.

Interessanterweise kann die neue Radeon HD 3870 bei Verwendung von qualitativ hochwertigem, acht-fachen Anti-Aliasing auftrumpfen und übernimmt die Performancekrone gegen die GeForce 8800 GT in sämtlichen 8xAA/16xAF-Performance-Ratings. In 1280x1024 liegt der Vorsprung noch bei fünf Prozent, während er in 1600x1200 auf 20 Prozent anwächst. In der Qualitätseinstellung ist die Radeon HD 3870 sogar schneller als eine GeForce 8800 GTX! Die Messwerte in 2560x1600 lassen wir absichtlich unkommentiert, da aktuelle Grafikkarten zu wenig Leistung für diese Herausforderung haben.

In Direct3D-10-Anwendungen zeigt sich die Radeon HD 3870 ebenfalls von ihrer starken Seite. Ohne Anti-Aliasing sowie der anisotropen Filterung liegt die ATi-Karte lediglich fünf Prozent hinter der GeForce 8800 GT. Die Radeon HD 2900 XT lässt man um zehn Prozent zurück. Bei aktivierter Kantenglättung und anisotroper Texturfilterung kann sich die GeForce 8800 GT hier jedoch wieder etwas besser von der RV670-GPU absetzen. Der Vorsprung liegt bei angenehmen zehn Prozent. Die PowerColor Radeon HD 3870 PCS kann sich aufgrund der höheren Taktraten um etwa vier Prozent von dem Referenzdesign absetzen.

ATi Radeon Graphics
ATi Radeon Graphics

Ein großes Lob müssen wir ATi für den Referenzkühler der Radeon HD 3870 aussprechen. Bereits die Nvidia GeForce 8800 GT konnte in dieser Disziplin neue Bestwerte setzen, die PowerColor-Karte setzt aber gar noch einen drauf. Sowohl unter Windows als auch nach einer mehrstündigen Lastphase kann man den 3D-Beschleuniger nicht aus einem geschlossenen Gehäuse ausmachen. Die Messwerte bestätigen, dass die PowerColor Radeon HD 3870 minimal leiser als die GeForce 8800 GT agiert, wobei man den geringen Unterschied mit dem menschlichen Gehör wohl kaum nachvollziehen kann. Die Radeon HD 3870 ist für einen Silent-PC ohne Ausnahmen geeignet.

Einen genauso großen Applaus hat sich ATi für die Integration von „PowerPlay“ verdient. Die Leistungsaufnahme der PowerColor Radeon HD 3870 sinkt in Folge dessen unter Windows auf das Niveau einer Low-End-Grafikkarte. Dies hat es schon lange nicht mehr gegeben. Im Vergleich dazu benötigt die GeForce 8800 GT eine wesentlich größere Leistung. Unter Last geben sich die beiden Konkurrenten dagegen nichts mehr. Nichtsdestotrotz ist die ATi Radeon HD 3870 für Stromsparer ohne Zweifel geeignet und es bleibt nur zu hoffen, dass nun auch Nvidia in naher Zukunft engagiertere Schritte zur Reduktion der Leitungsaufnahme der Grafikkarten im 2D-Modus unternehmen wird.

In Sachen Bildqualität hat sich mit der RV670-GPU leider nichts getan. Das Anti-Aliasing liegt in den meisten Fällen gleich auf mit der GeForce 8800 GT, bei der anisotropen Filterung hat man gegen die aktuellen Nvidia-Karten aber immer noch das Nachsehen. Positiv beurteilen muss man den Unified Video Decoder auf der Radeon HD 3870. Somit kann man, unabhängig vom eingesetzten HD-Video-Codec, selbst mit einem langsamen Prozessor hochauflösende Videos ohne Probleme in einer guten Bildqualität genießen. Der PCIe-2.0-Standard gehört stattdessen eher in die Kategorie „schön zu haben, aber sicherlich kein muss“. Vorteile in Spielen wird es in nächster Zeit mit dem neuen Standard keine geben. Etwas (zu) sparsam ist die Ausstattung der PowerColor Radeon HD 3870 ausgefallen. Für den Kaufpreis kann man natürlich keine Wunder verlangen, etwas mehr als ein paar Kabel und eine Treiber-CD sollte aber schon möglich sein.

Fazit

Nachdem es uns anno dazumal unmöglich erschien, eine Kaufempfehlung für die Radeon HD 2900 XT auszusprechen, kommen wir von dieser Haltung gegenüber ATis High-End-Produkten bei der Radeon HD 3870 wieder ab. Positiv hervorzuheben ist an erster Stelle der (angepeilte) Kaufpreis von etwa 210 bis 220 Euro, wenn er sich denn bestätigen sollte. Genaue Aussagen kann man über den Marktpreis leider noch nicht treffen, weil kein einziges Exemplar der ATi Radeon HD 3870 erhältlich ist. Dies soll sich voraussichtlich im Laufe der nächsten Woche ändern. Bereits für unter 200 Euro ist die Grafikkarte derzeit gelistet, allerdings ist es fragwürdig, ob sie in absehbarer Zeit auch für diesen Preis über die Ladentheke gehen wird. Für die GeForce 8800 GT muss man mit etwa 220 bis 240 Euro leicht mehr bezahlen – aber auch hier gibt es arge Lieferschwierigkeiten. Lieferbar ist die GT zumeist nur jenseits der 260 Euro.

Bei der Performance weiß die ATi Radeon HD 3870 ebenfalls zu gefallen. Zwar arbeitet der 3D-Beschleuniger unter vielen Auflösungen und Einstellungen etwas langsamer als die GeForce 8800 GT, in höheren Qualitätseinstellungen kann die Radeon HD 3870 aber gut auf- und hier und da gar überholen. Die „alte“ Radeon HD 2900 XT ist trotz der höheren Speicherbandbreite fast immer langsamer. Der Stromverbrauch der Radeon HD 3870 ist (dank PowerPlay insbesondere unter Windows) sehr gut und die Bildqualität ist angemessen (wenn auch nicht ganz so gut wie bei der Konkurrenz). Loben muss man ATi auch für das verbaute Kühlsystem, welches nie aus der Ruhe gerät. Wie viel hingegen die Direct3D-10.1-Unterstützung bringt, wird sich erst in Zukunft zeigen. Die Unterstützung ist zwar generell auf jeden Fall positiv zu beurteilen. Aber wir bezweifeln, dass in nächster Zeit lohnenswerte Direct3D-10.1-Anwendungen erscheinen werden.

Abschließend sollte man sich gründlich überlegen, ob man zu einer Radeon HD 3870 oder zu einer GeForce 8800 GT greift. Wir persönlich tendieren trotz der guten Leistungen immer noch zur Nvidia GeForce 8800 GT, da die Grafikkarte einfach eine sehr gute Leistung bei einer (beinahe) einwandfreien Bildqualität zeigt und, bis auf den aktuellen Marktpreis, keine wirklichen Schwachstellen hat. Trotzdem macht man auch mit einer ATi Radeon HD 3870 nichts falsch, wobei die Grafikkarte weniger als die GeForce 8800 GT kosten sollte.

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