2/4 IFA 2011 : Revolution und Innovation? Kapitulation!

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Sasan Abdi

Eigentlich konnte man von der IFA 2011 aus Smartphone- und Tablet-Perspektive auf den ersten Blick nicht allzu viel erwarten, denn dazu hatte die Luft im Frühjahr bzw. frühen Sommer schon zu sehr gebrannt: Zahlreiche Hersteller hatten ihre im Rahmen des Mobile World Congress 2011 im Februar getätigten Ankündigungen mittlerweile auf den Markt gebracht, sodass das Pulver zunächst einmal weitgehend verschossen schien. Zudem ist der thematische Fokus der IFA traditionell weitaus breiter als auf anderen Messen, sodass der Ankündigungsdruck hier für viele der entsprechenden Hersteller geringer ausfallen dürfte.

Allerdings muss man zugeben, dass eine solche Sicht wohl ein wenig unterschätzt hat, wie sehr das Segment aktuell boomt. Die schiere Masse der mittlerweile aktiven Hersteller und das anstehenden Weihnachtsgeschäft führten dazu, dass die IFA auch in puncto Smartphones und Tablets einiges zu bieten hatte.

Sucht man dabei nach Trends, so lässt sich zunächst feststellen, dass nahezu alle involvierten Hersteller mittlerweile über ein mehr oder weniger breites Portfolio verfügen: Ob Acer, LG, Toshiba, Samsung, Sony Ericsson bzw. Sony oder HTC – überall findet man sowohl die eine wie auch die andere Geräteart vor. Dies bedeutet zugleich, dass es auf dem umkämpften Markt immer enger wird, wobei die immer kürzeren Ankündigungszyklen bei nur kleinen Innovationssprüngen zu einer sich immer weiter angleichenden Produktpalette führen. Für den potentiellen Käufer wird es so immer schwieriger, den Überblick zu behalten und effektiv zu einer Entscheidung zu kommen.

Umso wichtiger werden in der Zukunft die schon jetzt so raren Alleinstellungsmerkmale sein. Dies äußert sich in der Gegenwart in Details wie dem Versuch, das aktuell dünnste Gerät anzubieten (Toshiba schlägt mit seinem AT200-Tablet in genau diese Kerbe). Auch Sonys eigenwilliges Design für die Tablets P und S ist in diesem Lichte zu sehen, was den Schluss zulässt, dass in Zukunft bei nahezu identischen Spezifikationen auch das Design und die damit zusammenhängenden Aspekte wie der Formfaktor und die Proportionen zu einem immer wichtigeren Kriterium werden. Zudem wird auch das softwareseitige Angebot – Betriebssystem samt Modifikationen und Ökosystem – für die Abgrenzung von der Konkurrenz immer relevanter werden, was erklärt, warum die meisten Hersteller in dieser Hinsicht ganz offensichtlich einige Ressourcen investieren.

Ausprobiert: Samsung Galaxy Note

Samsung Galaxy Note: Schließt die Lücke zwischen Smartphone und Tablet

Dieser Umstand sowie die beschriebene Enge im Markt schlagen bereits jetzt auf die Produkte durch. So ist zu erklären, dass man neben diversen unterschiedlichen UI-Ansätzen und Service-Angeboten auch bei den Display-Größen von 2.x-Zoll bis hoch zu 10.2-Zoll mittlerweile alle Größen und Formen unter den Smartphones und Tablets vorfindet. Bezeichnend ist dabei, dass die vormals vorhandene Lücke zwischen den Gerätearten von der einen Seite mit Geräten wie dem Dell Streak und neuerdings durch Samsungs Galaxy Note und von der anderen Seite von 7-Zoll-Tablets à la HTC Flyer und Samsung Tab 7.7 geschlossen wird. Auf eine Quintessenz gebracht bedeutet dies: Smartphones werden immer größer, Tablets immer kleiner, was für die Zukunft eine weitere Verschmelzung impliziert.

Trotz einiger Abgrenzungsversuche stellt sich mit Blick auf diesen Vorgang aber immer dringender die Frage, wie echte einzigartige Merkmale aussehen könnten, um aus der immer dichter werdenden Masse herauszustechen. Dazu bedürfte es grob gesprochen echter Innovation, die gegenwärtig allerdings wie geschildert nur in kleinen Schritten angestrebt wird, weswegen sich der Eindruck aufdrängt, dass sich viele Hersteller in der aktuellen Situation erstmal eingerichtet haben, ihre Claims auszuweiten suchen und im Hinterzimmer (hoffentlich) an den großen Highlights des kommenden Jahres schrauben. Genau diesen Umstand kann man jedenfalls beim Blick auf die präsentierten Geräte herleiten: Nur Markt-Newcomer wie Sony wagen selbst bei Details wie dem Design mal etwas Ausgefallenes, ansonsten bewegen sich die neuen Geräte ziemlich eindeutig in eher konventionellen Gefilden.

Fragt man vor diesem Hintergrund letztlich nach den persönlichen Highlights, so lautet die Antwort: Wirklich Bahnbrechendes habe ich nicht gesehen – dafür aber einige interessante Kandidaten, die zwar auch auf bereits Bestehendem aufbauen aber dennoch einen näheren Blick wert sein dürften. Zu diesen würde ich neben dem HTC Titan vor allem auch Samsungs Galaxy Note und Sonys Interpretationen eines gelungenen Tablets zählen, sodass mit Blick auf deren nahenden Veröffentlichungen schon für die nahe Zukunft gilt: Es bleibt spannend wenn auch nicht in höchstem Maße innovativ im Smartphone- und Tablet-Bereich.

Auf der nächsten Seite: Jirko Alex