2/8 Crysis im Test : Die neue Referenz kommt aus Deutschland

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Inhaltliches

Wohl in keinem anderen Spielesegment ist die Diskussion um die Gewichtung der grundlegenden Geschichte eines Titels kontroverser geführt worden als bei Egoshootern. Während die Traditionalisten darauf pochen, dass ein Shooter im Stile eines „Serious Sam“ keine nennenswerte Handlung, sondern ausschließlich zünftiges Geballer vorweisen muss, kam gerade in den letzten Jahren immer wieder die Forderung nach schlüssigen, sinnvollen Hindergrundhandlungen auch für Shooter auf – Half Life als Meilenstein immer vor Augen. Letztere Forderung soll an dieser Stelle nochmals explizit bekräftigt werden, bevor der Plot und das Missionsdesign von Crysis unter die Lupe genommen wird.

Crysis Startscreen
Crysis Startscreen

Plot

Crysis beginnt mit dem Fallschirmabsprung einer Nano-Anzüge tragenden US-Eliteeinheit über einem mittelgroßen, von koreanischen Truppen besetzten Eiland. Ziel der Elite-Kämpfer, zu denen natürlich auch der Spieler gehört, ist es, ein vor Ort aktives US-Forschungsteam von der Insel zu holen. Zumindest lautet die ursprüngliche Mission so. Im Verlauf der Handlung wird aber schnell klar, dass weitaus mehr hinter dem Auftrag steckt und dass das, wonach die Forscher gesucht haben, alles andere als tot oder vergessen ist.

Der Rest des Crysis-Plots spielt sich dann leider, der Ausgangssituation entsprechend, ziemlich konventionell. Während man im ersten Teil der zehn- bis zwölfstündigen Einzelspieler-Kampagne vor allem gegen die Koreaner ins Feld respektive in den Dschungel zieht, geht es im zweiten Teil vornehmlich in Höhlen gegen fiese, Kaulquappen ähnelnde Eis-Aliens zur Sache – Gordon Freeman und Co. lassen grüßen.

Insgesamt erzählt Crysis eine Geschichte, die man weitgehend als „ok“ bezeichnen kann, die sich de facto aber nahtlos in das Genre-Einerlei einreiht, das grob beschrieben und minimal auf Crysis abgewandelt, so lautet: Cooler Iron Man aus den USA versohlt im lässigen Nano-Anzug Koreaner und Aliens gleichermaßen.

Missionsdesign

Auch wenn das Missionsdesign von Crysis ähnlich wie der Plot nichts Bahnbrechendes in der Hinterhand hält, so kommt doch ordentlich Spaß auf. So ist beispielsweise das Areal, in dem man sich bewegen kann, schlicht weg riesig. Theoretisch steht es dem geneigten Spieler jederzeit frei, vom direkten Weg abzuweichen und die gesamte, doch recht große Insel zu erkunden.

Crysis-Mission – „Zerstöre die Flugabwehr“
Crysis-Mission – „Zerstöre die Flugabwehr“

Auch für weniger abenteuerlustige Spieler sind die Crysis-Aufträge ansprechend aufgebaut, auch wenn sie eigentlich immer so ablaufen, dass man von einem Punkt auf der Insel zum nächsten gescheucht wird. Auch die dabei gestellten Aufgaben stellen keine bisher nicht gesehenen Herausforderungen dar: Viel zu oft gilt es, Boden-Luft-Stellungen oder Störsender mit den eigenen Waffen auszuschalten oder Ziele für die Luftwaffe zu markieren (siehe Bilder oben und unten). Auch die häufige Rettung von Geiseln erklärt sich aus der Hintergrund-Handlung – Stichwort: „Rette die Forscher!“ – von selbst. Nervig oder aber realistisch ist das stets knappe Munitionsreservoir, das im wahrsten Sinne des Wortes manuell aufgestockt werden muss: Niedergeschossene Gegner lassen zwar stets ihre Waffen liegen, diese werden aber nicht beim Drüberlaufen eingesammelt, sondern müssen gezielt aufgehoben werden – für einige Spieler auf dem bewachsenen Dschungelboden ein fummeliges und deshalb lästiges, für die anderen ein realistisches Unterfangen.

Crysis-Mission – Luftwaffe zerlegt markiertes Munitionsdepot
Crysis-Mission – Luftwaffe zerlegt markiertes Munitionsdepot

Abgesehen davon sorgt das insgesamt sehr gelungene Missionsdesign für ein Mehr an Atmosphäre und das nicht zuletzt durch die Möglichkeit, verschiedene Wege zum Ziel zu nehmen. Dabei ist natürlich völlig klar, dass die Macher bei Crytek einen perfekten Weg vorgesehen haben, der sich beim Blick auf die Karte auch meistens sofort erschließt. Dennoch besitzt der Spieler die freie Wahl und kann sich seinen Zielen nach Belieben aus den verschiedenen Himmelsrichtungen nähern. Darüber hinaus aufgebrochen wird die eigentlich recht stringente Linearität der Missionen durch die zahlreichen sekundären Ziele, die in zuverlässiger Regelmäßigkeit über Funk angeboten werden.

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