3/4 Pro Evolution Soccer 2012 im Test : Eine Alternative für FIFA 12

, 60 Kommentare

PES 2012 auf einen Blick (Forts.)

Visuell hat sich leider wie angedeutet nicht allzu viel getan. In puncto Spielergesichter und -animation bewegt sich das neue PES zwar auf Augenhöhe mit der Konkurrenz aus dem Hause EA Sports – ansonsten fehlt der Präsentation aber der Pepp. Dementsprechend wirken Stadien nicht zuletzt wegen der schwach animierten Zuschauer häufig eher trist und an mancher Stelle fast schon verwaschen, was natürlich auf die Spielatmosphäre durchschlägt. Immerhin bringt die leichte grafische Überarbeitung im Vergleich zu den Vorgängern kleine Lichtblicke mit, die sich beispielsweise in an der Seitenlinie aktiven Trainern und ansehnlichen Wiederholungssequenzen äußern.

Doch nicht nur visuell, sondern auch soundtechnisch hinkt die diesjährige PES-Präsentation dem „FIFA 12“-Pendant hinterher. Zwar gefallen uns die Kommentare von Wolff Fuss und Hansi Küpper beim neuen PES etwas besser als bei der Konkurrenz – wirklich ansprechend ist die Leistung aber auch hier nicht. Gravierender ist die Zuschaueraktivität: Während PES 2012 auf dem Platz dynamisch ist, wirkt es bei Fangesängen und der sonstigen Geräuschkulisse eher wie eine Schlaftablette. „FIFA 12“ erreicht in dieser Hinsicht das Niveau einer Fernsehübertragung; PES 2012 wirkt daneben wie ein graues Mäuschen.

Spielergesichter in PES 2012
Spielergesichter in PES 2012

Verstärkt wird das Defizit bei der Präsentation natürlich auch durch die abermals fehlende Volllizenz, was zur Folge hat, dass längst nicht alle gängigen Vereine und Namen von Werk ab integriert sind. Wer beispielsweise gerne mit dem amtierenden deutschen Meister spielen möchte, wird sich zunächst über das Fehlen der Mannschaft ärgern. Allerdings ist es der nach wie vor sehr engagierten Community zu verdanken, dass man hier über kurz oder lang anderweitig Abhilfe erhalten kann. Dennoch gilt: Betrachtet man die Ausgangsversionen, so hat „FIFA“ in dieser Hinsicht wie jedes Jahr einen ordentlichen Bonus auf seiner Seite.

Dafür haben die PES-Macher noch mal ordentlich an der Physik geschraubt. Hervorzuheben sind in dieser Hinsicht vor allem zahlreiche neue Spielerbewegungen, die dank einer glaubhaften Kollisionsberechnung und Ballphysik zu einem flüssigeren und ansehnlicheren Spielablauf beitragen.

Allerdings büßt das neue „Pro Evolution Soccer“ gerade deshalb etwas Realismus und damit an alter Stärke ein, denn die neue Ballphysik erlaubt plötzlich Distanzschüsse, wie man sie zuvor nur aus „FIFA“ kannte. Diese gehen so einfach von der Hand, dass selbst Anfänger, einmal in die Nähe des Tores gelangt, beste Chancen haben, dem gegnerischen Torhüter zumindest eine Glanzparade abzuverlangen – und das insbesondere auch deshalb, weil es kein allzu großes Geschick mehr bedarf, um ein sattes Pfund in der richtigen Höhe auch aufs Tor zu platzieren. Das daraus resultierende, für PES nicht unbedingt typische Spielgefühl hängt ebenfalls mit der neuen Spieldynamik zusammen.

Eine explizite Erwähnung wert ist abseits davon auch die Steuerung, die über das gängige Grundschema hinaus ebenfalls eine Neuerung mit bringt. Beim Off-the-Ball-Feature handelt es sich um eine aus der „FIFA“-Reihe bekannte Funktion, über die man kurzzeitig gleich zwei Spieler steuern kann. Damals wie heute dürften sich die meisten Spieler durch die eine von zwei damit verbundenen Möglichkeiten – zusätzlich zum ballführenden Spieler mittels des rechten Sticks einen zweiten Spieler kontrollieren – überfordert fühlen; die zweite Möglichkeit, bei der man über den besagten Stick einen KI-Mitspieler in einen offenen Raumen rennen lässt, entpuppt sich aber als solide implementierte Funktion, die neue Möglichkeiten eröffnet und mit ein wenig Übung für einige Verwirrung in der gegnerischen Defensivabteilung sorgen kann.

Und selbst wenn einem die zweite Option zu kompliziert erscheint, bringt Off-the-Ball den Vorteil mit, bei Standards den Spieler zu wechseln und einen KI-Mitspieler ausführen zu lassen, sodass sich sagen lässt: Die Funktion ist nur bedingt bahnbrechend, sorgt dank einer ordentlichen Implementierung aber für ein Mehr an Möglichkeiten.

Auf der nächsten Seite: Fazit