2/4 BioShock 2 im Test : Rapture wie es leibt und lebt

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Inhaltliches

Plot

„BioShock 2“ setzt nur bedingt direkt an der Erzählung aus dem ersten Teil an. Stattdessen sind seit dem Bürgerkrieg in der Unterwasser-Utopie Rapture gut zehn Jahre vergangen, in denen sich das einst ambitionierte Out-Of-World-Projekt durch eine Mischung aus ultimativen Machtansprüchen und Wahnsinn selbst zerstört hat. Dabei werden Veteranen des ersten Teils schnell feststellen, dass sich an der stilitischen Aufmachung sinnvollerweise nicht viel verändert hat. So glänzt auch BS 2 weiterhin im zum Setting passenden Art-Déco der 30er-Jahre, wobei die entsprechende Grammophon-Musik einen fast schon absurden Gegenpol zur eigentlich bedrückenden Atmosphäre bildet.

Victoria Lamb: Neuer Feind in bekannter Umgebung
Victoria Lamb: Neuer Feind in bekannter Umgebung

Dennoch spielt die grundlegende Handlung natürlich auch im zweiten Teil eine Rolle, schließlich haben sich die Rahmenbedingungen nicht gänzlich verändert. Und so streift der Spieler abermals durch strukturell neue, aber stiltechnisch kaum veränderte Gefilde der mittlerweile komplett zerfallenen Welt von Rapture – dieses Mal in der Rolle von Delta, einem Prototyp-Big-Daddy, dessen Sein oder Nichtsein auf fatale Weise an eine Little Sister namens Eleonora gebunden ist.

Damit wären gleich zwei wichtige Bausteine benannt, die die „BioShock“-Serie ausmachen und deren Beschreibung deutlich macht, dass man es hier nach wie vor mit einem eher unkonventionellen Videospiel zu tun hat: Little Sisters sind kleine Mädchen, die mit einer überdimensionalen Spritze und entsprechenden Sinneswahrnehmungen in Leichen eine Substanz namens ADAM aufspüren können, die zwar als Grundstoff für einige fantastische Genmodifikationen dient, zugleich aber auch hochgradig abhängig macht – im wahrsten Sinne des Wortes der Stoff also, an dem Rapture zugrunde ging. Big Daddys werden jene über Drogen und Psychologie dressierte Menschen genannt, die ihr Leben als in einem Taucheranzug steckende Kampfmaschine komplett in den Dienst der Little Sisters stellen.

Little Sister samt Big Daddy auf der Suche nach ADAM
Little Sister samt Big Daddy auf der Suche nach ADAM

Wie schon im ersten Teil ist die Symbiose von Little Sister und Big Daddy auch in „BioShock 2“ zentrales Handlungselement. Dies wird anhand der Verbindung des Hauptcharakters und der mysteriösen Little Sister Eleonora, aber auch am Verhältnis zu den anderen Little Sisters von Rapture deutlich. Denn auch der Spieler ist auf das besagte ADAM angewiesen, was begründet, dass auch dieses Mal wieder Kontakt mit den armen Geschöpfen aufgenommen werden muss. Dabei hat der Spieler abermals regelmäßig die hoch moralische Entscheidung zu treffen, die Little Sister tödlich auszubeuten und maximales ADAM zu erlangen, oder sie zu retten und dafür nur mit der halben Menge vorlieb zu nehmen. Genau wie im Vorgänger gilt auch hier, dass das Verhalten des Spielers sich auf den Ausgang der Handlung auswirkt.

Zusammenfassend kann man mit Blick auf den Plot somit feststellen, dass abseits der neuen und gut erzählten Geschichte keine nennenswerten Änderungen am „Prinzip Rapture“ vorgenommen worden sind, was allerdings in Ordnung geht.

Missiondesign

Auch am Missionsdesign wurde nicht allzu viel geschraubt. Wieder gilt es im Rahmen eines weitgehend flüssigen Ablaufs, diverse neue Abschnitte von Rapture zu durchkämmen – dieses Mal – wie erwähnt – auf der Suche nach einer Little Sister namens Eleonora. Wie schon im ersten Teil wird die jeweilige Aufgabenstellung stets von weiteren, zum Teil bereits bekannten Charakteren via Funk vermittelt, wobei in der Regel unklar ist, ob die jeweilige Person Delta tatsächlich freundlich gegenüber steht.

Grundsätzlich lässt sich sagen, dass die jeweiligen Abschnitte gerade groß genug sind, um das ziemlich lineare BS 2 solide beherbergen zu können. Dies bedeutet, dass man zu keinem Zeitpunkt das Gefühl hat, sich in einer Konserve zu befinden, was der Spielatmosphäre selbstredend wenig zuträglich wäre. Trotzdem gilt nach wie vor, dass Rapture keinesfalls auch nur annähernd Open-World ist; wer größte Lust auf ausgedehnte Streifzüge oder vielfältige Optionen bei der Abhandlung der Aufgaben empfindet, wird deswegen schnell an die sicher nicht unberechtigten Grenzen stoßen, schließlich ist Rapture nun einmal eine kleine Untersee-Exklave und kein „Oblivion“-Wald.

BS 2 Umgebung: Begrenzt, aber glaubwürdig
BS 2 Umgebung: Begrenzt, aber glaubwürdig

Die einzelnen Aufgaben variieren dabei ausreichend und sind inhaltlich sinnvoll gesetzt: Während zu Beginn mit Blick auf Neueinsteiger vor allem bedienungsrelevante Dinge erfüllt werden müssen und so der Umgang mit allen Facetten der Steuerung nahe gebracht wird, legt der Schwierigkeitsgrad und damit verbundenen Missionen parallel zur Spielzeit deutlich zu, was in teils sehr ansprechenden Boss-Kämpfen mündet. Bedauerlich ist dabei, dass insgesamt nur eine Handvoll neuer Gegner eingeführt wird, was dem nach wie vor nicht besonders vielfältigen Kreaturen-Mix sicher gut getan hätte. Dafür können die Spezialkräfte erstmals parallel zum konventionellen, leicht überarbeiteten Waffen-Repertoire verwendet werden, was interessante und sehr effektive Kombinationen ermöglicht.

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