3/32 Elf CPUs von Athlon bis Phenom im Test : Vier Kerne für ein Halleluja?

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Auffälligkeiten

Da es sich bei den Komponenten im Testsystem komplett um im Handel verfügbare und zum Teil auch dort erworbene Prozessoren handelt, wollen wir einen Einblick in die Probleme geben, die uns in den Tagen und Wochen vor dem und beim Test aufgefallen sind.

Bereits im Dezember haben wir den Grundstein für diesen umfangreichen Artikel gelegt, jedoch gab es einige Rückschläge. Den größten und auch noch offiziell abgesegneten Umstand steuerte AMD in Form des TLB-Bugs dabei selbst bei. Der Hersteller rief alle Mainboardfabrikanten dazu auf, ihre Platinen mit einem entsprechenden Fix auszurüsten, so dass der Prozessor zwar künstlich gebremst, dafür aber zu 100 Prozent sicher laufen wird. Dabei tat sich für den Test natürlich die Frage auf, wie genau wir diesen „Workaround“ am besten handhaben sollen. Nach Rücksprache mit einigen Mainboardherstellern wurde schnell klar, dass die meisten den Fix in Kürze implementieren würden. Einige Anbieter würden darüber hinaus aber eine Option im BIOS bereitstellen, die dem Nutzer die Wahl lässt, ob er ein Plus an Geschwindigkeit mit dem Risiko für einen Fehler selbst wählen möchte. Gegen Ende Dezember standen die offiziellen BIOS-Varianten bereit, die es erlaubten, den TLB-Fix ein- bzw. auszuschalten.

BIOS-Einstellung zum TLB-Patch
BIOS-Einstellung zum TLB-Patch

Nachdem diese Position geklärt war, blieben die Platinen von Asus und Gigabyte übrig, zwischen denen die Wahl getroffen werden musste. Da das Asus M3A32-MVP Deluxe in der neuen Revision 1.02G aber den Dienst verweigerte, griffen wir zwangsweise zum Gigabyte MA790FX-DQ6. Dieses wurde für die ersten Tests mit der neuesten BIOS-Version F3 bespielt, so dass der TLB-Fix selbst eingestellt werden konnte.

Nach einigen Neustarts und ersten Benchmarks stellten sich dann jedoch die ersten Merkwürdigkeiten ein. Während der DDR2-Speicher von Aeneon bei einem Athlon 64 X2 6000+ problemlos lief, gab es mit dem Phenom 9500 Fehler. Mit dem Wechsel auf den Speicher von OCZ waren die Probleme urplötzlich gelöst. Eine weitere Auffälligkeit war darüber hinaus bereits beim Betreten des BIOS' zu bestaunen: Ab und zu fror nach zwei bis zehn Sekunden im BIOS der Rechner komplett ein, ohne dass man auch nur eine Einstellung geändert hatte. Selbst der Wechsel des Speichermodus' oder das Ein- oder Ausschalten des TLB-Fixes wurde so zu einem Glücksspiel. Doch diese Hänger waren nicht auf das BIOS beschränkt. Selbst beim normalen Hochfahren des Rechners waren, bis auf dem Bildschirm die IRQ-Belegung aufgezeigt wird, sporadische Hänger an der Tagesordnung. Wurde dieser Punkt jedoch erst einmal überschritten und Windows geladen, lief das System vollkommen stabil und stürzte nicht ein einziges Mal ab.

In Windows Vista gab es dann und wann allerdings wieder etwas anderes zu bemerken: Einige Male wurden dem Quad-Core-Prozessor die Kerne geraubt! Sporadisch trat dieses äußerst skurrile Phänomen auf, das sich sofort in den Benchmarks niederschlug und auch in CPU-Z bewiesen werden konnte. Vollkommen zufällig wurde der Phenom manchmal nur mit drei Kernen, mal zwei, aber auch das eine oder andere Mal nur mit einem Kern zum Arbeiten bewegt. Dies hatte unter anderem auch zur Folge, dass zum Beispiel Quake 4 den Multi-Core-Support im Spiel deaktiviert, beim Start mit allen vier Kernen aber nicht wieder allein aktiviert – eine Tatsache, auf die wir mehr als einmal hereingefallen sind. Die Ursache konnten wir bisher nicht in Erfahrung bringen, sie könnte sowohl beim Mainboard, als auch beim Betriebssystem oder direkt an der CPU liegen. Nach einem Neustart waren jedes Mal alle vier Kerne wieder arbeitswillig.

Das zweite Mysterium betraf die Cool’n’Quiet-Funktion des Prozessors, die sich über die Energieeinstellungen des PCs direkt in Windows Vista regeln lässt. Klappte diese Prozedur das eine Mal vollkommen korrekt, war nach einem Neustart die Einstellung in den Energieoptionen plötzlich gar nicht mehr verfügbar und die CPU arbeitete auch im Ruhezustand immer mit maximalem Takt und maximaler Spannung. Auch der Prozessortreiber von AMD für den Phenom brachte keine Abhilfe. Wie aus dem offiziellen Forum von Gigabyte hervorgeht, ist dieses Problem in der Zwischenzeit bekannt und soll demnächst gelöst werden. Ursache ist unter anderem die Auswahlmöglichkeit im BIOS, den Multiplikator selbst festzulegen, anstatt ihn automatisch erkennen zu lassen. Dies hat zur Folge, dass selbst dann, wenn man den Multiplikator von Hand auf den Referenzwert einstellt, Cool’n’Quiet unter Windows nicht funktioniert. Da wir die Option aber nur zur Feststellung des Leistungsverbrauchs benötigten, gewichtet dieses Problem in unserem Test nicht all zu schwer.

Alles in allem gesehen kommt man sich jedoch auch einige Monate nach dem offiziellen Start der Plattform des Öfteren noch vor wie ein Beta-Tester für ein neues Produkt. Kleinere Kinderkrankheiten, alles nicht wirklich von Belang, nerven auf Dauer eigentlich nur, ohne dass sie großen bzw. eigentlich gar keinen Schaden anrichten. Da man diese Probleme zuletzt von den Tests mit neuen X38-Platinen von Intel nebst passenden Penryn-Prozessoren gar nicht mehr kannte, fielen die genannten Dinge besonders auf. Dort wurden die meisten Probleme aber schon mit der P965-Generation gelöst, die ähnliche Krankheiten vorweisen konnte. Einige dieser aktuellen, kleineren Bugs werden in naher Zukunft sicher noch durch optimierte Treiber und BIOS-Updates gelöst. Jedoch sollten diese Ereignisse unserer Ansicht nach, da es sich komplett um im Handel verfügbare Produkte handelt, zum aktuellen Zeitpunkt nicht vollkommen ungenannt bleiben.

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