4/4 Mass Effect 2 im Test : Der große Paukenschlag bleibt aus

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Fazit

Um es gleich auf den Punkt zu bringen: Der ganz große Wurf ist BioWare dieses Mal nicht gelungen. Der erste Teil dieses Tests suggeriert bereits, aus welcher Ecke die kleinen aber relevanten Bedenken herrühren: Man kann mit Fug und Recht die Genre-Mischung von „Mass Effect 2“ kritisieren. Dem besagten subjektiven Empfinden nach ist eben jene Mischung durch die Beschneidung der Rollenspiel-Elemente zugunsten der Shooter-Anteile in ein leichtes Ungleichgewicht geraten, wobei das Weniger an RPG nicht mal zur Gänze durch ein Mehr an Shooter ausgeglichen wird. Dabei wird allerdings grundsätzlich die Auffassung vertreten, dass die Spiel-Atmosphäre und der Tiefgang darunter leiden, wenn ein Spiel zu sehr vom Action-Moment lebt – eine Sichtweise, die sicher kontrovers ist und nicht überall geteilt wird.

Mass Effect 2 im Test

Sieht man von dieser Kritik auf hohem Niveau ab, so erhält man mit „Mass Effect 2“ ein hervorragendes Spiel, dass erwartungsgemäß mit einer gut erzählten und schlüssigen Handlung, ausgefeilten Charakteren und einer dramatischen Inszenierung punkten kann. Ferner wurden die leichten Kinderkrankheiten auf technischer Seite ausgemerzt, sodass das Spiel grafisch auf der Höhe der Zeit ist und ohne Performance-Probleme auf unserem Mid-Range-Testsystem lief.

Alles in allem kann man deshalb trotz der erwähnten Einschränkung sagen: PC-Spieler sollten „Mass Effect 2“ unbedingt den Zuschlag erteilen.

Persönliches Fazit von Volker Rißka:

Als Gamer von BioWare-Spielen der ersten Stunde stand „Mass Effect 2“ ziemlich weit oben auf der Liste der erwarteten Blockbuster. Nachdem der Hersteller bereits mit dem ersten „Kotor“ eine Legende geliefert hatte und das originale „Mass Effect“ dem in kaum etwas nach stand, waren die Erwartungen an den zweiten Teil nicht geringer als sehr hoch einzustufen. Mit dieser Vorfreude ging ich auch in dieses Spiel, das mich mit dem Intro quasi von der ersten Minute an fesseln konnte. Noch davor konnte ich bereits auf eines der wohl pfiffigsten Features zurückgreifen: den Import des Spielstandes aus dem ersten Teil. Dies funktionierte problemlos; der alte Charakter stand plötzlich in neuerer Grafik vor einem. Cool!

Dann begann das eigentliche Spiel und mit jeder Stunde mehr wurde leider auch die Ernüchterung ein wenig größer. Einige Details aus dem ersten Teil hat BioWare eingespart, zudem ist das Spiel mehr vom typischen Rollenspiel in Richtung Shooter abgedriftet. Und da ich persönlich stumpfsinnige Shooter, die es wie Sand am Meer gibt, nicht spiele, beunruhigt mich diese Entwicklung. Doch das Rollenspiel im ME2 ist nicht tot, es ist „anders“. So kann ich in ME2 zwar in 1.000 Varianten ein Gesicht modellieren, einen Haufen Zierfische oder Modelle für mein Quartier kaufen, aber auch nur den Standard-Kampfanzug zu ändern fällt aus.

Auch wurde einem der elementaren Features von Rollenspielen, dem Inventar, und damit unzähligen Waffen zur Auswahl, einen Riegel vorgeschoben. Je nach Charakterklasse gibt es einen festgelegten Satz an Waffen, Modifikationen wie im ersten Teil sind nicht möglich. Zwar gibt es noch die Forschung, sie ist aber nur oberflächlich, die individuelle Bastelei für mehr Schaden, besser Kühlung u.v.w.m. gibt es nicht mehr. Auch den Punkt mit der Munition für die Waffen hat sich BioWare sehr einfach gemacht: Ein Magazin passt für alles und lädt alle Waffen, egal ob Pistole, Maschinenpistole, Schrotflinte oder Sturmgewehr, gleichzeitig nach. Lediglich für den Raketenwerfer oder andere schwere Ausrüstung muss man sich spezielle Energie besorgen. Hier wurde Potential verschenkt.

Die Story an sich und auch die Interaktion mit den weiteren Charakteren im Team ist indes über jeden Zweifel erhaben. Dies hat BioWare in vielen Punkten nochmals vertieft. Es macht richtig Spaß, da man so noch etwas mehr an den Bildschirm gefesselt wird, in der Hoffnung, dass man ganz schnell wieder direkt in das Video eingreifen kann.

Alles in allem ist „Mass Effect 2“ aus meiner Sicht somit zwar ein sehr gutes Spiel geworden, der wahre Blockbuster ist BioWare aber leider nicht geglückt. Da das Ende des neuen Teils aber wieder ein in viele Richtungen offenes ist, besteht die Hoffnung auf den dritten Ableger. Ob sich BioWare dann dazu entschließt, den Zeiger wieder etwas mehr Richtung Rollenspiel auszurichten, bleibt aber abzuwarten. Dies wäre wohl nicht nur mein Wunsch.

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