News : LAN-Party wegen „Killerspielverbot“ abgesagt

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In Baden-Württemberg ist einmal mehr eine Gamer-Veranstaltung dem Killerspiel-Schlaghammer der Politik zum Opfer gefallen. Nach der Absage eines ESL-Turniers in Stuttgart und in Karlsruhe ist nun erstmals eine LAN-Party für volljährige Teilnehmer betroffen, deren Veranstalter nun finanziell in die Bredouille geraten könnte.

Auf der für den 28. bis 30. August geplanten 14. Convention-X-Treme (CXT14) wurden mehrere hundert Teilnehmer erwartet. Veranstalter der LAN-Party ist der in der Gemeinde Karlsdorf-Neuthard ansässige Verein „Computerfreunde Karlsdorf-Neuthard e.V.“, der nunmehr von der Gemeindeverwaltung mitgeteilt bekommen habe, dass das Spielen sogenannter „Killerspiele“ auf der LAN-Party zu unterlassen sei. Zu diesem Entschluss kam der zuständige Bürgermeister nach Rücksprache mit Lehrern und Polizisten, wie es heißt. Diese hätten ihn darauf hingewiesen, dass Killerspiele negative Auswirkungen auf Kinder und Jugendliche haben könnten.

Auf der CXT14 sind allerdings nur volljährige Spieler zugelassen, wie der Veranstalter mitteilt. Zudem fielen auch Spiele wie Counterstrike (freigegeben ab 16 Jahren) und Warcraft 3 (freigegeben ab 12 Jahren) unter die Gemeinderestriktionen, womit das Ausrichten der LAN-Party nach Meinung des Vereins unmöglich sei. Die 9.000-Seelen-Gemeinde hat die Veranstaltung dagegen nicht selbst abgesagt.

Kritisch könnte es nun nach eigenem Bekunden für den Verein werden, da dieser unter finanziellen Druck gerät und die Eintrittsgelder zurückzahlen muss, ohne aber Einnahmen aus für ihn wichtigen Veranstaltungen wie dieser LAN-Party zu ziehen. Die aufgebrachten Vorleistungen, sowie die mehreren tausend Euro an Eintrittsgeldern, die nun zurück überwiesen werden, würden die Vereinskasse stark belasten und den Fortbestand der Computerfreunde gefährden. Es müsse jedoch keiner über den bereits bezahlten Eintritt bangen, wie es weiter heißt. Auch suche man bereits nach alternativen Veranstaltungsorten und plane ein weiteres Gespräch mit der Gemeindeverwaltung, um bestehende Brücken nicht einzureißen. Aufgebrachte Spieler bittet man darum, sich gegenüber der Gemeindeverwaltung nicht im Ton zu vergreifen und Kritik sachlich zu übermitteln. Es sei auch möglich, entsprechende Bekundungen beim Verein einzureichen, sodass dieser sie gebündelt im Gespräch vorlegt.

In der Spielerszene wird die aktuelle politische Entwicklung dabei weiterhin für Unmut sorgen, da auch dieses Ereignis ein Vorbild für weitere Gemeinden sein könnte. Dabei stehen mit den beginnenden Sommerferien auch mehr private und öffentliche LAN-Partys an. Besonders pikant ist in diesem Fall außerdem, dass ein örtliches Schützenturnier in der Gemeinde Karlsdorf-Neuthard in der Zeit vom 8. bis zum 9. August stattfinden darf. Auf diesem sind auch Teilnehmer unter 14 Jahren zugelassen.

Vielen Dank an unseren Leser MR2007
für den Hinweis zu dieser News!

Update 23:23 Uhr  Forum »

Der Verein hat mittlerweile auf seiner Webseite mitgeteilt, wie es sich bei der Absage konkret zugetragen habe. Demnach wurde der Termin für die anzumietende Altenbürghalle in Karlsdorf-Neuthard bereits im September des letzten Jahres beantragt und kurz darauf im Oktober bestätigt. Ein entsprechender Mietvertrag werde jedoch üblicherweise erst zwei Wochen vor Veranstaltungsbeginn geschlossen, weshalb dieser nicht zustande kam, nachdem Anfang Juli per mündlicher Auflage das Spielen von „Killerspielen“ untersagt wurde. Eine schriftliche Ausformulierung der Gemeindeverwaltung steht noch aus. Der Verein sagte darauf die geplante CXT14 ab, „um den Schaden rechtzeitig in Grenzen halten zu können.“

Der die Convention-X-Treme veranstaltende Verein verwies auch auf den Mietvertrag für die 13. CXT, die Mitte April stattfand und damit ebenfalls in der direkten zeitlichen Umgebung des Amoklaufs von Winnenden stand. Diese LAN-Party wurde nach einer Stellungnahme des Vereins zugelassen, weshalb die neuerlichen Einschränkungen sehr überraschend seien. Auch aus diesem Grunde überprüfe man daher die rechtliche Situation eingehend, wie es heißt, ohne aber den Dialog mit der Gemeinde abbrechen zu wollen. Darüber hinaus ist aber auch eine Demonstration geplant, die an jenem Samstag zustande kommen soll, an dem eigentlich die LAN-Party geplant war.