3/10 Kaufberatung PC-Audio : Tipps für einen guten Ton am PC

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Virtueller vs. echter Surroundsound

Bei vielen Nutzern steht der Einsatz technischer Hilfsmittel ganz oben auf der Liste, wenn die Wiedergabe von Musik-, Film- oder Spieleton aufgepeppt werden soll. Ob hierbei jedoch wirklich der Klang verbessert wird, oder durch zu viele Eingriffe eher Verschlimmbesserungen vorgenommen werden, ist stets fraglich. Interessant für Besitzer von Mehrkanalsystemen ist dabei vor allem, Stereo-Quellen auf alle Lautsprecher zu verteilen. Dieser Ansatz existiert nicht erst, seit Creative das hauseigene CMSS-Feature anbietet, es findet bei PC-Nutzern aber am häufigsten Einsatz. Ist dieses Feature aber tatsächlich mit echtem Surroundsound vergleichbar und wann sollte es idealerweise eingesetzt werden?

Creatives CMSS-Feature, das Stereoton auf mehrere Kanäle verteilen soll, heißt CMSS-3D Surround. Dieses Feature berechnet aus zwei Kanälen eine Ausgabe auch für die rückwärtigen Lautsprecher sowie den Center-Speaker. Dabei unterscheidet man zwischen einem eher authentischen Modus – Stereo Surround – sowie einer Variante, die mehr Eingriffe in die Klangcharakteristik vornimmt – Stereo Xpand. Bei Stereo Surround werden die beiden Front-Kanäle lediglich auf die Surround-Lautsprecher gespiegelt, so dass sie das gleiche Tonmaterial wiedergeben. Mit dieser Einstellung wird der Klang nicht beeinflusst, das Mittendrin-Gefühl stellt sich so aber auch nur beschränkt ein, da vor und hinter dem Hörer das gleiche ausgegeben wird.

Mit Stereo Xpand könnte dies anders sein. Mit dieser Einstellung berechnet die Soundkarte eine eigene Wiedergabe für die rückwärtigen Kanäle. Dabei versucht sie, Hauptgeräusche von nebensächlichen Quellen zu unterscheiden. Der hauptsächliche Inhalt einer Wiedergabe soll dann auf den vorderen Lautsprecher und dem Center wiedergegeben, Nebensächliches – wie etwa Applaus oder Hall – soll auf die Rear-Speaker verteilt werden.

Creative CMSS-3D Surround
Creative CMSS-3D Surround

Diesem Mechanismus liegt eine Analyse des Frequenzbandes der Wiedergabequelle zu Grunde. Da die Soundkarte jedoch nicht weiß, welches Instrument oder welche Stimme sie dabei gerade analysiert, kann die Verteilung auf mehrere Boxen auch mal daneben gehen. Der Klang könnte diffus werden, womit das klare Bühnenbild vor dem geistigen Auge verschwimmt. Je nach Quelle kann virtueller Surroundsound also gefallen – mit echtem Raumklang kann das Feature aber nicht konkurrieren. Immerhin ist es bei vollwertig abgemischtem Mehrkanalsound nicht das Ziel, auf möglichst allen Kanälen eine gleichmäßig fließende Wiedergabe zu erreichen, sondern verschiedene Akzente passend zu setzen oder eine glaubhafte Bühne rückwärtig durch Ambience-Sound zu erweitern.

Bei der Verwendung künstlicher – also nicht vom zuständigen Toningenieur eingebrachter – Features sollte daher immer im Hinterkopf behalten werden, dass eine authentische Wiedergabe vor allem von Musik so nicht erreicht werden kann. Bei Spielen oder Filmen kann der gewonnene Effekt hingegen überzeugen und ein besseres Mittendringefühl vermitteln. Wie überall sollte auch hier das eigene Gehör entscheiden. Den Blick für den Originalklang sollte man dabei aber nicht verlieren, was insbesondere dann gilt, wenn neben einem Upmix-Modus auch noch andere Eingriffe in die Sound-Wiedergabe vorgenommen werden.

Equalizer im Einsatz

Ein Equalizer ist ein Filter zur Korrektur des Frequenzbandes. Bei PC-Nutzern sind vor allem grafische Equalizer häufig vertreten. Diese bieten – je nach Umfang – die Möglichkeit, einzelne Frequenzbereiche in ihrer Lautstärke nach zu justieren. Prinzipiell ist dieser Gedanke nicht falsch, kann die Aufnahme doch unter Umständen zu schwache Mitten, unterbetonte Höhen oder einen zu zarten Bass – oder auch die entsprechenden Gegenteile – aufweisen. Ohnehin dient der Equalizer im Privatbereich meist dazu, die Wiedergabe den eigenen Wünschen anzupassen. Die korrekte Anwendung kann also sowohl dem Klang, als auch dem persönlichen Geschmack entgegen kommen.

Equalizer
Equalizer

Leider birgt ein unbedarft eingesetzter Equalizer auch die Gefahr der Verschlimmbesserung. Auf schlechten Soundsystemen, deren Mitten- und Höhendarstellung nur mittelmäßig ist und die den Bass gerne von sich aus schon dick auftragen, kommen viele Nutzer in die Versuchung, per Equalizer nachbessern zu wollen. Um den dumpfen Klang dabei zu verändern, werden zumeist die Höhen angehoben und da der Bass immer gerne gehört wird, wird auch dieser zusätzlich per Software betont. Die sich ergebende „Badewannen“-Stellung ist ein häufiges Ergebnis dieser Spielerein. Durch sie werden gerade die mittleren Frequenzen, die sehr wichtig für eine warme Wiedergabe sind, ausgegrenzt. Die ohnehin mitteltonschwachen Otto-Normalverbaucher-Systeme kränkeln dann objektiv noch mehr als vorher. Dies fällt vielen allerdings nicht auf, da spitze Höhen gerne auch als klare Wiedergabe missverstanden und laute Bässe als Maß der Dinge angesehen werden.

Tatsächlich sind es gerade diese beiden Frequenzbereiche (die Höhen und die Bässe), die weithin als erste auffallen, wenn sie verändert werden. Beide Frequenzbänder sind besonders effektvoll und mit jeder kleinen Veränderung kann man Gefallen an dem neuen Klangcharakter finden. Allerdings kann man sich in Kombination mit Upmix-Modi sowie womöglich noch dem Creative-Crystalizer (er erweitert das Klangspektrum und soll dieses dynamischer machen) als Laie kaum weiter von dem Klang entfernen, wie er ursprünglich gedacht war. Zwar steht auch hierbei stets der persönliche Geschmack im Vordergrund, schlechte Lautsprecher können durch Software-Tricks aber nicht lauter, voluminöser oder klarer aufspielen. Es geht bei all' den Hilfsmitteln um kosmetische Änderungen in kleinem Rahmen, sodass eine für den persönlichen Geschmack vielleicht zu spitze Wiedergabe wärmer oder eventuell vorhandenes Dröhnen minimiert wird.

Versuchen sollte sich jeder einmal an den Möglichkeiten, die ihm zur Verfügung stehen. Der Blick sollte aber die Standardeinstellungen nie aus den Augen verlieren, damit das persönliche Empfinden nicht völlig verzerrt wird.

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