Android gegen iOS im Test: Zwei Religionen im Vergleich

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Benjamin Beckmann
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Kommunikation und Web

Ein sehr weiter Begriff. Was man als Titel über das gesamte Themengebiet legen könnte, wollen wir nun auf die Grundfunktionen zum Austausch mit Freunden, Bekannten und Fremden reduzieren – Kommunikation im engeren Sinne, also.

Gemeint sind zunächst einmal die guten, alten Methoden der Kontaktaufnahme: Telefonie und Kurznachrichten. „Ist ja selbstverständlich“, sollte man denken. Ist es aber nicht. SMS zu schreiben und Telefonate zu tätigen gehört zweifelsohne zum Funktionsumfang beider Betriebssysteme. Die Vorgänge bequem bedienbar zu machen und Oberflächen schick und intuitiv zu gestalten ist dennoch eine Herausforderung.

Android und iOS: Telefonie

Den Entwicklern beider Systeme ist dies leider nur in ausreichendem Maße gelungen. So ist es ohne Zusatz-App nicht möglich, für Anrufe einen T9-ähnlichen Modus zu benutzen, der etwa beim Eintippen von 783326 alle Kontakte mit dem Namen Stefan auflistet. HTC hat dies für seine Android-Smartphones allerdings in den Zusatz „Sense“ integriert, Samsung außerdem in „Touchwiz“. Da beide Betriebssysteme recht komfortable Kontaktlisten bieten, ist das Fehlen dieser Funktion aber nur ein kleiner Makel.

Da Smartphones nur selten echte Tasten besitzen, mit denen man Wählen, Auflegen und diverse Optionen während des Telefonats aufrufen kann, werden solche Möglichkeiten in Form von Schaltflächen auf dem Bildschirm angezeigt. Unsere beiden Testkandidaten unterscheiden sich hier nur minimal: Unter iOS hat man direkten Zugriff auf die Kontakte (unter Android per Multi-Tasking) und kann den Gesprächspartner per FaceTime zum Videogespräch einladen. Beim Google-Pendant findet man hingegen eine Schaltfläche zum Aktivieren eines Bluetooth-Headsets.

Apropros Bluetooth: Beide Betriebssysteme unterstützen das Austauschprotokoll bis zur Version 2.1 sowie den Zusatz EDR. Obwohl einige Android-Geräte mit Bluetooth-3.0-fähiger Hardware ausgestattet sind, kommt dies dort aufgrund der verwendeten Schnittstelle nicht zur Geltung. Beide Betriebssysteme besitzen ab Werk keinen Datei-Manager, sodass Dateitransfers per Bluetooth nur über die Menüs bestimmter Apps – etwa der Fotogalerie – möglich sind. Mithilfe zusätzlicher Apps lässt sich aber auch hier Abhilfe schaffen.

SMS und MMS: Verlauf in Konversationen, Textfeld für neue Nachrichten

Letzteres gilt grundsätzlich auch für die SMS/MMS-Implementierung. Unter iOS lässt sich die App für Kurznachrichten zwar nicht austauschen, das lässt sich aber aufgrund der guten Übersicht und intuitiven Bedienbarkeit ertragen. Der Android Market bietet hingegen zahlreiche solcher Apps, die sich in Sachen Qualität und Funktionsumfang vor dem iOS-Äquivalent nicht verstecken müssen. Aufgrund der zu großen Auswahl im App Store und im Android Market ist es im Rahmen eines allgemeinen Tests leider nicht möglich, auf die jeweiligen Features einzugehen.

Soziale Netzwerke unter iOS…
…und unter Android

Wer sich gern sozial vernetzt, ist in beiden Sphären gut aufgehoben. Sowohl Android als auch iOS wurden inzwischen von allen bedeutenden Netzwerken (Facebook, VZ-Netzwerke, Xing) Apps gewidmet – wenn auch in unterschiedlicher Qualität. Android hinkt im Funktionsumfang etwas hinterher. Schuld daran sind die Entwickler, welche die Apple-Plattform als lukrativer ansehen.

Als Browser kommt unter iOS das Apple-Produkt Safari zum Einsatz. Dies hat bei blutigen Anfängern zur Folge, dass man mit der Reise durch Afrika ohne Vorkenntnisse nicht gerade den Zugang zum Web vermutet. Im Zweifel hilft hier aber ein kurzer Blick in die Bedienungsanleitung. Im Browser ist alles ganz dem mobilen Surf-Erlebnis verschrieben. Eine schmale Adress- und Symbolleiste am oberen Rand erfüllt ihren Zweck und verschwindet beim Scrollen nach unten aus dem Blickfeld. Ähnlich ist es auch in Android. Hier stehen weitere Optionen auch per Menü-Taste zur Verfügung. Die mobile „Lite“-Variante von Google Chrome kann im Gegensatz zu Safari auch Adobe-Flash-Inhalte darstellen. Android unterstützt Flash 10.1 seit der Version 2.2. Videos und Animationen nach diesem Standard können auf Wunsch auch nur bei Bedarf nachgeladen werden, indem man auf den entsprechenden Platzhalter klickt. Das schützt den Smartphone- oder Tablet-Akku vor Entleerung durch Flash-Werbung.

Browser: Pinch-to-Zoom und bequemes Lesen auf beiden Plattformen

Mit beiden Browsern lassen sich auch „normale“ Websites aufrufen, die nicht speziell für mobile Endgeräte angepasst worden sind. Lange Texte werden in vergrößerter Ansicht auf die Bildschirmbreite angepasst, sodass man nur vertikal, aber nicht horizontal blättern muss. Lesezeichen und Home-Screen-Symbole lassen sich in beiden Fällen problemlos anlegen und verwalten. Auch in Sachen Geschwindigkeit lassen sich keine gravierenden Unterschiede feststellen. Google und Apple liefern sich zwar mit Opera, Mozilla und inzwischen sogar Microsoft ein Rennen im Millisekundenbereich. Größeren Einfluss auf die Verzögerung beim Ladevorgang hat in der Regel aber das Mobilfunknetz am aktuellen Standort.

Beide Betriebssysteme machen bei der Kommunikation und im Web keine Kompromisse. Außerdem gibt es – vor allem für iOS – viele Apps, die als Ersatz einer ansprechend gestalteten Mobilvariante diverser Websites dienen. Zudem lassen sich kaum Anwendungen finden, die nicht in irgendeiner Weise mit der Außenwelt Kontakt halten – und sei es nur, um Highscores aus Spielen zu übermitteln. Das Web ist also in iOS und Android allgegenwärtig. Ein Zeittarif beim Mobilfunkanbieter sollte vermieden werden.