2/3 Tron Evolution im Test : Mit dem Kinofilm vernetzt und trotzdem nur das Spiel zum Film

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TE auf einen Blick

Um den besagten Brückenschlag meistern zu können, muss die Handlung von „Tron Evolution“ mit jener der verfilmten Brüder verwoben werden. Dazu lassen die Macher den Spieler in „Tron Evolution“ in die Rolle des neuen Systemwächters Anon schlüpfen – eine schweigsame Quasi-Helden-Perspektive, aus der man fortan im Verlauf der Einzelspieler-Kampagne erfahren kann, was nach „Tron“ und vor „Tron: Legacy“ mit dem Protagonisten der Geschichte, Kevin Flynn (im Film: Jeff Bridges), sowie der virtuellen, „Grid“ genannten Welt so alles geschah.

Alte und neue Bekannte in „Tron Evolution“

Den Rahmen für die Handlung stellt also eine virtuelle Welt dar, in der zumeist in menschlicher Form dargestellte Programme ein Eigenleben entwickelt haben und – ebenfalls höchst menschlich – um die Vorherrschaft kämpfen. Dabei handelt es sich um ein System, das Flynn im ersten Film als eine Art Administrator von Außen bereits gemeinsam mit einem mächtigen Programm namens Tron vor einer großen Gefahr retten musste. Und auch im Spiel „Tron Evolution“ (TE) muss natürlich das Böse abgewendet werden: Die neue Gefahr heißt Abraxas, ein an Darth Vader und „Herr der Ringe“ erinnerndes Virus, das selbstredend keine guten Dinge im Schilde führt und dessen Befallungspläne fortan nur noch von Anon gestoppt werden können. Allzu viele radikale Storywendungen darf man dabei zwar nicht erwarten, doch reicht das interessante Setting durchaus aus, um Freunde von Cyber-Umgebungen bei der Fahnenstange zu halten.

TE-Antagonist Abraxas
TE-Antagonist Abraxas

Das Missionsdesign fällt dagegen überraschend eintönig aus. Auch wenn das eben beschriebene Setting von „Tron Evolution“ grundsätzlich jede Menge Möglichkeiten zur Implementierung von neuen Ideen bietet, wird man doch – von einigen Ausnahmen abgesehen – mit ziemlich gängiger Kost bedient. So gilt es eigentlich stets, Anon möglichst unfallfrei in Third-Person-Perspektive von A nach B zu bewegen, wo dann eine bestimmte Anzahl von Gegnern zu einem Kampf einlädt. TE ist dabei ultra-linear und räumlich auf äußerst kleine Areale beschränkt, was aufgrund des Settings – eine virtuelle Welt ohne Schnickschnack – auch in Ordnung geht.

Wer Geschicklichkeit bei Action-Spielen liebt, dürfte sich trotz der gleich zu behandelnden Probleme bei der Steuerung durchaus über die Parcours-ähnlichen Einlagen im Missionsdesign freuen; die Kampfsequenzen sorgen jedoch spätestens aufgrund ihrer Redundanz und der mäßig kreativen Kampfweise der Gegner nach der ersten Spielstunde für lange Gesichter. Für eine angenehme Auflockerung sorgen dafür die nicht spektakulären aber doch gut gelungenen Fahrzeug-Sequenzen, bei denen man auf einem futuristischen, für „Tron“ typischen Licht-Motorrad oder am Steuer eines Panzers Platz nehmen darf.

Mit den Kampfsequenzen lässt sich leider einer der Kernaspekte von TE kritisieren – ein Umstand, der näher ausgeführt werden muss. Der Grund für die Kritik ist, dass dem Spieler in dieser Hinsicht schlicht zu wenig Abwechslung geboten wird. Zwar lässt sich die Ausrüstung von Anon (und hier insbesondere die Hauptwaffe in Form eines virtuellen Diskus') immer mal wieder an Terminals aufmotzen und auch die Anzahl und der Schwierigkeitsgrad der Gegner geht in Ordnung; doch kann die Mischung aus Ausweichen und Diskusschleudern auf Dauer nicht so recht bei der Stange halten. Besonders motivierte Zeitgenossen haben dabei immerhin die Möglichkeit, nette Kombinationen zu erlernen, sodass eine Attacke mit dem Diskus mit einem ansehnlich in Szene gesetzten Faustschlag oder einem Angriff aus der Luft kombiniert werden kann. Dies wird aber erst im höchsten der drei Schwierigkeitsgrade wirklich notwendig – vorher kommt man auch mit ziemlich planlosem „hack & slay“ ohne Probleme durch.

Kombos lockern das Steuerungseinerlei auf
Kombos lockern das Steuerungseinerlei auf

Hinzukommt, dass die Steuerung ab und an mit einigen Ungenauigkeiten zu kämpfen hat, was insbesondere bei den ersten Parcours-Versuchen durchaus ins Gewicht fällt. Sind die ersten problematischen Minuten aber erst einmal gemeistert, kann die Umsetzung der Steuerung alles in allem überzeugen. Am deutlichsten wird dies in dem Umstand, dass man „Tron Evolution“ nach den besagten ersten, etwas frustrierenden Versuchen ohne Probleme recht komfortabel mit Maus und Tastatur durchspielen kann.

Grafisch bewegt sich „Tron Evolution“ auf einem angemessenen Niveau. Der Umgebung angepasst darf man aber keinesfalls einen echten Augenschmaus erwarten: Da TE in einer abstrakten, virtuellen Welt spielt, werden die Farbtöne – von wenigen Ausnahmen abgesehen – in einem entsprechend sterilen Gemisch aus Blau und Grau gehalten. Doch auch in einer solchen Welt hätte es nicht geschadet, wenn die Macher auf die Gestaltung der Abschnitte ein wenig mehr Zeit verwendet hätten – die Detailarmut scheint zumindest in manchen Abschnitten selbst für eine solche Erzählung dann doch etwas zu hoch. Ansehnlich fallen dagegen die spärlichen Spezial-Effekte sowie die Animation der kämpfenden Programme aus und auch die Nutzung des Diskus' weiß das Auge zeitweilig zu erfreuen. Auf unserem Testsystem lief der Titel bei vollen Details in einer Auflösung von 1.680 x 1.050 stets bei flüssigen Bilderraten, was wohl ein Nebeneffekt der manchmal etwas spärlichen visuellen Darbietung ist.

TE-Grafik: Nicht gerade detailreich
TE-Grafik: Nicht gerade detailreich

Für all' jene, die nach dem Absolvieren des Einzelspielers noch weitere Stunden in der „Tron“-Welt verbringen möchten, bietet das Spiel zudem einen rudimentären aber gut funktionierenden Multiplayer. Hier treffen bis zu zehn Spieler in zwei Modi (Deathmatch und Motorrad-Rennen) auf vier Maps aufeinander – wer mehr Level möchte, wird zur Kasse gebeten, denn hierbei handelt es sich um kostenpflichtige Download-Inhalte.

Kopierschutztechnisch kommt übrigens das viel diskutierte SecuROM zum Einsatz, was einige Spieler aufschrecken dürfte. Das Spiel wird am Ende der Installation automatisch online aktiviert, während der Installation wird deshalb eine aktive Internetverbindung benötigt. Um Speichern zu können, wird außerdem ein kostenloser „Games for Windows Live“-Account benötigt. Wer das Spiel weiterverkaufen möchte, kann die aktivierte Lizenz jederzeit deaktivieren.

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