3/6 HTC 7 Mozart im Test : Microsoft Windows Phone 7 in Aktion

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Bedienung

Die Bedienung des Mozart erfolgt über das bereits angesprochene, 3,7 Zoll große, kapazitive Display. Auch wenn in diesem Fall weder AMOLED noch Super-LCD zum Einsatz kommt, gibt es an der Darstellung in ordentlichen 480 x 800 Pixel dank brillanter, strahlender Farben nichts auszusetzen.

Dass es sich beim verbauten LC-Display um eine hochwertige Komponente handelt, wird auch bei der Bedienung offenbar: Hier steht das Gerät den großen Konkurrenten wie dem iPhone oder dem Galaxy S in nichts nach. Per Fingerwisch und Pinch-to-Zoom lässt sich wunderbar flüssig durch die neuen Menüs von Windows Phone 7 und die verschiedenen Apps navigieren.

Touchscreen und Softtouch-Reihe beim Mozart
Touchscreen und Softtouch-Reihe beim Mozart

Ermöglicht wird der in dieser Hinsicht sehr gute Eindruck durch die angemessene Hardwareausstattung. Prozessorseitig kommt ein 1-GHz-Snapdragon aus dem Hause Qualcomm zum Einsatz, in Sachen RAM stehen immerhin 576 MByte zur Verfügung. Nennenswerte Denkpausen gönnt sich das Gerät nicht, der Bootvorgang dauert passable 35 Sekunden inklusive PIN-Eingabe.

Komplettiert wird die Bedienung durch die bereits erwähnte Softtouch-Knopfreihe, die unterhalb des Displays platziert ist und die Standard-Funktionen „Home“, „Suchen“ und „Zurück“ bietet – einfach, aber gut.

Windows Phone 7

Besonders interessant ist das Mozart natürlich auch deswegen, weil es sich hierbei um eines der ersten Geräte handelt, auf dem sich das neue Windows Phone 7 in freier Wildbahn zeigt. An dieser Stelle soll allerdings nur grundlegend auf das in dieser Hinsicht Gebotene eingegangen werden, wobei einige Aspekte auch in den folgenden Abschnitten diskutiert werden. Eine weitaus umfassendere Betrachtung des neuen Betriebssystems folgt in den nächsten Wochen in einem separaten Test.

Grundsätzlich fällt schon in den ersten Minuten der Betrachtung von Windows Phone 7 auf, dass tatsächlich wie erwartet eine vergleichsweise radikale Abkehr vom Vorgänger stattgefunden hat. Dies war allerdings auch dringend nötig, wenn man sich vor Augen führt, dass Windows Mobile am Ende insbesondere in Verknüpfung mit den unterschiedlichen Benutzeroberflächen der Hersteller einem Flickenteppich glich, der nur halbherzig und mit Not an die Notwendigkeiten der Gegenwart angepasst wurde.

Der erste Eindruck von Windows Phone 7 überrascht, selbst wenn man die Vorab-Häppchen im Vorfeld der Veröffentlichung wahrgenommen hat und so schon in etwa wusste, was einen erwartet. Von der etwas biederen, unübersichtlichen Oberfläche des Vorgängers ist faktisch nichts übrig geblieben. Stattdessen folgen die Macher in Sachen Aufmachung im Allgemeinen der großen Konkurrenz: Windows Phone 7 präsentiert sich nach dem ersten Start, für den ein kostenloser Windows Live Account benötigt wird, wesentlich bunter, animierter und detailverliebter als der Vorgänger und bietet ansehnliche Grafiken und Schriftzüge, die Vertreter der „Style“-Fraktion bei Windows Mobile 6.5 zurecht vermisst haben.

Windows Phone 7 Homescreen auf dem HTC Mozart
Windows Phone 7 Homescreen auf dem HTC Mozart

Als grundsätzliches Paradigma in der Bedienung dient dabei ein System von Rechtecken, von denen jeweils zwei nebeneinander platzierte in einer vertikalen Reihe den Homescreen bilden. Anders als beispielsweise bei Android führt man bei Windows Phone 7 Fingerwischbewegungen somit nicht primär zur Seite, sondern am häufigsten nach unten aus. Die Länge dieses zentralen Screens bestimmt der Nutzer selbst, indem er favorisierte Tiles (dazu gleich mehr), Kontakte oder Anwendungen hinzufügt oder aber selten benötigte entfernt. Per Fingerwisch nach rechts lässt sich zudem in eine klassischere Ansicht wechseln, in der – abermals in vertikaler Anordnung – alle verfügbaren Anwendungen sowie der Zugriff auf die Einstellungen gelistet werden. An eine solche Aufteilung muss man sich zunächst gewöhnen, da statt frei-individualisierbarer, multipler Homescreens bei Windows Phone 7 eben „nur“ ein Homescreen und eine Anwendungsübersicht zur Verfügung steht; hierbei handelt es sich jedoch nicht um ein objektiv schlechteres oder besseres sondern um ein anderes Bedienprinzip, das je nach individuellen Präferenzen durchaus das Potential hat, gegenüber der großen Konkurrenz aufzutrumpfen.

Bei den besagten Kacheln handelt es sich um die sogenannten „Live Tiles“, in denen auf dem Homescreen dynamisch wechselnde Informationen zu Rubriken wie „Kontakte“ oder „Spiele“ angezeigt werden. Ein Aufruf eines Tiles führt wiederum in das zugehörige „Hub“, durch das horizontal per Fingerwisch durchgescrollt werden kann und in dem sich alle Informationen bzw. Anwendungen zu dem Thema des jeweiligen Hubs finden – ein ansprechendes, gut durchdachtes System, das im Vergleich zur teils katastrophalen Zielfindung beim Vorgänger wie eine kleine Offenbarung wirkt.

Die Tiles sind insofern dynamisch, als dass die dargestellten Informationen von Zeit zu Zeit wechseln. Um die Funktionsweise an einem konkreten Beispiel zu verdeutlichen, bietet sich der „Kontakte“-Tiles an: Auf dem Homescreen werden hier unterschiedliche Bilder von Kontakten aus dem Telefonbuch oder aus Facebook angezeigt. Ruft man das dazugehörig Hub auf, so kann man sowohl auf das Telefonbuch als auch auf die integrierte Facebook-App zugreifen. In dieser Hinsicht handelt es sich bei den Tiles also eher um Spielereien, welche die Darstellung des Homescreens in Bewegung halten. In anderen Fällen hat das Ganze aber auch sehr sinnvolle Eigenschaften, vor allem dann, wenn entgangene Anrufe, SMS und insbesondere E-Mails im jeweiligen Tiles kenntlich gemacht werden – eine elegante Art, den Nutzer stets auf dem neuesten Stand zu halten.

Weitere Eindrücke von der WP-7-Oberfläche

Etwas gewöhnungsbedürftig ist dagegen die bereits im Vorfeld diskutierte Zerstückelung von Hubs und Anwendungen. „Style“ geht hier offensichtlich vor „Usability“: Rubriken, aber eben auch Anwendungen werden in Anlehnung an ein Buch in Abschnitte unterteilt, wobei der Nutzer per Fingerwisch durch die einzelnen Bereiche scrollen kann. Eine solche Visualisierung führt nicht nur zu abgeschnittenen Rubriknamen à la „Anwend“ für „Anwendungen“ und damit zu manchen Irritationen, sondern sorgt zum Teil auch zu asymmetrisch wirkenden Apps – eine Funktionalität, die für alle konservativen Liebhaber klarer Darstellungen zumindest eine längere Eingewöhnungszeit notwendig macht.

Trotz dieses sicher diskussionswürdigen Punktes macht Windows Phone 7 dank eines ansehnlichen, flüssigen Äußeren und dank einer gut durchdachten Struktur einen ordentlichen Eindruck. Ob sich dieser auch im Rahmen einer detaillierteren Betrachtung bestätigt und inwieweit die ersten entdeckten Kinderkrankheiten tatsächlich schwer wiegen, wird wie erwähnt der demnächst erscheinende, ausführliche WP-7-Test von ComputerBase zeigen.

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