27/27 GTX 295 im Test : Nvidias neue Multi-GPU-Karte ist kein eindeutiger Gewinner

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Beurteilung

Nvidia hat es geschafft: Nach einer doch recht langen Durststrecke hat man mit der GeForce GTX 295 nun wieder die seit der GeForce 8800 GTX gewohnte Reihenfolge bei den Grafikkarten hergestellt. Mit der Multi-GPU-Karte erobert Nvidia den Platz an der Sonne zurück und verdrängt die Radeon HD 4870 X2 – allerdings längst nicht so deutlich, wie man sich das vorgestellt hat. Doch dafür hat man sich dem Problem der Mikroruckler angenommen und dort spürbare Verbesserungen erzielt.

In 1280x1024 ohne Anti-Aliasing sowie der anisotropen Filterung kann sich die GeForce GTX 295 um zehn Prozent vor die Radeon HD 4870 X2 setzen, wobei beide Karten in einigen Spielen durch die CPU ausgebremst werden. Die GeForce GTX 280 liegt um 55 Prozent zurück. In 1680x1050 kann ATi den Rückstand auf acht Prozent verkürzen, muss sich aber immer noch geschlagen geben. Die GeForce GTX 280 wird nun um 62 Prozent von der Multi-GPU-Karte aus dem eigenen Hause überholt. In 2560x1600 rücken die beiden Konkurrenzmodelle enger zusammen, wobei die GeForce GTX 295 immer noch einen knappen Vorsprung von fünf Prozent hält. Die GeForce GTX 280 sieht mit einem Rückstand von 66 Prozent nur noch die Rücklichter des größeren Bruders.

Mit den hinzu geschalteten, qualitätssteigernden Features bleibt die GeForce GTX 295 unbeeindruckt in 1280x1024 vorne, wobei die Differenz auf geringe neun Prozent zusammen schrumpft. In 1680x1050 ändert sich an den Verhältnissen nicht viel, die GeForce GTX 295 liegt neun Prozent vor der Radeon HD 4870 X2. Unter 2560x1600 muss das Nvidia-Produkt erstmals richtig Federn lassen und sich der Konkurrenz geschlagen geben. Die Radeon HD 4870 X2 verrichtet ihre Arbeit um zwölf Prozent schneller. Die GeForce GTX 280 rückt näher ran und verkürzt den Abstand auf 47 Prozent.

Bei acht-facher Kantenglättung kann die Radeon HD 4870 X2 schon in 1280x1024 das Runder in die eigene Hand nehmen und überholt die GeForce GTX 295 um drei Prozent. In 1680x1050 erhöht sich der Vorsprung auf akzeptable zehn Prozent.

Mit der Performance tut sich die GeForce GTX 295 hier und da also etwas schwer, auch wenn sie die Radeon HD 4870 X2 meistens im Griff hat. Einen großen Vorteil hat man mit aktuellen Treibern aber auf seiner Seite, der durchaus wichtiger als die reinen FPS-Angaben bei einer Multi-GPU-Karte sein kann: Nvidia hat das Problem Mikroruckler deutlich reduzieren können! So war es in unseren Testspielen auf der GeForce GTX 295 nun möglich, auch mit 30 FPS noch flüssig zu spielen, was mit älteren Treibern oder auf der Radeon HD 4870 X2 nur begrenzt möglich ist. Damit fällt der wohl größte Nachteil der Multi-GPU-Technologie zwar noch nicht völlig weg, er wurde aber auf ein annehmbares Maß reduziert.

Ebenfalls gute Arbeit haben die Nvidia-Ingenieure bei der GeForce GTX 295 bezüglich der Leistungsaufnahme geleistet. Diese ist nach heutigen Gesichtspunkten zwar generell noch sehr hoch, man schafft es aber durch die Bank, bessere Ergebnisse als ATi auf der Radeon HD 4870 X2 abzuliefern. So zieht der gesamte PC mit der Nvidia-Karte unter Windows zwölf Watt und unter Last 45 Watt weniger aus der Leitung als mit dem ATi-Beschleuniger.

Deutliche Kritik muss sich Nvidia hingegen bei der Lautstärke des Kühlsystems gefallen lassen. Die GeForce GTX 295 ist sowohl unter Windows als auch unter Last einfach zu laut. Während der Geräuschpegel in einer 3D-Anwendung noch gerade so tragbar ist, muss man unter Windows schon viel guten Willen zeigen, um das Rauschen zu ertragen. Mit Hilfe des RivaTuner kann man den Lüfter glücklicherweise aber still legen, sodass er nicht mehr stört und dennoch gut genug kühlt. Der Nutzer muss aber manuell eingreifen und darf nicht vergessen, die Drehzahl in einer 3D-Anwendung wieder zu erhöhen.

(Wir wollen noch anmerken, dass ATi uns einen überarbeiteten Treiber zur Verfügung gestellt hat, der Anfang dieses Jahres erscheinen soll. Voraussichtlich handelt es sich um eine Beta-Version des Catalyst 9.1, sicher sind wir uns dessen aber nicht. Der Treiber beinhaltet eine Multi-Core-Optimierung auf vier CPU-Kerne, die Nvidia bereits seit einiger Zeit eingeführt hat. Bis jetzt konnte der Catalyst die eigenen Threads nur auf zwei Kerne aufteilen.)

Fazit

Wer baut also die bessere Multi-GPU-Karte? ATi oder Nvidia? Eine Frage, die äußerst schwer zu beantworten ist. Die Fakten: Die Performance der Nvidia-Karte liegt im Schnitt über der der ATi, lässt in hohen Auflösungen aber deutlich Federn und liegt bei hohen Qualitätseinstellungen teilweise zurück. Nicht zuletzt deshalb, weil die ATi-Karte durch den uns zur Verfügung gestellten Beta-Treiber (wahrscheinlich Catalyst 9.1) einen ordentlichen Sprung nach vorne gemacht hat.

Ein Aspekt, der allerdings ebenso in den Bereich Performance fällt, anhand der FPS-Zahlen aber nicht ersichtlich ist, sind die Mikroruckler, die Nvidia mit aktuellen Treibern auf ein gesundes Maß reduziert zu haben scheint. Ab sofort kann man mit zwei Nvidia-GPUs (sei es auf der GeForce GTX 295 oder einem gewöhnlichen SLI-Gespann) im Bereich um die 30 FPS meistens gut spielen, was mit älteren Treibern oder auf einer Radeon HD 4870 X2 (beziehungsweise einem CrossFire-System) nicht immer möglich ist. Dort benötigt man öfters 40 FPS, um einen ähnlichen Spielfluss zu erhalten. Es bleibt zu hoffen, dass ATi in Kürze nachziehen wird.

GeForce GTX 295 Anschlüsse
GeForce GTX 295 Anschlüsse

Für Spieler, dies es gerne ruhig haben, ist die Dual-GPU-Karte – so lange man nicht selber Hand anlegen möchte – definitiv nichts. Unter Windows ist die GeForce GTX 295 zu laut, wobei man mit Hilfe externer Tools den Lüfter problemlos drosseln kann. Die ATi-Karte ist unter Windows deutlich, unter Last nur unwesentlich leiser. Bei der Leistungsaufnahme liegt man hingegen etwas vor ATis Radeon HD 4870 X2. Einen möglicherweise großen Vorteil hat die GeForce GTX 295 noch: Die Rede ist von CUDA und somit unter anderem PhysX, wobei derzeit aber nur schwer abzusehen ist, in wie weit Spieler und normale Desktop-Nutzer davon profitieren werden können. Im Laufe des Jahres werden einige Programme auf dem Markt erscheinen, die CUDA und/oder PhysX unterstützen werden, wobei das Spiel Mirror's Edge den Anfang machen wird. Eine klare Aussage für die Zukunft lässt sich daraus jedoch nicht ableiten.

Wie so oft könnte, wenn Ziel des Einkaufs nicht ausschließlich der Erweb der schnellsten Grafikkarte ist, das Zünglein an der Waage der Preis sein. Sollte sich die Preisprognose von Zotac mit 460 Euro in Deutschland bewahrheiten, dann dürfte die Nvidia-Karte rund 90 Euro mehr kosten als das ATi-Modell und müsste sich im reinen Preis-Leistungs-Rating, das Mikroruckler außen vor lässt, geschlagen geben.

Somit bleibt es abschließend wieder einmal beim Kunden, eine für ihn möglichst optimale Wahl aus zwei nicht optimalen Produkten zu treffen.

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