2/6 Call of Duty: Black Ops im Test : Besser spät als nie

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Inhaltliches

Plot

Man wäre reichlich naiv, wenn man ernsthaft glauben würde, dass sich im CoD-Universum mit „Call of Duty: Black Ops“ inhaltlich etwas ändern würde. Denn auch im siebten Teil wird das grundlegende Paradigma, das die Reihe immerhin zu einem der erfolgreichsten Videospiel-Projekte aller Zeiten gemacht hat, nicht aufgebrochen, auch wenn mit den Entwicklern von Treyarch in diesem Fall ein Studio verantwortlich zeichnet, das im CoD-Kontext bzw. als Auftragsproduzent von Publisher Activision bisher stets hinter der durch „Modern Warfare“ berühmt gewordenen Spieleschmiede Infinity Ward zurücksteht.

„Black Ops“-Plot: Ein paar irre Russen, böse deutsche Wissenschaftler
„Black Ops“-Plot: Ein paar irre Russen, böse deutsche Wissenschaftler

Dementsprechend wird man auch im Rahmen von „Black Ops“ mit der gängigen Rahmenhandlung konfrontiert. Man nehme: Ein paar irre Russen, böse deutsche Wissenschaftler und ein extrem tödliches Nervengas – und fertig ist die Gussform, in die man typische CoD-Inhalte eingießen kann.

Um möglichen Missverständnissen gleich vorzubeugen: Wer jetzt denkt, die Handlung von „Black Ops“ wäre billig, der täuscht. Hier findet sich die vielleicht größte Überraschung, auf die man bei der Betrachtung des Spiels stoßen kann. Nach dem inhaltlich ziemlich plumpen „Modern Warfare 2“ hat man es bei „Black Ops“ mit einem Spiel zu tun, das in dieser Hinsicht insbesondere im ersten und letzten Drittel für Spannung sorgt, wie man sie von einem guten Hollywood-Thriller gewohnt ist.

Treyarch, und hierfür kann man die Verantwortlichen kaum genug loben, gelingt es somit, aus einem B-Movie-Plot durch eine ordentlich Erzählweise und ein unkonventionelles Setting – selten hat der Kalte Krieg in einem Shooter eine so zentrale Rolle gespielt – ein packendes Action-Spektakel zu machen, was als wichtigstes Element dazu beiträgt, den Spieler bis zum Ende der maximal sieben Stunden langen Einzelspieler-Kampagne am Ball zu halten.

Maßgeblich dafür ist neben dem gleich zu behandelnden Missionsdesign auch, dass die wendungsreiche, nicht immer einfach zu verstehende Geschichte von CoD: BO dieses Mal fast zur Gänze aus der Perspektive eines Protagonisten namens Alex Mason erzählt wird, der die Geschehnisse nicht nur erlebt, sondern zugleich eine Schlüsselstellung einnimmt.

Erzählsituation: Mason beim Verhör
Erzählsituation: Mason beim Verhör

Mason gehört zur Speerspitze der US-„Special Forces“ und wird in dieser Funktion in die Machenschaften rund um das Nervengift Nova 6 verwickelt. Bei Nova 6 handelt es sich um eine (fiktive) biologische Waffe, die zum Kriegsende von Nazi-Wissenschaftlern entwickelt wurde, um in kürzester Zeit die Metropolen der Alliierten auslöschen und so die drohende Niederlage im 2. Weltkrieg abwenden zu können. In CoD-typischer Manier werden ein paar vermeintlich verrückte, opportune Russen auf das Projekt aufmerksam und drohen zu Hochzeiten des Kalten Krieges, die Waffe gegen den Erzfeind, die USA, einzusetzen.

Die Handlung von „Black Ops“ besteht nun darin, dass man die Geschehnisse um Nova 6 aus den Augen von Alex Mason nachvollzieht. Auf einen Stuhl in einem Verhörraum gefesselt und gefoltert, erzählt der vorher offenbar einer Gehirnwäsche unterzogene Mason den ihm unbekannten Interviewern, was sich abspielte – eine Erzählung, die in Missionsform dazu dient, einen überraschend soliden roten Faden zu entspinnen, der zu keiner Zeit verloren geht und der mit sauberen Wendungen und authentischen Charakteren für überraschend viel Tiefgang sorgt.

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