3/5 Palm Pre Plus und Pixi Plus im Test : Ein ungleiches Geschwisterpaar mit webOS

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Bedienung & Oberfläche

Die Bedienung erfolgt in beiden Fällen über Multitouch-Displays und bei Bedarf über die vollwertigen Tastaturen. Beim Pre Plus hat man es in dieser Hinsicht mit einem 3,1 Zoll großen HVGA-Farbdisplay zu tun, das in einer Auflösung von 320 × 480 Pixeln solide darstellt. Auch die Responsivität des Displays ist, sicher auch in Verbindung mit der grundsätzlich angemessenen Hardwareausstattung, ordentlich, sodass die Bedienung insbesondere in Verbindung mit der ebenfalls soliden Tastatur sehr flott und komfortabel von Statten geht.

Beim Pixi sieht dies ein bisschen anders aus – und das nicht nur, weil das Tastatur-Layout ein wenig kleiner ausfällt, sondern vor allem wegen des mit 2,63 Zoll ziemlich kleinen 18-Bit-HVGA-Farbdisplay. Hier fällt die Navigation durch die Menüs und andere Tätigkeiten wie Surfen oder E-Mailen allein wegen der Größe deutlich schwerer. Dafür ist die Darstellung dank der zum Pre Plus fast identischen Auflösung gestochen scharf, was allerdings nur einen kleinen Trost darstellt. Erschwerend kommt hinzu, dass die Bedienung auch aus anderen Gründen eher hakelig von Statten geht. Wohl wegen des schwachbrüstigen Prozessors (zum Einsatz kommt ein Qualcomm MSM7627, der als CPU für Lowbudget-Smartphones im Bereich unter 150 Euro konzipiert wurde) kann deswegen nur eingeschränkt von einem flüssigen Handling gesprochen werden (dazu gleich mehr).

Wirklich gelungen ist in beiden Fällen der zwischen Tastatur und Display befindliche Gestenbereich, der sich insbesondere in Verbindung mit der grundsätzlichen Funktionalität des Betriebssystems sehr positiv hervorhebt. Hierbei handelt es sich um dünne Striche, die auf Fingerwische mit den Funktionen Menü, Home und Zurück reagieren – eine clevere Variante, um die allseits vorhandenen Knopfreihen überflüssig zu machen.

In Sachen Oberfläche wird der Nutzer selbstverständlich in beiden Fällen mit Palms hauseigenem Betriebssystem webOS konfrontiert. Auch wenn man nicht von der Entdeckung des Steins der Weisen sprechen kann, so lässt sich doch feststellen, dass das Betriebssystem eine runde Sache ist, bei der durchaus andere, eigene Wege beschritten werden.

Als Beispiel ist in dieser Hinsicht die Bündelung aller Nachrichtenelemente zu nennen: webOS fügt den Austausch mit Kontakten aus E-Mails, sozialen Netzwerken und SMS einheitlich zusammen, sodass eine plattformübergreifende, nahtlose bilaterale Kommunikation möglich ist.

webOS-Kartensystem auf dem Pre Plus
webOS-Kartensystem auf dem Pre Plus

Im Mittelpunkt der Bedienung stehen dabei grundsätzlich nicht etwa frei modifizierbare Desktops, sondern eine Art Kartensystem: Jedes Programm, das geöffnet wird, wird über eine Karte visualisiert, wobei der Nutzer von links nach rechts und zurück per Fingerwisch durch die Applikationen scrollen und per Berührung die Anwendung der Wahl maximieren kann. Diese Funktionalität ist prinzipiell begrüßenswert, führt aber bei weniger disziplinierten Nutzern neben einer leichten Unübersichtlichkeit schnell zu einem echten und somit fordernden Multitasking – ein Umstand, den der Pre gut wegsteckt, an dem das Pixi aber scheitert.

Konkreter hat das Pixi mit handfesten Hängern zu kämpfen. Dazu ein Beispiel aus der Praxis: Wir wollen austesten, wie schnell die Mobi-Variante der ComputerBase-Webseite geöffnet wird. Dazu tippen wir die URL in den Browser, während drei andere Anwendungen im Hintergrund laufen. Während sich der Inhalt über UMTS gemächlich lädt, beschließen wir, freundlicherweise die nicht-benötigten Anwendungen vorab zu schließen. Ein Abbruch des Ladevorgangs und der Versuch des Wechsels in die Übersicht wird aber mit satten Hängern von mehreren Sekunden und einem endlosen, unproduktiven Weiterladen der Webseite quittiert. Am Ende half nur noch, das Gerät komplett auszuschalten. Dieser Extremfall ließ sich glücklicherweise nicht reproduzieren, wirklich flüssig kann man die Bedienung des Pixi aber leider in den seltensten Fällen nennen.

Das Bedienungskonzept kann also grundsätzlich durchaus überzeugen, doch ist es auch in diesem Fall logischerweise von weiteren Bedingungen abhängig. Konkret: von der Hardware-Austattung.

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