5/10 Datenrettung mit „TestDisk“ : Rettung für verlorene Partitionen, Daten und Co.

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Wiederaufbau eines Striped Volume (Software-RAID0)

Die Ausgangsposition für den Wiederaufbau eines „Striped Volume“ (Software-RAID0) ist:

  • Ein Software-RAID0 ist verschwunden. In der Datenträgerverwaltung wird der Speicherplatz auf dem dynamischen Datenträger als nicht zugeordnet angezeigt. Im Explorer ist das Laufwerk komplett verschwunden.
  • Bei dem Folgenden einfachen Volumen fehlt das Dateisystem NTFS und Windows möchte es im Explorer bei Zugriff formatieren.

Da dynamische Datenträger keine Partitionstabelle besitzen, kann für eine Rekonstruktion mit TestDisk keine Analyse durchgeführt werden, um die Laufwerke in die Partitionstabelle einzutragen. Um die Partitionstabelle zu umgehen, kann die Windows-Datenträgerverwaltung zur Hilfe genommen werden. Wenn das Stripeset wieder identisch und unformatiert erstellt wurde, kann mit TestDisk versucht werden, das RAID0 (Stripeset) direkt über den Wiederaufbau des verlorenen Bootsektors wiederherzustellen.

Hinweis!: Es darf nie identisch formatiert werden, da ansonsten das unterliegende Dateisystem überschrieben wird. TestDisk würde dann nur noch das neu erstellte und leere Dateisystem finden.

Das identische Anlegen eines unformatierten Stripesets mit der Windows-Datenträgerverwaltung wird im Folgenden beschrieben:

Fehlendes Stripeset
Fehlendes Stripeset
Windows-Assistent zum Erstellen für Stripesets
Windows-Assistent zum Erstellen für Stripesets
Laufwerksauswahl
Laufwerksauswahl
Laufwerk hinzufügen
Laufwerk hinzufügen
Laufwerksbuchstabe zufügen
Volumen nicht formatieren
unformatiertes Stripeset
Die Schritte 1 – 7

Schritt 1: Um das Stripeset nachzubilden, muss in der Datenträgerverwaltung der Datenträger in der Reihenfolge, in der das Stripeset ursprünglich erstellt wurde, ausgewählt werden. Dazu erfolgt ein Rechtsklick auf den dynamischen Datenträger 3 im nicht zugeordneten Bereich. Um den Assistenten zu starten, muss aus dem Kontextmenü „Neues Volume...“ ausgewählt werden. Nach dem Start des Assistenten kann mit „Weiter“ bestätigt werden.
Schritte 2-6: Das Stripeset wird über den Assistenten Schritt für Schritt identisch und unformatiert angelegt. Einfach den Schritten folgen, bis der Assistent abgeschlossen ist.
Schritt 7: Zeigt das unformatierte Stripeset an. Beim Erstellen wurde bereits ein Laufwerksbuchstabe („E:“) vergeben.

Die Diagnose mit TestDisk für eine Wiederherstellung des Bootsektors gestaltet sich anschließend wie folgt:

Stripeset auswählen
Stripeset auswählen
Partitionstabellentyp None
Partitionstabellentyp None
Menü Advanced
Menü Advanced
Menü Type
Menü Type
Partitionstyp NTFS hinzufügen
Partitionstyp NTFS hinzufügen
Menü Boot
Funktion Backup-Bootsektor kopieren
Dateiliste
Backup-Bootsektor kopieren
reparierter Bootsektor
Die Schritte 8 – 17

Schritt 8: TestDisk listet Stripesets und übergreifende Volumen nicht als Platte (Disk) sondern als Laufwerk (Drive) auf. Das Stripeset muss in der Laufwerksliste ausgewählt werden. Wenn es sich um mehrere Laufwerke handeln sollte und nicht alle angezeigt werden, kann TestDisk über ein Terminal oder Konsole (Eingabeaufforderung) und den Pfad zum TestDisk-Ordner mit den Parametern „testdisk_win.exe /all“ (für die Windowsversion) ausgeführt werden. Wenn das Laufwerk ausgewählt wurde, kann mit der Eingabetaste bestätigt werden.
Schritt 9: Da es bei dynamische Volumen oder Stripesets keinen Partitionstabellentyp gibt, wird „None“ ausgewählt. Weiter geht es mit der Eingabetaste.
Schritt 10: Die Menü-Liste wird angezeigt. Für den Versuch, den unterliegenden Bootsektor auf das Stripeset wiederherzustellen, wird das Menü „Advanced“ (Fortgeschritten) gewählt und mit der Eingabetaste bestätigt.
Schritt 11: Das Stripeset wird als „Unbekannt“ (Unknown) angezeigt. Abhilfe bringt, dem Stripeset den Partitionstyp NTFS zuzuweisen. Dies geschieht über das Menü „Type“. Wenn das Menü „Type“ nicht ausgewählt ist, kann es mit dem Pfeil markiert und mit der Eingabetaste bestätigt werden.
Schritt 12: TestDisk listet die Partitionstypen. Hier muss – typisch für übergreifende oder Stripset-Volumen – NTFS ausgewählt werden. FAT wird bei übergreifende oder Stripset-Volumen nicht unterstützt. Es wird mit der Eingabetaste bei „Proceed“ fortgesetzt.
Schritt 13: Das Stripeset wird jetzt mit Partitionstyp NTFS angezeigt. Zusätzlich erscheinen Menüs wie „Boot“ und „Undelete“. Für eine Diagnose und Wiederherstellung des Bootsektors ist das Menü „Boot“ interessant. Das Menü „Undelete“ ist in der Lage, gelöschte Dateien anzuzeigen, was für die Wiederherstellung des Stripesets aber nicht interessant ist. Es muss in diesem Fall bei „Boot“ mit der Eingabetaste bestätigt werden.
Schritt 14: TestDisk zeigt den Bootsektor als schlecht (Bad) und das Backup des Bootsektors als gut (Ok) an. Beide Sektoren sind nicht identisch (sectors are not identical), da der Bootsektor entweder beschädigt oder nicht vorhanden ist. Die Reparatur erfolgt somit nicht über einen Wiederaufbau mit dem Menü „Rebuild BS“, sondern über die Funktion „Backup BS“ (Backup Bootsektor). Diese Funktion erstellt kein Backup vom Bootsektor, sondern kopiert das gefundene Backup vom Bootsektor über den Bootsektor, womit dieser repariert ist. Bevor dieser Schritt unternommen wird, wird empfohlen, die Daten vorher zu überprüfen. Dazu wird das Menü „List“ markiert und mit der Eingabetaste bestätigt.
Schritt 15: Nach Bestätigen bei „List“ werden alle Daten komplett angezeigt. Durch Markieren eines Ordners und Bestätigen mit dem Rechtspfeil kann in einen Ordner navigiert werden. Um zur vorigen Anzeige zurückzukehren, kann mit „q“ für Quit bestätigt werden. Jetzt kann – wie auf der Ansicht bei Schritt 14 – die Funktion „Backup BS“ markiert und mit der Eingabetaste bestätigt werden.
Schritt 16: Um den Bootsektor zu reparieren, fragt TestDisk, ob das Backup des Bootsektors über den Bootsektor kopiert werden soll.
Schritt 17: TestDisk zeigt nun beide Sektoren als Ok und identisch an. Um auf die Daten wieder zugreifen zu können, kann TestDisk mit Quit beendet und der Computer neu gestartet werden.

Das Ergebnis: Nach dem Neustart ist das Stripeset wieder mit Namen (Label) in der Datenträgerverwaltung vorhanden (Bild 1) und das Laufwerk wird auch im Explorer mit allen Daten angezeigt (Bild 2). Die Wiederherstellung des dynamischen Volumens, welches nach dem Stripeset angezeigt wird (Bild 1), wurde mit derselben Prozedur gelöst. Die Windows-Datenträgerverwaltung wurde hierzu nicht benötigt, da das Volume ohne Dateisystem und unformatiert noch vorhanden war. Die Wiederherstellung war daher nur auf die Schritte 8-17 über die Reparatur des Bootsektors beschränkt. Das Volumen H: wird anschließend auch wieder mit Namen „Volume“ (Label) und Dateisystem angezeigt.

Datenträgerverwaltung mit wiederhergestellten Stripeset
Explorer mit Daten
Bild 1 – 2

TestDisk ist bei Software-RAID nicht nur auf die Wiederherstellung von dynamischen Stripesets oder übergreifenden dynamischen Volumen beschränkt, sondern kann auch eine Diagnose und Reparatur für RAID über RAID-Manager-Software ermöglichen. Bedingung ist, dass das Laufwerk in der Laufwerksliste angezeigt wird. Je nach Partitionstyp kann dann auch eine Diagnose über die Partitionstabelle durchgeführt werden. Ein Array von einem Hardware-RAID wird immer als Platte (Disk) in der Laufwerksliste gelistet und wie eine einzelne Festplatte behandelt. Das Array muss immer intakt sein, um eine Diagnose mit TestDisk durchzuführen.

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