Elf CPUs von Athlon bis Phenom im Test: Vier Kerne für ein Halleluja?

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Volker Rißka
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Besondere Messungen

Arbeitsspeicher

Der Phenom unterscheidet sich von den bisherigen AMD-Prozessoren in einigen Punkten – rein äußerlich, wenn es um die Wahl des Taktes geht, aber auch intern, zum Beispiel beim Thema der Kommunikation des Arbeitsspeichers und deren Einstellungen. Beim Phenom wird erstmals der Speichertakt nicht mehr vom Prozessortakt abgeleitet, da als Grundlage nur der Referenztakt der CPU dient. In der Praxis heißt dies, dass sich mit der Erhöhung des Frontside-Bus logischerweise auch der Speichertakt erhöht, jedoch nicht mehr, wie zu K8-Zeiten, wenn am Multiplikator geschraubt wird. Der Standard DDR2-1066, was erstmals mit dem AMD Phenom zur Verfügung steht, ist bei jedem Modell, egal mit welchem Referenztakt dieses arbeitet, auch wirklich DDR2-1066. Damit ist der erste Grundstein zu Gunsten des neuen Prozessors gelegt.

Beim K8 hingegen war der Speichertakt bei jedem Modell ein anderer, wie unsere Tabelle noch einmal verdeutlicht. Der Speichertakt konnte nicht wirklich frei gewählt werden und damit wurde z.B. DDR2-800-Speicher nicht immer mit den vorgesehen 400 MHz betrieben. Diese Eigenheit des integrierten Speichercontrollers ist jedoch schon seit Jahren bekannt und sorgte bereits im Sockel 754, Sockel 939 und Sockel 940 für nicht immer ganz korrekte Taktraten. Durch halbe Multiplikatoren hat sich dies sogar noch verstärkt.

Realer Speichertakt in Abhängigkeit vom Prozessortakt beim älteren K8
Prozessortakt DDR2-400
(Ziel: 200 MHz)
DDR2-533
(Ziel: 266 MHz)
DDR2-667
(Ziel: 333 MHz)
DDR2-800
(Ziel: 400 MHz)
1,6 GHz (8x200) 200 MHz
(Teiler 8)
266 MHz
(Teiler 6)
320 MHz
(Teiler 5)
-
1,8 GHz (9x200) 200 MHz
(Teiler 9)
257 MHz
(Teiler 7)
300 MHz
(Teiler 6)
360 MHz
(Teiler 5)
2,0 GHz (10x200) 200 MHz
(Teiler 10)
250 MHz
(Teiler 8)
333 MHz
(Teiler 6)
400 MHz
(Teiler 5)
2,2 GHz (11x200) 200 MHz
(Teiler 11)
244 MHz
(Teiler 9)
314 MHz
(Teiler 7)
366 MHz
(Teiler 6)
2,4 GHz (12x200) 200 MHz
(Teiler 12)
240 MHz
(Teiler 10)
300 MHz
(Teiler 8)
400 MHz
(Teiler 6)
2,6 GHz (13x200) 200 MHz
(Teiler 13)
260 MHz
(Teiler 10)
325 MHz
(Teiler 8)
371 MHz
(Teiler 7)
2,8 GHz (14x200) 200 MHz
(Teiler 14)
254 MHz
(Teiler 11)
311 MHz
(Teiler 9)
400 MHz
(Teiler 7)
3,0 GHz (15x200) 200 MHz
(Teiler 15)
250 MHz
(Teiler 12)
333 MHz
(Teiler 9)
375 MHz
(Teiler 8)

„Ganged“ vs. „Unganged“

Erstmals unterstützt AMDs neuer Phenom-Prozessor verschiedene Speichermodi. Die Optionen „Ganged“ und „Unganged“ beschreiben dabei die Arbeitsweise des Speichercontrollers des K10. Der neue Modus „Unganged“ soll speziell bei speicherlastigen Anwendungen Performancegewinne versprechen, in dem die volle Bandbreite zur Verfügung steht. Das folgende Bild erklärt dabei die Arbeitsweise des Controllers in der jeweiligen Einstellung.

„Ganged“ vs „Unganged“
„Ganged“ vs „Unganged“

Die Einstellung des Arbeitsspeichers in die Variante „Ganged“ oder „Unganged“ ist den meisten Programmen jedoch noch viel zu neu, so dass diese fehlerhaft oder gar nicht erkannt werden. Dies hat zur Folge, dass zum Beispiel der „Unganged“-Modus als Single-Channel-Speicher erkannt wird, selbst von AMD-eigenen Tools wie OverDrive. Ähnlich geht es dabei auch Everest in der offiziellen Version 4.20, quasi alle bisherigen CPU-Z-Varianten sind ebenfalls betroffen. Erst die am 8. Februar 2008 erschienene Version 1.44 von CPU-Z erkennt viele Dinge des Phenom im Zusammenspiel mit neuen Hauptplatinen vollkommen korrekt, unter anderem die richtige Einstellung des HT-Links und natürlich des Speichers und dessen eingestellten Modus.

Phenom 9600 im Ganged-Modus inklusive Everest-Benchmark
Phenom 9600 im Ganged-Modus inklusive Everest-Benchmark
Phenom 9600 im Unganged-Modus inklusive Everest-Benchmark
Phenom 9600 im Unganged-Modus inklusive Everest-Benchmark
Speicherbenchmark des Phenom 9600 im Ganged-Modus
Speicherbenchmark des Phenom 9600 im Ganged-Modus
Speicherbenchmark des Phenom 9600 im Unganged-Modus
Speicherbenchmark des Phenom 9600 im Unganged-Modus

Genau so wie die Programme diesen Modus erkennen – oder eben auch nicht – so wird dieser gehandhabt. Während zum Beispiel die integrierte Benchmark-Funktion von Everest dem Ganged-Modus eine schnellere Performance bescheinigt, ist es bei dem Speicherbenchmark von SiSoft Sandra genau umgekehrt. Dort kann der Unganged-Modus fast 10 Prozent mehr Speicherbandbreite für sich verbuchen, während der Vorteil von Everest im Unganged-Modus bei lediglich runden fünf Prozent liegt. In den meisten Anwendungen ist aber quasi kein Unterschied zwischen den beiden Modi zu begutachten. Da die Variante Unganged aber erstmals mit der neuen Prozessorgeneration und den dazu passenden Mainboards der Spider-Plattform zur Verfügung steht, haben wir den kompletten Test im Modus Unganged durchgeführt. Je nach Einsatz des PCs sollte der geneigte Käufer dieses aber selbst überprüfen und somit heraus finden, welches für ihn die vorteilhafteste Lösung ist – ein wirkliches Patentrezept gibt es aktuell nicht.