5/6 Lian Li PC-X500 im Test : Handgefertigtes Aluminium-Edelgehäuse

, 90 Kommentare

Erfahrungen

Qualität

Qualitativ präsentiert sich das Lian Li PC-X500 von seiner besten Seite. Dem Preis entsprechend zeigen sich alle Parts passgenau aufeinander abgestimmt, die Aluminiumeinheiten sauber gefertigt, bebürstet und eingepasst. Alle Kanten wurden zur Einhaltung der Arbeitssicherheit entschärft und gegenbenenfalls mit Kunststoff abgesichert. Die Gehäusebasis ist bei einem Leergewicht von etwa 8,5 Kilogramm ausreichend verwindungssteif und robust.

Etwas schwammig – die Systemknöpfe
Etwas schwammig – die Systemknöpfe
Einzig die Status-LEDs lockern die Front etwas auf
Einzig die Status-LEDs lockern die Front etwas auf
Fragwürdig in ihrer Funktion – die knappe Schalldämmung
Fragwürdig in ihrer Funktion – die knappe Schalldämmung

Kleine Punkte sind dennoch auffällig und kritikwürdig: So wurde der Druckpunkt des Power- und des Resetbuttons etwas schwammig gewählt. Eine der Schrauben für die Blenden der externen 5,25"-Laufwerke war in unserem Fall ab Werk derart fest angezogen, dass sie kaum auf herkömmliche Art und Weise wieder gelöst werden konnte. Darüber hinaus zeigt sich die Verschlussmechanik bei geöffnetem Seitenteil etwas klapprig. Dies stört im geschlossenen Normalbetrieb natürlich nicht, kann aber beim Basteln und Schrauben an der Hardware akustisch etwas aufreibend sein.

Kühlung

Das Kühl- und Belüftungskonzept des PC-X500 sieht eine relative Zweiteilung des Gehäuseinnenraumes vor. Dabei werden die vergleichsweise hitzköpfigen Hauptkomponenten wie Motherboard, CPU, Grafik- und Zusatzkarten im unteren Gehäusepart von den kühlen Laufwerken und dem Netzteil separiert. Speziell die Positionierung der Festplattenkäfige im oberen Gehäusebereich bereinigt die Ordnung in der unteren Zelle deutlich und unterstützt damit einen gerichteten, sinnvollen und ungestörten Luftstrom durch das Gehäuse. Dagegen wirkt die obere Parzelle etwas gedrungen und deutlich weniger aufgeräumt respektive gut kühlbar.

Abwaschbarer Frontstaubfilter vor der Doppelbelüftung
Abwaschbarer Frontstaubfilter vor der Doppelbelüftung
Saubere Gitterabdeckung für alle Lüfter
Saubere Gitterabdeckung für alle Lüfter
Kabelausgänge zur Installation einer Wasserkühlung
Kabelausgänge zur Installation einer Wasserkühlung
Lian-Li-Standardlüfter etwas zu laut
Lian-Li-Standardlüfter etwas zu laut
Miniregelung versteckt hinter Front und Staubfilter
Miniregelung versteckt hinter Front und Staubfilter
Lüfter müssen vor Betrieb erst noch angeschlossen werden
Lüfter müssen vor Betrieb erst noch angeschlossen werden

Lian Li hat insgesamt vier identische 120-mm-Gehäuselüfter vorinstalliert. Zwei dieser Ventilatoren sitzen frontal hinter einem demontierbaren und abwaschbaren Staubfilter und ziehen frische Luft durch die seitlichen Mesh-Gitterschlitze ein. Heckseitig sitzt ein Fan im CPU-Bereich und ein weiterer ausblasend zur direkten Belüftung der Festplattenpositionen. Von der Aufteilung scheint die Belüftungsausstattung damit, einen gerichteten und ungestörten Luftstrom durch das Gehäuse erzeugend, durchaus gut überlegt. Die Ventilatoren sind mit grobgewindigen Gehäuselüfterschrauben mit dem Gehäuse verbunden und sauber mit Lüftergittern gesichert.

Das PC-X500 verfügt über eine kleine Lüftersteuerung, mit deren Hilfe alle vier Fans gleichzeitig in drei Modi (1050, 1200, 1500 U/min) geregelt werden können. Die Platzierung der Steuerung ist allerdings etwas unvorteilhaft gewählt, muss zunächst die Frontabdeckung und dann auch noch der Staubfilter entfernt werden, um eine Einstellung vornehmen zu können. Außerdem ist nicht ganz verständlich, warum die vier Gehäuselüfter nicht ab Werk mit der Steuerung verbunden sind, sondern erst vom Anwender angeschlossen werden müssen.

Zur Einschätzung der Kühleigenschaften im kompakten Lian Li PC-X500 stellen wir eine Komplett-Konfiguration im beliebten und sehr gut gekühlten Cooler Master Stacker 830 gegenüber. Das Setup unserer Referenz entspricht dabei unserer Prozessor-Kühlertestplattform mit dem Scythe-S-Flex-belüfteten Prolimatech Megahalems und ist in expliziter Form im damaligen Kühlertest nachzuvollziehen.

Gehäuse CM Stacker 830 Lian Li PC-X500 Lian Li PC-X500
Belüftung 1 x Scythe S-Flex 4 x Serie 4 x Serie
Drehzahl [/U/min] 800 1500 (High) 1020 (Low)
Motherboard [/°C] 35 25 27
CPU-Kerne [/°C] 66,75 66,5 66,75
GPU-Kern [/°C] 40 38 39
GPU-Umgebung [/°C] 34 33 33
Festplatte [/°C] 42 38 41

Unsere knappe Gegenüberstellung bestätigt dem PC-X500 eine gute Kühlung für das gesamte System. Die Drehzahlen der Gehäuselüfter ließen sich aber ohne große Performanceverluste zu Gunsten eines leiseren Gesamtbildes noch deutlich drosseln.

Lautstärke

Womit wir bereits beim Lautstärkeeindruck sind. Dieser wird natürlich vornehmlich durch die verbauten Gehäuselüfter geprägt, die in allen drei von der Lüftersteuerung angebotenen Drehzahlmodi schlicht zu laut agieren, um einen angenehm leises System zu konfigurieren. Hier hätten wir uns in jedem Fall deutlich mehr Reserven nach unten gewünscht. Hinzu kommt ein leicht brummiger, rumpeliger Laufcharakter der Gehäuselüfter und aufgrund der Schutzgitter verstärkt hohe Verwirbelungserscheinungen. Die minimal schleifenden Nebengeräusche dringen aufgrund der dominanten Basislautstärke allerdings kaum ans Ohr. Sensible Gemüter müssen demnach entweder die Gehäuselüfter wechseln, oder mit Hilfe einer separaten Steuerung weiter (bis etwa 750 U/min) abdimmen.

Auch ansonsten stellt das PC-X500 nicht das größte Silent-Talent dar. Die Lian-Li-Entwickler haben zwar einige Eckdaten für ein leises System mit eingebracht, wirklich konsequent wird der Gedanke allerdings kaum verfolgt. So zeigen etwa die nur 0,5-cm-dicken Schaumstoff-Dämmer, die lediglich die Seitenwände zieren oder die Entkopplungen für die Festplatten und das Netzteil erste Ansätze, in ihrer Wirkung allerdings noch deutliches Verbesserungspotential.

Zur kurzen, messtechnischen Einschätzung des Lautstärkecharakters haben wir das Gesamtsystem (Hardwarekonfiguration entsprechend unseres Kühlertest-Systems sowie dem im Artikel vorgestellten Lian-Li-Silent-Force-650-Netzteil) mit dem Voltcraft-320-Schallpegelmessgerät aus einer arbeitstypischen Entfernung von etwa 50 Zentimetern im Betrieb untersucht. Dabei ist die Verwendung der übrigen Komponenten (CPU- und Grafikkartenlüfter, HDD) darauf ausgelegt, die Einschätzungen der Gehäuselüfter und des Netzteiles nicht maßgeblich zu beeinflussen.

Gehäuselüfter [/U/min] High [1500] Mid [1200] Low [1020]
Seite geöffnet [/dB(A)] 48,7 43,5 40,6
Seite geschlossen [/dB(A)] 46,9 41,7 38,9

In Anbetracht der Tatsache, dass, je nach persönlichem Empfinden, Schalldrücke bis etwa 35 dB(A) als leise angesehen werden können, entspricht die Vorstellung des Lian Li PC-X500 in der Serienausstattung nicht dem einer leisen Gehäusebasis. Das Silent Force 650-Netzteil ist dagegen schon eher für den leisen Betrieb geeignet. Bei ansonsten abgeschalteten Lärmquellen erzeugt der minimal schleifend, ratternde 135-mm-Ventilator des Netzteiles einen Schalldruck von 34,4 dB(A) bei geöffneter Seitentür und 32,7 dB(A) bei geschlossenem Gehäuse. Dies lässt sich aufgrund des relativ unauffälligen Charakters als angenehm bezeichnen, wenngleich natürlich eine Wahrnehmbarkeit verbleibt.

Auf der nächsten Seite: Fazit