6/6 Assassin's Creed im Test : Der Meuchelmörder aus dem Orient für den PC

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Fazit

Nach dem Erfolg auf der Konsole waren die Erwartungen, mit der an diesen Test gegangen wurde, recht hoch. Zu oft erwiesen sich Portierungen von hochgelobten Titeln in der Vergangenheit als mäßig gelungen und so war auch in diesem Fall die natürliche Skepsis zu einem gewissen Grad von vornherein vorhanden.

Doch gelang es Assassin's Creed bereits in den ersten zehn Minuten, eben diese in alle Winde zu zerstreuen. Zunächst ist dafür maßgeblich die packende grafische Umsetzung sowie das erstmal aufregend und innovativ wirkende Spielprinzip verantwortlich. Wirklich schade ist, dass das Spiel in dieser letzteren Hinsicht schnell abflaut. Schuld daran sind die viel zu einheitlichen Aufgaben, die erfüllt werden müssen, um zur Zielperson vorzurücken.

An dieser Stelle müsste das Fazit nun wohl zur weiteren Kritik an Assassin's Creed ansetzen, doch gibt es noch andere Aspekte, die Beachtung verdienen. Es ist der gelungenen, erfrischend authentischen Handlung zu danken, dass nach dem ersten – sprichwörtlichen – Höhenrausch kein Spannungsabfall zur großen Ernüchterung führt. Stattdessen verfolgt der Spieler nun die mit – manchmal etwas zu – breiten Monologen bespickte Geschichte, auch wenn die Fassadenkletterei, das Belauschen an Marktständen und das Eliminieren von Bogenschützen mittlerweile längst zum viel zu häufig durchgeführten Standard-Repertoire des Profi-Killers Altair gehört.

Assassin's Creed im Test

Mit Blick auf die Geschichte und das Missionsdesign ließe sich also zu einem ausgeglichenen, eher positiven Fazit kommen. In Kombination mit der ansonsten wirklich gut gemachten Umsetzung – angefangen bei der Steuerung und KI, über die lebensechte und vergleichsweise systemschonende Grafik, bis hin zur sauber durchgeführten Synchronisation – muss Assassin's Creed aber doch ausdrücklich als sehr gelunge PC-Portierung eines bereits erfolgreichen Konsolen-Titels gelobt werden, womit auch die eingangs zentral formulierte Frage beantwortet wäre.

Zugegeben, das Jahr ist noch jung. Alles in allem aber könnte es bereits in seinem ersten Drittel mit Assassin's Creed einen der vielversprechendsten Spiele bereitgehalten haben.

Persönliches Fazit von Andreas Frischholz:
Die Reise durchs Morgenland hinter den Schultern von Altair ist allein Szenario-bedingt eine erfrischende Abwechslung zum sonstigen Spieleralltag. Die große und offene Spielwelt ist den Entwicklern hervorragend gelungen, insbesondere die Städte wirken äußerst glaubwürdig und setzen allein durch ihre Größe Maßstäbe. Im Zusammenspiel mit der anspruchsvollen Optik und dem stilvollen Design entsteht eine Faszination, die lange an den Monitor fesselt.

Hinzu kommt die clevere Erzählweise, die für eine vielschichtigere Handlung sorgt. Der Schnitt zwischen steriler Zukunftsvision und schmutzigem Mittelalter weiß zu gefallen. All dies ist aber auch nötig, um die Spieler dauerhaft bei der Stange zu halten, denn die eigentliche Spielmechanik kann mit dem hohen Niveau der Präsentation nicht mithalten. So wiederholen sich die Aufträge und Mini-Spiele immer wieder; wirklich Neues hat nach einer gewissen Zeit Seltenheitswert.

Das gilt auch für weitere Teile des Titels wie etwa das Kampfsystem oder die KI. Ersteres ist zwar allein wegen der äußerst gelungenen Animationen immer wieder ein Augenschmaus, jedoch stellt sich nach einiger Zeit eine gewisse Eintönigkeit ein. Die KI arbeitet ordentlich, vor allem die schiere Masse an NPCs in den Städten beeindruckt. Sobald feindliche Soldaten Altair über Dächer und Kanten verfolgen, sorgt das regelmäßig für spannende Momente und unterhält dauerhaft aufgrund der außergewöhnlichen Beweglichkeit des Assassinen (und seiner Verfolger). Jedoch fordern die Kämpfe und Fluchten auch nur, wenn eine größere Schar an NPCs die Verfolgung aufnimmt. Gelungene Einzelgefechte treten selten auf.

Lobenswert ist die Qualität der Portierung von der Xbox 360. Technisch gibt es nicht viel zu meckern - dass der Titel recht hohe Anforderung an ein System stellt, ist aufgrund der gebotenen Optik nicht weiter verwunderlich. Die Steuerung benötigt zwar ein wenig Einarbeitungszeit und hinterlässt in manchen Szenen einen recht hakligen Eindruck, geht im Großen und Ganzen aber gut von der Hand.

Sehenswert ist Assassin’s Creed also allemal, jedoch gibt es spielerisch durchaus Alternativen. Wer auf ausgefeiltere Schwertkämpfe steht, die zudem noch von einem Magie-System und diversen Physikspielereien unterstrichen werden, sollte einen Blick auf das mittlerweile einige Jahre alte und technisch ein wenig betagte Dark Messiah of Might and Magic werfen. Eine ausgefeiltere Handlung sowie mehr Abwechslung bei den Aufgaben bietet The Witcher. In puncto Spielwelt sucht aber Assassin’s Creed momentan und wohl noch auf lange Sicht Seinesgleichen.

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