News : Phenom II X3 715 BE für Sockel AM2+ aufgetaucht

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Für OEM-Fertiger legen Hersteller gerne auch mal Sonderprodukte auf, oder führen einige Modelle Jahre lang weiter. Ein solches reines OEM-Produkt ist im US-Handel aufgetaucht und wirft in Form des Phenom II X3 715 Black Edition diverse Fragen auf.

Da Beschreibungen und Spezifikationen auch mal falsch liegen können, ist es in der Regel die sicherste Sache, sich am aufgedruckten Code zu orientieren. Denn sollte dieser falsch sein, liegt der Fehler nur noch beim Hersteller. Dies könnte beim Phenom II X3 715 Black Edition durchaus möglich sein – jedoch auch andere Dinge.

„HDZ715WCJ3DGI“ lautet der Produktcode für den 2,8 GHz schnellen Drei-Kern-Prozessor. Das „H“ und „D“ stehen dabei für AMD Phenom als Desktop-Version. Das Kürzel „Z715“ beschreibt die Modellvariante, die in AMDs Dokumenten bisher aber nicht geführt wird. Dort gibt es nur den bereits bekannten „Z720“ – den Phenom II X3 720 Black Edition, der seit geraumer Zeit im Handel ist. In jedem Fall bedeutet das „Z“ vor der Modellbezeichnung, dass es eine Variante mit frei wählbarem Multiplikator ist. Normale Versionen werden mit einem „X“ vor der Modellnummer gekennzeichnet.

AMD Phenom II X3 715 Black Edition
AMD Phenom II X3 715 Black Edition

Danach wird es interessant. Das „WC“ steht für die TDP-Klassifizierung und auch erstmals den Sockel. Die AMD-Dokumente bescheinigen dem Modell eine TDP von 95 Watt auf dem Sockel AM2r2, sprich AM2+. Untermauert wird die Sockelgeschichte durch den kommenden Buchstaben „J“, der explizit nur für den Sockel AM2+ steht. Alle aktuellen CPUs, selbst der Athlon X2 5200+, haben an der besagten stelle ein „K“ für Sockel AM3.

Die weiteren Ziffern und Buchstaben sind wie immer bei den Phenom II X3. „3“ steht für drei Kerne, „D“ für eine Cache-Bestückung von 512 KByte L2-Cache pro Kern und 6 MByte L3-Cache. Das „GI“ zeigt zuletzt auf, dass es sich um Revision „C2“ handelt, was angesichts des Fotos von Newegg, das einen Prozessor von Anfang 2009 zeigt, normal ist.

Das Alter des Modells dürfte bereits den Großteil, wenn nicht gar alle der Fragen erklären, denn der Phenom II X3 gehörte zu den ersten Sockel-AM3-Prozessoren, die AMD vorgestellt hat. Zuvor kamen bekanntlich die ersten Phenom II X4 für den Sockel AM2+ heraus, die wie das aufgetauchte Modell eben nur in diesen Sockel passten und es auch heute noch tun. Da eine komplette Produktionslinie aber kaum nur für zwei Modelle aufgelegt wird, hat AMD OEM-Produkte auf Basis des gleichen Sockels gefertigt, die über Umwege – eventuell wegen zu großer Lagerkapazitäten – in den Handel kommen. Denn ein Drei-Kern-Prozessor ist schlussendlich ja nichts anderes, als eben jener Vier-Kern-Prozessor der ersten Generation in 45 nm, bei dem ein Kern deaktiviert wurde – früher genauso wie heute.

Für den heutigen Markt ist der aufgetauchte Phenom II X3 715 Black Edition aber keine Alternative mehr. Im US-Shop kostet das neue Flaggschiff mit drei Kernen, der Phenom II X3 740 Black Edition, 4 US-Dollar mehr, bietet dafür aber Unterstützung für zwei Sockel und noch zusätzlich 200 MHz mehr. Hierzulande liegt das neuere Modell aktuell bei 86 Euro, die OEM-Version wird (noch) nicht angeboten.