2/10 Kaufberatung PC-Audio : Tipps für einen guten Ton am PC

, 197 Kommentare

Innerhalb des PCs

Was bringt eine Soundkarte?

Ein vielfach diskutiertes Thema unter PC-Besitzern ist, ob sich eine Soundkarte lohnt. Im gleichen Atemzug wird hinterfragt, ob der Onboardsound für die entsprechenden Anwendungsgebiete ausreicht. Antworten auf diese Fragen zu finden, ist in der Tat schwierig, was an den zahlreichen Faktoren liegt, die bedacht werden müssen und hier der Reihe nach erläutert werden sollen.

Zum einen muss beachtet werden, dass auch die beste Soundkarte nicht über Unzulänglichkeiten bei den Lautsprechern hinwegtrösten kann. Denn, wie so oft, macht der Ton die Musik. Scheitert es letztendlich an der Umwandlung der elektrischen Signale in Hörbares, nützt auch die beste Signalverarbeitung nichts. Aber selbst mit Hinblick auf diese Erkenntnis fällt es schwer, klare Linien zwischen dem Für und Wider einer Soundkarte zu ziehen. Wichtig ist auch die persönliche Klangerfahrung. Was gut klingt oder nicht, kann nämlich so nicht festgelegt werden. Für die einen sind Mehrkanalboxen aus der PC-Abteilung des nächsten Fachmarktes die Erfüllung aller Wünsche, für andere müssen es schon ausgewachsene Boxentürme sein, ehe sich das Herz regt. Je nach Anspruch ergeben sich daher unterschiedliche Meinungen zur Notwendigkeit einer Soundkarte.

Festhalten kann man, dass es wohl wahrscheinlich ist, dass die Klangcharakteristik mit wechselnden Soundkarten ebenfalls variiert – wenn auch nicht immer in großem Umfang. Selbst Treiberwechsel können die Wiedergabe beeinflussen, weshalb man oft von einem satteren Bass oder einer feineren Auflösung bei der Verwendung von anderen Soundkarten oder Treibern liest. Diese Effekte können jeden Hörer mehr oder minder begeistern, weshalb sich bereits hier die Frage nach einer Soundkarte entscheiden kann. Allgemein gilt jedoch, dass aus rein klanglicher Perspektive zuerst die Lautsprecher und dann die Soundkarte verbessert werden sollten. Aktueller Onboardsound ist nämlich durchaus dazu in der Lage, ruckel-, rausch- und knisterfrei Ton wiederzugeben. Er genügt weithin selbst für den Anschluss besserer Boxen (im Verhältnis zu dem, was ein üblicher PC-Nutzer so an seinem Computer anschließt.)

Überhaupt ist wohl das wichtigste Argument für einen Onboardsound, dass er schon in jedem PC vorhanden ist. Bevor über ein Upgrade nachgedacht werden sollte, schadet es also nicht, das bereits Vorhandene ausgiebig zu testen. Eine Soundkarte sollte schließlich nicht des Namens wegen installiert werden, sondern weil sie effektiv für besseren Klang sorgt oder Features bietet, die man vermisst.

Zweifelsohne ist nämlich auch das möglich: Viele – vor allem günstige – Mainboards sind in ihrer Anschlussvielfalt und ihren Features beschränkt, nicht zuletzt deshalb, weil beispielsweise EAX, ein proprietäres System von Creative, nicht in der neuesten Version für alle Soundchips freigegeben ist (Tatsächlich unterstützen nur X-Fi-Soundchips sowie – nach einem Treiber-Update – angeblich auch Asus' Xonar-Soundkarten EAX Advanced HD.). Gleichwohl sind bei Ein- oder Zwei-Slot-Soundkarten mehr Anschlüsse realisierbar als auf dem Slotblech eines Mainboards; externe Erweiterungen zu Soundkarten spielen gar in einer eigenen Klasse. Dass zudem die Signalverarbeitung auf einem dafür vorgesehenen Chip nebst adäquater Schirmung besser sein würde, als dies durch einen Codec und die CPU gelingen könnte, steht außer Frage.

Zu guter Letzt sollte auch bedacht werden, wie das Soundsystem mit dem PC verbunden wird. Verfügt dieses etwa über einen integrierten Decoder nebst digitalem Eingang und soll es auch auf diese Weise verbunden werden, sind die Abläufe in einem PC weithin uninteressant. Die Rechenarbeit übernimmt hierbei der Decoder des Lautsprechersystems. Mehr noch: Die meisten Soundkarten – auch viele Creative-Soundkarten* – unterstützen keine Hardware-Encodierung von Dolby Digital und DTS, weshalb hier auf einen Software-Encoder zurückgegriffen werden muss. Das heißt, dass Mehrkanalton – wenn er nicht bereits komprimiert vorliegt, was etwa bei DVDs der Fall ist – über einen SPDIF-Ausgang nur in Stereo weitergegeben werden kann. Nur sehr wenige Soundkarten können Mehrkanalton in Echtzeit komprimieren (encodieren) und digital für Mehrkanalsysteme ausgeben. SPDIF-Verbindungen waren ursprünglich nicht für Mehrkanalton vorgesehen, weshalb über diese Anschlüsse - bis auf exotische Ausnahmen – nur Stereoton übertragen wird. Viele Soundkarten haben bei digitaler Anschlussweise also keinen Vorteil gegenüber Onboardsound! Nvidias Soundstorm konnte in diesem Punkt sogar mehr als die meisten Soundkarten: Er besaß einen Hardwareencoder für die Echtzeit-Encodierung von Dolby-Digital-5.1-Signalen. Inwiefern EAX bei der Stereoausgabe noch sinnvoll ist, muss ebenfalls abgewogen werden. Prinzipiell funktioniert das Feature zwar, ohne echten Mehrkanalton leidet aber auch der simulierte und verbesserte Raumeffekt von EAX.

* Creative-Soundkarten können mit einem kostenpflichtigen Plugin des Herstellers zu Echtzeitenkodierung gebracht werden. Zudem sind die PCIe-Modelle der X-Fi-Titanium-Serie dazu in der Lage, Dolby Digital in Hardware zu encodieren. Inoffizielle Treiber von Daniel_K sollen die Ausgabe von Dolby-Digital-Bitstreams über einen digitalen Ausgang ebenso ermöglichen.

Vor dem Kauf einer Soundkarte sollten also vor allem folgende Punkte beantwortet werden: Bin ich mit der aktuellen Wiedergabe unzufrieden und ist dies auf die Soundkarte zurückzuführen? Fehlen mir Features oder Anschlüsse? Wie viel Geld möchte ich ausgeben? Für welchen Einsatzbereich benötige ich eine Soundkarte? Wie will ich meine Lautsprecher anschließen?

ESI Juli
ESI Juli

Abhängig davon, kann es auch mal eine Soundkarte abseits des Mainstreams sein – oder eben der Onboardsound. Für die meisten alltäglichen Aufgaben – wobei das nicht abwertend verstanden werden soll – genügen etwa Modelle von Terratec völlig. Dies gilt vor allem dann, wenn auf höhere EAX-Versionen verzichtet werden kann. Alternativen zur X-Fi-Serie, die ebenfalls voll EAX-fähig sind, finden sich in Asus' Xonar-Serie oder Auzentechs X-Fi Prelude, die ebenfalls auf den Soundchip aus Creatives Labor setzt, aber eigene Treiber und andere Software mitbringt. Für Musiker und Musikliebhaber könnte gar eine ganz andere Klasse von Soundkarten in Frage kommen, die abseits der Gamer-Orientierung von Creative und Co. angesiedelt ist. Einige Schlagworte für eine Suche in diese Richtung sind etwa RME, ESI, M-Audio oder E-MU. Auch Soundkarten dieser Hersteller sind zu einem teilweise moderaten Preis zu haben und durch ihre (semi-)professionelle Ausrichtung wahrscheinlich viel besser für die Wiedergabe und auch Aufnahme von Ton geeignet.

Auf der nächsten Seite: Virtueller vs. echter Surroundsound